PIRATEN: Nicht die Anonymität im Netz,

Bild: Timecodex - CC BY NC ND

sondern alte Geschäftsmodelle müssen »geschlachtet« werden!

 

Deutschland feierte mit einem sogenannten »Zukunftskongress« 50 Jahre Urheberrecht. Die »Initiative Urheberrecht« versuchte am 1. und 2. Dezember auf dem Zukunftskongress Urheberrecht unter anderem, das Problem der fairen Vergütung von Kreativen im Netz zu lösen.

Anstatt dem Ende von prekären Beschäftigungen und der Selbstausbeutung vieler Kreativer entgegenzuwirken, wurden aber die Rechte der Nutzer und damit auch des Publikums angegriffen. Das Publikum steht mal wieder als Schuldiger im Raum und soll dieses Mal gleich sein Recht auf pseudonymen Internetzugang aufgeben, angeblich, damit die armen Künstler wieder in Lohn und Brot kommen.

Der Göttinger Medienrechtler Gerald Spindler hat laut heise.de die Anonymität im Netz als »heilige Kuh für viele Nerds« bezeichnet, die angeblich »geschlachtet werden müsse«.

PIRATEN - BUNDESVORSTAND - STEFAN KOERNER - FOTO be-him CC BY NC

PIRATEN – BUNDESVORSTAND – STEFAN KOERNER – FOTO be-him CC BY NC

 

»Herr Spindler sollte als Jurist besser wissen, dass die Anonymität, die er im Netz so gerne opfern möchte, gar keine solche ist. Vielmehr möchte er das im TKG (Telekommunikationsgesetz) verankerte Recht auf pseudonymen Netzzugang im Namen der Urheber opfern. Diese Forderung ist ein Zeichen des Versagens von alten Geschäftsmodellen und ein Festhalten an alten Denkstrukturen, die sich in den digitalen, kulturellen Infrastrukturen nicht bewähren«, so Stefan Körner, Bundesvorsitzender der Piratenpartei Deutschland.

 

EU-Abgeordnete Julia Reda - Piratenpartei Deutschland

EU-Abgeordnete Julia Reda – Piratenpartei Deutschland

Julia Reda, Abgeordnete der PIRATEN im Europaparlament und dort zuletzt Berichterstatterin für die Evaluation der Umsetzung der Urheberrechtsrichtlinie von 2001:

»Tatsächlich wirksame Maßnahmen wären einerseits die Vereinfachung der Gesetzeslage – damit das Urheberrecht für alle verständlich wird und Alltagshandlungen von Nutzerinnen und Nutzern, die niemandem schaden, nicht mehr länger im rechtlichen Graubereich stattfinden – und andererseits die Attraktivierung legaler Angebote.

Leider steht die zersplitterte Gesetzeslage in Europa immer noch vielfach kundenfreundlichen Angeboten im Weg. Wir müssen künstliche Barrieren wie das Geoblocking aus dem Weg schaffen. Nutzerinnen und Nutzer sehen nicht ein, warum internationale Inhalte »in diesem Land nicht verfügbar sind«, oder erst mit erheblicher Verspätung auf dem deutschen Markt angeboten werden. Das Publikum zahlt für gute Inhalte gerne faire Preise. Aber nicht mehr zu den Bedingungen alter Geschäftsmodelle und überholter Denkstrukturen.

Künstlerinnen und Künstlern helfen wir am meisten, wenn wir ihre Verhandlungsposition gegenüber Verwertern mit einem europäischen Urhebervertragsrecht stärken.«

 

 

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Kommentare

10 Kommentare zu PIRATEN: Nicht die Anonymität im Netz,

  1. zarathustra schrieb am

    moin

    moin julia
    stimmt – es wird langsam zeit, dass zumindest eu ein einheitliches urheberrecht gebacken bekommt.

    wer kreativ arbeitet, sollte entlohnt werden.

    es sollte zb in ordnung sein, das shakira für ihre musik-arbeit entlohnt wird.
    es kann ja wohl nicht sein, dass sie, um sich futter und miete leisten zu können, bei mc dreck jobben mus.
    (1. mit ihrer kohle fördert shakira soziale projekte in s-amerika.
    2. mc dreck verweigert niemandem die benutzung der toilette – alles
    andere ist hier kein thema)

    anderes thema:

    im inet werden straftaten begangen.

    wie jemand anonym bleiben kann, wissen die nerds besser als ich.
    -mein com wundert sich jedesmal, das ich den knopf zum einschalten finde-

    zb hat die polizei in kölln wiederholt die falsche wohnung durchsucht.
    – spätestens nach dem dritten falschen verdacht hätte sie vorsichtiger
    vorgehen sollen –

    da handelte jemand – 6 server – mit kinder-porNOs.
    – ich selbst bin com doofie….welche kapazität haben 6 server? –

    das i-net darf kein rechtsfreier raum sein.

    was im rl life verboten ist, darf und kann nicht legal sein, weil es im i-net passiert.
    eine begründung à la freiheit des netzes kann es nicht geben.

    kinder-porNOs sind ohne unterschied verboten – es kann keine argumentation akzeptiert werden, die behauptet, im rl ist es verboten, im i-net legal.

    es sollte nicht, sondern muss dagegen angegangen werden.

    wer weiss wie, kann sich im i-net verstecken.

    (-keine denunzierung-)

    wer straftaten im/mittels i-net begeht sollte den zuständigen behörden zur überprüfung übergeben werden.

    wer straftaten gg die sexuelle selbstbestimmung von kindern im i-net begeht, sollte nicht durch anomymität gesichert werden.

    es gibt den grungrechtskatalog des GG.

    der oberste bundesfuzzie der piraten mag ihn als juristisch verhöhnen.

    er gilt!

    also sprach
    zarathusta

  2. Chico schrieb am

    Warum nur im Netz? Man sollte auch die Anonymität im öffentlichen Raum gewährleisten! Also Personalausweise abschaffen. Da wird schließlich jeder einzelne kriminalisiert. Und wenn jemand ernsthaft fordert, am Personalausweis festzuhalten, dann kann man nur sagen (s.o.):

    „Diese Forderung ist ein Zeichen des Versagens von alten Geschäftsmodellen und ein Festhalten an alten Denkstrukturen.“

    Und jetzt mal im Ernst: wieder so ein weltfremder Beitrag, bei dem man nur den Kopf schütteln kann. Die Piraten haben sich seit ihrer Forderung nach Abschaffung geschlechtsspezifischer Vornamen (Parteiprogramm) oder von Altersbegrenzungen beim Wahlrecht (Berliner Senat) kein bisschen verändert.

    • Seepferdchen schrieb am

      Ach Chico – das enttäuscht mich jetzt ein bisschen. Personalausweis abschaffen – so ein Quatsch. Den braucht man doch, um sich dann und wann zu legitimieren. Genauso wie ich mein altes Amazon-Kennwort im Internet ab und zu brauche (hinter dem Account ist dann auch meine Privatadresse hinterlegt, wie du weißt), um zu gucken was es gibt und dann woanders zu kaufen.
      Nein es geht nicht darum, den Personalausweis abzuschaffen, sondern darum, dass man diesen nicht ständig an der Stirn festgetackert und für alle gut sichtbar tragen muss.
      Es ist ein großer Unterschied, ob ich hier frei als Seepferdchen herumschwimmen und mich angeregt mit einem netten Italiener (?) Chico unterhalten kann oder mich als Hugo Furzbengel aus Meinungshausen outen muss.
      Soweit klar? Oh sorry für die letzte Bemerkung. Vielleicht bin ich doch eher Oberlehrer Neunmalklug aus Smartsdorf…wer weiß das schon.
      Borys vielleicht – aber der ist Pirat und verrät mich deshalb (hoffentlich) nicht.

  3. Volker schrieb am

    Zu zarathustra ….Ich möchte nicht das Menschen abhängig sind von sozialen Projekten irgendwelcher Gutmenscheninstitutionen und schon gar nicht von Kunst und Kulturschaffenden die sich dadurch ihren Status polieren.
    Ferner willst du Shakira nicht zu muten ihren Lebensunterhalt bei Mc Frass verdienen zu müssen..
    Bist du auch so großzügig mit den Menschen die das tagtäglich tun müssen?
    Was Piraten mit dem auskömmlichen Einkommen für Urheberrechtsgünstlinge betreiben ist auch nichts weiter als Clientelpolitik a la FDP.
    Ansonsten schrieb ich schonmal, dass ich den Piraten wenig soziale Kompetenz zuspreche. Ihre Kompetenz was soziale Dinge anbelangt beschränkt sich darauf Projekte anzuleiern, aber nicht grundsätzlich ändern zu wollen.

    • Seepferdchen schrieb am

      …sozial nichts grundsätzlich ändern zu WOLLEN?
      Dem muss ich widersprechen. Mangels Masse KÖNNEN wir gerade nicht so viel bewegen. Aber gerade in den sozialen Intentionen der Piraten sehe ich IMO `ne Menge Bewegung. Beobachte das Ganze einfach, wenn du Lust hast.

      • Volker schrieb am

        Sagen wir mal so. Die Piraten hatte das Potential, vor Jahren. Sie wurden wahrgenommen, bewundert wegen ihrer unkonventionellen Art. Vielleicht ist der Rausch vielen Piraten zu Kopf gestiegen. Denn man wollte alles stemmen alles schaffen und verrannte sich in Grabenkämpfe.
        Ja, damals gab es auch soziale Kompetenz. Es gab so vieles. Vielleicht auch zu viel. Aber eins stand auch fest. Die Leute himmelten die Piraten nicht wegen ihrer Kernthemen an, von denen heute noch schwadroniert wird. Die Menschen erwarteten in der Mehrheit Antworten auf ganz reale Fragen. Wir wissen alle dass wir seit Jahren eine sozial politische Schieflage in dieser Gesellschaft fahren. Bewusst fahren! Die Menschen waren es leid, den etablierten Parteien noch ihren Glauben zu schenken. In diese Bresche kam dann die Piratenpartei. Aber Sie war nicht der Lage und auch nicht Willens in diese Richtung irgendwelche Verantwortung zu übernehmen. Nun ist aber auch richtig, dass es eine Menge Piraten gab die durchaus der sozialen Schiene verhaftet waren. Man hätte mehr draus machen können. Sicher, man war auf diesem Gebiet aktiv. Man dachte viel, man schrieb vieles nieder, verband das Ganze dann mit wissenschaftlichen Statistiken, Studien und dergleichen und schrieb Programme. Man brachte sich ein in Projekte jeglicher Art, man wollte Kompetenz zeigen. Das mag zwar alles gut gemeint gewesen sein, ging aber an den Realitäten weit vorbei. Diese Programmatik die man teilweise fuhr hatte auf der einen Seite einen hochwissenschaftlichen Charakter und auf der anderen Seite arbeitet man sich an den Symptomen ab. Z.B. ganz praktischer Art, die Mitläufer zu den Jobcentern, das bekannt machen der Durchwahlen der Jobcenter. Man kann das loben, befürworten, das tue ich auch. Nur wird das das auf Dauer nichts sein was das System verändert.
        Es gibt natürlich auch das BGE was von den Piraten offiziell befürwortet wird, aber intern ist der Glaube daran wohl nicht sehr ausgeprägt. Auch ist verständlich. Die Piraten sind in der Mehrheit Teilnehmer dieser Leistungsgesellschaft und profitieren davon auch. Wer sägt schon an dem Ast auf dem man sitzt. Das hat mit unseren über Generationen geprägten Denkstrukturen zu tun. Sie bewegen sich nur innerhalb des uns gelehrten und gelebten Systems.
        Das werden wir auch nicht ändern in dem wir dem digitalen Zeitalter huldigen. Das digitale Zeitalter wird auch nur ein El Dorado sein. Auch hier werden wieder die Glückritter ihren Schnitt machen. Auf der andere Seite wird es wohl so sein, das die neuen Technologien die Eliten in die Lage versetzen werden, dem Volk noch genauer aufs Maul zu schauen.
        Was nötig ist , das ist eine Bewusstseinsänderung.
        Wo stehen die Piraten dabei….
        Nun komme mir niemand mit dem Parteiprogramm, in den vieles steht..
        Papier ist geduldig sagt man …

        • Seepferdchen schrieb am

          Dem ist nicht viel hinzuzufügen, Volker (+1).

  4. zarathustra schrieb am

    moin volker

    teilweise haste recht.

    du unterliegst aber einem irrtum.

    ich bin sozialschwach.

    das sich die piraten, obwohl von sozialschwachen über die 5%-hürde gewählt, als partei der besserverdienden generieren…dafür gibt es massig beispiele.
    nicht bloss ponader & die landtagsabgeordneten der piraten nrw.

    die piraten werben mit einer langen liste von geldausgaben.

    sofern sie sich zu deren finanzierung äussern, läuft es darauf hinaus, dass die sozialschwachen zahlen sollen.

    auch und insb bei dem heiligtum der piraten, dem bge.

    aber die realität wird geleugnet:

    jan sicars redet, das er bundespräsident wird.
    die noccum, dass sie nicht hören will, dass die piraten nicht die 5%- hürde wuppen werden.
    der oberste bundesfuzzie predigt weiter so – und übersieht, dass von all den abgeordneten der piraten, die von den wählern nominiert wurden, nur der delius und die reding für den wähler respektabele arbeit leisten.

    es wird von seiten der piraten geleugnet, dass es an ihnen selbst liegt, dass sie eben nun mal nicht automatisch jedesmal die 5%-hürde packen.

    anstatt einer selbstkritischen analyse über fehler und ursachen wird retropespektivisch gedacht:
    „wenn wir die, als wir erfolgreich waren, wieder aufstellen, werden wir wieder erfolgreich sein.“

    wem verdanken die piraten eigentlich ihre momentaren wahlergebnisse?

    @ bundes- & landesschatzmeister niedersachsen:
    ich habe beim bundestagswahlkampf an den tischen der piraten geholfen.
    sarah da alleine stehen lassen, wollte und konnte ich nicht.

    ihr schickt mir rechnungen?
    ich bin 3 monate vor (!) der landtagswahl niedersachsen aus der piratenpartei ausgetreten.
    (andere fälschen ihr eintrittsdatum, damit sie vor bärlin dabeiwaren. ich trat nach der kommunalwahl nieders bei.)

    schont die parteikasse.

    soweit diesmal.

    zarathustra

  5. Chico schrieb am

    Liebes Seepferdchen,

    du hast meine Ironie offenbar nicht verstanden. Daher hier die Erklärung:

    Mit der Abschaffung des Personalausweises wollte ich eine Parallele dazu ziehen, wie sinnvoll Anonymität im Internet ist. Nämlich äußerst sinnarm! Je mehr Möglichkeiten sich zur Realisierung von Aufgaben des tgl. Lebens im Internet eröffnen, umso mehr ist genauso wie im sonstigen Leben eine Ausweispflicht nicht nur sinnvoll, sondern erforderlich.

    Das Ergebnis von Anonymität im Netz haben wir in Paris gesehen: Die Planung zum Mord an 130 Personen erfolgte nämlich offenbar (für die franz. Behörden nicht identifizierbar) komplett anonym über die Chatfunktion der Playstation!

    • Ralf H. Badera schrieb am

      Danke Chico. Mit diesem Beitrag hast Du klar und deutlich gezeigt, dass Du
      – nicht verstanden hast, wie wichtig Anonymität im Netz ist.
      – ein typisches Beispiel dafür bist, wie einfach man dem plumpen Angstmacher-Terror-Blabla von Regierung und Medien auf den Leim gehen kann.

      OK, es gibt natürlich noch die Möglichkeit, dass Du beauftragt wurdest, sowas zu schreiben.

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