Islamischer Staat: Wurzeln, Ideologie und Gefährdungsanalyse

Bild: CC-BY-NC Lonnon Foster

Ein Beitrag der AG Außen- und Sicherheitspolitik

Der Islamische Staat (IS) gilt derzeit als die am besten organisierte und bewaffnete Organisation im Bereich des islamistischen Terrorismus und dominiert die Nachrichten wie kaum ein anderes internationales Thema. Die Spurensuche führt von den Anfängen einer kleinen sunnitischen Terrororganisation hin zu einer ideologischen Dampfwalze, die den ganzen Kontinent zu überrollen droht.

 

Längst hat der IS seinen Machtbereich über die Grenzen seines Keimgebietes in Syrien und Irak hinweg ausgedehnt. Mit verstreuten Terrorzellen im ganzen Nahen Osten, der Symbiose mit Boko-Haram in Nigeria und Attentaten im Herzen von Paris hat er eindeutig sein globales Bedrohungspotenzial unter Beweis gestellt.
Ein Blick auf die geopolitische Landkarte lässt auch wenig Hoffnung für die Zukunft aufkommen: Der Arabische Frühling ist längst zu einem Winter geworden und hinterlässt eine ganze Reihe instabiler Staaten. Allen voran Libyen, das nach dem Bürgerkrieg im Chaos zu versinken droht und damit einen idealen Nährboden für die radikalislamische Terrormiliz bildet. 

 

Im Osten des Landes weht über einigen Städten bereits die schwarzweiße Flagge – ein untrügliches Erkennungsmerkmal für die gnadenlose Umsetzung des totalitären Herrschaftssystems. Dass innerhalb von diesem eine Koexistenz mit anderen Gesellschaftssystemen unmöglich ist, hat zum Jahreswechsel der Genozid an den Jesiden gezeigt.
Häufig wird der Begriff „Jihad“ auch auf den Kampf von Muslimen gegen das Abendland reduziert. Dies stimmt jedoch nur bedingt, wird doch innerhalb des Islam ein mindestens ebenso erbitterter Kampf gegen andere Glaubensrichtungen – allen voran die Schiiten – geführt.

 

Die AG Außen- und Sicherheitspolitik der Piratenpartei hat daher in der nachfolgenden Analyse versucht, den Weg des IS nachzuzeichnen und einen Zusammenhang mit anderen, regionalen Faktoren herzustellen. Dies soll helfen, die Strategie und Ziele des IS zu verstehen und somit die Möglichkeit geben, die aktuellen Ereignisse besser bewerten zu können.

 

IS Analyse – Download-Link zum vollständigen Text

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Kommentare

7 Kommentare zu Islamischer Staat: Wurzeln, Ideologie und Gefährdungsanalyse

  1. Andena schrieb am

    Recht guter Text zur #Isis.

    Nur die Rolle von dem islamistischen Regime #Saudi_Arabien hätte noch klarer dargestellt werden müssen.

    Und natürlich kann man dann hinterfragen, warum die #USA trotz der von #Saudi_Arabioen ausgehenden islamistischen Gewaltorgie dennoch an der „Partnerschaft“ mit diesem islamistischen Regime festhält und mit
    ihnen weiterhin zusammen arbeitet.

    Und dann könnte man hinterfragen, warum die #brd denn immer noch Waffen an das islamistische Regime in #Saudi_Arabien liefert, wenn diese Waffen dann bei Massenmorden gegen zBsp Schiiten eingesetzt werden.

    Es gibt noch einiges zu tun!

  2. Nerdy Pferdy schrieb am

    Ich sehe da leider nur eine militärische Lösung, den IS auslöschen bevor er sich weiter ausbreiten kann !!!

  3. Otla schrieb am

    Leider fehlerhaft.

    Die Beschreibung des Unterschieds zwischen Schiiten und Sunniten ist schlichtweg falsch, so z.B. die Behauptung, die Schiiten würden die Sunniten nicht als Muslime ansehen. Beide erkennen sich durchaus gegenseitig an, was die Zwölfer-Schia betrifft (diverse daraus erwachsene Sekten werden von den Sunniten öfter nicht mehr als islamisch anerkannt); auch ist die Zwölfer-Schia als 5., die Dja’faritische Rechtsschule, in el-Azhar vertreten.

    Was hier fehlt, ist der ganz erhebliche westliche Einfluss, ohne den es keine der islamistischen Gruppierungen,auch IS, gäbe. Dass auf den Westen beständig Bezug genommen wird, lässt sich allein schon an den berüchtigten orangenen Einkleidungen bei den Enthauptungen westlicher Geiseln erkennen. Die orangenen Overalls sind nämlich die von Guantanamo her bekannten US-Gefängniskleider.

    Es ist darauf hinzuweisen, dass die gesamte politische islamistische Bewegung mit der islamischen Revolution in Iran begann. Sie nämlich brachte den messianischen Gedanken hinein, ohne den der Erfolg solcher Blasen nicht erklärbar ist; der nämlich produziert die Scheuklappen, die Anhänger und Kämpfer kompromisslos die Realitäten ignorieren lässt. Man kann nicht verlieren, wenn man daran glaubt, dass in der größten Not ein Messias auftauchen und den Sieg über alle anderen erringen lässt. Dieser Gedanke ist die Pest. Der Ursprung liegt bei den Armageddon-gläubigen US-Evangelikalen, bei den Schiiten ist er ohnehin stets vorhanden (in der größten Not kommt der verborgene 12. Imam) und in Israel blüht und gedeiht er bei Nationalreligiösen, messianischen Juden und einigen Haredim-Gruppen. In der Sunna ist er kaum verbreitet, war jedoch die Energie, die in der Geschichte alle militanten schiitischen Sekten befeuerte.

    Die Ideenverbindung zwischen westlichen Ideologien, insbesondere Marxismus (mit Akzent auf den Klassenkampf, der auf den Kampf kapitalistischer Westen vs. unterdrückte, ausgebeutete Muslime verschoben wurde), aber auch Anarchismus und schließlich nationalsozialistische Ideen und faschistische schuf als Erster, jedenfalls was durschlagenden Erfolg betriff, Ali Schariati, ein in Großbritannien vom Schah-Regime ermordeter iranischer Intellektueller, auf den sich auch Chomeini bezog, aber durchaus auch bürgerliche iranische Rebellen. Er schuf die Verbindung zwischen für den Iran durchaus verständlicher anti-westlicher Haltung und einem puristischen, militanten Islamverständnis, das alles andere als orthodox ist. Typisch für diese Ideologie ist vielmehr, dass sie sich von der Orthodoxie absetzt. IS-Anhänger bezeichnen die an sich hoch geachteten Islamgelehrten, Professoren, Muftis und Imame als „Kokosnüsse“, die man am besten aus Universitäten und Moscheen ‚raus schmeißt, wo man sie nur für wertloses Zeug bezahlt.
    Befeuernd wirkte auch der durchaus militante Wahabismus, gegen den Saudi Arabien bis zu Beginn des letzten Jahrhunderts drei Kriege geführt hatte und der dort immer noch ein auch vom Königshaus zu respektierender Machtfaktor ist; der wiederum ist von den Kharidjiten beeinflusst, der dritten und kleinsten islamischen Konfession (hier bitte Wikipedia bemühen).

    Durch den politischen Erfolg der Islamischen Republik drangen ihre Ideen weit in die islamische Welt, wo sie aufgenommen und entsprechend angepasst wurden. Typisch sind der messianische Gedanke und die Ablehnung der islamischen Orthodoxie, wenn wir den Begriff mal sehr weit fassen und die wissenschaftliche islamische Theologie einschließen.
    (Nebenbei bemerkt: auch Chomeini war theologisch keine Größe).

    Die Verwandtschaft, die sich aus diesem Zusammenkochen unterschiedlicher Ideen ergab, führte dazu, dass sich insbesondere die militanten modernen Salafisten Europas zum Islam gezogen fühlten. Die Sprache war vertraut. Immerhin sollen über die Hälfte der IS-Kämpfer in Irak und Syrien aus dem Ausland stammen, und zwar nicht aus den unmodernsten Staaten (Tunesien).
    Ich bezweifle allerdings, dass sie für die IS-Führungskader mehr sind als Kanonenfutter.

    Übrigens glaube ich nicht daran, dass IS sich über Irak und Syrien hinaus ausbreiten kann. Insbesondere den Syrern sind die Grausamkeiten des IS relativ gleichgültig, sie haben in jahrelangem Krieg sogar schon Schlimmeres kennen gelernt. In allen anderen muslimischen Bevölkerungsgruppen jedoch gilt ihre Ideologie als kharidjitische Häresie, gegen die notfalls sogar ein Jihad als heiliger Krieg gegen die Vernichtung des Islam notwendig erscheinen könnte.

    Angesichts des Umstands, dass die jüngsten Raketen auf Israel von IS-Anhängern abgefeuert wurden, gegen deren Treiben Hamas ganz erhebliche Einwände hat, erscheinen die Überlegungen zu Israel doch reichlich spekulativ (kann mir da allerdings noch andere Möglichkeiten denken …). Israel nicht anzugreifen wäre jedenfalls für IS ein weiterer Sargnagel, sind doch nicht nur Palästinenser in nicht unerheblichem Umfang der Überzeugung, bei ISIL („JSIL“)handle es sich um eine von Israel geförderte false flag Operation.

    • Andena schrieb am

      Nein. Der sunnitisch-islamistische Wahhabismus ist natürlich viel älter als die schiitische Revolution im Iran gegen das korrupte monarchische Regime von Reza Pahlavi.

  4. pilot schrieb am

    Mit dem Sturz Saddam Husseins und dem Versuch eine Parlamentarische Mehrheitsdemokratie nach westlichem Muster im Irak zu etablieren sind die Sunniten aus der Regierung verschwunden und sollten sich nun von der schiitischen Mehrheit regieren lassen. Die Wurzeln des IS liegen in der sunnitischen Minderheit im Irak, die sich nicht von den Schiiten regieren lassen will. Darum auch, sind westliche Demokratien verhasst. Eine angemessene Beteiligung der Sunniten in der Regierung könnte Abhilfe schaffen.
    Auch für die westlichen Staaten sollte man über modernere Demokratiemodelle nachdenken.
    Die Schweiz gibt dafür ein gutes Vorbild.

  5. Teiler schrieb am

    Eine ziemlich oberflächliche Analyse, die wenig bis gar nichts Neues birgt. IS ist ein Haufen fanatischer Marodeure, die im zerbombten Niemandsland herrschen und eine große Klappe haben. Militärisch sind die ein Zwerg. Und in dem ganzen Dokument wird nicht einmal erwähnt aus was für Umständen IS überhaupt entstehen könnte: Die Zerstörung d Irak durch die USA und Syriens durch Söldner-Armeen der GCC-Dikaturen.

  6. Otla schrieb am

    Ich denke, inzwischen scheint eine neue Tendenz auf.
    Von IS in Irak ist bereits bekannt, dass insbesondere in der Führung viele alte Anhänger, insbesondere Militärs von Saddam Hussein sind.
    Nun schreibt gerade der Independent (http://www.independent.co.uk/news/world/middle-east/isis-in-libya-muammar-gaddafis-soldiers-are-back-in-the-country-and-fighting-under-the-black-flag-of-the-islamic-state-10111964.html), dass ähnliches auch für IS in Libyen zutrifft. Dass da viele ehemalige Gaddafi-Fans bei sind, pfiffen die Spatzen ja schon lange von libyschen Dächern. Jetzt ist in Sirte aber auch ein bis zum Ende loyaler General Gaddafis auf Seiten des IS festgenommen worden.

    Die Anhänger des gestürzten Regimes stecken also auch da mit drin. Überraschen kann das den Kundigen nicht, hatte doch Saif el-Gaddafi noch während des Krieges gedroht, das Regime könne mit seinen Anhängern auch zu den Islamisten/Salafisten überlaufen.
    Und, nebenbei bemerkt, mit der Verschiffung Tausender, wenn nicht Millionen von Flüchtlingen über Libyen nach Europa als Rache hatte auch der olle Gaddafi noch gedroht. Die Rebellen sahen eigentlich eher das Unrecht, das ihnen mit den von der EU finanzierten Lagern in der Wüste angetan wurde; von daher wäre es nicht verwunderlich, wenn die Gaddafista auch im Schleppergeschäft hinge, gerade, weil die alles andere als achtsam mit den Flüchtlingen umgehen.

    Angesichst ihrer politischen, Verwaltungs- und zuvörderst militärischen Erfahrung gehe ich davon aus, dass die Anhänger der alten Regime früher oder später IS den Rang ablaufen und dort den entscheidenden Einfluss haben werden.
    Allerdings neige ich zu der Ansicht, they never come back. Denken wir an die Weißen kurz nach der russischen Revolution und schon die Franzosen hatten ähnliches zu verzeichnen.

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