Machen Computerspiele dumm?

PIRATEN-GAMESCOM 2016 - be-him CC BY NC ND

Gastbeitrag von Monika Pieper - Bildungspolitische Sprecherin - Sprecherin im Ausschuss für Schule und Weiterbildung

MONIKA PIEPER - FOTO ANKE KNIPSCHILD - CC BY SA Moni2 - BLOG

MONIKA PIEPER – FOTO ANKE KNIPSCHILD – CC BY SA Moni2 – BLOG

In Verbindung mit der Gamescom in Köln wird wieder über den Sinn von Computerspielen in Schulen diskutiert.

Nein, Computerspiele machen nicht dumm, sie machen schlau, wenn man sie überlegt einsetzt!
Computerspiele haben einen pädagogischen Nutzen, der leider bisher viel zu wenig betrachtet und genutzt wird.

Auch wenn die meisten das Spielen als ein Hobby betrachten, das sie mehr oder weniger zeitintensiv betreiben, fördert das Spielen wichtige Kompetenzen. Wenn man sich verschiedene Spiele anschaut, stellt man schnell fest, wie komplex zum Beispiel Aufbausimulationen sein können. Dort muss von den Spielern berechnet, kalkuliert und geplant werden. Das geht nicht, ohne den Kopf anzustrengen; komplexes Denken wird so spielerisch gefördert. Wer sich mit vielen Spielen intensiver auseinandersetzt, findet Guides, Tabellen und Rechnungen. Auch Spiele, die logisches Denken fördern, wie zum Beispiel Portal 2 oder Klassiker wie Lemmings, kann man hier als Beispiele nennen.

Ebenso können Spiele die emotional-soziale Intelligenz fördern. In vielen Online-Spielen sind Kooperation und Kollaboration erforderlich, um gemeinsam zum Erfolg zu kommen.

Es sollten nicht nur wie jetzt fast ausschließlich reine Lernspiele im Unterricht eingesetzt werden. Digitale Echtzeitstrategie im alten Rom kann man im Geschichtsunterricht besprechen, Physik und Science-Fiction-Games gehen ebenso gut wie Steampunk und Dampfmaschinen. Man lernt motiviert Englisch, wenn das dazu führt, dass man sich mit Spielern aus anderen Ländern unterhalten kann.

Man kann und sollte die Vorteile der Computerspiele aber auch für Lernprogramme nutzen. Das Stichwort ist Gamification. Warum soll man bei Rechtschreib- oder Matheübungsprogrammen, aber auch in allen anderen Fächern, nicht auch spielerisch von einem Level zum nächsten gelangen und dabei Bonuspunkte und anderes sammeln? Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Die Systematik von Computerspielen ist den Schülern meistens bekannt und motiviertes Arbeiten ließe sich so fördern. Auch hier besteht an unseren Schulen noch sehr viel Luft nach oben.

Die Digitale Revolution geht an keinem gesellschaftlichen Bereich vorbei. Im Bildungsbereich gibt es viele gute Möglichkeiten, Computerspiele pädagogisch gewinnbringend einzusetzen, die auch genutzt werden müssen. So kann und muss Schule moderner und ansprechender gestaltet werden. Gleichzeitig werden durch den Umgang mit Computerspielen sowohl soziale Kompetenzen als auch die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler gefördert. Computerspiele können schlau machen, ja, man muss sie nur sinnvoll einsetzen.

Leider werden die Möglichkeiten, „spielerisch“ zu lernen, noch nicht annähernd in dem Maße eingesetzt, wie es wünschenswert wäre. Einsatzmöglichkeiten in der Schule werden oft ungenutzt liegen gelassen. Das hat viele Gründe. Zunächst bedarf es einer entsprechend guten IT-Ausstattung an allen Schulen, wie wir PIRATEN sie seit langem fordern. Daneben braucht es Lehrerinnen und Lehrer, die den neuen Techniken aufgeschlossen gegenüberstehen und diese in den Unterricht integrieren und sie nicht verteufeln. Deshalb muss es viel mehr Fortbildungsangebote geben und in der Lehrerausbildung müssen Medienkompetenzvermittlung und Informatik eine wesentlich größere Rolle spielen. Auch das fordern wir seit langem. Auch ein generelles Handyverbot, das es immer noch an vielen Schulen gibt, ist weder zeitgemäß noch pädagogisch sinnvoll. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.

 

 

 

 

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Kommentare

2 Kommentare zu Machen Computerspiele dumm?

  1. Seepferdchen schrieb am

    Alles korrekt, wenn man die richtigen Spiele auswählt. Auch stimme ich der These zu, dass intelligente Spiele das Unterrichtsgeschehen in unseren Schulen bereichern könnten. Computerspiele werden sogar in der Wirtschaft z.B. von Personalmanagern als Instrument der Teambildung eingesetzt.

    Wie sieht aber die Realität aus, wenn man sich die Frage stellt, welche Spiele vom Konsumenten ausgewählt werden? Dazu habe ich u.a. diesen Link gefunden:

    http://www.gamestar.de/charts/steam/index.html

    Wenn ich mir diese Hit-Listen ansehe, würde ich von vielen (nicht allen) dieser Spiele behaupten:

    a) Ja – sie machen die Leute dumm.
    b) Sie appellieren eben gerade NICHT an die wertvolleren menschlichen Charakterzüge.
    c) Sie sorgen dafür, dass Leute spielsüchtig werden, was die Zeit, die für menschliche Kontakte im „Reallife“ bleibt, massiv verkürzen kann.
    d) Sie sind als Teil der modernen Medienlandschaft ein probates Mittel zur Ablenkung des Konsumenten von seinen eigentlichen Problemen.

    Also bitte Frau Pieper – nicht ganz so viel ungefilterten Enthusiasmus bei diesem Thema. Spätestens wenn Counter Strike in Schulen Einzug hält, weil der Physiklehrer den Kiddies den schrägen Wurf erklären und dabei zeigen will, dass eine im 45° Winkel geworfene Handgranate am weitesten fliegt, würde ich mir persönlich ernste Sorgen machen. Gegen Worms Armageddon hätte ich im gleichen Zusammenhang nichts und bin damit auch wieder ganz bei Ihrer Startthese: „Nein, Computerspiele machen nicht dumm, sie machen schlau, wenn man sie überlegt einsetzt!“

    • Bernhard Winter schrieb am

      Entschuldigung, aber ich sehe mich gezwungen, sie um eine etwas differenziertere Herangehensweise zu bitten,
      denn ihr Kommentar lässt mich darauf schließen dass sie Computerspielen gegenüber insgesamt nicht positiv eingestellt sind.
      Denn ich habe die von ihnen genannte Liste einmal etwas genauer betrachtet und bin zu der Erkenntnis gekommen, dass ich viele dieser Spiele selbst besitze. Und ich kam zu dem Schluss, dass ich durch keines der auf dieser Webseite oder irgendwo anders genannten Produkte weder dümmer, noch agressiver, desozialisierter, oder abgelenkter bin.
      Wo ich ihnen zustimme, ist die Tatsache, dass es unzweckmäßig ist, Counter Strike als Beipiel für die Ballistik von Projektilen zu verwenden.

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