PIRATEN – 100 Jahre GEMA – Gibt es da was zu feiern?

Bild: Tobias M. Eckrich

+++ PIRATEN – 100 Jahre GEMA – Gibt es da was zu feiern? +++

Urheberrechtsexperte Bruno Kramm für ein modernes Recht im digitalen Wandel

Eigentlich ist die Idee der Verwertungsgesellschaften eine wundervolle Idee aus dem Kreise der Urheber. Humperdinck, Strauss und Schumann wollten endlich an den Früchten ihrer Arbeit beteiligt werden. Große europäische Opernhäuser verdienten Unsummen an der Aufführung der Werke von Komponisten, die damals nur am Notendruck durch Musikverleger beteiligt wurden.

Aus dieser Idee wurde ein Imperium, das heute lückenlos jeden Bereich der musikalischen Nutzung mit Gebühren belegt. Von der Geburt bis zu Bahre kassiert die GEMA sogar in Sexkabinen nach festen Tarifen Abgaben für jeglichen Nutzungsbereich. Leider wurde dabei längst das Interesse der kleinen Urheber in den Hintergrund gedrängt. Große Repertoires und Verlagshäuser bestimmen weitestgehend in dem intransparenten System der GEMA über die Verteilung von über 800 Millionen Euro jährlich.

Dabei hat sich die GEMA längst zum Bremsklotz des für Urheber so wichtigen digitalen Wandels und neuer digitaler Geschäftsmodelle entwickelt. Egal ob unfaire Verteilung von Pauschalen, monopolistisches Bestimmen von ungerechtfertigten Pauschalen oder Unterdrückung von CC Lizenzen:

Die GEMA ist zum schwerfälligen Dinosaurier mutiert, der bei Streaming die Freiheit von Informationen blockiert und auch in Brüssel als eine der größten Lobbyvertretungen die dringende Reform des Urheberrechtes ständig zu blockieren versteht. Dennoch begreifen die PIRATEN die GEMA als ein wichtiges Werkzeug für ein Zeitalter, in dem Musik immer häufiger nicht mehr an ein physisches Trägermedium gekoppelt und als freie Information im Netz zirkulierend einen realen Wert für Urheber generieren soll.

Dazu muss die GEMA von innen heraus umfassend reformiert werden. Transparenz, faire Verteilungsschlüssel, eine grundlegend solidarische Ausrichtung und die basisdemokratische, ausschließliche Steuerung durch Urheber statt durch Verleger müssen elementare Prinzipien einer Verwertungsgesellschaft mit Zukunft werden. Auch deshalb klagen die PIRATEN gemeinsam mit den Urhebern der Musikgruppe »Das Ich« gegen die Beteiligung der Verleger an den GEMA-Lizenzen. Wir wünschen der GEMA für die nächsten 100 Jahre den Mut, die für die Urheber so wichtigen Reformen im Sinne des digitalen Wandels anzupacken.

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Bruno Kramm

Kontakt

Bruno Kramm ist Vorsitzender des Landesverbandes Berlin der Piratenpartei und Beauftragter für Urheberrecht und TTIP des Bundesverbandes.