Mitgliederumfrage: Piraten bekennen sich zu ihren Kernthemen

Die jüngste Mitgliederumfrage der Piratenpartei Deutschland hatte die thematische Ausrichtung der Partei für die nächsten Jahre zum Inhalt. Von den über 4700 eingegangenen Stimmen bekannten sich über 90 % zu Themen aus dem Spektrum Bürger- und Freiheitsrechte [1]. Abgefragt wurden alle Themenbereiche aus dem Grundsatzprogramm der Piratenpartei Deutschland [2]. Die Mitglieder konnten jedes Thema auf einer Skala von »voll und ganz« bis »ganz und gar nicht« bewerten.

Die Piratenpartei wird dem Wunsch der Mitglieder entsprechen und die Kernthemenblöcke »Privatsphäre und Datenschutz«, »Transparenz im Staatswesen« und »Mehr Demokratie wagen« zu klaren Schwerpunkten ihrer politischen Arbeit machen [3].

Stefan Körner, Vorsitzender der Piratenpartei Deutschland, meint zum Ergebnis der Mitgliederumfrage:

»Es ist Zeit für uns, als Bürgerrechts- und Datenschutzpartei wieder Flagge zu zeigen. Die größte Gefahr für unsere Demokratie ist die Unfähigkeit der etablierten Politik, mit den Herausforderungen unserer Zeit angemessen umzugehen und das zu tun, wofür sie auch gewählt wurden: Schaden von unserem Land und seinen Bewohnern abzuwenden. Dazu gehören die Geheimdienstskandale um BND und NSA, die Einführung der grundlosen massenhaften Überwachung des eigenen Volkes (Vorratsdatenspeicherung) und die schweren Schäden, die unsere Demokratie in den letzten Jahren durch Lobbyismus, Korruption und eine zunehmend grundrechtsfeindliche Gesetzgebung erlitten hat. Die unaufhaltsam sinkende Wahlbeteiligung ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Politik ihre Glaubwürdigkeit von Wahl zu Wahl immer mehr verspielt. Wir PIRATEN werden unsere Bürgerrechte und den Schutz des Einzelnen vor einem übergriffigen Staatswesen wieder ins Bewusstsein der Allgemeinheit rücken – ebenso wie die dringend notwendige Weiterentwicklung unserer Demokratie. In Sachen Bürgerrechte und Datenschutz ist die Piratenpartei alternativlos.«

Quellen:
[1] https://www.piratenpartei.de/wp-content/uploads/2015/06/umfrageergebnisse_themen.png
[2] https://wiki.piratenpartei.de/Parteiprogramm
[3] https://www.piratenpartei.de/wp-content/uploads/2015/06/umfrageergebnisse_aussagen.png


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Kommentare

14 Kommentare zu Mitgliederumfrage: Piraten bekennen sich zu ihren Kernthemen

  1. Gernot Köpke schrieb am

    Die Frage war: „Welche Schwerpunkte in kommenden Wahlkämpfen setzen?“
    Ich habe das wie vermutlich die Meisten auf die nächsten anstehenden Wahlen in den nächsten jahren bezogen, nicht die nächsten paar Bundestagswahlen. Sowas abzufragen wäre auch völlig hirnrissig.

    • 110 schrieb am

      wir machen uns vor uns selbst lächerlich, tun uns selbst und gegenseitig weh, und merken es nicht einmal.

      diese punkte, die dort zur wahl standen, stellen in der summe nahezu ein vollprogramm dar, und das nennen die urheber dann „kernthemen“.

      lediglich die landwirtschaft und der feminismus kommen zu kurz, aber die waren auch vorher schon nicht so übermäßig vorhanden, wie einige immer behaupteten.

      das gründungsthema „urheberrecht“, wegen dem ich von beginn an bzw. noch vor der gründung die piraten begleitet habe, landet bei dieser umfrage auf dem letzten platz.

      das thema „transparenter staat“ hingegen, was es in dieser form ausschließlich in der deutschen PP gibt, und ein klassischer „vollprogramm“ punkt ist, landet auf dem zweiten platz.

      und das nennt man dann „piraten bekennen sich zu ihren kernthemen“.

      absurd, traurig, aber durchaus beschreibend.

    • tomas schrieb am

      sehr geehrter Gernot Koepte
      Die Frage war: “Welche Schwerpunkte in kommenden Wahlkämpfen setzen?”
      Woraus schließen Sie daß es sich nur um Bundestagswahlkämpfe handelt? In diesem Artikel hier ist auch nicht die Rede außschließlich von Bundestagswahlen sondern die nächsten Jahre, sicherlich auch Landtags- und Kommunalwahlen.
      mit piratischen gruss

  2. @morgenlandhvl schrieb am

    Vielleicht sollten wir mehr wie eine Lobbyorganisation für Datenschutz und direkte Demokratie auftreten. Verbunden mit dem Anspruch unsere Lobbyinteressen unmittelbar im Parlament und seinen Ausschüssen zu vertreten. Piraten als NGO. Nicht Regierung = Oppostion. Die hat das herrschende System dringend nötig. Wir fangen mit einem Demokratie-upgrade an.

    • Bernd schrieb am

      das überlasst bloß dem CCC und also denen, die sich damit auskennen. Piraten als NGO ist noch quätscher als Piraten als Partei.

  3. Knut schrieb am

    Diese Umfrage ist eine vom Bundesvorstand eingesetzte um Basisdemokratie vorzuheucheln und deren Meinung zu stärken. Man stelle sich vor Merkel würde eine Umfrage in Auftrag geben, in dem sie fragt, ob die Menschen bereit sind, ein Stück Freiheit aufgeben, um in Sicherheit hier leben zu dürfen. Es würde dann rauskommen, dass 99% dafür sind und Merkel würde sich in ihrem Kurs bestätigt fühlen.

    Herzlichen Glückwunsch Piraten, ihr macht bei der Manipulation mit anstatt ein richtigen Volksentscheid zu fordern, werden jetzt selbst erstellte Umfragen vom Bundesvorstand als gleichwertige Bundesparteitags-Beschlüsse gleichgesetzt. Das ist also die neue Basisdemokratie im Internet?

    • Das Problem des mangelnden bzw. abwesenden Demokratieverständnisses ist allerdings kein bisschen neu. Siehe auch den Artikel über Liquid Feedback.
      Und es ist nicht auf den BuVo begrenzt. Vermutlich sehen viele oder sogar die meisten Piraten überhaupt nicht das Problem. Weil an vielen Stellen in der Partei so gearbeitet wird.
      Jedenfalls war das nicht die erste Umfrage, deren Bearbeitung mir zu blöd war, weil die Fragestellungen nicht geeignet sind, brauchbare oder interessante Ergebnisse zu produzieren. Es ist eigentlich eher der Regelfall…

      (An anderer Stelle schon ausreichend diskutiert, dass das selbe Problem auch bei unseren pseudo-basisdemokratischen Parteitagen auftritt.)

      • Bernd schrieb am

        Unterstelle nie Bösartigkeit, wenn das Verhalten durch Dummheit hinreichend erklärbar ist.

        Die Ersteller der umfrage sind keine Demokratiefeinde. Sie haben einfach nur eine Umfrage gestartet, deren Qualität noch nicht mal einfachen Ansprüchen korrekter empirischer Sozialforschung genügt.

        Das war dumm. Denn die Ergebnisse sind unbrauchbar, verschwendete Zeit und Liebesmüh für Versendevorgang und Auswertung.
        Die Umfrage aber trotzdem als Verhaltensregel oder Leitfaden für kommende Wahlen verwenden zu wollen, das wäre nicht mehr nur dumm, das wäre saudumm und politisch schädlich. Denn jemand der so arbeitet wählt *niemand*. Es steht nämlich zu befürchten, das der dann in den Parlamenten so weitermacht.

    • tomas schrieb am

      Sehr geehrter Knut
      Wer sollte bei den Piraten oder auch einer anderen Organisation denn eine Umfrage starten ?
      Außerdem dem Bundesvorstand zu unterstellen damit Basisdemokratie vorzuheucheln und bei der Manipulation mit zumachen, was und wen sollte der BuVo manipulieren, ist nicht die feine englische Art.
      Wofür einen Volksentscheid, es müsste ja eine konkrete Sache entschieden werden.
      ihre Frage:“ werden jetzt selbst erstellte Umfragen vom Bundesvorstand als gleichwertige Bundesparteitags-Beschlüsse gleichgesetzt.“
      Nein die Themen werden auf dem Bundesparteitag in Würzburg von den Mitgliedern beschlossen.
      mit piratischen grüssen

  4. @morgenlandhvl schrieb am

    Hallo ,
    was regt ihr Euch auf. Ein klarer Markenkern ist in der politischen Diskussion doch hilfreich. Unsere jetzigen Vorstände setzen inhaltliche Zeichen. Wieso nicht? Datenschutz & Privatssphäre, Transparenz im Staatswesen, (direkte) Demokratie, Informationsfreiheit und Netzneutralität. Alles andere muss sich aus diesem Markenkern ableiten. Als Bildungspolitiker hätte ich damit kein Problem mein Thema in einen größeren Zusammenhang zu setzen, genauso wenig wie eine an globaler Demokratisierung interessierte Aussenpolitik ein Problem damit hat, eine auf direkter Mitbestimmung aller Menschen basierende Weltordnung anzustreben und zu akzeptieren. Piraten vertrauen auf Schwarmintelligenz, deshalb ist Netzneutralität für uns ein Dogma. Die Freiheit aller Information befähigt die Menschen ihr Schiksal selbstbestimmt in die Hand zu nehmen. Etablieren wir einen direktdemokratischen Mechanismus auf diesem Planeten und wir haben die Weltrevolution. Wir sind für dieses Experiment bereit. Ihr auch? — Raimond

  5. Andena schrieb am

    Sehr schöne Ergebnisse der Umfrage.

    Eine Stärkung des Markenkerns und eine Abkehr von dem Versuch, die linksgrünen links zu überholen, wird den #piraten sehr gut tun.

    Die Piratenpartei sollte sich zur klaren Bürgerrechtspartei des digitalen Zeitalters hin entwickeln, da liegt ihre Zukunft und die der relevanten politischen Themen.

  6. Beate Kiefner schrieb am

    bei Umfragen stellen sich mir immer 2 Fragen: 1. wer fragt? und 2. wozu?
    zu 1.der BuVo fragt die Mitglieder
    zu 2. für ein Meinungsbild.
    Nach der Bekanntgabe des Umfrage-Ergebnisses, kommen mir zu 2. Zweifel: werden jetzt aus dem ‚Meinungsbild‘ = ‚Mehrheitsbeschlüsse‘?
    Schon lange habe ich mich verifiziert-identifiziert…für den online-Basisentscheid ‚BEO‘ und möchte nichts lieber, als endlich ‚loszulegen‘!
    Eine Umfrage ist eine Umfrage….keine Mehrheitsentscheidung.
    Lieber BuVo, ich warte auf eine ‚BEO‘-Nachricht zum ‚Demokratie‘-üben!

  7. Jano schrieb am

    Ich würde empfehlen, die Daten neu zu analysieren und erstmal vor der Bildung einer Rangfolge eine Faktorenanalyse zu machen, um zu schauen, welche Items ähnliches erfassen und so zu einer Kategorie zusammengefasst werden können. Die Aufteilung des Piratenprogramms allein kann nicht als eine Themenkategorisierung angesehen werden, die sich auf eine wissenschaftliche Evidenz berufen kann.

    Mit einer entsprechenden Datenreduktion anhand ähnlicher Merkmale kann man die den Items zugrundeliegenden Dimensionen entdecken, wodurch hier ein gültigeres Ergebnis hinsichtlich der Prioretisierung von unterschiedlichen Themen zu erwarten ist und auch weniger Umfrage-Artefakte, die allein auf die Methode, unterschiedliche Abstraktionsebenen und Reihenfolgeeffekte in der Erstellung des Parteiprogramms zurückführbar sind.

    Erst, wenn man die Themen nach zugrundeliegenden Dimensionen geordnet hat, macht es eigentlich Sinn, den 2. Teil der Umfrage anhand der zugrundeliegenden, realen Themendimensionen zu strukturieren und möglichst gleichmäßig Fragen aus den faktorenanalytisch ermittelten Dimensionen abzufragen.

    Fazit: Um hier einigermaßen brauchbare Ergebnisse hinsichtlich der Prioritäten von Kernthemen-/-dimensionen zu bekommen, ist eine vorherige Faktorenanalyse notwendig.

  8. Jano schrieb am

    Ein weiteres Problem entsteht hier durch die selektive Auswahl von (vglb. wenigen) Einzelaussagen, die schon allein anhand der Anzahl der Aussagen nicht als repräsentativ angesehen werden kann. Über die genaue Systematik des Vorgangs zur Auswahl von Einzelaussagen aus dem Parteiprogramm im zweiten Teil ist leider kaum Info vorhanden. Es ist zudem zu vermuten, dass die Abbildungs- und Interpretationsfehler aus dem 1. Teil sich weiter hinsichtlich der Gültigkeit, Repräsentativität und Interpretierbarkeit des 2. Teils auswirkt.

    Meine Empfehlung wäre daher, sich konkret zurückzuhalten in der Verbreitung solch methodisch fehlerbehafteter Ergebnisse. Eine Faktorenanalyse ist grundsätzlich die Methode, um zugrundeliegende Kernthemen in einem Parteiprogramm zu finden. Ich schätze aber, dass auch die Ergebnisse einer Faktorenanalyse mit diesem methodischen Vorgehen wenig verallgemeinerbar sind, weil allein schon das Design und die potentiell mit einem Versuchsleiter-Erwartungseffekt behafteten Auswahl der Fragen inklusive der Skalierung hakt.

    Hier ist eine Korrektur & Neuplanung hinsichtlich des Vorgehens der Ermittlung von Kernthemen unbedingt empfohlen, wenn man sich nicht lächerlich machen will.

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