Freifunk-Freitag: Freifunk – ein dezentrales und unabhängiges Netzwerk

Bild: Tobias M. Eckrich

Ein Gastbeitrag von Patrick Walter.

Betrachtet man den aktuellen Russland-Ukraine-Konflikt oder die wiederholt aufwallenden Zwistigkeiten zwischen den USA und China, dann wird immer wieder klar, dass unser Frieden im sogenannten Westen nicht in Stein gemeißelt ist.

Und dann gibt es auch noch Versuche unserer Regierung, das Internet zu zensieren; andere Regierungen machen in ihren Ländern davon seit langem regen Gebrauch.

All diese Problematiken sollten uns aufhorchen lassen, wie es denn mit einem freien und verfügbaren Internet für jeden bestellt ist. Immerhin sitzen die USA über die ICANN auf den 13 Root Servern für das Domain Name System (DNS). Sollten die USA diese zum Beispiel im Kriegsfall abschalten, wären die einzelnen Länder – zumindest vorerst – nicht mehr in der Lage, Domainnamen mit fremden Endungen abzurufen.

Genauso gut könnte die Bundesregierung die volle Kontrolle über die DENIC übernehmen und die dortigen DNS-Server abschalten. Dann wäre ein Aufruf von Webseiten mit der Endung ».de« nicht mehr möglich, wenngleich man auch einen ausländischen DNS-Server nutzen könnte, der die Domain mit der korrekten IP-Adresse verknüpft.

All dies sind Gefahren, die zwar vorerst ziemlich ausgeschlossen erscheinen, aber trotzdem real genug sind, um sich über eine alternative Technik Gedanken zu machen. Weiterhin ist es Dank der Telekommunikationsanbieter in Deutschland immer noch kaum möglich, unterwegs einen normalen Internetverkehr zu betreiben. Mobiler Traffic über EDGE, UMTS und HSDPA/4G ist teuer.

Die Freifunk-Idee

Daher haben sich in Deutschland schon mehrere Freifunk-Communitys gegründet mit dem Ziel, ein frei verfügbares und dezentrales Netzwerk in ihren Städten aufzubauen. Mitglied werden und teilnehmen kann dort jeder der bereit ist, in einen Router zu investieren. Und ein bisschen Zeit um die Software der jeweiligen Freifunk-Gruppe dort aufzuspielen sowie gegebenenfalls seine DSL-Leitung mit anderen zu teilen.

Technisch funktioniert die Freifunk-Idee ganz simpel: Es gibt einen (oder mehrere) Gateway-Server, der/die die Verbindung zum Internet für das komplette Netzwerk bündelt und über einen Anonymisierungsdienst leitet. Nun verbindet man einen Router mit seinem DSL-Anschluss und über diesen können sich die Menschen dann mit ihrem Endgerät mit dem Netzwerk und Internet verbinden. Weitere Router werden entweder in Sichtweite zueinander ohne Internetanschluss aufgestellt und »meshen« (vernetzen) sich untereinander zu einem größeren Netzwerk. Oder die Router stehen ohne Sichtweite zueinander und werden jeweils an einen Internetanschluss angeschlossen, um untereinander über den Gateway-Server Kontakt herzustellen. So entsteht nach und nach ein immer größeres und dezentrales Netzwerk mit Zugang zum Internet.

Auch andere Webservices könnten so exklusiv für das Freifunk-Netzwerk bereitgestellt werden, wie ein eigener IRC-Server, eine gespiegelte Wikipedia oder andere Websites bzw. Web-Dienste. Ähnlich wie man das jetzt schon vom TOR-Netzwerk kennt.

Somit hätten Menschen auch einen Zugang zum Internet, falls diese sich finanziell keinen eigenen DSL-Anschluss leisten können oder ganz einfach auch Touristen. Falls nun – aus welchen Gründen auch immer – das Internet (temporär) nicht mehr erreichbar wäre, hätte man weiterhin Zugriff auf das Netzwerk. Vorausgesetzt natürlich, die Router meshen untereinander und sind nicht nur über den Gateway-Server verbunden.

Um größere Strecken zu überwinden, haben einzelne Freifunk-Communitys Antennen in Eigenbau gelötet, die man auch oftmals zu günstigen Preisen dort erstehen kann. Ziel ist aber natürlich ein engmaschiges Netz von Routern – am besten quer durch das Land.

Eine Gefahr sollte man jedoch nicht vergessen: Der Traffic läuft unverschlüsselt über das öffentliche Freifunk-Netzwerk. Daher sollten Webseiten und andere Dienste immer nur über SSL aufgerufen werden.

Patrick Walter ist Mitglied der Piratenpartei im Kreisverband Rheinhessen. Er ist ausserdem Abgeordneter und Geschäftsführer der Piratenfraktion im Kreistag Mainz-Bingen. Patrick bloggt unter gummipunkt.eu und ist unter @gummipunkt bei Twitter zu finden.

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