Weltnormentag (World Standards Day)

Bild: be-him CC BY NC ND

Gastbeitrag von Guido Körber

Der 14. Oktober ist Weltnormentag (World Standards Day). Nun mag man ja denken, mittlerweile ist jeder Tag irgend ein Welt-sonstwas-Tag, aber bei vielen dieser Welt-Tage lohnt es sich doch, zumindest mal kurz über das erkorene Thema nachzudenken.

Dieses Jahr steht der Weltnormentag unter dem Motto „Standards schaffen Vertrauen“ (Standards build trust). Und dieses Mal ist auch ein runder Geburtstag zu feiern. Am 14. Oktober 1946 beschloss eine Versammlung von Delegierten aus 25 Ländern eine internationale Organisation für Normung zu gründen. Das wurde dann im darauffolgenden Jahr die ISO.

Zusammen mit der auf elektrotechnische Standards spezialisierten IEC (International Electrotechnical Commission) und der ITU (International Telecommunication Union) für den Telekommunikationssektor sorgt die ISO dafür, dass technische Standards international möglichst einheitlich sind. Von diesem Dreiklang ist die ITU die älteste Organisation. Mit dem Aufkommen der Telegrafendienste Mitte des 19. Jahrhunderts wurden erstmals internationale Normen eine zwingende Notwendigkeit. Weltweite Kommunikation war halt nicht möglich, ohne sich auf ein gemeinsames Verfahren zu einigen.

Bei physikalischen Produkten dauerte diese Erkenntnis etwas länger. So lange kaum Produkte über lange Strecken gehandelt wurden, spielten internationale Normen keine so wichtige Rolle. Erst mit dem Wachsen des internationalen Handels wurde klar, dass auch hier einheitliche Lösungen notwendig würden.

In der EU haben wir heute die Situation, dass bis auf Sonderfälle wie unterschiedliche Netzstecker, die meisten Produkte auf einem einheitlichen Satz von Standards aufbauen. Dank der Einbindung der europäischen Normungsinstitute CEN, CENELEC und ETSI in ISO, IEC und ITU sind die europäischen Normen in den meisten Fällen auch internationale Normen.

Oder zumindest fast international. Denn einer der großen Spieler im internationalen Handel spielt nur gelegentlich mit, immer dann, wenn es passt. Nein, nicht China, die denken international. Die USA haben den Sonderweg gewählt, über 600 Normungsinstitute zuzulassen. Deren Normen konkurrieren untereinander häufig. Damit sind die USA weit von dem Ziel entfernt, für einen Sachverhalt jeweils eine Norm zu haben. Besonders schön auf den Punkt brachte es das Motto von 2010: „Standards make the world accessible for all“ (Standards machen die Welt zugänglich für alle). Nur mit einheitlichen Standards sind internationale Märkte auch für kleine und mittelständische Unternehmen zugänglich.

Das Gegenteil davon wird mit TTIP und CETA betrieben. Statt Standards zu vereinheitlichen, wollen diese Abkommen einfach die vorhandenen Standards gegenseitig anerkennen. Wir hätten dann in Zukunft für jeden Sachverhalt eine internationale Norm und dazu ein Bündel weiterer Normen, die in den USA oder Kanada gültig sind. Schöne neue Normenwelt… …nicht.

(In den USA haben die einzelnen Bundesstaaten die Hoheit über ihre Normen).

 

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Hinweis: Dies ist ein Gastbeitrag und stellt nicht notwendigerweise die Meinung der Piratenpartei Deutschlands dar.

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Kommentare

Ein Kommentar zu Weltnormentag (World Standards Day)

  1. 1Hi schrieb am

    Ich denke (schon länger), dass noch vor open data und open source (vor, weil es auch dafür Standards geben kann, also nicht zeitlich vor oder „wichtiger als“) open standard(s) stehen müsste.
    Sehe ich das falsch?

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