PIRATEN: Julia Reda zum Angriff auf den Hyperlink – Urteil des Europäischen Gerichtshofs

Bild: Timecodex - CC BY NC ND

### Presse-Service der Piratenpartei Deutschland ### Berlin, den 8. September 2016 PM 168 / 16

1. Julia Reda

Julia Reda, Europaabgeordnete der Piratenpartei, zeigt sich besorgt über das heutige Urteil des EuGH in der Sache „GS Media„:

»Es droht eine Abmahnwelle für Links. Der EuGH schränkt die Linkfreiheit in Europa ein – damit drohen auch Beschränkungen der Kommunikationsfreiheit im Internet.

Gewerbliche Betreiber von Internetseiten haben laut diesem Urteil die Pflicht, den urheberrechtlichen Status von sämtlichen Inhalten auf Websites zu überprüfen, auf die sie verlinken. Die Annahme des Gerichthofs, sie würden in voller Kenntnis davon handeln, wenn sie einen Link setzen, ist absolut realitätsfremd – vor allem, nachdem er selbst darlegt, wie schwierig eine derartige Feststellung in der Praxis meist ist.

Aber das Urteil nimmt auch Privatnutzer vom Risiko vielfacher Abmahnungen nicht aus: Sobald sie Kenntnis von Urheberrechtsverletzungen erlangen, müssen sie Links darauf entfernen.«

Reda sieht eine Parallele zum Vorschlag für ein EU-Leistungsschutzrecht, der nächste Woche in Straßburg präsentiert werden soll:

»Kommissar Oettinger plant mit dem EU-Leistungsschutzrecht bereits den nächsten Angriff auf den Hyperlink. Entgegen seinen anderslautenden Behauptungen sieht der bisher bekannte Entwurf des Gesetzes keinerlei Ausnahme für Privatpersonen vor.

Doch selbst wenn nur soziale Internetplattformen wie Twitter, Facebook und Pinterest das Ziel wären: Dort üben Nutzerinnen und Nutzer heutzutage ihre Linkfreiheit aus. Es würde selbstverständlich Konsequenzen für die Linkfreiheit nach sich ziehen, diese Plattformen zu Zahlungen an Nachrichtenverlage zu zwingen, wenn ihre User Verweise auf Zeitungsartikel teilen – was derzeit automatisch zur Anzeige eines Snippets führt. Es ist viel wahrscheinlicher, dass diese Plattformen dann beispielsweise Geoblocking für Hyperlinks auf EU-Nachrichtenseiten einführen würden, als dass sie den Wünschen der Verleger nachkommen. Die Meldung ‚Dieser Link ist in deinem Land nicht verfügbar‘ könnte damit zum Alltag werden«, warnt Reda.

 

 

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Kommentare

2 Kommentare zu PIRATEN: Julia Reda zum Angriff auf den Hyperlink – Urteil des Europäischen Gerichtshofs

  1. jacco schrieb am

    Das Urteil betrifft nicht Hyperlinks als Solches, sondern sgn „deep links“. Was zwar auch ein Hyperlink ist, aber normalerweise erscheint ein Hyperlink, z.B. als: https://www.piratenpartei.de Wenn du darauf clickst, kommst du halt auf http://www.piratenpartei.de. Ganz klar, und jeder begreift das.

    Ein Deep Link, und das betraf der Rechtstreit hier, ist etwas ganz Vieses. Dabei erscheint ein VORSCHAUBILD einer fremden Webseite in der eigenen Webseite eingebaut. Die Größe ist frei wählbar vom Web Designer. Variert von Vorschaubildchen, bis 100% Größe. Jedoch faktisch verwendet er ein Link. Der Schlaufuchs „kopiert“ ja nichts. Wie clever.

    Derjeniger der sein Copyright damit verletzt sah, hier die Firma Playboy, bekam in der Sache recht, dass es nicht erlaubt ist die urheberrechtlich geschützte Bilder so zu verwenden. Was daran so schwer zu begreifen ist, muss jeder für sich selbst beurteilen. Ich selber finde das normal, ehrlich gesagt.

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