Wenn die Argumente ausgehen, diffamiert man halt – TTIP

Bild: be-him CC BY NC ND

Gastbeitrag von Guido Körber @TheBug0815

 

So, mir reicht es gründlich. Seit Monaten bekommt man von TTIP-Befürwortern nichts anderes als heiße Luft und die immer gleichen Standardantworten auf konkrete Fragen. Bei Diskussionen kommt man sich nicht selten nicht Ernst genommen vor, wenn auf ganz klare Fragen- wie z. B. nach Problemen bei der Harmonisierung technischer Standards – Antworten von diesem Kaliber kommen:

›Aber schauen Sie mal, zu TTIP bekommen Sie noch einen leckeren Käsekuchen!‹.

Oder kurz gesagt:

Die Diskussion verläuft sehr einseitig. Die Kritik ist teilweise sehr detailliert und fundiert, die Antworten sind zu einem nicht unerheblichen Teil einfach nur als intellektuelle Beleidigung zu bezeichnen.

 

US-Unterhändler Bryant Trick brachte seine Frustration letztes Jahr bei einem Roundtable, den ich besuchte, zum Ausdruck. Er beklagte sich, dass die TTIP-Gegner immer so konkrete Punkte mit Belegen dazu hätten und sie (die TTIP-Befürworter) dagegen nur so kleine, unscharfe, schwer zu erfassende Effekte bieten könnten.

 

Eigentlich sollte man an dieser Stelle davon ausgehen, dass so eine Erkenntnis dazu führt, die eigene Position mal zu überdenken und festzustellen, dass man sich anscheinend verrannt hat und eine unhaltbare Meinung vertritt.

Aber nein.

Da werden 3,26 Mio. Unterschriften gegen TTIP gesammelt, rund 250.000 Menschen demonstrieren in Berlin dagegen, tausende kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland und Österreich positionieren sich gegen TTIP, Gewerkschaften und sogar Wirtschaftsverbände sprechen sich gegen TTIP aus, die Fachpresse von betroffenen Branchen zeigt ganz klare Probleme auf und was machen die TTIP-Fans?

Diese Kritik zur Kenntnis nehmen?

Konsequenzen ziehen?

Das Gespräch suchen?

Nein!

 

Statt dessen wird munter drauf los diffamiert.

Der Spiegel hatte schon am Tag der Demo gegen TTIP in Berlin falsch festgestellt, dass da praktisch nur Nazis marschieren würden, die wegen ihrer nationalen Gesinnung gegen jede Zusammenarbeit mit anderen Ländern seien.

Die FAZ macht am 25.10. munter mit in diese Richtung: TTIP-Gegner seien unvernünftig und antiamerikanisch, die Ängste seien absurd und die TTIP-Gegner nervten.

Ähnliche Kommentare finden sich haufenweise in allen möglichen Medien und von verschiedensten Leuten. Offensichtlich liegen die Nerven bei den TTIP-Fans langsam blank.

Getreu dem Motto ›Nie sollt Ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man Euch zieht, auch noch zu trinken‹ werde ich diese Beschimpfungen nicht erwidern, sondern nur wiederholen: Der Kaiser ist nackt!

TTIP ist kein Freihandelsabkommen, sondern eine Ansammlung von Wünschen von Konzernen, die diese zum Nachteil für Bürger und Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks benutzen wollen. Freihandel geht anders.

 

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Kommentare

6 Kommentare zu Wenn die Argumente ausgehen, diffamiert man halt – TTIP

  1. Chico schrieb am

    Jaja, wenns die bösen Medien nicht gäbe, dann würden die Piraten schon den Bundeskanzler stellen, gell?

    War zentrales Thema der Piraten nicht eigentlich eine neue Informationspolitik für alle Bürger? Was interessieren euch also die Beiträge der veralteten Nachrichtenquellen?

    Übrigens hat der Spiegel nicht „dummdreist und falsch festgestellt“, sondern in verschiedenen Beiträgen berichtet – u.a. auch in dem von euch verlinkten Kommentar (!!) (welcher auch groß und breit als solcher gekennzeichnet war). Freilich eine einseitige und polarisierende Meinung – aber dafür sind Kommentare schließlich da und eben drum als solche, und nicht als Berichterstattung, gekennzeichnet! Es wird ja auch keiner behaupten „Die Piraten sehen im Spiegel nur ein „dummdreistes und falsches“ Medium, nur weil ihr euch in diesem einen Beitrag hier so ereifert habt?!

    Es ist immer wieder interessant, wie ihr euch gegenüber anderen über angebliche Fehler ereifert, die ihr selbst viel schlimmer praktiziert.

    • TheBug schrieb am

      Was den Artikel im Spiegel-Online angeht sollte man den Werdegang kennen, das „Entschärfen“ passierte erst nach Stunden und massivem Shitstorm u.a. auf Twitter, vorher stand der ganz alleine als Bericht da, wurde erst später als „Polemik“ umdeklariert. Das macht den Inhalt aber nicht besser.

      Das „dummdreist“ hat die Redaktion eingefügt ohne Rücksprache mit mir.

  2. Kristin K. schrieb am

    Vielen Dank für den Beitrag, er spricht mir aus der Seele. Zum vorigen Kommentar, wenn Journalisten von scheinbaren Qualitätsmedien in Kommentaren lügen können bis die Balken biegen, dann würde ich das nicht polarisieren nennen, sondern den Missbrauch von Medienmacht.

  3. zarathustra schrieb am

    moin

    nach dem bundespräsidenten kommt der ministerpräsident des bundeslandes, das den vorsitz im bundesrat führt. wenn der auch noch ausfällt ist die nr drei dran – der präsident des bundestages, zz norbert lammers.

    dem ist auch der kragen wg ttip geplatzt.

    (mal kieken, ob der lammers nicht bundespräsident wird, wir hatten schon schlechtere.

    @ kommunahlvertreter der piraten:
    so manchen strassennamen, der heute unangehm bis unpassend ist, könnte mensch in richard-von-weiszäcker umbenennen lassen, erwägungen wg helmut&loki-schmidt wären erwägenswert;
    dazu bedarf es der zustimmung der nächsten angehörigen (bzw der von helmut schmidt) – der willy-brandt platz ist hier am ort 3mal umgezogen wg der brigitte seebacher-brandt.
    es müsste schon ne grosse, sprich repräsentative stasse/platz sein.

    für unseren damaligen oberbürgermeister hab ich mal ne sackgasse, die zugleich eine einbahnstrasse ist vorgeschlagen. das wäre für den passend.
    für weiszäcker und Helmut&Liocki-Schmidt stasse wäre was schönes auszusuchen)

    back to thema

    in den medien heisst es erst immer griechenland, nun flüchtlinge.
    wichtige themen.
    ttip wird nebenbei (unbemerkt) durchgezogen.

    weder die abgeordneten des kongresses noch die eu-abgeordneten kriegen einsicht.
    (stattdessen sind ü 2000 lobbyisten akkredidiert und fummeln daran rum)

    wenn wir in 10 jahren wissen, wie es um griechenland steht, die flüchtlinge, die heute kommen, integriert oder wieder zu hause sind, dann haben wir ttip immer noch am hals.

    wir ostfreesen mögen es nun mal nicht, wenn an der freiheit rumgefummelt wird.
    (unsere grafen und fürsten haben wir immer genervt – den letzen sogar totgeärgert; andere völker haben ihre potentanten die rübe abgeschnitten… wir ostfreesen mögen es gerne gemütlich)

    z

  4. Ralf Becker schrieb am

    Habe mich bei prometheusinstitut.de auch zum Thema TTIP/CETA mit ergänzenden Kommentaren beteiligt und bin in diesem Zusammenhang ebenfalls zu dem Ergebnis gekommen, dass TTIP/CETA nicht befürwortet werden kann.
    Ich kann es insofern bestätigen, dass eine sachliche Diskussion oft sinnlos ist.

  5. Beate Kiefner schrieb am

    die TTIP-Befürworter sind schlicht in Erklärungsnot und suchen nach dem Prinzip ‚Angriff ist die beste Verteidigung‘ zu kontern.
    es geht in die nächste Runde: jetzt gilt es, nicht beleidigt in der Ecke zu schmollen, sondern alle Hebel einer demokratischen Zivilgesellschaft in Gang zu setzen! Unsere demokratisch gewählten Gremien müssen endlich über die Verhandlungsschritte inhaltlich umfassend informiert werden, die Geheimnistuerei muss aufhören, die Schiedsgerichte müssen aus den Verträgen ersatzlos verschwinden!

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