#Topthema Infrastruktur und Netze Pressemitteilungen

Android Apps übermitteln unerkannt sensible Daten an Facebook

Entwickler, die das Facebook-Software-Development-Kit (SDK) für ihre Apps nutzen, leiten Daten an den Kommunikations-Konzern Facebook weiter. Betroffen sind u.a. Apps wie „Meine CDU“ und „OKCupid“. Zu den vom Transfer betroffenen Daten zählen laut SPIEGEL u.a. Parteizugehörigkeit, sexuelle Orientierung und Angaben zu gesundheitlichen Problemen. In den Datenschutzbedingungen der Apps wird nicht auf diesen Fakt hingewiesen, allein deshalb, weil die Entwickler selbst keine Kenntnis davon haben.

„Solch eine Erhebung sensibler Daten darf niemals ohne das Wissen der Nutzer geschehen. Besonders problematisch ist dabei, dass der Nutzer keine Chance hat, dieses Verhalten zu erkennen, geschweige denn gegenzusteuern. Aus datenschutzrechtlicher Sicht ist das Ganze ein einziger Alptraum“

erklärt Borys Sobieski, stellvertretender Generalsekretär der Piratenpartei.

Die Piratenpartei verurteilt entschieden diese Datensammelwut und ruft Softwareentwickler dazu auf, von der Benutzung des Facebook-SDK Abstand zu nehmen. Es ist nicht hinnehmbar, Nutzer ohne deren Kenntnis um ihre persönlichen Daten zu erleichtern. Dass hiervon nicht einmal die Entwickler wissen, zeugt, vorsichtig ausgedrückt, von einer schlechten Kommunikation des Urhebers Facebook und setzt die Pannenserie des Konzerns fort. Die PIRATEN stellen sich insbesondere die Frage, ob sich Facebook hiermit nicht erneut zu 100 Prozent auf Gegenkurs zu geltendem europäischen Recht, hier der DSGVO, befindet.

Neben dem Abgreifen von Daten verknüpft das Facebook SDK Android-Geräte und die darauf gespeicherten Daten mit einer Werbe-Identifikationsnummer. Der Nutzer hat kaum eine Möglichkeit, diese Verknüpfung wieder aufzuheben. Somit ist er dem Konzern bedingungslos ausgeliefert.

3 Kommentare zu “Android Apps übermitteln unerkannt sensible Daten an Facebook

  1. Liebe Piratenpartei,

    solange Ihr selbst Eure Inhalte auf Facebook präsentiert, läuft derlei Kritik leider ins Leere….

    • Die Möglichkeit Menschen auf Facebook zu erreichen, besteht leider nur auf Facebook. Wenn die Piratenpartei ihre Seite schließt, ändert sich nichts.

    • Liebe Cindy,

      irgendwie hast du recht aber irgendwie auch wieder nicht.
      Welche Software benutzt du? Nur selbst gestrickte Linuxe oder auch Betriebssysteme/Programme von Microsoft? Ich bin Systemadmin und weiß daher z.B., dass Fräulein Cortana mit jedem Windows 10 Major-Update geschwätziger wird. Aber haben wir deshalb heute wirklich noch die Wahl, Microsoft-Software im Alltag NICHT zu benutzen? Ein paar Cracks vielleicht, die dieses Selber-Stricken von Linuxen beherrschen. Vielleicht bist du ja einer…
      Klar – Facebook ist da noch einmal eine ganz andere Nummer, ein sogenanntes soziales Netzwerk, das ich als eher asozial empfinde, was nicht nur an manchen Inhalten liegt, sondern vor allem am Geschäftsgebahren der „Zsaggerbörg-Company“. Persönlich meide ich deshalb sowohl Facebook als auch Twitter, woran sich definitiv nichts ändern wird. Ich boykottiere auch Amazon und das nicht erst, seit es Alexa gibt.
      Das Feld des „Digitalkapitalismus“ ist sehr weit und wird von dessen Big-Playern gut bestellt. Wir selbst düngen es mit unserer eigenen Bequemlichkeit. Über die Früchte, die wir eines Tages ernten könnten, will ich mich hier nicht weiter auslassen. Dazu nur die Empfehlung der Serie Black Mirror; exklusiv auf Netflix…;)
      Marisa schreibt: „Die Möglichkeit Menschen auf Facebook zu erreichen, besteht leider nur auf Facebook.“ Völlig richtig und genau deshalb wäre es auch unklug, wenn die Piraten Facebook von heute auf morgen den Rücken kehren.
      Ist das aber auch der richtige ANSATZ? Müssen wir die Menschen auf Facebook erreichen? Sollten wir nicht vielmehr nach Facebook-Alternativen suchen? Ich und wahrscheinlich auch du beantworten diese Frage mit einem klaren Ja. Andererseits bräuchte man für eine ernst zu nehmende Alternativplattform mindestens 3 besser 5% der aktuellen Facebook-Nutzer. Eine solche Plattform zu etablieren ist ein schwieriger, wenn nicht gar unmöglicher Prozess im Jahre 2018. Trotzdem wäre ich als Mitwirkender dabei, genau wie (vermutlich auch) du, nebst vielen anderen Piraten (im Geiste), die ich kenne.
      Die Kritik am geheimen Datenklau durch Facebook, die der Text thematisiert, halte ich im Übrigen für absolut legitim. Auch wenn der Raum an sich so übel ist, dass man ihn eigentlich verlassen müsste, muss man nicht unbedingt darauf verzichten, die dampfenden Haufen darin, die besonders schlimm riechen, zu beseitigen. Daher auch der dezente Hinweis für Softwareentwickler, das Facebook-SDK künftig zu meiden. Könnte durchaus von praktischer Bedeutung sein. Insbesondere dafür sei dem Autor gedankt.

      LG – Tensor.

Kommentare sind geschlossen.

SaveYourInternet

Liebe Besucherin, lieber Besucher,

vielen Dank für Ihr Interesse. Leider steht unser Service heute nicht zur Verfügung. Wir protestieren gemeinsam mit der Autorenschaft der Wikipedia gegen Teile der geplanten EU-Urheberrechtsreform, die im Parlament der Europäischen Union Ende März verabschiedet werden soll, und schalten unsere Seite für 24 Stunden ab.

Monatelang haben EU-Kommission, EU-Parlament und der EU-Rat im sogenannten Trilog hinter verschlossenen Türen an einem neuen EU-Urheberrecht gearbeitet. Im Kern geht es darum, die finanziellen Interessen der großen Medienkonzerne gegenüber Betreibern von Internetplattformen durchzusetzen.

Ausgetragen wird dieser Konflikt auf den Rücken der Internetnutzer und Kreativen. Diese müssen nach dem aktuellen Entwurf mit erheblichen Einschränkungen rechnen. Das freie Internet, wie wir es kennen, könnte zu einem „Filternet“ verkommen, in dem Plattformbetreiber darüber entscheiden müssen, was wir schreiben, hochladen und sehen dürfen. Denn das geplante Gesetz schreibt Internetseiten und Apps vor, dass sie hochgeladene Inhalte präventiv auf Urheberrechtsverletzungen prüfen müssen. Selbst kleinere Unternehmen müssten demnach fehleranfällige, teure und technisch unausgereifte Uploadfilter einsetzen (Artikel 13) und für minimale Textausschnitte aus Presseerzeugnissen Lizenzen erwerben, um das sogenannte Leistungsschutzrecht einzuhalten (Artikel 11).

Wenn Sie unsere Kritik an der geplanten Urheberrechtsreform teilen, werden Sie aktiv: