PIRATEN fordern Rücknahme der W-LAN-Sperren für Router

Freifunk-Router | Bild: CC-BY Jens Ohlig

### Presse-Service der Piratenpartei Deutschland ### Berlin, den 18. Februar 2016 PM 29 / 16

+++ PIRATEN fordern Rücknahme der W-LAN-Sperren für Router +++

Router-Hersteller TP-Link sperrt ab sofort W-LAN-Firmware auf seinen Geräten und nimmt den Nutzern die Möglichkeit, ihre Geräte zu warten und damit auch ihre funktionale Selbstbestimmung.

Grundlage ist eine von der EU-Kommission beschlossene Beschränkung aus dem Jahr 2014, die die Einhaltung von Frequenznutzung, Sendeleistung und Modulationen sicherstellen soll. Die jetzt praktizierte totale Sperrung der Firmware bedeutet gleichzeitig auch das Ende, Router für Freifunk nutzen zu können, da das Aufspielen einer alternativen Freifunksoftware anstelle der Hersteller-Firmware fortan nicht mehr möglich sein wird.

Hierzu Kristos Thingilouthis, der politische Geschäftsführer der Piratenpartei Deutschland: »Wir fordern die EU auf, diese Richtlinie unverzüglich zurückzunehmen und einer Überprüfung zuzuführen. Ein Nutzer muss auch weiterhin das volle Zugriffsrecht auf seine Geräte haben. Die jetzige Regelung schränkt Hersteller ein, die ihre Systeme für den Einsatz alternativer Software offen halten möchten. Dadurch haben Kunden nicht mehr die Möglichkeit, offene Software auf den Geräten zu installieren, wie es bislang möglich war.

Die Intention der Einhaltung von Frequenznutzung, Sendeleistung und Modulationen mit der neuen Richtlinie 2014/53/EU schießt weit über das Ziel hinaus.

Bislang konnte die Freifunkinitiative mittels alternativer, regelkonformer Software die bestehende Software ersetzen und so auch den Aufbau freier Bürgernetze ermöglichen. Dies wird fortan nicht mehr möglich sein. Wir beobachten die neue Entwicklung mit Sorge. Solange diese Regelung in Kraft ist und Hersteller ihre Router einschränken, müssen Freifunker auf aufwendigere und teurere Alternativen ausweichen. So können sie beispielsweise Mini-Computer wie Raspberry Pis einsetzen, die unkonfiguriert verkauft nicht den Einschränkungen der Richtlinie unterliegen. Dort können Kunden dann auch weiterhin die Freifunk-Software im Nachhinein aufspielen.

 

Als PIRATEN sind wir wie keine andere Partei am Fortbestand und Aufbau von Freifunk-Netzen interessiert. Sollte die EU weiterhin auf ihrer strikten Regulierung beharren, werden wir eine entsprechende Klage in Erwägung ziehen.«

 

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Kommentare

8 Kommentare zu PIRATEN fordern Rücknahme der W-LAN-Sperren für Router

  1. Henry Cheng schrieb am

    Ich will auch WLAN anbieten und ohne Haftung!

  2. Marco schrieb am

    Mal dumm gefragt:

    Hindert mich etwas dran eine Antenne von Command&Conquer-Tesla-Spulen-Ausmaßen an ’nen Raspberry-Pi zu bauen?
    Jetzt mal abgesehen von der Notwendigkeit eines Drehstrom-Anschlusses?

  3. Vacuum schrieb am

    Tja. Die Absicht ist klar, und als braves Telekommunikationszäpfchen winkt unsere durch nichts legitimierte EU-Kommission solch einen Unsinn durch, damit eine Möglichkeit mit Kostensenkungspotential für alle Mobildatennutzer unmöglich wird.
    Wenn dieser Kommissionsquark nur für fertige Geräte der Hersteller gilt, dann ist es an der Zeit solche Router als unreguliertes Baukastensystem zum Selberbau anzubieten. Das hätte u.a. den Vorteil, dass auch spritzwassergeschützte Systeme für den Außenbereich billiger würden…
    Mit so einer Alternative können die „konformen“ Routerhersteller entsprechend ignoriert werden, und sobald das wehtut wäre die Routerlobby auf der „freien“ Seite.
    Das wäre ein piratiges Produkt und den Beifall der Freifunker hätten wir… Was habe ich übersehen?

  4. TheBug schrieb am

    Noch schlimmer dabei: Die Richtlinie gibt nur grundsätzlich die Möglichkeit zu einer Durchführungsmaßnahme und macht keine konkreten Vorschriften für so eine Beschränkung. Die TCAM Subgroup die den sogenannten „delegated act“ definieren soll ist gerade erst gegründet worden und hat noch nicht ein mal getagt

    Was da momentan passiert ist vorauseilender Gehorsam der Hersteller.

  5. Skff schrieb am

    Vielleicht sollte man noch darauf hinweisen, dass es nicht nur WLAN-Router betrifft, sondern Alles, was sendet und empfängt, also auch Handies, auf die dann kein Custom-ROM, wie CyanogenMod, mehr aufgespielt werden kann, freie Betriebssysteme, wie Linux, xBSD, keine Treiber mehr für Bluetooth und WLAN haben, freie Software Defined Radio-Projekte mehr möglich sind…

    Und nein, es ist nicht möglich, freie Module anzubieten, da eben z.B. nicht freie Routersoftware generell verboten wird, sondern es eben „nur“ die Sende/Empfangseinheiten betrifft. Denn „dieser Kommissionsquark“ gilt eben nicht „nur für fertige Geräte der Hersteller“ sondern für die Funkmodule – egal ob Bluetooth, WLAN, Zigbee, DECT,… Allerdings dürfte es auch zunehmend schwerer werden, die Funkmodule separat zu betrachten, wenn sie auf einem Chip mit den Prozessoren etc. residieren.

    -sk-

    • Facepalm schrieb am

      Quark, siehe http://www.android-user.de/wegen-eu-regelung-und-fcc-tp-link-sperrt-router-firmware-komplett

      „Auch Android-Nutzer und Custom-ROM-Fans müssen keine Angst haben. Die „Modem“-Komponente bei praktisch allen Android-Geräten war schon immer eine Blackbox des Herstellers und wird dies auch in Zukunft bleiben. Wer auf eigene Faust eine alternative Modem-Firmware installiert, bekommt diese Änderung auch durch eine andere Firmware nicht mehr weg, das Modem arbeitet unabhängig von der Firmware. Somit wird aufgrund der neuen Regelung kein Hersteller dazu gezwungen, den Bootloader seiner Android-Geräte zu sperren.“

      Nebenbei, gleiche Quelle: „TP-Link hat hier schlicht die einfachste Lösung gewählt und die (aktuellen) Geräte komplett gesperrt. Dazu ist die Firma aber gar nicht verpflichtet, lediglich die Modem-Firmware für das Senden via Wifi müsste man vor Modifikationen schützen, wie es auch unter Android gang und gäbe ist, und so funktionieren auch die meisten Wifi-Treiber unter Linux: Die Treiber selbst sind quelloffen, benötigen aber eine zusätzliche Closed-Source-Firmware, die Modifikationen an den Frequenzen verhindert. Das ist auch gut so, denn wenn plötzlich jeder die Sendeleistung seines eigenen WLAN-Routers praktisch beliebig hochschrauben könnte, dann wäre das ein Horror in dicht besiedelten Gebieten, von den unterschiedlichen Frequenzen in den verschiedenen Erdteilen ganz zu schweigen…“

  6. Thomas schrieb am

    Hier ist das aktuelle Statement von TP-Link Deutschland zu dem Thema:

    ——————-

    So, einmal alles auf Anfang!
    Nach interner Prüfung hat sich Folgendes ergeben: Als Reaktion auf die neue Funkregulierung der EU und von Nordamerika bringt TP-LINK Produkte mit länderspezifischer Firmware auf den Markt. Die länderspezifische Firmware ist gesetzeskonform mit den jeweils vorherrschenden Funkrichtlinien. So sind bei der Firmware für den deutschen Markt die hierzulande erlaubten Sendeleistungen und WLAN-Frequenzen ab sofort voreingestellt. Unsere Firmware-Versionen BASIEREN WEITERHIN AUF OFFENEM QUELLCODE – hier hat sich nichts geändert! Auch die Hardware bleibt unverändert. TP-LINK übernimmt keine Garantie für Geräte mit alternativer Firmware.

    Quelle: https://www.facebook.com/TPLINKDE/posts_to_page/

    Schnappatmung also wieder einstellen. Alles wird gut. Falschmeldung hier bitte anpassen.

    • Seepferdchen schrieb am

      Done. (also das mit der Schnappatmung)
      Danke für die Klarstellung. Als misstrauischer…Meeresbewohner schlage ich vor, die Fakten durch den Testkauf eines neuen TP-Links mit den genannten Einschränkungen zu verifizieren.

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