Anonymous aus dem Internet

Unterwegs mit Guy-Fawkes-Maske gegen das Üble

ANONYMOUS - be-him CC YB NC ND

 

Aktuell macht das Kollektiv Anonymous mit seiner Aktion gegen die Twitter- und Facebookkonten des Islamischen Staates (IS) oder „Daesh“ von sich reden. Wir sind deshalb der Frage nachgegangen:

Wer oder was ist „Anonymous“? (Red.)

Unterwegs mit Guy-Fawkes-Maske gegen das Üble
CC BY-SA Michael Balke/blake Hacelmi

Anonymous fing vor vielen Jahren klein, unbedeutend und mit sehr viel Spaß an. Doch wie das Leben eben manchmal so spielt, entwickelte sich daraus eine sehr große Idee mit sehr vielen Aktivisten weltweit. Weil Anonymous keine Organisation, sondern ein Kollektiv mit vielen anonymen Aktivisten ist, kann es nicht verboten werden, und da viele Zellen unabhängig voneinander arbeiten, ist es nahezu unmöglich, aller Anons habhaft zu werden.

Ursprünglich entstand Anonymous, dessen Anhänger sich selbst Anons nennen, aus Imageboards, bei denen sich kein Benutzer registrieren musste und seine Bilder und Beiträge daher unter „Anonymous“ veröffentlicht wurden. Das erste Ziel von Anonymous war es, für einen möglichst großen Schabernack, einen „Lulz“, zu sorgen.

Ihre erste Aktion „Habbo Raid“ war ganz banal. Das Habbo Hotel (ein soziales Internet-Netzwerk für Teenager) wurde am 12. Juli 2006 von mehreren Anons „überfallen“ und der virtuelle Hotel-Pool – nur aus Spaß – blockiert.

Irgendwie entwickelte die Anonymous-Gemeinschaft dann eine starke Eigen- und Gruppendynamik, weitere Ziele wurden gesetzt: Den freien Informationsfluss zu schützen sowie das Recht auf Anonymität und das Recht auf freie Meinungsäußerung. Schon der Versuch, eines dieser Rechte auch nur einzuschränken, endet oft in einer entsprechenden Reaktion seitens Anonymous, immer unter ihrem Leitspruch: „Wir sind Anonymous. Wir sind Viele. Wir vergessen nicht. Wir vergeben nicht. Erwartet uns.“

Um möglichst viele Menschen zu erreichen und dadurch auch sehr viele Informationen teilen zu können, wurden vom Anonymous-Gemeinschaft einige Wikis und Internetchats erstellt. Über Twitter und andere Webseiten formiert sich das Kollektiv, organisiert Operationen und Aktionen, so auch den Internationalen Tag der Privatsphäre IDP (International Day of Privacy).

Am IDP geht das internationale Bündnis auf die Straße und demonstriert friedlich gegen Kameraüberwachung, Vorratsdatenspeicherung, Bestandsdaten-Auskunft, Staatstrojaner, Internetüberwachung und Internetzensur und informiert interessierte Menschen. Der letzte IDP fand weltweit am 13. Juni 2015 statt.

Anonymous ist ein dezentraler und führungsloser (daher das Logo mit dem Fragezeichen) Zusammenschluss von Menschen, die auf Grund ähnlicher Ideale zusammenfanden. Die Idee, Guy-Fawkes-Maken zu tragen, stammt aus dem Film „V – wie Vendetta“.

Anonymous ist ein loses Kollektiv, das über das Internet mit einzelnen Zellen weltweit vernetzt ist. Es gibt sehr viele unabhängige Anonymous-Zellen und viele Mitglieder kennen sich weder untereinander – noch wollen sie sich kennenlernen, denn: Wen ich nicht kenne, den kann ich auch nicht verraten. Jeder Anonymous-Anhänger finanziert sich selbst.

Jeder kann jederzeit Mitglied von Anonymous werden. Es gibt weder eine Aufnahmeprüfung noch einen Mitgliedsausweis oder sonst irgendetwas. Nicht einmal ein Hacker oder Nerd muss man sein. Das Kollektiv setzt jedoch ein gewisses Grundverständnis voraus, was die Sicherheit im Internet betrifft. Daher, und natürlich auch auf Grund des Kampfes gegen die weltweite Überwachung, nutzen Anons Anonymisierungdienste wie zum Beispiel VPNs und TOR.

Bei allen Aktionen und Operationen gilt der „Code of Conduct“ (CoC). Dies ist ein Verhaltenscodex, der unter anderem jegliche Gewalt untersagt!

Vereinfacht ausgedrückt ist das Anonymous-Kollektiv eine anarchistisch organisierte „Spaßguerilla“, die sich unter anderem dazu entschlossen hat, gegen

• Scientology
• Zensur
• Konzerne, die ihr Geld mit Atomkraft verdienen
• rechtsextremistische Webseiten (Operation Blitzkrieg)
• den Saatguthersteller Monsanto
• das Manifest 2083 des norwegischen Attentäters Anders Behring Breivik (Operation UnManifest)
• und die Gema (Operation Gema)

vorzugehen, sowie für den Erhalt der Privatsphäre und den freien Informationsfluss einzutreten.

Anonymous tritt immer wieder gegen Zensur und Menschenrechtsverletzungen in verschiedenen Ländern an. So zum Beispiel in Israel, Tunesien, Ägypten, Iran, Syrien, Türkei und im Irak.

Die Zukunft von Anonymous? Sie werden weiterhin für viel „Lulz“ sorgen und ihre Ziele verfolgen.

DDoS-Angriffe
Bei einem DDoS-Angriff wird eine Homepage mit vielen automatischen Anfragen belastet, sodass der Server überlastet und die Homepage nicht mehr erreichbar ist. Die Homepage selbst nimmt bei einem DDoS-Angriff keinen Schaden.

Schwarze Faxe
Durch Faxen von vielen schwarzen Seiten ist eine Überlastung einer Fax-Nummer ganz einfach zu erreichen und das Empfängerfax verbraucht sehr viel Toner (sofern die Faxe nicht digital gespeichert werden).

LulzSec
LulzSec kann grob mit „lächerliche Sicherheit“ übersetzt werden. Diese Gruppe trat 2011 mit diversen erfolgreichen Angriffen gegen verschiedene Webseiten in Erscheinung. Ihre Spannweite reichte von DDoS-Angriffen auf Webseiten (unter anderem der CIA) bis zur Veröffentlichung der Zugangsdaten von Nutzern einer Porno-Webseite. Einige Wochen später gab LulzSec ihre Zusammenarbeit mit Anonymous bekannt. Allerdings distanzierten sich viele Anonymous-Anhänger von LulzSec. LulzSec gab nach 50 Tagen ihre Auflösung bekannt. Die Gruppe soll aus nur sechs Personen bestanden haben, von denen einige inhaftiert wurden.

Operation Sony
Als Sony Anfang 2011 gegen zwei Hacker klagte, die angeblich Informationen zum Kopierschutzsystem der PlayStation 3 öffentlich machten, schlug Anonymous wieder zu. Zunächst wurden Websites von Sony und seines PlayStation-Netzwerks angegriffen, die jedoch wieder gestoppt wurden, da dies die Kunden des Konzerns beeinträchtigte. Von den wenige Wochen später gestohlenen 77 Millionen Nutzerdaten aus dem PlayStation-Network distanzierte sich Anonymous ausdrücklich.

Operation Darknet
Das Kollektiv sprengte im Oktober 2011 einen versteckt agierenden Tauschring von Kinderpornografie und löschte die wohl größte Sammlung von Kinderpornos im Internet. Daten von über 1.500 Nutzern wurden veröffentlicht.

Mitte 2011 wurden über 30 Razzien in verschiedenen Ländern durchgeführt, ein Aktivist inhaftiert und dutzende Haftbefehle erlassen. Daraufhin hackte das Anonymous-Kollektiv einen Server mit über 70 Webseiten von amerikanischen Strafverfolgungsbehörden und kopierte zehn Gigabyte Daten.

Anonymous und die Piratenpartei
Viele Ziele des Anonymous-Kollektivs und der Piratenpartei sind identisch. Da es in beiden Gruppierungen viele IT-Experten gibt, dürften einige PIRATEN auch Anons sein. Das Verhältnis zwischen dem Anonymous-Kollektiv und der Piratenpartei ist grundsätzlich gut.

Weiterführende Infos – deutsche News für Anonymous

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Hinweis: Dies ist ein Gastbeitrag und stellt nicht notwendigerweise die Meinung der Piratenpartei Deutschlands dar.

Für Kommentare gelten die hier einsehbaren Regeln.

Kommentare

3 Kommentare zu Anonymous aus dem Internet

  1. äh schrieb am

    „Viele Ziele des Anonymous-Kollektivs und der Piratenpartei sind identisch. Da es in beiden Gruppierungen viele IT-Experten gibt, dürften einige PIRATEN auch Anons sein. Das Verhältnis zwischen dem Anonymous-Kollektiv und der Piratenpartei ist grundsätzlich gut.“
    sicher? ADMIN (BS): Link auf fake Anonymous FB Seite entfernt.

  2. zarathustra schrieb am

    moin

    in mainz gibt es ein strafrechtliches verfahren wg singen der europahymne.

    eingeleitet durch das dortige polizeipräsidium.

    wg singens gibt es einen strafantrag seitens der polizei.

    die begründung lautet – durch singen von „freude schöner götter funken“ wäre eine versammlung der afd gestört worden.

    ermittelt wird gegen konkret beschuldigte.
    namentlich bekannte.

    dazu kein kommentar seitens der piraten

    zarathrustra

  3. juergenasbeck schrieb am

    Das wir die AfD nicht mögen sagen PIRATEN überall sehr deutlich.

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