Selbstbestimmtes Leben

Selbstbestimmung ist das natürliche Recht jedes Menschen; es ist die Grundlage des Menschseins. Die Grundlage der Menschlichkeit ist demgegenüber, anderen Menschen dieses Recht zuzugestehen. Der Selbstbestimmungsgedanke prägt und gestaltet unser Leben mehr als alles andere. Er ist die Basis für Unabhängigkeit und Freiheit und somit jedem Menschen uneingeschränkt zuzusprechen. Das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben ist gleichzeitig Bedingung für die Entwicklung der eigenen Identität und deren Integration. Dies bedeutet gleichzeitig aber auch, Verantwortung für eigenes Handeln zu übernehmen, denn die Freiheit des einen endet dort und erst dort, wo die Freiheit seines nächsten beginnt. Das menschliche Leben ist wesentlich gekennzeichnet durch ein Streben nach größtmöglicher Unabhängigkeit. Dieser Prozess sollte mit Erreichen des Erwachsenenalters abgeschlossen sein. Zu diesem Zeitpunkt liegt der verantwortungsvolle Umgang mit den eigenen Freiräumen in den Händen jedes einzelnen Individuums.

Diese Selbstbestimmung ist nur möglich, wenn der Mensch sich frei von Kontrolle und Bewertung entfalten kann. Ihm ist deshalb das Recht auf eine ausgeprägte Privatssphäre zuzugestehen, innerhalb derer er frei von gesellschaftlichen Zwängen und staatlicher Überwachung ist. Dieses durch die Verfassung garantierte Recht gerät seit einigen Jahren durch kurzsichtige Politik immer mehr in Bedrängnis. Dem Wunsch nach Sicherheit wird uneingeschränkter Vorrang vor den Freiheitsrechten der Bürger eingeräumt und infolgedessen pauschal jeder zum Verbrecher erklärt, der von seinen Rechten Gebrauch macht.
Ziel einer demokratischen Politik muss es aber sein, diese Freiheitsrechte nicht nur zu garantieren, sondern darüberhinaus ihren Gebrauch zu fördern und zu begrüßen. Wer aber den Eindruck hat, überwacht und kontrolliert zu werden, der wird von seinen Freiheitsrechten weniger Gebrauch machen und sich eher nach den echten oder eingebildeten Erwartungen des Überwachers richten. Dies steht dem Grundgesetz und damit dem Auftrag des Volkes an seine Politiker diametral entgegen.

Ein weiteres Beispiel ebenso unnötiger wie schädlicher Einschränkungen des Selbstbestimmungsrechts ist die derzeitige Drogenpolitik. Diese setzt fast ausschließlich auf Prohibition und drängt damit Menschen unnötigerweise ins gesellschaftliche Abseits. Ziel der Politik kann es aber nicht sein, dem Menschen vorzuschreiben, wie er mit seinem Körper umzugehen hat. Ziel der Politik muss es dagegen sein, unnötiges Leid zu verhindern und Menschen zu helfen, die Fehler gemacht haben. Bei der Drogenpolitik bedeutet dies, Abhängigen zu helfen und ein Abrutschen in die Sucht zu verhindern. Dies gelingt aber nicht, wenn der Staat sich durch pauschale Illegalisierung der Lebenswirklichkeit Suchtkranker aus der Verantwortung zieht.

Aber auch in seinem unmittelbarsten Lebensumfeld, der Familie, ist der Mensch nicht so frei wie er es sein müsste. Die Gestaltung des persönlichen Lebens und die sexuelle Orientierung sind Angelegenheiten, die der freien Selbstbestimmung der Menschen überlassen werden müssen. Politik und Gesellschaft haben weder Recht noch Grund, um in diesen Bereich einzugreifen. Vor dem Gesetz ist jeder Mensch gleich, und deshalb spielen Entscheidungen in diesem Bereich für die Gesellschaft keine Rolle. Der Staat ist lediglich dann gefordert, wenn es gilt, dieses Recht durchzusetzen und Menschen vor Zwang oder Diskriminierung zu schützen.