Dieter Gorny wird Beauftragter für »Kreative und Digitale Ökonomie«: Lobbyismus wie er nicht dümmer sein könnte

Dieter Gorny, 2011 | Bild: CC-BY-NC-SA 2.0 Grimme Online Award

Der Sperling von der Flaschenpost hat gezwitschert. Diesmal hier bei uns. Herzlich willkommen.

In der Politik ist es seit langem üblich, allen möglichen Lobbyisten Pöstchen in Ministerien oder an anderen maßgeblichen Stellen zu zuschanzen. Dort sollen sie darauf achten, das auch ja keine Entscheidungen vorbereitet (und in Gesetze gegossen) werden, die Ihrem Auftraggeber Kosten verursachen oder ihm sonst wie das Leben schwer machen. Auch andersherum ist es normal geworden, das z.B. Staatssekretäre, Abgeordnete, Minister und auch Kanzler nach Ihrer politischen Tätigkeit als Lobbyisten in Unternehmen oder Verbänden arbeiten. Beide Personengruppen haben als Argumentation die »Vertretung der berechtigten Interessen der Auftraggeber« ins Feld geführt – legale Korruption nennt man das. So weit, so mies – und so bekannt.

Die neueste Auflage dieser fast schon kriminellen Machenschaften ist die Ernennung von Dieter Gorny zum Beauftragten für »Kreative und Digitale Ökonomie« und »Netzpolitik«. Damit hat die Bundesregierung einen ausgewiesenen Lobbyisten der Verwerterindustrie an diesen Platz gesetzt – und begründet dies auch noch schamlos und offen mit der »Vertretung der berechtigten Interessen der Urheber«. Eine solche Personalie ist noch lächerlicher als Günther Oettinger, der den EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft spielt. Denn Günther Oettinger hat von seinem Job keine Ahnung und so besteht wenigstens theoretisch die Möglichkeit das er mal was Richtiges tut. Aber der Herr Gorny ist ein Profi. Er vertritt nicht etwa die Interessen der Urheber, sondern nur Interessen derer, die Urheber und Nutzer mittlerweile nur noch ausbeuten und gängeln: die der Verwertungsindustrie und die von Verbänden wie GEMA, VG Wort und anderen, die selbst schon lange nicht mehr die Urheber vertreten sondern – simsalabim – auch die Interessen der Verwertungsindustrie.

Diese Verwertungsindustrie, landläufig »Contentmafia« genannt, begann schon vor dem Digitalen Wandel überflüssig zu werden und ist es nun fast vollkommen. Heutzutage ist sie fast ausschliesslich ein Schmarotzer, die sich an der Kreativität der Urheber – seien es Musiker, Autoren oder Grafiker – unlauter und in übergroßem Maße nährt. Sie verteidigt ein Urheberrecht – nein: ein Copytight – aus dem 18. Jahrhundert, ein Geschäftsmodell aus dem 19. Jahrhundert und befürwortet eine Gängelung der Nutzer durch technische Maßnahmen aus dem späten 20. Jahrhundert. Freiheit für Urheber oder Nutzer ist für sie ein Fremdwort. Sie lehnt stattdessen die lange überfällige Modernisierung des Urheberrechtes ab. Eine wahlweise Lizenzierung von Inhalten ihrer Mitglieder bzw. Vertragspartner ist für sie unvorstellbar: Sie will jeden ins Gefängnis stecken der sich der Entrechtung durch DRM entzieht und sich Inhalte aus anderen Quellen herunterlädt – und eine Weitergabe legal gekaufter Inhalte, wie früher bei z.B. einem gedrucktem Buch, ist ebenfalls nicht in Ihrem Sinne.

Für die Piraten ist es unerträglich das jemand wie Dieter Gorny einen solchen Posten erhält – ein Mann der noch im letzten Jahrhundert lebt und den Digitalen Wandel zur Informationsgesellschaft weder verstanden hat noch mitgegangen ist. Wir Piraten fordern – im Gegensatz zur Propaganda der Contentmafia – eine Modernisierung des Urheberrechtes, eine Stärkung der Rechte der Urheber und eine Begrenzung der Schutzfristen auf ein ehrbares Maß. Natürlich wird diese Position in den Medien, die ja ein Teil dieser Verwertungsindustrie sind, niemals so veröffentlicht – und wenn die Rede davon ist, dann erscheint sie nur als Zerrbild das uns in die Raubmordkopiererecke stellt. Es ist eine Schande.

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Kommentare

8 Kommentare zu Dieter Gorny wird Beauftragter für »Kreative und Digitale Ökonomie«: Lobbyismus wie er nicht dümmer sein könnte

  1. Marcel schrieb am

    Wegen Beiträgen wie diesem bin ich heilfroh, das Ihre Partei wieder in die Bedeutungslosigkeit abgedriftet ist. Wer solche Stammtischparolen ohne jegliche Quellen oder Beweise verzapft, hat als Partei nichts in der Öffentlichkeit verloren. Aber jetzt, wo Sie eh nichts mehr zu verlieren haben, ist es sowieso egal, nicht wahr? Da kann man schonmal falsche und polemische Aussagen über die anderen Parteien von sich geben. Naja, viel Spaß im Nichts.

    • flo schrieb am

      […] schonmal falsche und polemische Aussagen über die anderen Parteien von sich geben.

      Ich würde ja behaupten, dass Polemik zur Politik von Zeit zu Zeit dazu gehört.

      Was die von dir vorgeworfenen „falschen Aussagen“ anbelangt:

      Wer solche Stammtischparolen ohne jegliche Quellen oder Beweise verzapft, hat als Partei Kommentator nichts in der Öffentlichkeit verloren.

    • JackFou schrieb am

      Da muss ich leider zustimmen. Mit Begriffen wie „Contentmafia“, „Schamrotzer“, „Copytight“ und anderen Stammtischparolen um sich zu werfen, ist ein Niveau, dass ich eher von der AfD erwarten würden. Auch wenn ich dem Text im Grunde inhaltlich zustimme, ist der Schreibstil einfach unterirdisch.

      • Slash schrieb am

        Contentmafia ist ein Begriff, den ich zeitweise vermied; mittlerweile verwend‘ ich ihn jedoch wieder. Warum ? Weil er sachgemäß ist. Warum ist er das ?
        Die Contentmafia setzte sich für das Zustandekommen von ACTA und setzt sich nachwievor für das Zustandekommen ähnlicher Abkommen ein, und das stehts einhergehend mit massiver Beeinflussung der Ausgestaltung solcher Abkommen, und das zugunsten der Contentmafia, versteht sich. Um das mal konkreter zu machen: Die Verschärfung der Immaterialgüter, dafür betreibt die Contentmafia Besagtes; und die „Kolateralschäden“ dessen sind über die Patentverschärfungen – Stichwort: Monsanto-Saatgut – eine Verschärfung der Welthungerproblematik und zusätzlich noch eine Verschlechterung der medizinischen Versorgung in Entwicklungsländern – Stichwort: Kriminalisierung von Saatgut.
        Wer für Profit über Leichen geht, ist mit dem Begriff Mafia vorzüglich trefflich bezeichnet, und genau das ist – wie dargelegt – hier der Fall.

        • Slash schrieb am

          Ehm, natürlich nicht „Kriminalisierung von Saatgut“, sondern „Kriminalisierung von Generika (erschwingliche No Name Medikamente)“… es ist schon spät…

  2. Marius schrieb am

    Das hängt von der Zielgruppe ab, wie sinnvoll Parolen und abwertende Begriffe sind. Ich glaube, dass Bildleser, also ein Großteil der Bevölkerung, ohne solche Parolen den Artikel nicht interessant genug finden. Das Proletariat füttert man nur so.

  3. Sperling schrieb am

    Es ist interessant wie der eine oder andere hier durch Worte getriggert wird und dann die Gelegenheit nutzt um vom eigentlichen Skandal abzulenken.

    Bei der Wortwahl geht es nicht um das „Proletariat“, in Anbetracht der furchtbaren Zusatände ist es mittlerweile normal – wie man an der immer schärfer werdenden Wortwahl im Kabarett erkennt, nicht nur der große Volker Pispers pfelgt eine deftigen Wortgebrauch, auch Schramm, Utthof etc. nutzen Kraftausdrücke.

    Denn in der Übertreibung liegt die Veranschaulichung; wobei ich mir nicht sicher bin ob ich wirklich übertreibe.

    Allen anderen möchte ich hier nur sagen: Auf eine groben Klotz gehört ein grober Keil, Gorny als Vertreter der Urheber ist in etwas so absurd als würde man hergehen und Präsident Obama den Friedensnobelpreis verl… wait, hat man ja. Autsch.

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