Warten auf den nächsten GAU

Foto: D. Markosian, Public Domain

Die Dummheit stirbt zuletzt

Heute jährt sich die Katastrophe von Tschernobyl. Gelegenheit und Mahnung zugleich, zu fragen was seither getan wurde, um ähnliche Vorfälle zu verhindern. Dr. Michael Berndt, Themenbeauftragter für Energiepolitik und niedersächsischer Spitzenkandidat zur Bundestagswahl 2017, zieht ein ernüchterndes Fazit:

Warten wir also weiter auf den nächsten „Größten anzunehmenden atomaren Unfall“, den nächsten Atom-GAU.
Weltweit sind allein 435 Atomkraftwerke (AKW) am Netz. Und Unfälle in kerntechnischen Anlagen ereignen sich in schöner, zeitlicher Regelmäßigkeit. Nur die Schwersten seien hier aufgezählt:

  • 1957: Kyschtym-Unfall in der kerntechnischen Anlage Majak (Sowjetunion),
  • 1957: Unfall in der Wiederaufbereitungsanlage in Windscale, – später umbenannt in Sellafield (Großbritannien)
  • 1959: Teil-Kernschmelze im AKW in Simi Valley im Santa Susana Field Laboratory (USA)
  • 1977: Teil-Kernschmelze im AKW Belojarsk (Sowjetunion)
  • 1979: Teil-Kernschmelze im AKW „Three Mile Island“ bei Harrisburg (USA)
  • 1982: Unfall in Block 1 des AKW in Tschernobyl (Ukraine)
  • 1986: Kernschmelze in Block 4 des AKW in Tschernobyl (Ukraine)
  • 1999: Unfall in der Brennelemente-Fabrik in Tokaimura (Japan)
  • 2011: Kernschmelze in mehreren Blöcken des AKW in Fukushima (Japan)

Eines der aktivsten Erdbebengebiete der Welt liegt an der Westküste der USA. Dort treffen die nordamerikanische Kontinentalplatte und die pazifische Platte aufeinander. 1906 wurde fast ganz San Francisco von einem verheerenden Beben zerstört und im Jahr 1989 ereignete sich in der Bucht von San Francisco das Loma-Prieta-Erdbeben mit einer Stärke von 7,1 Magnitudenskala. Laut Betreiber soll das Atomkraftwerk Diablo Canyon, das in diesem Gebiet liegt, durch die Nachrüstung einem Erdbeben bis zu einer Stärke von 7,5 auf dieser Skala widerstehen.  Erst im Jahr 2025 soll es stillgelegt werden.

Viele AKWs stehen weltweit in Erdbebengebieten; auch die türkische Regierung zeigt eine kaum zu übertreffende Sorglosigkeit: Im April 2015 wurde der Grundstein für das erste türkische Atomkraftwerk in Akkuyu gelegt, etwa 25 Kilometer entfernt vom seismischen Zentrum des sogenannten Ecemis-Grabens. Weltweit befinden sich 72 AKWs im Bau und 174 wurden beantragt.

Nicht nur, dass erneuerbare Energieträger wie Sonne, Wind oder Erdwärme im Überfluss vorhanden sind. Nicht nur, dass schon lange Technologien existieren, um mit ihnen Strom oder Wärme zu produzieren, genauso wie die Technologien zur langfristigen Speicherung von Strom und Wärme. Die volkswirtschaftlichen Kosten für ihren Einsatz sind nur ein Bruchteil von denen der atomaren Stromerzeugung.

Aber: Die Dummheit stirbt halt zuletzt.


Kommentare

Ein Kommentar zu Warten auf den nächsten GAU

  1. derfla schrieb am

    Schön wäre es wenn man wüsste wie viel Menschen jeweils bei den genannten Vorfällen zu Tode gekommen sind. Wir reden hier über einen Zeitraum von über vierzig Jahren. Wenn man unnötige Risiken vermeidet ist es natürlich gut und richtig. Das gilt aber allgemein für Risiken. Woran sind denn in den letzten 40 Jahren sonst noch Menschen gestorben ? In Ruanda ? In Bosnien ? Im Irak ?
    in Syrien, im Sudan ? Ich könnte noch viiiiel mehr. Wie viel waren das ? Z.B. in Bosnien ? Was war dort und in den anderen von mir genannten Beispielen ein wesentlicher Grund für den gewaltsamen, brutalen Tod ?
    Dieses Risiko sehen wir aber nicht ? Wir suchen es geradezu ? Weil es uns nützt ? Oder warum ? Viele unserer Nachbarn sehen das übrigens ganz anders. Die haben keine Angst vor Atomenergie, die fürchten religiöse / ethnische Konflikte.
    Wind und Sonne kosten nichts…gilt das noch ?
    MfG

Es können keine neuen Kommentare mehr abgegeben werden.