Digitale Medienkompetenz: Wir brauchen mehr als diesen Blümchenantrag!

Bild: Tobias M. Eckrich

Am heutigen Donnerstag verhandelt der Bundestag einen Antragder regierungstragenden Fraktionen zum Thema ›Digitale Bildung‹ [1]. Diese Initiative zum Digitalen Lernen widmet sich schwerpunktmäßig den Anforderungen in der digitalen Arbeitswelt. Dazu nimmt Monika Pieper, schulpolitische Sprecherin der Piratenfraktion im Landtag NRW, wie folgt Stellung:

»Dieser Fokus ist viel zu eng! Die Kommunikation über digitale Netzwerke hat heute schon eine grundlegende Bedeutung. Sie ist ein wichtiges Mittel der gesellschaftlichen und politischen Teilhabe, ermöglicht Meinungsfreiheit und die freie Entfaltung der Persönlichkeit. Die Vermittlung von Programmierkenntnissen hat dabei einen großen Stellenwert und ist daher auszubauen. Doch nur Schulfach Informatik oder Computing genügt nicht, um eine umfassende Medienbildung zu gewährleisten. Es sind kontinuierliche Angebote der Medienbildung notwendig, die verbindlich in unseren Bildungseinrichtungen durchgeführt werden müssen. Es geht vor allem darum, die Kinder und Jugendlichen zu befähigen, mit Medien eigenständig, sozial verantwortlich und kreativ umzugehen. Sie sollen Inhalte verstehen und verwenden, sie gestalten und die enthaltenen Informationen sicher bewerten können.«

Zum Vorhaben, eine Wissens- und Bildungsschranke im Urheberrecht einzuführen, erklärt Pieper:

»Die Einführung einer Wissenschafts- und Bildungsschranke im Urheberrecht wäre ein Schritt in die richtige Richtung und wird von uns begrüßt. Doch um die Potentiale der Digitalisierung für die Bildung zu nutzen, brauchen wir ein breites Angebot qualitativ hochwertiger Lernmaterialien unter freier Lizenz (Open Educational Resources). Wir fordern daher nicht nur die Nutzung, sondern auch die Förderung von Open Educational Resources. Die Summe von zwei Millionen Euro, die dafür im Bundeshaushalt eingestellt sind, reichen bei Weitem nicht aus. Hier müssen auch die Länder, allen voran NRW, endlich aufwachen und wesentlich mehr Gelder zur Verfügung stellen.«

Den Vorschlag, Lernende sollten ihr eigenes Gerät in die Schule mitbringen können, hält Pieper langfristig für nicht zielführend:

»Das Konzept des Bring Your Own Device (BOYD) mag übergangsweise als wie ein Erfolgskonzept scheinen, widerspricht aber dem Ansatz der Vereinheitlichung der IT-Infrastruktur an Schulen, wie sie die große Koalition in ihrem Antrag zu Recht fordert. Wer wirklich zukunftsorientiert in der Schule arbeiten will, der braucht hier einen einheitlichen Standard. Das Zusammenspiel von Hard- und Software lässt sich dadurch wesentlich besser steuern und warten. Es geht vor allem um die niederschwellige Nutzbarkeit für die Lehrerinnen und Lehrer. Standardisierung von Hard- und Software kann dabei eine wirksame Maßnahme sein, die Lehrerkollegien von überflüssiger Administration zu entlasten. Dabei ist der Einsatz von Open Source Systemen zu bevorzugen.«

Pieper kommt deshalb zu dem Fazit:

»Hehre Ziele formulieren CDU und SPD in ihrem Papier. Leider sehen wir Piraten noch nicht, dass überhaupt irgendetwas von dem, was dort angesprochen wird, auch tatsächlich in den Ländern umgesetzt wird. In NRW sind wir sehr weit von diesem Ziel entfernt. Politiker, die davor warnen, digitale Entwicklung in den Schulen als Selbstzweck zu betrachten, befinden sich noch immer im Dornröschenschlaf. Die von der Landesregierung in NRW angekündigte “behutsame Weiterentwicklung” bedeutet eher Stillstand. Zum aktuellen Zeitpunkt können wir die Initiative nur als Blümchenantrag betrachten. Wir fordern eine kontinuierliche Weiterentwicklung und vor allem die konsequente Umsetzung der unbestritten guten Ansätze in den Bundesländern. Wir fordern die Schulminister der Länder auf, endlich aus ihrem Dornröschenschlaf zu erwachen und die digitale Zukunft der Schule mitzugestalten.«

Jasmin Maurer, Abgeordnete der PIRATEN im Landtag Saarland, bedauert, dass wahrscheinlich erst eine Initiative auf Bundesebene Bewegung in die saarländische Schulpolitik bringen wird:

»Endlich, aber viel zu spät, hat Deutschland die Defizite im Bereich der Medienkompetenz begriffen. Das Saarland muss nun endlich mitziehen und darf sich nicht hinter der bisher demonstrierten Mentalität verstecken ‘alles ist gut so, wie es ist’. Das nun gerade der Bund Handlungsbedarf sieht, ist ein sehr trauriges Zeugnis für das Saarland.«

Quelle:
[1] Regierungsentwurf Digitale Bildung und Medienkompetenz: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/044/1804422.pdf
[2] Vollständiges Statement der Piratenfraktion Saarland: https://piratenfraktion-saarland.de/2015/03/%E2%80%8Bit-land-saarland-muss-[..]

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