Freifunk: Nach 100 Tagen gestern die große 100-Knoten-Feier

Bild: CC-BY Martin fisch
Selbst in der Merkel-Republik ist bürgerlicher Gemeinsinn noch nicht ganz tot. Die Bürger von Kirchheimbolanden, einer kleinen Stadt in der Nordpfalz, haben das im zurückliegenden Frühling gezeigt: Ostern 2015 gab es in Kibo genau einen Freifunkknoten. Zur Jahresmitte – an diesem Samstag – geht der hundertste ans Netz, als Teil des Westpfälzer Freifunknetzes.
Die Idee scheint wie aus der Zeit gefallen: Einige Einwohner einer Stadt finden sich zusammen, um ein gemeinschaftliches Projekt aufzubauen, das allen Bürgern und Besuchern nutzt. Der Aufwand ist gering, und besonders Gewerbetreibende haben ein naheliegendes Interesse am Freifunk: Wo immer ein Kunde ein wenig Wartezeit überbrücken muss, freut er sich über unbeschränkten, unvermittelten Netzzugang. Freifunk ist ein Verkaufsargument, weshalb die meisten Knoten der Stadt in Cafés und Geschäfträumen installiert sind.

 

Und doch, man muss eine mentale Hürde nehmen, um die Freifunkidee zu verstehen. Schließlich gehört mehr dazu, als einen Router aufzustellen. Erstens nämlich funktioniert jedes Freifunknetz umso besser, je intensiver sich die Knoten vernetzen. Das bedeutet, dass jeder Knotenbetreiber auch an die anderen Betreiber denken muss, mindestens bei der Aufstellung seines Geräts. Anders gesagt: jeder einzelne Knoten wird stabiler, je weiter er sich anderen öffnet. Das ist eine Denkübung, die allgemein gepredigten Weisheiten völlig zuwiderläuft.

 

freifunk_kibo_feuerwe27j7bZweitens hängt das bizarre Konstrukt der „Störerhaftung“ über jedem Freifunknetz (mehr dazu: freifunkstattangst.de). Die aktuelle Politik, besonders der Bundesregierung, aber auch vieler Länder und Kommunen, richtet sich spezifisch gegen alle Bestrebungen und Strömungen, die direkt auf Eigeninitiative der Bevölkerung beruhen. Solche Initiativen sind unerwünscht, weil schwer kontrollierbar, weshalb die Regierung mit fadenscheinigen Argumenten, aber harten Gesetzen dagegen vorgehen möchte.

 

Die Freifunkidee verlangt also von den Beteiligten ein gewisses Maß an bürgerlichem Selbstvertrauen und damit eine Skepsis gegenüber den Interessen der aktiven Politik, und zwar eine, die tatsächliches Handeln mit sich bringt. Dezentrale, freie Netze sind der Kontrolle der Mächtigen entzogen. Darf man aber Bürgern erlauben, sich selbst zu organisieren? Lieber nicht, sagen die Mächtigen, es könnte ja etwas entstehen, über das man keine Kontrolle hat. Selbstverständlich, sagen alle Freifunker, denn davon hat jeder was. Freifunk ist ein Projekt mündiger Menschen!

 

ff3Gestern, am 27. Juni, ging der 100. Freifunkrouter in Kirchheimbolanden online. In spektakulärer Weise erfolgte die Montage des Richtfunkrouters mit einem großen Leiterwagen am Feuerwehrturm. Wehrleiter Thomas Rech und Pirat und Freifunker Klaus Brand nahmen das Gerät sogleich in Betrieb. Den Feuerwehrleuten steht auf der Wache nun freies WLAN zur Verfügung, ebenso wie den Bürgern rund um das Gelände,

 

Die PIRATENPARTEI Rheinland-Pfalz unterstützt Freifunkaktivitäten landesweit und hat für die #100Knoten-Aktion in Kirchheimbolanden zwei Router zur Verfügung gestellt.
ff4

 

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