Flüchtlingsarbeit – das mit den Kernthemen…

Bild: be-him CC BY NC ND

fredo_web Gastbeitrag von  Manfredo Mazzaro @fredo_ffm 

Wie Ihr mit Freifunk Internet zu Flüchtlingen bringt

Anfang August las ich in einer WhatsApp-Gruppe, dass die Sporthalle in meiner Nachbarschaft zur Notunterkunft für Flüchtlinge wurde. Im Freundeskreis wollten wir spontan Kleidung etc. spenden. Ich bin dahin gegangen und habe nachgefragt, was gebraucht wird. Schnell war klar, dass es in der Unterkunft auch kein WLAN gibt.

Internetzugang ist gerade für Flüchtlinge immens wichtig: Kontakt zur Familie halten, auf der Flucht getrennte Angehörige suchen, sich in der Stadt zurechtfinden, Arztbesuche und Behördengänge vorbereiten und nicht zuletzt Deutsch lernen; wer nur über teure Pre-Paid- Karten online gehen kann, hat schnell das Datenlimit oder die finanziellen Grenzen
erreicht.

Paradoxerweise sind in den meisten dauerhaften Flüchtlingsunterkünften leistungsfähige Internetanschlüsse vorhanden. Aber wer seinen Anschluss solidarisch teilen will, steht vor technischen, administrativen und rechtlichen Herausforderungen. Die technische Antwort auf dieses politische Problem liefert Freifunk.

Den meisten PIRATEN muss man diese Zusammenhänge nicht erklären. Sie verstehen, wie wichtig Netzzugang für alle Lebensbereiche ist und wissen um die Probleme, freies Internet in Bürgerhand aufzubauen.

Entscheider in der Verwaltung und bei den Trägern sozialer Arbeit sind jedoch oft „Neuländer“. Die immense Bedeutung der Digitalisierung unserer Lebensbereiche wird von einigen Politikern als Schlagwort benutzt, die Auswirkungen der digitalen Revolution aber immer wieder verkannt. Hinzu kommen Berührungsängste bei der Erkenntnis, dass sich technische Zusammenhänge dem Entscheider oft verschließen. Und natürlich wächst der Hunger nach „Big Data“ für Wirtschaft und Sicherheitsorgane.

Jetzt ist die praktische Hilfe von Piraten notwendig. und beweist, dass wir für viele gesellschaftliche Herausforderungen tragfähige Lösungen kennen, die auch in Krisenzeiten funktionieren. Denn es ist kein Zufall, dass dezentrale freie Netze sich gerade dann besonders bewähren, wenn es um Möglichkeiten geht, solidarisch zu sein.

Das Deutsche Rote Kreuz in Frankfurt, den örtlichen Träger der Notunterkunft, haben wir durch viel Überzeugungsarbeit dafür gewinnen können, die Anbindung an den eigenen Internetzugang und Aufstellung von Freifunk-Routern zu erlauben. Inzwischen sind einige Standorte versorgt oder in Vorbereitung.

Regionale Medien waren auf die Aktion aufmerksam geworden; wir geben regelmäßig Interviews (eine kleine Presseschau findet Ihr hier).

Und nun haben weitere Träger angefragt, so dass wir wohl noch in etlichen Unterkünften für Flüchtlinge und Wohnsitzlose freien WLAN-Zugang realisieren können.

Mit der Stadt waren wir seit über einem Jahr in Gesprächen über freies WLAN, das lief extrem schleppend. Über die aktuellen Aktionen und die mediale Aufmerksamkeit kommen die Dinge nun ins Rollen. Zum konkreten Hilfsprojekt folgt also unmittelbar erfolgreiche politische Arbeit, welche Piraten ja bereits an vielen Orten leisten.

Zuwanderung wird ein zentrales politisches Thema bleiben und auch die Ursachen von Flucht und Vertreibung werden leider nicht zeitnah verschwinden.

Epplehaus_CC-BY-NC-ND_hell_schwarz

Wer bei jetzt bei sich vor Ort helfen will, kann Folgendes machen:

1. Kontakt mit den nächstgelegenen Freifunkern aufnehmen. Eine Übersicht findet Ihr hier.

2. Dort fragen, ob es bereits Projekte gibt und helfen.

3. Falls es noch keine Projekte gibt, mit der Verwaltung klären, welche Träger die Unterkünfte betreuen, dort melden, persönliches
Gespräch vereinbaren (örtlichen Freifunker mitnehmen!) und erklären, was Freifunk kann.

4. Könnt Ihr den Träger nicht überzeugen, kann man den Uplink aus der Nachbarschaft organisieren und den Gästen der Unterkunft 1-2 Router
schenken, die diese dann anschließen. Dieser „Hack“ sollte aber selten notwendig sein. Versucht immer, eine einvernehmliche Lösung zu finden,
wie beispielsweise in Stuttgart.

5. Nach erfolgreicher Arbeit gemeinsam mit dem Träger Pressearbeit machen.

Freifunkkompatible Router gibt es übrigens gerade unschlagbar günstig im P-Shop.

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Kommentare

11 Kommentare zu Flüchtlingsarbeit – das mit den Kernthemen…

  1. freifunker schrieb am

    Viel Glück!

    In Freiburg wurde der Zugang nach 6 Tagen durch das Regierungspräsidium wieder abgeschaltet.
    – „Man würde einen anderen Provider favorisieren.“
    Und in den Kommentaren findet man ein geteiltes Deutschland. :-(

    http://www.badische-zeitung.de/freiburg/fluechtlinge-in-freiburger-aufnahmestelle-haben-nun-wlan–111223353.html

    http://www.badische-zeitung.de/freiburg/freiburger-bea-regierungspraesidium-zieht-den-freifunk-stecker–111559326.html

    73/88
    freifunker

    • Tegres schrieb am

      Schade, dass es in Freiburg nicht geklappt hat. Versteh aber nicht, dass das RP nicht die Hilfe aus der Bevölkerung annimmt. Es kann halt leider auch nicht immer klappen.

  2. Sabrina schrieb am

    Ich lebe von 818 Euro Rente. Aus diesem Grund habe ich bisher davon absehen müssen, mir ein Smartphone zuzulegen.

    • OSS schrieb am

      Was für ein blöd- und unsinniger Kommentar m(

      Wenn es daran scheitert, bitte antworte auf diesen Kommentar. Ich habe hier noch ein gebrauchtes, gutes Smartphone liegen, dass ich Dir gerne schenke (!), damit Du auch mal soooo ein Riesenglück wie die Flüchtlinge hast. Ja, ich mein das Ernst.

      Übrigens: wenn hier Bomben fallen, wäre das Handy das allererste was ich mitnehme. Alleine schon wegen der Orga und GPS.

      • Alfred schrieb am

        OSS
        was für ein pampiger Kommentar. Kannst Du Dir vorstellen wie es ist, möglicherweise nach einem langen arbeitsreichen leben von 800 oder 1.000 Rente Leben zu müssen ? Weißt Du das die Erzieher die die Deine Kinder erziehen (wenn Du denn welche hast) und die Altenpfleger die Deine Eltern versorgen wenn sie mal alt sind nicht von ihrer gesetzlichen Rente ( ca. 45 % des letzten Netto) leben können ? Ist das nicht Menschenverachtend ? Sag mal ? Wenn Du 1.500 Euro Rente haben willst musst Du ca. 3.000 Euro Netto also ca. 5.000 Euro brutto verdienen. Wie viel Menschen kennst Du die soviel verdienen ? Alle anderen werden aufstocken müssen. Wer zahlt das ? Und dann im Angesicht der anstehenden Industrie 4.0 und dem damit verbundenen Wegfall von ca. 40 % der Arbeitsplätze noch Migranten aus den Flüchtlingslagern in der Türkei und dem Libanon ins Land lassen ? Statt dort zu helfen ? Dort fallen übrigens keine Bomben. Von den anderen Problemen die so eine Masseneinwanderung mit sich bringt ganz zu schweigen. Lies mal den „No borders “ Beitrag und die Kommentare.

        • OSS schrieb am

          Hi,

          natürlich kann ich mir das vorstellen, dass wird mich übrigens auch ereilen. Weitere Neuigkeiten sind übrigens: Bayern will Meister werden und 38° im Sommer sind voll warm!

          Da Du ja auch Vermutungen anstellst, will ich auch mal: ich vermute, dass „Sabrina“ keine Oma ist, die 40 Jahre lang gearbeitet hat. Den Rest lasse überlasse ich jetzt jemandem anders, es ist nicht meine Aufgabe, hier Wohlstand bzw. Armut gegeinander auszurechnen.

          Was mich aber ankotzt: da bringt es also jemand fertig, gegen zahlreiche Widerstände einen freie Internetzugang für *jedermann* (auch Deutsche!!1!) sicherzustellen. Für geschundene Menschen, die sehr wahrscheinlich alles verlorenhaben und nur über solche Initiativen Kontakt in die Heimat usw. herstellen können und dann wird hier kommentiert, dass man sich ja kein Smartphone leisten könne. Unfassbar m(

  3. Boschert schrieb am

    Ich bin selbst Pirat und werde als deutsch schlimmer behandelt als ein Asylbewerber, denn ich werde aus Deutschland vertrieben, nur weil ich nicht ganz normal bin. Ich halte die Asylanten für ungerecht gegenüber mir, denn sie griffen mich schon öfters an!

  4. Tegres schrieb am

    Super Sache! Weiter so!
    Und an alle: Nicht gleich aufgeben, wenn es erstmal nichts wird. Manchmal muss man bei den Verantwortlichen dicke Bretter bohren. In Kassel entscheidet es sich diese Woche, wie es weiter geht.

  5. Fredo schrieb am

    Leider wird immer wieder versucht, sozial Schwächere gegeneinander auszuspielen…
    Freifunk hilft seit etlichen Jahren dabei, dass der Internetanschluss solidarisch geteilt werden kann. Das hilft nun auch den Flüchtlingen, aber eben auch allen anderen. Wir haben inzwischen etwa ein Dutzend Router in Unterkünften, aber über 170 Router in Privatwohnungen, Geschäften etc.
    Dass wir nicht alle längst überalle freies WLAN haben, liegt an der Entscheidung von Neuland-Politikern und nicht daran, dass die Bereitschaft, für einen Anschluss zu zahlen und davon etwas abzugeben nicht groß genug wäre…
    Freifunk ist für alle da ;-)
    Hier ist beschrieben, wie man bei dem aktuellen Problem helfen kann. Und ich habe die Hoffnung, dass sich durch die improvisierte Hilfe auch ein bisschen was in der Bekanntheit und Akzeptanz von Netzen in Bürgerhand ändern wird.
    Vielleicht ist es gerade die spontane Hilfe für Flüchtlinge, die erkennen lässt, dass wir als vernetzt organisierte Bürger vor Ort grundsätzlich viel mehr machen können und wollen, als uns politische Entscheider zutrauen wollen…

  6. zarathustra schrieb am

    moin

    jemand aus dem elfenbeinturm erklärt was sache ist.

    toll.

    z

    • Tegres schrieb am

      Interessant. Praktische Hilfe ist also Elfenbeinturm? Naja, müssen ja nicht alle das Engagement von Fredo gut finden. Ich tu’s aber :)

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