Ehe für alle: CDU kann von den Iren lernen

Bild: CC-BY Ludovic Bertron

Der, am letzten Wochenende in Irland durchgeführte Bürgerentscheid zur Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare, hat zu einem für viele überraschenden Ergebnis geführt. Mit einer klaren Pro-Entscheidung sprachen sich die teilnehmenden irischen Bürger für eine Gleichstellung dieser Paare mit der traditionellen Ehe aus.

Diese Entscheidung hat auch in Deutschland zu einer breiten Diskussion geführt. In der SPD, bei den Grünen und in der Linkspartei finden sich positive Stimmen. Die Union tut sich auch diesmal wieder schwer, ihrer üblichen, mantraartig vorgetragenen Verteidigung der traditionellen Ehe eine modernere Variante der Definition hinzuzufügen.

Die harte Haltung der CDU/CSU gegenüber der Ehe für alle erfuhr durch das eindeutige Votum Irlands einen Abgleich mit der modernen Lebenswirklichkeit.

Obwohl es auch in der Union Stimmen gibt, die nun für die völlige Gleichstellung gleichgeschlechtlich Liebender plädieren, wollen CDU und CSU auf der im Koalitionsvertrag festgelegten Position beharren, nach der die Ehe ausschließlich heterosexuellen Paaren offensteht.

Hier ist das katholisch-konservative Irland also eindeutig weiter als die CDU.

Auch Thomas Strobl, stellvertretender Vorsitzender der CDU und Vertreter des konservativen Flügels in der Union, verweigert sich diesem gesellschaftlichen Wandel und lehnt eine Neubewertung des Themas in der laufenden Legislaturperiode ab.

Wechselnde Mehrheiten, wie auch eine Freigabe der Abstimmung (Gewissensentscheidung) für die Abgeordneten, kommen für ihn nicht in Frage.

Thomas Strobl und die Union zeigen sich in dieser Frage unfähig, die Anforderungen einer modernen Familienpolitik angemessen mit einer offenen Diskussion zu beantworten.

Stattdessen will Strobl lieber die Punkte des Koalitionsvertrages buchstabengetreu und einen nach dem anderen abarbeiten. Wo flexibles Handeln nötig wäre, wird in Buchhaltermanier gehandelt, die Lebenswirklichkeit von heute wird schlicht ignoriert.

Kristos Thingilouthis, politischer Geschäftsführer der Piratenpartei Deutschland, meint hierzu:

»Das, liebe CDU, ist eine Politik aus den Fünfzigerjahren, keine des 21. Jahrhunderts. Hier wird wieder einmal eine Chance vertan.

An alle Besitzstandswahrer in der Union: Mit einer Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Paare nimmt man den anderen nichts weg, sondern schafft eine vom Grundgesetz gewollte Gleichberechtigung.

Beim Grundgesetz sind wir PIRATEN konservativ!«

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Kommentare

Ein Kommentar zu Ehe für alle: CDU kann von den Iren lernen

  1. Lernen von Iren schrieb am

    Was hier stört ist die Formulierung „hat zu einem für viele überraschenden Ergebnis geführt.“
    Besser wäre es gewesen: „hat zu einer für viele überraschenden Reaktion im Vatikan geführt.“

    Meldung vom 26/05/2015
    http://it.radiovaticana.va/news/2015/05/26/card_parolin_referendum_irlanda_%C3%A8_sconfitta_per_umanit%C3%A0/1146964
    „Übersetzung“
    http://www.sueddeutsche.de/politik/nach-referendum-in-irland-vatikan-nennt-homo-ehe-niederlage-fuer-die-menschheit-1.2495248
    „Der Vatikan hat das irische Ja zur Homo-Ehe als „Niederlage für die Menschheit“ bezeichnet. „Ich bin sehr traurig über dieses Ergebnis, die Kirche muss diese Realität berücksichtigen, aber in dem Sinne, ihre Verpflichtung zur Evangelisierung zu stärken“, sagte Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin bei einer Veranstaltung in Rom. „Ich glaube, man kann nicht nur von einer Niederlage der christlichen Prinzipien sondern von einer Niederlage für die Menschheit sprechen“, zitierte ihn Radio Vatikan weiter.“

    Die katholische Kirche und die Homoehe…an die eigene Nase könnten sie sich fassen.

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