„Kein Urheberrecht auf Daten“: Julia Reda kritisiert EU-Kommissionspläne

Bild: nemo@pixabay

Die heutige Mitteilung der EU-Kommission zur europäischen Datenwirtschaft kommentiert Julia Reda, EU-Abgeordnete der PIRATEN und Vizevorsitzende der Grüne/EFA-Fraktion, wie folgt:

„Die EU-Kommission liebäugelt mit einem neuen urheberrechts-ähnlichen Schutz für Daten. Das ist Günther Oettingers letzte schlechte Idee als scheidender Digitalkommissar – sie hätte fatale Auswirkungen und ist strikt abzulehnen.

Eine Reihe von Nullen und Einsen würde dadurch ähnlich geschützt wie schöpferische Werke. Das würde hohe Nebenkosten und enorme Rechtsunsicherheit für alle erzeugen, die Daten erstellen und nutzen – etwa für Forscherinnen und Forscher oder innovative Startups. Die Nutzung von Daten wie Zugriffsstatistiken, Sensordaten oder Messwerte würde rechtlich so komplex wie der Umgang mit dem Urheberrecht heute.

Im ‚Internet of Things‘ wird es immer wichtiger, Nutzerinnen und Nutzern von Geräten und Diensten den Zugriff auf jene Daten zu garantieren, die sie durch ihre Benutzung generieren. Auch ein Recht auf Mitnahme solcher Daten zu anderen Diensten ist dringend nötig – die von der Kommission angedachten Maßnahmen zur Verbesserung der Portabilität müssten noch viel weiter gehen. Ein neues Schutzrecht wäre hingegen das völlig falsche Werkzeug. Statt die Autonomie von Nutzerinnen und Nutzern zu sichern, würden Firmen in ihren Geschäftsbedingungen einfach die Abtretung dieses Rechts verlangen und diese Daten damit umso mehr zur handelbaren Ware machen.

Die Kommission würde mit dieser Idee die Fehler des Datenbankschutzrechts wiederholen, das nicht nur seinen Zweck verfehlt hat, die europäische Datenwirtschaft zu fördern, sondern im Gegenteil der innovativen Nutzung von Datensammlungen häufig im Weg steht.

Die heute gestartete EU-Konsultation zum Thema gibt der Öffentlichkeit die Gelegenheit, die Idee eines neuen Schutzrechts für Daten klar abzulehnen.“


Kommentare

4 Kommentare zu „Kein Urheberrecht auf Daten“: Julia Reda kritisiert EU-Kommissionspläne

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  2. Murgpirat schrieb am

    Einen Vorteil hätte ein Urheberrecht auf Daten allerdings – es würde den Handel mit Adressdaten und Kundenprofilen de facto eliminieren.
    Als Mensch bin ich – von meinem Standpunkt aus – automatisch Urheber für alle personenbezogenen Daten, die anfallen. Ich bin der Urheber dafür, wo ich wohne, was ich einkaufe, was ich mir im Internet ansehe usw. Adresshändler machen ihre Geschäfte somit dank Daten, die erst durch mein persönliches Verhalten entstanden sind. Mit einem Urheberschutz auf Daten könnte man dieses Geschäftsmodell zum Erliegen bringen oder alternativ eine Lizenzgebühr für den Weiterverkauf ermöglichen. Aber leider wird Herr Oettinger diese Art des Urheberrechtsschutz für diese Art der Daten nicht vorgesehen haben. Schade eigentlich.

  3. zarathustra schrieb am

    moin julia

    na logo möchte der öttinger, dass nullen gespeichert werden – ich pers würde den kerl am liebsten vergessen.

    punkto datenschutz gab es 82 (?) ein urteil betreffs volkszählung.
    wäre schön, jeder würde sich daran halten und seine daten nicht einfach so weggeben.

    ich weiss, dass du allein in brüssel, mehr als massig zu tun hast:

    (wäre schön, dein „steckbrief“ würde deine fraktionszugehörigkeit im EP erwähnen.)

    in den nachrichten hies es, das die ital 5-sterne bewegung ukip verlässt und von den liberalen abgelehnt wurden

    du hast sicher dermarssen zu tun, dass du hier nicht ständig posten kannst.

    ist immer wieder schön, von dir zu hören.

    lb grüsse

    zarathustra

    @ murgpirat:

    ich finde es toll, das der sack am berg einem krankenhaus einen neuen „flügel“ spendiert.
    das dieser nach seiner frau benannt werden soll…

    der sack am berg kann für sowas einfach nen scheck schreiben.
    dank datenhandel hat er die kohle.

    fakebook – nein danke.

    – ich lass mich doch da nicht registrieren, nur um mitreden zu können –

    zara

  4. TheGentleman schrieb am

    Urheberecht für daten… Ich als ITler frage mich ob die da oben auch mal nachdenken wenn es irgendwie um Technik geht. Ich meine die haben doch Berater! Die sollten sich in der IT auskennen ubd gut beraten könne. Aber vielleicht kommen die Berater ja aus der Wirtschaft und da geht es bekanntlich nur ums Geld!

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Julia Reda

Kontakt

Julia Reda ist 1986 in Bonn geboren, Mitglied im Kreisverband Frankfurt der Piratenpartei und seit 2009 bei den Piraten aktiv. Vorher war sie sechs Jahre lang Mitglied der SPD, bis sie im Streit um die Netzsperren austrat. Von 2010 bis 2012 war sie Vorsitzende der Jungen Piraten. Sie ist Gründungsvorsitzende der Young Pirates of Europe und Abgeordnete im Europäischen Parlament der Piratenpartei Deutschland.