Coming Out Day: Wie fortschrittlich sind wir eigentlich in der Queer-Politik?

Bild: be-him CC BY NC ND

Gastbeitrag von Lea Laux, stellvertretende Vorsitzende der Jungen PIRATEN / JuPis

PIRATEN - BPT162 - LEA LAUX 04 - be-him CC BY NC ND

PIRATEN – BPT162 – LEA LAUX 04 – be-him CC BY NC ND

Homosexualität. Für viele Menschen in unserer Gesellschaft ist dieses Wort zum Glück nicht mehr so negativ behaftet wie noch vor dreißig Jahren, als homosexuelle Menschen in unserer Gesellschaft als krank, schädlich und pervers angesehen wurden. Wir sind offener und liberaler geworden, gerade bezüglich Minderheiten. Tage wie der heutige Coming Out Day scheinen damit schon fast nicht mehr nötig zu sein, um das Bewusstsein für die immer noch vorhandene Diskriminierung zu schaffen.

Allerdings existieren immer noch genügend Diskriminierungen, und Homophobie ist quasi täglich präsent. Zwar nicht mehr in dem Ausmaß wie zur Zeit, als der Coming Out Day zum ersten Mal begangen wurde, dennoch sind gerade homosexuelle Menschen noch immer nicht gleichgestellt. „Schwul“ wird immer noch als Beleidigung verwendet, auch von Jugendlichen, die in einer offenen und toleranten Gesellschaft eigentlich kein Problem mit Homosexualität haben sollten und die Zukunft formen.

In einigen konservativen Gegenden werden homosexuelle Menschen immer noch schief angeschaut, wenn sie sich zu ihrer Sexualität bekennen und sich in der Öffentlichkeit entsprechend mit ihrem Partner zeigen. Auch die rechtliche Gleichstellung lässt immer noch auf sich warten: Die Ehe für alle ist immer noch nicht durchgesetzt, von einem gemeinsamen Adoptionsrecht ganz zu schweigen. Es ist unglaublich, dass zwei Menschen, die einander lieben, nicht heiraten dürfen und sehr große Schwierigkeiten dabei haben, eine Familie zu gründen. Somit ist Homophobie leider noch immer präsent, trotz des Fortschritts der letzten Jahre.

Nicht nur Kampf gegen Homophobie

Der Coming Out Day betrifft inzwischen allerdings nicht mehr nur den Kampf gegen Homophobie und ein selbstbewusstes Eintreten für die eigene Sexualität, sondern auch andere Teile der Queer-Community. Alleine schon das Wort „Queer“ ist für viele Menschen noch ein Rätsel, sodass meistens erklärt wird, dass dieser Begriff neben Homosexuellen auch Bisexuelle, Pansexuelle, Asexuelle, Intersexuelle, Transgender, BDSMlern und polyamor lebende Menschen umfasst, wobei auch diese Definition um andere, von der Norm abweichende Sexualitäten, Geschlechtsidentitäten und Lebensweisen umfassen kann. Aber auch alle diese Menschen erfahren in unserer Gesellschaft sowohl rechtliche als auch soziale Benachteiligungen.

Coming Out Day steht für Mut

Der heutige Aktionstag kann somit nicht nur auf Homophobie, sondern auch auf Diskriminierung der gesamten Queer-Community aufmerksam machen, indem dazu aufgerufen wird, sich als Teil dieser Community zu zeigen, sofern man persönlich dazu bereit ist. Es ist sehr schade, dass es immer noch soziale Probleme geben kann, wenn jemand sich als queer zeigt, weswegen immer noch nicht jeder diesen Schritt gehen kann. Jedoch kann man damit auch aktiv Diskriminierung bekämpfen, indem dadurch Vorurteile aus dem Weg geräumt werden können, und Menschen, die der Queer-Community eher befremdlich begegnen, weil sie schlichtweg niemanden in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis kennen, der dieser angehört, haben die Möglichkeit, sich genauer mit diesem Thema auseinanderzusetzen.
Am wichtigsten ist allerdings, dass queere Menschen durch den Coming Out Day auch den Mut bekommen, zu sich selbst zu stehen. Aufgrund der teilweise immer noch konservativen Stimmung kann es auch gerade im familiären Umfeld schwierig sein, die eigene Identität den Menschen, denen man nahe steht, mitzuteilen. Der heutige Tag zeigt, dass diese Menschen nicht alleine sind, und kann daher durch ein entsprechendes Gemeinschaftsgefühl Mut machen.

Vollständige Akzeptanz von queeren Menschen

Insgesamt ist es leider traurig, dass Menschen Angst haben müssen, zu ihrer Sexualität und Identität zu stehen und daher ein Coming Out Day überhaupt noch nötig ist. Menschen sollen als Menschen akzeptiert werden – das setzt ein piratiges Menschenbild voraus.
Kämpfen wir also weiter für die vollständige Akzeptanz von queeren Menschen in unserer Gesellschaft und nutzen den Coming Out Day als einen Tag gegen Diskriminierung, aber auch einen fröhlichen Tag für die eigene, queere Identität.

 

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Hinweis: Dies ist ein Gastbeitrag und stellt nicht notwendigerweise die Meinung der Piratenpartei Deutschlands dar.

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Kommentare

Ein Kommentar zu Coming Out Day: Wie fortschrittlich sind wir eigentlich in der Queer-Politik?

  1. Nadine van der Meulen schrieb am

    Generell finde ich es in unserer heutigen Zeit verwerflich, dass Menschen immernoch ihre Sexualität geheim halten müssen. Gerade auch im kirchlichen Bereich. Identität und Sensibilisierung sollten eine wichtige Rolle spielen um Selbstsicherheit zu vermitteln und Menschen zu stärken!
    Ich interessiere mich selbst sehr für die Thematiken und habe auch das Seminar von Judith Butler in Köln besucht und einige ihrer Bücher gelesen, die sich um die Öffentlichmachung dieser Themen drehen. Ich selbst könnte mir als Sozialarbeiterin sehr gut vorstellen, auch auf wissenschaftlicher Ebene mehr zum Diskurs beitragen zu wollen.
    Menschen sollen als Menschen akzeptiert werden!
    Gerne würde ich zum Thema mehr diskutieren und suche Menschen die daran Interesse hätten!

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