Drogenbeauftragte Mortler gegen Cannabis-Freigabe: unhaltbare Behauptungen

Bild: CC-BY Borys Sobieski

Zur gescheiterten Cannabis-Prohibition

Ein Gastbeitrag von Olli Waack, Beauftragter für Suchtpolitik der Piratenpartei Berlin.

Im Grunde ist das, was die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) zum Thema Cannabisfreigabe absondert, kaum einen Kommentar wert. Allerdings sind die Behauptungen generell so unhaltbar und falsch, dass sie geeignet sind, uninformierte Menschen noch mehr zu verwirren und zu ängstigen.

So gehe ich im Folgenden auf die Argumentation der Bundesdrogenbeauftragten aus Sicht der Piratenpartei ein:

»Cannabis ist nach wie vor die mit Abstand am häufigsten konsumierte illegale Droge.«

Richtig, Frau Mortler. Weil die Menschen das wollen. Illegal ist es nur, weil Politikerinnen und Politiker wie Sie dies verbieten und bestrafen. Sie blenden die Tatsache aus, dass »viele Erwachsene« eine relevante Bevölkerungsmasse darstellen, auf die Sie vielleicht als gewählte Volksvertreterin hören sollten.

»Eine Legalisierung von Cannabis wäre ein völlig falsches Signal und würde diesen Trend noch verstärken.«

Nennen Sie mir bitte ein Land, in dem es nach einer Freigabe zum Anstieg des Konsums gekommen ist.

Genau. Das können Sie nicht.

Jedes, wirklich jedes Land, in dem Cannabis zum Konsum freigegeben wurde, hat das Gegenteil von dem, was Sie behaupten, festgestellt. Der Konsum steigt eben nicht an, sondern stagniert oder geht zurück. Was zunimmt: Der Gebrauch von Medizinalhanf. Diese Unterscheidung sollte Ihnen als Bundesbeauftragte jedoch möglich sein.

Also wäre es doch vernünftig zu akzeptieren, dass Bürgerinnen und Bürger Cannabis konsumieren, ob das nun verboten ist oder nicht. Sie reden der Kriminalisierung dieser Bürgerinnen und Bürger das Wort und verurteilen ohne jede Substanz, Frau Mortler: Sie vertreten nicht das Volk. Wen dann?

Sie hatten dem Hanfverband vorgeworfen, auf schäbige Art und Weise mit den Ängsten der Menschen zu spielen. Sie tun genau das, indem Sie wieder und wieder die Mär von den kiffenden Jugendlichen, die ja geschützt werden müssen, erzählen. Die jungen Leute werden durch das Cannabisverbot nicht geschützt – im Gegenteil! Politikerinnen und Politiker wie Sie schaffen durch Verbote einen Schwarzmarkt, der von der organisierten Kriminalität beherrscht wird. Diese beachtet keinen Jugendschutz, kein Reinheitsgebot, dort findet man kaum Menschen mit moralischen Werten – das ist doch das Problem.

Jugendliche bekommen so ihren Stoff ohne Alterskontrolle, werden an problematischere Substanzen herangeführt und haben so keine Ahnung, was sie konsumieren bzw. woher es stammt. Zusätzlich werden diese jungen Leute noch bestraft, wenn man sie dabei erwischt. Wobei soll das denn bitte helfen, Frau Mortler? Welche Art von »Schutz« soll das sein? Solche Äußerungen sind sinnfrei und kontraproduktiv. Sie haben ihren Job verfehlt.

Wir hoffen sehr, dass nur wenige Eltern etwas auf Ihre Behauptungen geben und stattdessen auf Steffen Geyer, Autor und Hanfaktivist, hören:

»Die allermeisten Sportarten sind gefährlicher als Cannabis zu konsumieren.«

Geballte und seriöse Informationen zum Thema liefert unsere Matinée. Besorgte Eltern mit wenig Zeit gehen bitte zu Minute 30.00 und haben nach zweieinhalb Minuten alle nötigen Informationen. Mit einer Freigabe plus ordentlicher Gesetzgebung wären Kontrollen der Qualität und Herkunft sowie ein effizienter Jugendschutz möglich – wie bei Alkohol und Tabak. Frau Mortler, wie genau hilft Ihre Weigerung, diese Tatsachen zu akzeptieren den Menschen, insbesondere den Jugendlichen, die Sie vorgeben schützen zu wollen?

»Alkohol gehört im Gegensatz zu Cannabis zu unserer Kultur.«

So, oder so ähnlich, sollen Sie sich geäußert haben. Es fällt mir schwer, das zu glauben. Sie sind Mitglied der CSU, einer urbayrischen Partei, und sollten daher wissen, dass Hanf bis in das letzte Jahrhundert hinein ebenso fester Bestandteil der deutschen Kultur war. Ein alltäglicher Rohstoff und ein billiges Genussmittel mit leichter Rauschwirkung. Das Kraut, das am Wegesrand wuchs. Bekannt als »Knaster« wurden die Blüten des zur Herstellung von Hanfseilen gebräuchlichen Hanfs in der Pfeife geraucht. Hanf ist eine Kulturpflanze – ohne Zweifel.

Auch in Bayern gibt es Dörfer, die bis zur Prohibition von Hanf hauptsächlich vom Hanfanbau lebten. Nachzulesen ist dies in dem Buch »Von Hanf ist die Rede« des Autors Hans Georg Behr. Ein Besuch im Hanfmuseum Berlin würde Ihre eklatanten Wissenslücken schnell füllen. Wir laden Sie, Frau Mortler dringend ein, diese Gelegenheit zur Fortbildung wahrzunehmen. Sie verharmlosen die unbestritten fatalen Folgen des Alkoholkonsums, mit deutschlandweit pro Jahr etwa 74.000 Toten, und dämonisieren eine sanfte Alternative, die mindestens ebenso Kulturbestandteil in diesem Lande ist wie Schnaps. Darauf einen Jägermeister!

Die Piratenpartei fordert die legale, kontrollierte Freigabe von Cannabis an Erwachsene für den Konsum nach eigenem Ermessen und zu medizinischem Nutzen. Vorhandene Gesetze, wie das Tabakgesetz, könnten ohne viel Mühe angepasst werden, beinhalten den Jugendschutz und Erwachsene könnten bis zu 40 Pflanzen für den Eigenbedarf legal anbauen.

Herstellung und Vertrieb werden zusätzlich geregelt, wobei wir wenige, klare Regelungen einem Bürokratiemonster, wie in dem von den Grünen vorgeschlagenen, abgelehnten Cannabiskontrollgesetz, vorziehen. Eine Qualitätskontrolle und Jugendschutz wie zum Beispiel bei hartem Alkohol, sowie Abgabestellen mit geschultem Personal, die das mit Alterskontrollen absichern, würden zusätzliche Sicherheit schaffen und mündigen Konsumenten helfen, ihren Konsum und das konsumierte Gut sicher einschätzen zu können.

Das wäre hilfreich. Alles andere ist Quatsch.

»Hanf ist kein Plutonium.«

– Steffen Geyer


Am heutigen »Global Marijuana March« wird sich die Piratenpartei unter anderem in Berlin, Göttingen und Neuss mit eigenen Aktionen beteiligen und für die Legalisierung von Cannabis einsetzen.

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Kommentare

11 Kommentare zu Drogenbeauftragte Mortler gegen Cannabis-Freigabe: unhaltbare Behauptungen

  1. zarathustra schrieb am

    moin

    beschlusslage der jungsozialisten von vor 30 jahren.

    den damaligen jungsozialisten, die heute in macht und würden sitzen, sollte mal die frage gestellt werden, warum sie heute eine politik vertreten, die sie damals (vor 30 jahren!) als rückschrittlich verurteilt haben.

    die piraten sollten meiner meinung nach nicht die freigabe von maria huana fordern, sondern konkrete schritte vorschlagen.
    (seinerzeit hiess es, die djd würden mariuaha-„zigaretten“ in automaten fordern – aus gründen des kontrolierten zugangs wurde abschaffung der ziggie-automaten gefordert)

    jetzt könnte ich alle nichtinteresiierten mit einer erzählung, wie es zu einem cannabis- verbot in d-land kam langweilen.

    festzustellen ist aber, dass der herr geyer laut eigenem bekunden keine ahnung hat.

    das cannabis-verbot steht nicht im jugendschutzgesetz, wie er behauptet – und auch nicht im BTMG – bundesbetäubungsmittelgesetzt.
    das cannabisverbot steht in der per verordnung erlassenen liste…
    (die rechtliche konsequenz ist beachtenswert!)

    den lv bawü fragte ich bez cannabis-freigabe welches model zu bevorzugen sei.
    das der niederlande von früher, dass von heute…

    fragen nach einzelheiten der drogenpolitik mit ner sperre zu beanworten ist nicht hilfreich bei klärung von fragen.

    1. es sollte coofeeshops geben –
    so wie jetzt in den nl, mit registrierung.
    2. jeder konsum von drogen muss legalisiert werden.
    mit allen konsequenzen!.
    3. wer per metha nicht erreicht werden kann, kriegt eine addy, da kann er/sie sich gift spritzen. (fixerstube)
    4…

    es wäre wünschenswert, die in nachfolge der djd von den damaligen jungsozialisten beschlossenen forderungen umzusetzen.
    die damaligen jungsozialisten sind heute auf posten/macht.

    die damaligen jungsozialisten mit ihrer beschlusslage zu konfrontieren?

    ist das nun quatsch oder hilfreich?

    zarathustra

  2. Wieder ein Zeugnis piratischer Inkompetenz und Sprücheklopferei.

    Die „Drogenexperten“ der Piratenpartei verstärken nur die gängigen Vorurteile gegenüber Cannabis und seinen Konsumenten und verhindern damit eher eine kontrollierte Freigabe. Soweit die Partei überhaupt noch etwas bewirkt.

    • flo schrieb am

      Magst du das belegen, Eric, oder ist deine Aussage als

      Zeugnis piratischer Inkompetenz und Sprücheklopferei

      zu werten?

    • OlliWaack schrieb am

      Als Drogenexperte bin ich hier nicht tätig. Mein Aufgabenbereich ist die Darstellung der Suchtpolitik der Piraten Berlin.
      Deine schwachen Vorwürfe, weil nur das, bezeugen, dass dieses „denk selbst“ womöglich gescheitert ist.
      Klappt halt nicht immer.
      Was hast du getan, um Cannabis aus der Schmuddelecke zu holen?

  3. Daniel Spieth schrieb am

    ..Danke Steffen Geyer 100/100. Ich glaube auch das das die meinung der Piraten darstellt. Ich sehe jedoch in vielen Kommentarbereichen, wir auch beim dhv sind mittlerweile viele mortler Uboote ausgeschwärmt. Sie versuchen irgendwie rumzukritisieren und Suchen Punkte auf denen sie dann rumreiten um vom eigtl Thema abzulenken.

  4. zarathustra schrieb am

    moin

    die eu-abgeordnete reding wird in den nachrichten ausdrücklich erwähnt.
    wg engagent. erfolg.

    der name „piraten“ wurde nicht erwähnt.

    @ eric & flo:
    die drogenpolitig der piraten ist überholt.
    lest mal nach was die heute amtierenden spd bonzen als jundsozialisten beschlossen haben.
    das mag zwar 30 jahre her sein, übertrifft die aktuelle position der piraten aber bei weitem.
    die abgeordneten der piraten im landtag nrw kriegen nicht nur 10.00 euro, die kriegen noch nen mitarbeiter finanziert.
    ua soll der mal die beschlusslage der jungsozialisten reudieren – sich mal die mühe machen, im i-net die beschlüsse der jungsoialisten bg zu drogen zu googeln…
    (…ohne aufarbeitung- nur lesen.)

    jegliche drogenpolitik der piraten wurde von katascha noccum abgelehnt.

    es gibt keine drogenpolitik der piraten.
    dass hat katta entschieden.

    nun mögen andere wie flo.eric und andere differenziert diskutieren wollen…
    ich auch

    die verneinung jeder diskussion lautete – „ich bin pirat“

    zuvor wurde verkündet, keine ahnung zu haben.

    im widerspruch zu jan sicars sollten die, die ahnung haben diskutieren und urteileilen.
    die piraten sollten punkto drogenpolitik den betroffeenen folgen.

    nicht meiner meinung zur drogenpolitik, unabhängig, dass ich user kenne.

    die abgeordneten der piraten haben mitarbeiter – sollen die mal die beschlusslage der jungsozialisten erudieren…dafür werden die bezahlt.

    im falle ponaders nicht.

    andere arbeiten.

    zarathustra

  5. Lucky Unchanged schrieb am

    Cannabis verhindert Schlaganfall, Herzinfarkt, Krebs, Alzheimer und …
    Deswegen muss es illegal bleiben, damit die Pharmaindustrie weiter absahnen kann.

  6. Volker Kaufmann schrieb am

    Ich weiß gerade nicht, ob ich lachen oder weinen soll, ach was, ich mach beides, seitdem ich hierüber gestolpert bin:

    Eine Politik, die auf gegenseitiges Verständnis, Ausgleich und Respekt setzt, ist sinnvoller als eine Regulierung bis in den Feierabend hinein. Muss Verbraucherschutz, muss Gesundheitsvorsorge so weit gehen, dass die Bürger nicht mehr selbst entscheiden können, was sie konsumieren oder eben mitkonsumieren?

    http://www.welt.de/print-welt/article148430/Freiheit-fuer-Wirte-und-Gaeste.html

  7. Frank Wichert schrieb am

    Frau Mortler ist überhaupt nicht für die Aufgabe als Bundesdrogenbeauftragte qualifiziert. Sie hat noch nicht einmal Ihr Abitur geschafft. Auch auf Ihrem weiteren Lebensweg hat sie keine/wenig Erfahrung mit Drogen/Drogenkonsumenten und mit Drogenkonsum zusammenhängenden Problemen sammeln können.

    Jemand mit entsprechender Qualifikation (Streetworker / medizinische Ausbildung) sollte so eine Position innehaben.

    Aber man ist dergleichen Postenschacherei ja von Politikern gewohnt. Eine Frau Merkel als Kanzlerin, eine Frau von der Leyen als Verteidungsministerin. Armes Deutschland. Diese selbsternannte Elite hat, seit ich denken kann, keine Politik für das Volk sondern nur für den eigenen Geldbeutel gemacht.

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