PIRATEN: Wir brauchen eine neue Hochschulpolitik für Berlin

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Gastbeitrag von Dr. Franz Josef Schmitt – PIRATEN Berlin

schmittDie PIRATEN Berlin werden in der kommenden Legislaturperiode die entscheidenden Beiträge leisten, um die Berliner Hochschullandschaft zu einer innovativen Bildungsstruktur zu transformieren. Dabei muss vor allem die Kompetenz der Hochschulen genutzt werden, einen Beitrag zur Entwicklung einer nachhaltigen Gesellschaft zu befördern.

Reform für eine nachhaltige Gesellschaft

Wir müssen unseren Umgang mit den verfügbaren Ressourcen grundlegend wandeln – sonst werden Kosten und Folgen für die Menschheit weit höher sein, als wenn wir jetzt eine gezielte Reform initiieren. Lösungen auf dem Weg in die nachhaltige Gesellschaft sollen mit den Hochschulen in Berlin entwickelt werden. Die Universitäten und Hochschulen in Berlin sollen sich auf dieser Grundlage ein Leitbild und einen Nachhaltigkeitskodex geben und sich zu einem Beitrag zum Übergang in eine nachhaltige Gesellschaft verpflichten.

Bedingungen für Studienanfänger verbessern

Darüber hinaus sollen die Bedingungen für Studienanfängerinnen und Studienanfänger in Berlin deutlich besser werden. Dazu wollen wir die mögliche Synergie zwischen allen Universitäten und Fachhochschulen nutzen und die Grundlagen bilden, damit Studierende sich zunächst ein oder zwei Semester im Rahmen eines Orientierungsstudiums an allen Berliner Hochschulen fächerübergreifend informieren können. Die Studierenden absolvieren dann auf regulärem Weg zunächst beliebige Kurse von Interesse bevor sie sich in ein Studium einschreiben. Das Erfolgsmodell bestehender Orientierungsstudiengänge wie MINTgrün an der TU Berlin und die dabei beobachteten Vorteile wie bessere spätere Studienleistungen und höhere Kompetenzen der Studierenden würden auf ganz Berlin ausgedehnt werden.

Orientierungsstudiengänge können Maßstäbe setzen

Ein solches Modell eines Orientierungsstudiums über alle Universitäten und Fachhochschulen hinweg wäre weltweit einzigartig und würde neue Maßstäbe setzen in der fachübergreifenden Orientierung vor der Aufnahme eines Studiums. Kosten würde so ein Orientierungsstudium gar nicht verursachen; die Hochschulen müssten sich nur einig sein, so etwas einzurichten. Das Angebot an Studienplätzen an allen Hochschulen und Universitäten in Berlin ist so zu vergrößern, dass die Nachfrage nach diesen Studienplätzen bedient werden kann. Dafür ist auch mehr Geld für die Hochschulbildung in die Hand zu nehmen.

Bildung muss besser bezahlt werden

Dies sind übergeordnete Ziele, es gibt jedoch in Berlin auch viel kleinteilige Arbeit auf dem Weg zu erledigen. Mehr gut ausgebildete und festangestellte Lehrkräfte an Schulen und Universitäten müssen Hand in Hand mit der dringend nötigen Sanierung der Gebäude gehen. Wir fordern bessere Bezahlung von Lehrbeauftragten, gerechte Verträge für den Mittelbau, ein Ende der prekären Arbeitsverhältnisse und deren Kettenbefristungen sowie familienfreundlichere Arbeitsbedingungen. Eine deutliche Steigerung der Investitionen in Bildung stellt eine Chance der Gegenwart dar, so dass wir gemeinsam in das nächste Level guter und vielfältiger Bildung aufsteigen können.

PIRATEN: Bessere Verzahnung von Forschung und Lehre und transparente Finanzierung

PIRATEN betrachten eine stark verzahnte Forschung und Lehre als einen gesellschaftlichen Mehrwert und ein wirtschaftliches Gut, speziell für Berlin. Wissenschaftliche Einrichtungen dürfen dabei bei ihren grundständigen Aufgaben in Forschung und Lehre nicht von wirtschaftlich orientierten Projekten abhängig sein. Deshalb muss die Grundfinanzierung durch das Land gestärkt werden, Drittmittelprojekte sind lediglich als zusätzlicher Aufwand zu grundständiger Forschung und Lehre zu verstehen. Die Vergabe von Drittmitteln muss absolut transparent erfolgen. Dazu gehören die Veröffentlichung eingereichter Drittmittelanträge, bevor die Entscheidung über diese Anträge getroffen ist sowie ein transparentes und öffentliches Verfahren zur Diskussion der Anträge und die Veröffentlichung der Abrechnung der Projekte.

Hochschulen ohne Studiengebühren

Dazu gehören aber auch demokratische Hochschulen, die weiterhin frei von Studiengebühren sind mit transdisziplinären Ansätzen für Lehre und Forschung. Die pauschalen Unterschiede zwischen Fachhochschulen und Universitäten müssen hinterfragt werden und das gesellschaftliche Interesse, die Innovationsstärke, die Nachfrage der Studierenden sowie die Evaluierungsergebnisse sollten bestimmen, was gute Lehre und Forschung sind. Dazu gehört auch das Promotionsrecht für die Fachhochschulen, wenn in Fachgebieten gute Forschung geleistet wird.

Digitalisierung 4.0 – PIRATEN-Kernkompetenz

Gerade im Zuge der aktuellen Innovationen, die sich leider nur zum Teil in der Smart-City-Strategie des Senats manifestierten, im Zuge der Digitalisierung 4.0, die sich in der Lehre und Forschung an den Hochschulen aber auch in einer radikalen Reform industrieller Prozesse und Produkte niederschlagen wird, fordern wir PIRATEN, einen Schritt weiter zu gehen und den Hochschulen Anreize zu geben, die Digitalisierung zusammen mit der Wirtschaft weiterzuentwickeln. Dabei ist nicht auf Eliteförderung zu setzen, sondern die Menschen müssen als user der digitalisierten Welt viel besser mitgenommen werden.

Wissen verdoppelt sich, wenn man es teilt!

Unter dem Slogan „Wissen verdoppelt sich, wenn man es teilt“ möchten wir dabei grundsätzlich die Teilhabe der Menschen an den Universitäten fördern und dies zu einem Bestandteil der Hochschulverträge machen. Die Beteiligung der Öffentlichkeit an der Arbeit der Hochschulen kann dabei deutlich ausgebaut werden, ohne einfach nur „noch mehr“ Studierende aufzunehmen.

Aufbruch zu neuen Ufern

Es kann nicht sein, dass die Universitäten die digitale Revolution nur in ein paar neuen Juniorprofessuren verankern, während die Welt draußen Pokemon Go spielt. Hier müssen wir zu neuen Ufern aufbrechen.

Freier Zugang zu Forschungsergebnissen

Einen konkreten Schwerpunkt bildet der freie Zugang zu allen Forschungsergebnissen (Open Access). Wirtschaftliche Interessen Dritter sind den Rechte der Autor*innen zur freien Distribution ihrer Arbeit unterzuordnen. Auch Projekte sollten transparent und öffentlich diskutiert werden.

Tools und Programmentwicklung

Tools wie LiquidFeedback, das auch die PIRATEN zur Programmentwicklung benutzt haben, sind wertvolle aber noch unbekannte Werkzeuge zum interaktiven und kollaborativen Arbeiten. Viel fortschrittlicher als z.B. Wiki ermöglichen sie eine Rechtehierarchie, die die Beteiligten durch Delegationen selbst vorgeben können.

Forschungsergebnisse sollten Allgemeingut werden

Langfristig sollten Forschungsergebnisse als Allgemeingut von jeder Vermarktung ausgeschlossen werden. Hier ist die Kategorie der aus öffentlichen Mitteln finanzierten Forschungsergebnisse urheberrechtlich in einen Sonderstatus zu überführen. Als Lizenzierung ist creative common zu wählen, also das freie Recht zur nichtkommerziellen Weiterbearbeitung, Weiterentwicklung und Wiederverwendung. Die Autorenrechte bleiben im Sinne der creative common Lizenzierung unberührt.

Creative Commons-Lizenzen in die Hochschulverträge

Hier muss Einfluss auf die Hochschulen und Universitäten genommen werden, dass diese derartige Regelungen in ihren Grundordnungen festschreiben. Hochschulen, die hier voranschreiten sollten über die Hochschulverträge Finanzierung erhalten. Weitere gesetzliche Regelungen betreffen das Informationsfreiheitsgesetz und die Landeshochschulgesetzgebung.

Förderung muss nachhaltig sein

Die Digitalisierung wurde zum Schwerpunkt der Smart City Strategie. Nun sind neue Bereiche zu erschließen. Wie bereits angesprochen ist Nachhaltigkeit ein überlebenswichtiges Ziel für alle Menschen. Ein angemessener Umgang mit unserer Welt und die Reflexion der Bedürfnisse nachfolgender Generationen sollte Schwerpunkt von Förderung werden.

In den Wandel investieren – Migration als Chance

Wir müssen in diesen Wandel investieren, denn sonst geht es uns in Zukunft einfach schlecht. Hier sind rechtzeitig Maßstäbe zu setzen. Dies betrifft auch unser Handeln im Zuge der verstärkten Migration. Migration muss als Chance zur Anwendung unseres Know How in einem Bereichsspektrum vom angewandten Humanismus über die Hochschulen bis zum Wohnungsbau begriffen werden. Die Universitäten haben das bereits erkannt und innovative Programme aufgelegt wie In2TU der TU Berlin, in denen Geflüchtete mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus unkompliziert Studienleistungen erwerben können. Wir müssen jedoch ein paar Schritte weiter gehen, damit sich der Zuzug nach Berlin positiv auswirkt und wir wirklich davon profitieren können.

PIRATEN wollen innovative StartUps fördern

Eine Idee wäre es, innovative StartUps zu fördern, die den Slogan „Wir wollen das“ als Antwort geben. Hier bilden die von den PIRATEN erdachten integrativen Wohnzentren einen Schwerpunkt, die sich mit modernster Technologie in das „Internet der Dinge“ fügen und Geflüchteten, Studierenden und Interessierten einen Lebensmittelpunkt bieten, der Wohnen, Sprache, Universität und Lernen, Ernährung und Sport, Einkaufen und Entspannen über die breite Vielfalt ihrer Bewohner*innen verbindet.
Solche Konzepte würden wir gerne in der nächsten Legislaturperiode im Abgeordnetenhaus diskutieren.

Deshalb PIRATEN in das AGH – Nur mit uns:“Wir wollen das!“

Das Wahlprogramm der PIRATEN Berlin.

 

PLAKAT FJ

Gastbeitrag von Dr. Franz Josef Schmitt – PIRATEN Berlin

Dr. Franz Josef Schmitt ist ein wissenschaftlicher Mitarbeiter der TU Berlin, der piratige Innovationen in der Bildungspolitik entwickelt. Demokratisierung und Digitalisierung müssen Hand in Hand gehen mit neuen Investitionen. Diese aber sollten nicht Verfallenes instand setzen, sondern Neues entwickeln. So werden Investitionen in Bildung wirklich zur Chance der Gegenwart, sodass wir gemeinsam ins nächste Level guter und vielfältiger Bildung aufsteigen. Dafür kandidiert er für PIRATEN Berlin am 18. September zur Abgeordnetenhauswahl, um diese Ideen in die Politik zu tragen.

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Hinweis: Dies ist ein Gastbeitrag und stellt nicht notwendigerweise die Meinung der Piratenpartei Deutschlands dar.

Für Kommentare gelten die hier einsehbaren Regeln.

Kommentare

Ein Kommentar zu PIRATEN: Wir brauchen eine neue Hochschulpolitik für Berlin

  1. Seepferdchen schrieb am

    Alles was Sie da schreiben ist nur allzu wahr, Herr Dr. Schmitt. Möge es den Piraten schon deshalb gelingen, im Berliner AGH zu bleiben. Wir brauchen diesen Gegenentwurf zur aktuellen Bildungspolitik, deren Zielrichtung, auch wenn man dies nie laut aussprechen wird, schlicht und ergreifend lautet:

    „Wir können uns kein schlaues Volk leisten.“

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