PIRATEN wollen digitale Sendervielfalt statt analogem UKW-Radio

Bild: CC-BY Martin fisch

### Presse-Service der Piratenpartei Deutschland ### Berlin, den 20. Juli 2016 PM 131 / 16

+++ PIRATEN wollen digitale Sendervielfalt statt analogem UKW-Radio +++

Das Digitalradio (DAB+) führt in Deutschland trotz stetig wachsender Geräteanzahl immer noch ein Schattendasein. DAB steht für „Digital Audio Broadcasting“, die digitale Verbreitung von Audiosignalen über Antenne. Das „+“ bezeichnet den aktuellen Entwicklungsstand, steht für eine Übertragung in bester Tonqualität, programmbegleitende Zusatzinformationen wie Verkehrsdaten, Wetterkarten, Titel und Interpret, Albumcover oder die aktuellen Nachrichtenschlagzeilen.

Auch verschiedene Navigationssysteme profierten von DAB+, da der Digitalstandard Daten viel schneller übertragen kann als TMC via UKW. DAB+ ist grundsätzlich günstiger und umweltfreundlicher zu betreiben als UKW, da die hohe UKW-Sendestrahlung mittelfristig abgebaut wird, wenn man die analogen Frequenzen durch strahlungsärmere Digitalfrequenzen ersetzt. DAB+ steht aber auch für Vielfalt im Radiomarkt. Statt nur regional begrenzte UKW-Programme zu empfangen, können Hörer jetzt ihren Lieblingssender bundesweit auf der gleichen Frequenz hören. Ein Sendersuchlauf ist nicht mehr erforderlich. Mittlerweile ist das DAB+ Sendenetz in Deutschland nahezu flächendeckend ausgebaut.

Jörg Arweiler, politischer Geschäftsführer der Piratenpartei Saarland, kritisiert die zögerliche Haltung des Gesetzgebers bei der Förderung moderner Radiotechnologien und möchte Ausbau und Verbreitung des Digitalradios weiter vorantreiben:

»Die Schweiz ist Deutschland, was Ausbau und Verbreitung angeht, deutlich voraus. Dort wurde das Ende der UKW-Ausstrahlung für 2024 bereits rechtlich verbindlich festgelegt. Was in unserem Nachbarland möglich ist, ist in Deutschland noch in sehr weiter Ferne. Denn viele UKW-Radiosender möchten ihren exklusiven Sendebereich nicht mit der Konkurrenz teilen. Da UKW-Frequenzen eng begrenzt sind, kann man sich so Sendemonopole in bestimmten Gebieten auf unbestimmte Zeit sichern. Es ist daher nachvollziehbar, warum große Radiobetreiber kein Interesse an einer Digitalisierung haben. Wir PIRATEN stehen für freie Medien und Märkte. Daher ist es sinnvoll, die letzten Monopole im UKW-Radiomarkt aufzubrechen und auf eine konsequente Digitalisierung dieses Marktes zu setzen. Während das digitale Fernsehen bereits Standard ist, setzt man beim Radio weiter auf Technologie aus dem letzten Jahrtausend, nur um eigene Sendegebiete vor der Konkurrenz zu schützen. Erst wenn ein Ende der UKW-Ära definitiv feststeht, ist der Weg für ein modernes und vielfältiges Radioangebot in Deutschland frei.«

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Kommentare

9 Kommentare zu PIRATEN wollen digitale Sendervielfalt statt analogem UKW-Radio

  1. Bernd schrieb am

    Peinlich – scheinbar ahnungslos was Störsicherheit im Krisenfall bedeutet, wie anfällig digitale Technik ist, wie kurzlebig sie ist und auch, dass die Frequenzaufteilung international erfolgen muss (ITU). Ach ja, Länder auf Kontinenten wie dem afrikanischen haben da aus guten Gründen ganz andere Gedanken und Zeitpläne bzgl Digitalisierung… über die letzte Konferenz und mehr findet ihr hier http://www.itu.int/en/ITU-R/conferences/wrc/2015/Pages/default.aspx

  2. Christian Schubert schrieb am

    Liebe Piraten,

    bitte künftig _vor_ dem Erstellen solcher Bekundungen / Positionspapieren wie diesem hier zum Thema DAB erst einmal informieren über die bereits gelebte DAB-Realität und das, was auf DAB künftig zu erwarten wäre.

    > steht für eine Übertragung in bester Tonqualität

    Das ist möglich, wenn entsprechend viele Capacity Units (CU) vom Programmanbieter angemietet werden, um eine hohe Audiobitrate bei gleichzeitig hohem Fehlerschutz-Level zu erreichen. Die Realität zeigt aber ganz deutlich: es wird von den Öffentlich-Rechtlichen teils schon nicht gemacht und von den Privaten generell nicht. Um mit dem AAC-Codec anständige Audioqualität zu erreichen, sind bei sauberem (!) Quellsignal mindestens 96 kbps HE-AAC (Untergrenze, noch mit deutlich hörbarer Beeinträchtigung durch die Datenreduktion, vor allem durch die Spektralbandreplikation, die als absolut künstlich erkennbare „Pseudo-Höhen“ erzeugt) notwendig. Um die Klangqualität eines ordentlichen UKW-Empfangs zu erreichen, benötigt man eher sogar 112 kbps. Das bietet Deutschlandradio Kultur und erreicht damit eine Qualität, mit der man den Übergang UKW->DAB schmerzfrei gestalten kann. Einige wenige ARD-Kulturwellen bieten noch höhere Bitrate (144 kbps LC-AAC beispielsweise) und können dann auch angemessen gut klingen – so die Empfangsgeräte LC-AAC-tauglich sind, was leider durch massenhaft im Umlauf befindliche verbuggte Empfangsgeräte auch nicht der Fall ist.

    Die Realität für den Großteil der Programme sieht aber so aus: mickrige Bitraten zwischen 64 und 88 kbps, ein gruselig rauher, angekratzter und mit grellen Höhen angereicherter Klang – UKW klingt teils um Lichtjahre besser. Das ist kein Grundproblem von DAB+, sondern eine Folge der technisch möglichen Flexibilität bei der Bitratenzuweisung, die gemäß „Geiz ist geil“ zur schlechtmöglichsten Audioqualität führt, was bei UKW nicht in diesem Maße möglich war. Hinzu kommt eine „Erblast“ von UKW, die auch auf UKW nicht nötig wäre, auf DAB aber endgültig zum Ruin führt: je übler das Signal für UKW „vorbehandelt“ wird (Soundprocessing), umso schauderhafter das Ergebnis auf DAB.

    Wer DAB fordert, fordert leider letztlich auch einen Rückschritt in der Audioqualität auf ein Level, das man in den 1960er Jahren (Einführung UKW-Stereorundfunk) überwunden hatte und für das sich damalige Hörfunktechniker in Grund und Boden geschämt hätten.

    > programmbegleitende Zusatzinformationen wie Verkehrsdaten, Wetterkarten,
    > Titel und Interpret, Albumcover oder die aktuellen Nachrichtenschlagzeilen.

    Verkehrsdaten liefert UKW an alle sich aktualisierenden Navigationsgeräte via TMC. Die Abschaltung von UKW würde damit auch den Austausch eines Großteils der Navigationsgeräte bedeuten.

    Titel und Interpret liefern fast alle UKW-Programme mittels RDS-Radiotext; einige Programme (darunter mit dem hr auch eine öffentlich-rechtliche Anstalt) mißbrauchen dafür sogar die laut RDS-Spezifikation als statisch vorgesehene Programmnamenkennung (RDS-PS). Titel- und Interpretenanzeige gibt es also bereits seit vielen Jahren auf UKW – wie kommen Sie auf die absurde Idee, es als pro-DAB-Argument darzustellen?

    Die aktuellen Nachrichtenschlagzeilen lassen sich natürlich ebenso im RDS-Radiotext auf UKW darstellen. Der Bayerische Rundfunk tut dies – teils nahezu synchron zum Vorlesen der Meldung durch den Nachrichtensprecher. Anstalten, die es nicht tun, sind einfach zu faul, sich mit dem Stiefkind „Radio“ zu befassen.

    Wetterkarten, Albumcover oder gezeichnete Bildchen von kleinen Affen (D-Radio Wissen) als vermatschte JPG-„Briefmarken“ sind nun auch nicht sooo das große Argument pro DAB und auch bei weitem nicht mit allen Empfangsgeräten darstellbar. Oft weisen die aus den üblichen Chipsatz-Baukästen zusammengefrickelten DAB-Empfangs-Seifendosen nur alphanumerische Mager-Displays auf.

    > Auch verschiedene Navigationssysteme profierten von DAB+, da der Digitalstandard
    > Daten viel schneller übertragen kann als TMC via UKW.

    Ein Großteil der Navigationsgeräte wäre aber ohne UKW schlicht wertlos. Auch ein Großteil der heute noch verkauften. Das bitte nicht verschweigen!

    > DAB+ ist grundsätzlich günstiger und umweltfreundlicher zu betreiben als UKW,
    > da die hohe UKW-Sendestrahlung mittelfristig abgebaut wird, wenn man die analogen
    > Frequenzen durch strahlungsärmere Digitalfrequenzen ersetzt.

    Was für haarsträubend unphysikalische Forumlierungen! Funkwellen sind immer „analog“, nur die auf sie modulierten Daten können digital sein. „Analog“ und „digital“ entspricht auch nicht „strahlungsarm“ oder nicht. Entscheidend ist die Leistungsaufnahme des Senders und das damit versorgte Gebiet. Auch UKW-Sender erreichen heute enorme Effizienzwerte.

    Dennoch hat DAB einen deutlichen Vorteil aufgrund der Bündelung der Programme zu Paketen und den Systemgewinn durch die in weiten Bereichen der Empfangsqualität noch problemlos zu decodierenden Digitalsignale. Grob überschlagen kommt man mit vielleicht 20 kW ERP bei DAB (10 kW ist das maximale, was in Deutschland genutzt wird) auf die Reichweite, die 100 kW ERP auf UKW entspricht. Man kann aber über dieses DAB-Paket in UKW-vergleichbarer Qualität ca. 6 Programme (DAB, 192 kbps MP2) bzw. ca. 10 Programme (DAB+, 112 kbps HE-AAC – 144 kbps LC-AAC) übertragen, die Leistung teilt sich also auf die Programme auf.

    Diese Betrachtungen gelten für Einzelstandorte. DAB wird aber üblicherweise in Gleichwellennetzen betrieben, die zur Wahrung des Guard-Intervalls ein GPS-synchronisiertes, engmaschigeres Sendernetz benötigen. Damit verschieben sich die Verhältnisse wieder etwas, bleiben aber auch eindeutig zugunsten von DAB.

    Völlig unbeachtet bleibt dabei aber die millionenfach betriebene Empfängerseite. Und da sind DAB-Empfänger deutlich leistungshungriger als einfache UKW-Geräte. Hier ist vor allem ein wesentlich größerer Anfall an leeren Batterien (Sondermüll mit wertvollen Rohstoffen) zu befürchten.

    Aufgrund der Synchronisation in Gleichwellennetzen ist DAB abhängig von der Infrastruktur des GPS. In Kriegs- und Krisenzeiten kann darauf nicht gesetzt werden. Verliert das Gleichwellennetz die Synchronisation, bricht seine Flächenabdeckung ein und man hat nur noch in den Kernzonen um die Senderstandorte herum stabilen Empfang. DAB ist damit deutlich fragiler als UKW, das heute bereits aufgrund der nun oft IP-basierten Signalzuführung deutlich fragiler ist, als es in den 1950er-1980er Jahren war.

    Der größte Witz ihrer Verlautbarung kommt aber noch:

    > DAB+ steht aber auch für Vielfalt im Radiomarkt. Statt nur regional begrenzte UKW-Programme
    > zu empfangen, können Hörer jetzt ihren Lieblingssender bundesweit auf der gleichen Frequenz
    > hören.

    So ein Quatsch, zumindest in dieser pauschalen Form!

    Bundesweit sind nur die Programme des „Bundesmux“ auf Kanal 5C zu empfangen. Dort werden mit Deutschlandfunk und D-Radio Kultur tatsächlich zwei sehr bzw. zeitweise gehaltvolle Programme ausgestrahlt. Das ist ein echter Vorteil für DAB. Schon D-Radio Wissen ist weitgehend nur noch Pop-Funk, der sich einen pseudointellektuellen Anstrich geben will. Der ganze Rest im „Bundesmux“ ist Programm-Müll der Privaten, dort werden die billigen Lala-Radiohits genauso gedudelt wie auf den regionalen UKW-Ketten, nur in klanglich oft schauderhafter Qualität. Dazu brauche zumindest ich kein DAB! Der Mehrweirt dieser Angebote ist gleich Null, wenn man anspruchsvoller Radiohörer ist.

    Einen Mehrwert hätte das System für mich, könnte ich damit bundesweit Bayern 2 empfangen. Doch das gibt es freilich nur in Bayern zzgl. der Randgebiete und witzigerweise in Berlin (Sonderstatus, andere ARD-Anstalten zu Gast im DAB-Angebot des RBB, womit man immerhin in der Hauptstadt ein Programm mit „Referenzcharakter“ terrestrisch hören kann). Mitten in Mitteldeutschland bekäme ich auf DAB auch nichts, was ich mir anhören würde und nicht auf UKW bekäme (nämlich letztlich den DLF und etws eingeschränkt Deutschlandradio Kultur und ggf. MDR Kultur).

    Wenn Sie „Vielfalt“ mit „viele gleichklingende Pop-Dudler“ übersetzen wollen, dann schreiben Sie das bitte künftig auch so. Vielfalt im Sinne von „hochwertiger Inhalt, möglichst umfassende Abdeckung des kulturellen Geschehens, Befriedigung auch der Bedürfnisse kultureller und intellektueller Minderheiten“ ist etwas anderes als das, was DAB bietet. Und mit Sicherheit auch etwas anderes, als DAB bei Vollausbau bieten wird.

    Mit Ausnahme des Bayerischen Rundfunks kann ich keine Ansätze in eine bessere Richtung erkennen, im Gegenteil: die ARD richtet derzeit zielstrebig die noch verbliebenen hochwertigen Hörfunkangebote regelrecht hin (WDR!!!). Ob das dabei entstehende Elend dann via DAB oder via UKW verbreitet wird, ist zweitrangig.

    > Mittlerweile ist das DAB+ Sendenetz in Deutschland nahezu flächendeckend ausgebaut.

    Erzählen Sie das bitte nicht den Menschen, die in großen Gebieten z.B. Nordostdeutschlands leben und keinerlei DAB-Empfang haben. Und selbst wenn sie hätten: das Programmangebot wäre nicht wesentlich attraktiver.

    > »Die Schweiz ist Deutschland, was Ausbau und Verbreitung angeht, deutlich voraus.
    > Dort wurde das Ende der UKW-Ausstrahlung für 2024 bereits rechtlich verbindlich festgelegt.

    Eine rechtliche Festsetzung des UKW-Abschaltdatums wurde in Sachsen und Sachsen-Anhalt auch bereits ins Gesetz aufgenommen – Abschalttermin war 2010. Hätte man die Abschaltung vollzogen, wäre geschätzt 90% der Radionutzung in diesen Bundesländern weggebrochen, also strich man die Passagen leise wieder aus den Gesetzen, als der Termin bevorstand. Auch mit Wissen um diesen Termin hat die Bevölkerung nicht in DAB-Empfangsgeräte (damals noch DAB in MP2, heute außer im Saarland in Deutschland völlig unbenutzbar – massenhafte Technik-Entwertung und Ressourcenvernichtung) investiert. Ein gesetzlicher Zwang verhindert also auch nicht, daß die Bevölkerungsmehrheit mit UKW zufrieden ist und in DAB keinen derartigen Zugewinn an irgendetwas sieht, daß sie investiert hätte.

    Und in der Schweiz wird eindrucksvoll gezeigt, welch hundserbärmliche Klangqualität einen mit DAB erwarten wird. Das Kulturprogramm mit 96 kbps HE-AAC, die Pop- und Unterhaltungswellen mit 72 bis 80 kbps HE-AAC, die Privaten nur in 64 kbps HE-AAC. Das lasse ich als Diktiergerätequalität gelten, nicht aber als UKW-Ersatz.

    > Wir PIRATEN stehen für freie Medien und Märkte. Daher ist es sinnvoll, die letzten
    > Monopole im UKW-Radiomarkt aufzubrechen und auf eine konsequente Digitalisierung
    > dieses Marktes zu setzen.

    Bitte nicht vergessen, daß es beim Rundfunk nicht nur um „Märkte“ geht. Es geht auch um die notwendigen Dinge, die über das Gemeingut „Rundfunk“ vermittelt werden müssen. Ob nun in jeder Region 3, 5, 10 oder 20 inhaltlich identische Popdudel-Nullnummern empfangbar sind, ändert am Mangel an relevantem Programm nichts. Die Hoffnung auf eine hochwertigere, vielfältigere Rundfunklandschaft durch DAB ist naiv und illusorisch. Die einzigen, von denen mehr Qualität erwartbar sein sollte, sind die öffentlich-rechtlichen Anstalten, die jedoch zunehmend nicht mehr gewillt sind, Qualität zu liefern. Daran ändert auch DAB nichts. Von den Privaten ist nichts zu erwarten, da deren Auftrag auch kein gesellschaftlicher, sondern ein unternehmerischer ist.

    > Während das digitale Fernsehen bereits Standard ist, setzt man beim Radio weiter auf
    > Technologie aus dem letzten Jahrtausend, nur um eigene Sendegebiete vor der Konkurrenz
    > zu schützen.

    Nein, nicht „nur“. Vor allem, um dem Nutzungsverhalten des Großteils der Rundfunkhörer gerecht zu werden. Wäre DAB so attraktiv, wie Sie glauben, daß es das ist, hätte UKW das gleiche Schicksal ereilt wie das analoge terrestrische Fernsehen: Bedeutungslosigkeit. Satelliten- und Kabelempfang (beides damals analog!) haben das terr. analoge Fernsehen bereits Mitte der 1990er Jahre ins Abseits geschoben. Die Abschaltung 2003-2008 war damit weitgehend unbemerkt von der Bevölkerung durchführbar. Bei UKW ist das anders, UKW ist vital wie eh und je. Hier abschalten zu wollen, ist ausschließlich unter dem Aspekt der „Technik-Geilheit“ nachvollziehbar, widerspricht aber den Erwartungen der Bevölkerungsmehrheit. Das ist auch im Jahre 2016 noch so.

    > Erst wenn ein Ende der UKW-Ära definitiv feststeht, ist der Weg für
    > ein modernes und vielfältiges Radioangebot in Deutschland frei.

    Noch einmal: woher nehmen Sie den Glauben, ein anderer Verbreitungsstandard brächte mehr Vielfalt? Die Vielfalt im deutschen Hörfunk war am höchsten, als es die Privaten noch gar nicht gab. Seit Beginn der 1990er Jahre schrumpft die Vielfalt mit Verweis auf vermeintliche Quotenzwänge bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten. Der erste empfindliche Schnitt war Übergang vom echten öffentlich-rechtlichen Rundfunk der unmittelbaren Nachwendezeit in Ostdeutschland zum MDR (womit sich das Thema „anspruchsvoller Rundfunk“ dort bereits 1992 erledigt hatte). Es folgten die Zerstörungen der Hörfunkangebote der anderen Anstalten, z.B. der des hr und nun der des WDR. Was sollte DAB daran ändern?

    Wenn Sie etwas wirklich sinnvolles fordern wollen, dann bitte die Abkehr vom Quotenzwang bei den Öffentlich-Rechtlichen, die Verbannung von Privatfunk-Kadern aus den Chefetagen der Öffentlich-Rechtlichen, das längst überfällige Werbeverbot bei den Öffentlich-Rechtlichen und die Einführung einer tatsächlich verbindlichen Pflicht, kulturell und journalistisch wertvolles Programm zu liefern. Damit wäre dem Rundfunk ein echter Dienst erwiesen.

    • Klaus Welter schrieb am

      Werter Kommentator Schubert,
      nur weil Sie seitenlang opponieren, meinen Sie vielleicht mit Ihrer Anti-DAB-Agitation beeindrucken zu können. Erkennbar für Fachleute ist, dass Sie fehlendes Wissen durch die Quantität Ihrer Worte ersetzen. Nur ein Beispiel: Sie halten Funk, egal ob analog oder digital genannt, vom Prinzip her allesamt für analog. Und sie beziehen sich auf die digitale Kompression, die auf der NF-Seite angewandt wird. Sie haben sich wohl noch nie mit orthogonalen Modulationen beschäftigt.
      Nun glauben Sie nicht, ich würde mir die Mühe machen, Ihren Vortrag zu Ihrer Freude im Einzelnen widerlegen zu wollen.
      Ich will mal feststellen, die Darstellung der Piratenpartei ist sachlich richtig und auch für ein Allgemeinpublikum griffig formuliert. Bestens!

  3. Gernot Köpke schrieb am

    Vielfalt muss nicht mit Qualität einhergehen. Je mehr Wettbewerber sich um einen gleichgroß bleibenden Kuchen zoffen, desto mehr wird „gespart“, allemal an der Qualität. Die Abhängigkeit von privaten Sponsoren und Werbepartnern, wie etwa in den USA, würde ich mir nicht unbedingt zum Vorbild nehmen wollen. Und dass Piraten blindlings für „freie Märkte“ in neoliberalem Stil stehen würden, ist mir neu. Es ist und bleibt wichtig, dass Medien nicht einseitig und total parteiisch berichten. Daher braucht es sinnvolle Einschränkungen und Begrenzungen, natürlich ohne Monopole aufrecht zu erhalten. An dem Punkt stimme ich überein.

  4. einPirat schrieb am

    Darf ich nach der Beschlussgrundlage für diesen Artikel fragen?

    Ich würde stattdessen vorschlagen DAB(+) abzuschalten (nutzt sowieso niemand) und die Frequenzen für IP-basierte Dienste zu nutzen, die sich mittelfristig sowieso durchsetzen werden. Dann kann sich jeder das Radioprogramm oder was auch immer streamen das ihm passt.
    UKW abzuschalten sollte möglichst lange herausgezögert werden, bis es tatsächlich vollständig von den IP-basierten Streams ersetzt werden kann. Zum einen funktioniert es nach wie vor gut, zum anderen gibt es zahllose Geräte mit UKW-Radio, angefangen von Autoradios über Radiowecker, Stereoanlagen und selbst modernste Android-Smartphones können teilweise noch UKW empfangen.

  5. DJHarty schrieb am

    Ich bin definitiv dafür DAB zu fördern. IP Radio ist zurzeit keine Alternative, den solange es eine so starke drosselung der Datenrate gibt, ist und bleibt DAB die einzige Alternative zu UKW, das ist nunmal so. Gerade NRW ist das ein UKW Stiefkind und profitiert besonders von DAB.

  6. Thomas Bennühr schrieb am

    Wir Piraten stehen für die Freiheit aller. Wir sind keine Verbotspartei.

    Die Forderung von Jörg Arweiler ist deshalb für mich persönlich absolut unverständlich und nicht nachvollziehbar.

    Es ist wie immer: Es wird Menschen geben, die Radiosender über DAB und welche, die sie über UKW oder übers Netz hören wollen.

    Es ist nicht die Aufgabe einer politischen Partei, schon gar nicht der Piratenpartei, sich anzumaßen, hier Vorgaben für die Menschen machen zu dürfen.

    Jörg Arweiler hat sich hier vergallopiert und sollte sich beim nächsten Statement daran orientieren, was wirklich wichtig ist.

    Nämlich die Freiheit eines Jeden, selber entscheiden zu dürfen.

    Auch dabei, welchen Radiosender man nun über welches Medium hören möchte.

    Wir schreiben ja auch niemandem vor, welche Software denn nun genutzt werden darf ;-)

    Thomas Bennühr
    Landesvorsitzender Piraten Brandenburg

    • Klaus Welter schrieb am

      Wozu ein Simulacast-Betrieb nach Vollausbau des DAB-Netzes? Wir senden doch auch nicht mehr terrestrisch analog, sondern nur noch DVB-T. Wer wollte die terrestrischen Parallelausstrahlung finanzieren?

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Jörg Arweiler, politischer Geschäftsführer der Piratenpartei Saarland