Griechenland: Hoffnungsschimmer für Europa

Bild: Vsolymossy@WikiMedia

Ein offener Brief der AG Geldordnung und Finanzpolitik an die griechische Bevölkerung.

Liebe Griechen,

unsere Arbeitsgruppe steht der geplanten Politikänderung in Griechenland überaus positiv gegenüber. Wir sehen darin eine Chance – nicht nur für Griechenland, sondern auch dafür, die Wirtschafts- und Sozialpolitik der EU grundsätzlich zu überdenken und zu korrigieren. Wir wünschen Euch, dass nun die Menschen in Griechenland neue Hoffnung schöpfen!

Auch wollen wir Euch mit diesem offenen Brief eine andere Sichtweise auf »die Deutschen« aufzeigen. Wir Deutschen sind nicht alle »Merkel« oder »Schäuble«. Ein großer Teil unserer Bevölkerung hat sehr wohl erkannt, dass die Politik der »Überschussländer« falsch ist und eher für die Zerstörung des europäischen Gedankens steht. Unsere AG erkennt, dass die »Troika« mit ihrer neoliberalen Ausrichtung der Solidarität innerhalb Europas schadet. Die Piraten haben sich als europäische Partei gegründet, weil wir, so wie Ihr, nach wie vor fest an das Projekt »Europa« glauben.

Die AG Geldordnung und Finanzpolitik beobachtet Eure Schritte mit großem Interesse und ist überzeugt, dass die geplanten Maßnahmen in der gegebenen Situation Griechenlands die enormen Probleme angehen und das Elend der breiten Bevölkerung lindern.

Dem 40-Punkte-Programm, das Eure Regierungspartei Syriza vorgestellt hat, können wir nicht in allen Punkten zustimmen. Wir erkennen aber an, dass in der schwierigen Situation Griechenlands folgende Punkte des Programms ein nachhaltiger Weg aus der Krise sein können:

  • Besteuerung hoher Einkommen und Vermögen, damit auch der wohlhabende Teil der griechischen Bevölkerung einen angemessenen Beitrag zur Lösung der Krise leistet.

  • Eine Wende in der Abwärtsspirale von Einkommen und Produktion hin zu einem nachhaltigen Wirtschaftswachstum, damit auch für die breite Bevölkerung ein menschenwürdiges Leben möglich wird.
  • Akzeptanz griechischer Staatsanleihen mit sehr langer Laufzeit, um so den akuten Schuldendruck Griechenlands temporär zu mildern.
  • Die Rolle der EZB so zu ändern, dass sie Staaten und öffentliche Investitionsprogramme finanziert.
  • Drastische Reduzierung der Militärausgaben.

Außerdem ist uns bewusst, dass die deutsche Wirtschafts- und insbesondere die Lohnpolitik der letzten 15 Jahre der wirtschaftlichen Entwicklung einzelner Mitgliedstaaten des Euro-Raums massiv geschadet hat. Dadurch ist diese Politik mit verantwortlich für das Auseinanderdriften der Wettbewerbsfähigkeit unserer europäischen Volkswirtschaften.

Die AG Geldordnung und Finanzpolitik setzt sich dafür ein, dass die Löhne in Deutschland deutlich steigen, damit der Wettbewerb im gesamten Euroraum nicht auf Kosten einzelner Länder geht.

Wir wünschen Euch für Euren kommenden, sicherlich steinigen Weg viel Kraft und Durchsetzungsfähigkeit. Wir stehen an Eurer Seite.

Eure AG Geldordnung und Finanzpolitik in der Piratenpartei Deutschland

 

Wenn Du mit Piraten über Fragen des Geldsystems diskutieren möchtest, kannst Du uns in einer Sitzung der AG Geldordnung und Finanzpolitik besuchen – egal ob Du Pirat bist oder nicht. Die Sitzungen finden an jedem Mittwoch um 20:30 Uhr im Mumble NRW im Raum AG Geldordnung und Finanzpolitik statt.

Die Bundeswebseite der Piratenpartei spiegelt ihn ihrem redaktionellen Teil die Vielfalt der Diskussion und der politischen Meinungen innerhalb der Piratenpartei wieder. Artikel, die keine offizielle Aussage der Piratenpartei sind, sind über die Kategorien »aus den Arbeitsgemeinschaften«, »Piraten bloggen« oder »Schrödinger« gekennzeichnet und werden im Kopf als »Gastartikel« oder »Meinungsbeitrag« oder anderswie so gekennzeichnet, dass klar wird, dass sie möglicherweise Einzelmeinungen darstellen. Ungeachtet dessen unterliegen diese Texte dem üblichen Lektorats- und Freigabeprozess und die Redaktion sowie der Bundesvorstand der Piratenpartei verantworten die Freigabe.

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Kommentare

27 Kommentare zu Griechenland: Hoffnungsschimmer für Europa

  1. Bernd schrieb am

    Das griechische Volk interessiert sich vermutlich weder für kluge Ratschläge der Kanzlerin noch für vielleicht ja sogar noch klügere Ratschläge einer ihnen unbekannten AG Geldordnung einer ihnen ebenso unbekannten Kleinstpartei in Deutschland.

    Ich kann einfach nicht verstehen, was der obige Artikel Positives bewirken soll. Ehrlich nicht. Wovon die Piratenpartei offenbar noch immer nicht weggekommen ist: Anderen Ratschläge zu erteilen. So was kommt nie, nirgendwo auf der Welt, gut an.

    Schadkommunikation ist es nur deshalb nicht, weil es niemand hierzulande mehr wahrnimmt (ausser ich) und in GR erst recht niemand. Euer Glück. Leider vergisst das Netz nicht. Kommen die Piraten irgendwann tatsächlich noch mal hoch und zu bundesweiter oder gar europaweiter Bedeutung, wird man euch solche Blogbeiträge aufs Butterbrot schmieren. Zu Recht. Lasst es einfach sein, zukünftig. Danke.

    • Otla schrieb am

      Warum?
      Die AG Geldordnung vertritt hier eine Meinung, die in der internationalen Wirtschaftspolitik eventuell sogar die Mehrheitsmeinung sein könnte.
      Man muss nur manchmal seine Ohren aufsperren. Vorwürfe z.B. hinsichtlich Lohndumping auf Kosten anderer EU-Länder kommen nicht nur von der AG Geldordnung. Führt oder führte nicht Belgien deswegen einen Prozess gegen Deutschland?

  2. Bernhard schrieb am

    Gratuliere, super, gefällt mir. Wir müssen uns wieder mehr einmischen.
    Sinnbefreite Kommentare wie z.B. von „Bernd“, sollten uns darin bestärken, genau diesen Weg zu gehen.

    • Dirk schrieb am

      Der Kommentar von Bernd enthält mehrere falsche Aussagen und ist auf vielen Ebenen inhaltlich angreifbar. Ihn jedoch als „sinnbefreit“ zu bezeichnen, halte ich für wenig zielführend. Wie wäre es, ihm zu erläutern, warum die Solidarisierung der unbekannten Gruppe für die Griechen aus Deiner Sicht eben doch Sinn macht, warum die Griechen sich (leider) für das interessieren müssen, was die Kanzlerin ihnen über die EU und ihren Finanzminister auferlegen will, und warum er keineswegs der einzige ist, der schaut, was die Piraten so treiben?

  3. kritisch schrieb am

    Ich kann keine harten Fakten oder wirtschaftlich relevanten Analysen in diesem „offenen“ Brief erkennen. Keine konkreten Lösungsansätze.
    Was nützt eine Besteuerung, wenn diese nicht umgesetzt wird, was in Griechenland schon seit Jahrzehnten so ist, auf allen Ebenen.
    Das Land könnte von heute auf morgen viele Milliarden Euro jährliche Steuereinnahmen haben und sich selber retten.
    Solange dieses Land keine funktionierende, nicht korrupte Verwaltumg hat, bleibt alles so wie es ist und die Euro-Länder sollen das auch noch bezahlen…
    Als ob eine Linke Regierung nicht korrupt wäre..
    Alle sind gleich und manche sind gleicher…da war doch was…

    • Piratos schrieb am

      Hallo Kritisch,

      natürlich sind auch konkrete Forderungen hier aufgeführt, im 40 Punkte Programm der Syriza sind diese noch konkreter, näheres findest Du hier:
      http://blog.fdik.org/2015-01/s1422653301
      Und ja – natürlich braucht ein Land eine korrupt-freie Verwaltung, aber in Griechenland hat da der politische Wille gefehlt. Ob die neue Regierung hier Änderungen vollzieht, bleibt abzuwarten, aber ich persönlich habe da große Hoffnung, denn die Probleme werden von Syriza klar benannt, im Gegensatz zu allen griechischen Regierungen, der letzten 30 Jahre.
      Allerdings sollte Dir klar sein, dass 90 % der „Hilfsgelder“ der EU Länder nur zur Rettung der Besitzer der Staatsanleihen dient und eben nicht zum Aufbau der Wirtschaft oder Verwaltung in Griechenland gezahlt werden.
      Die Gläubiger retten sich aktuell mit den Hilfsgeldern quasi selbst, darauf weißt auch Varoufakis deutlich hin. Eine kleine Literatur-Sammlung mit Texten, Vorträgen und Pressekonferenzen von Yanis Varoufakis findest Du hier:
      http://wiki.piratenpartei.de/AG_Geldordnung_und_Finanzpolitik/Quellen/sortiert_nach_person#Varoufakis.2C_Yanis
      Sehr lesenswert wenn man näher verstehen will, was die neue Regierung plant und als Reformvorschläge dem angeschlagenen Wirtschaftsraum Europa vorschlägt. Er will das Problem viel grundsätzlicher lösen, dass ist leider in Europa noch nicht weit durchgedrungen, das liegt leider auch daran, dass Politiker meist keine Ahnung von VWL haben. Das wird sich ändern… :)

  4. Schokolade schrieb am

    Liebe AG Geldordnung und Finanzpolitik.
    Dein offener Brief an die Griechinnen ist zwar süß, aber zeugt von gänzlichem Unverstand.
    Zunächtmal sind zahlreiche formale Fehler und Behauptung festzuhalten.
    1.
    So sind Griechinnen und „Menschen in Griechenland“ nicht identische Gruppen. Bekanntlcih kann sich sehr wohl eine Französin oder Engländerinnen oder Portugiesinnen ebenfalls in Griechenland aufhalten.
    Von der Griechischen Wirtschaftspolitik sind also nicht Menschen in Griechenland betroffen, sondern Menschen mit griechischem Pass die in Griechenland Leben.

    2.
    Dann hat sich die Piratenpartei nicht als europäische Partei gegründet, weil wir, so wie Ihr, nach wie vor fest an das Projekt »Europa« glauben.
    Die Piratenpartei versteht sich eher als Globale Bewegung die KEINE nationalen also auch keine Europäischen Grenzen kennt.

    Selbstverständlich kann bein Ags die gewissermaßen im eigenen Saft Schmoren also nur noch Nabelschau betreiben die Wirklichkeit abhanden kommen.

    3.
    Des weitern gibt es auch keine europäischen Volkswirtschaften.
    Heute existieren keine unabhängigen, nationalen Volkswirtschaften auf dem europäischen Kontinent.
    Ich hatte bereits mal angeregt, anstatt von Volkswirtschaft von Binnenwirtschaft zu sprechen. Nutzt man dieses Wort, wird klar, das es lediglich eine europäische Binnenwirtschaft geben kann.

    4. Die unterschiedliche Wettbewerbsfähigkeit ist nicht einer herbeigefasselten Lohnungleichheit geschuldet. Die Lohnungleichheit basiert auf unterschiedlicher Produktivität in den einzelnen Regionen des europäischen Binnenmarktes.

    Aus einzelnen irren Vorstellungen folgen auch die irren Forderungen

    Besteuerung hoher Einkommen und Vermögen, damit auch der wohlhabende Teil der griechischen Bevölkerung einen angemessenen Beitrag zur Lösung der Krise leistet.

    Die mangelnde Besteuerung hoher Einkommen und Vermögen ist kein spezifisch griechisches Problem. Wir haben es mit einem Globalen Priblem zu schaffen. Alle Binnenwirtschaften sind bestrebt „Kapital“ in ihren Wirtschaftsbereich zu locken und das geht nun mal nicht mir hoher Besteuerung.
    Also liebe AG Geldordnung und Finanzpolitik. Sollten die Griechen deinem Rat folgen, wäre die Folge das viele Vermögen das Land verlassen.
    Griechenland kann, als eine Region des europäischen Binnenmarktes keine Steuerpolitik gegen andere Regionen des europäischen Binnenmarktes fahren. Eine Besteuerung der Vermögenden kann nur im europäischen Kontext sinnvoll durchgesetzte werden.

    Eine Wende in der Abwärtsspirale von Einkommen und Produktion hin zu einem nachhaltigen Wirtschaftswachstum, damit auch für die breite Bevölkerung ein menschenwürdiges Leben möglich wird.

    Ja eine solche Wende wäre sicher erstrebenswert, aber wie soll sie erreicht werden? Und was sind die konkreten Vorschläge einer AG, die ja die Wettbewerbsfähigkeit der Regionen ins Zentrum ihrer Überlegungen stellt, um so eine Wende zu erreichen?

    Akzeptanz griechischer Staatsanleihen mit sehr langer Laufzeit, um so den akuten Schuldendruck Griechenlands temporär zu mildern.
    Wer soll die sehr langen Laufzeiten akzeptieren, der freie Kapitalmarkt, der Deutsche Bundestag, oder die AG Geldordnung und Finanzpolitik?

    Die Rolle der EZB so zu ändern, dass sie Staaten und öffentliche Investitionsprogramme finanziert.
    Die „Staaten“ sollten sich mit ihren Einnahmen finanzieren.
    Ist natürlich witzig, das gerade die AG Geldordnung und Finanzpolitik der Europäischen Zentralbank auch gleich noch die europäische Wirtschaftspolitik unterstellen will.
    Da die notwendige Einmischung der EZB in die europäische Wirtschaftspolitik falsch ist, ist die Forderung der AG selbstverständlich noch falscher.
    Hier geht es im Übrigen nicht um ‚Staaten‘ sondern um den europäischen Binnenmarkt. Für den europäischen Binnenmarkt ist eine Wirtschaftspolitik, die die strukturschwachen Regionen fördert und so die Produktivitätsunterschiede nivelliert, die also „Löhne“ im Euroraum nicht an regionale Wettbewerbsfähigkeit koppelt sondern gleichen realen Lebensstandard im Euroraum anstrebt, nötig.

    Schokolade

    • Dirk schrieb am

      Liebe Schokolade, ich hatte es oben bereits erwähnt: Könntet ihr – statt euren Beiträgen eine pauschalisierte Abwertung des Anderen voranzustellen – bitte einfach bei der sachlichen Diskussion bleiben? Danke. Forderungen, die dir nicht gefallen sind z.B. nicht „irr“, sondern du hast einen Einwand und ggf. einen anderen Vorschlag. Probier’s mal. Es geht.

      zu Deinem Punkt 2: Bitte das hier lesen.

      • Schokolade schrieb am

        Lieber Dirk.
        Danke für die Aufmunterung, werde mich bemühen. Ich habe allerdings neben meinen „Abwertungen“ einige sachliche Einwände gebracht.
        Zur Erklärung meiner „Rage“:
        Ich habe u.a. die Listen der AG-Geldordnung und Finanzpolitik, Wirtschaftspiraten, Wirtschaft, Ausländerpolitik, Europa, Finanzkrise abonniert und muss feststellen, dass auf keiner der Listen inhaltliche Diskussionen laufen. In der Regel sind es Einzelpersonen, die die Listen mit ihren Beiträgen bestücken.

        Selbstverständlich weiß ich, dass sich eine europäische Piratenpartei formiert hat. Da hat sie aber nicht, weil sie an ein Projekt Europa glaubt.
        Was sollte das auch sein? Die Festung, an deren Ränder zurzeit jährlich einige Tausend Menschen ihr Leben lassen?
        Ich halte mich an Folgendes:
        wiki.piratenpartei.de/Parteiprogramm#Pr.C3.A4ambel
        Informationelle Selbstbestimmung, freier Zugang zu Wissen und Kultur und die Wahrung der Privatsphäre sind die Grundpfeiler der zukünftigen Informationsgesellschaft. Nur auf ihrer Basis kann eine demokratische, sozial gerechte, freiheitlich selbstbestimmte, globale Ordnung entstehen.
        Die Piratenpartei versteht sich daher als Teil einer weltweiten Bewegung, die diese Ordnung zum Vorteil aller mitgestalten will.

        In diesem Absatz auch nicht der geringste Hauch von „Eurofaschismus“ enthalten.

        schokolade

  5. IULIUS schrieb am

    Was ich wenig durchdacht ansehe ist:
    Wie kann man jemandem der eh seine Kredite nicht mehr bedienen kann neue Kredite geben? Das schiebt das Problem nur vor sich her. Tatsächlich haben die griechischen Anleihen derzeit einen Wert von 60% ihres Nennwertes. Ohne diese gesamten Stützungsaktionen wären es vielleicht nur 10%. Wenn man den Griechen wirklich helfen wollte wäre es sinnvoll die Unterstützungsaktionen sein zu lassen und die Anleihen bei 10% aufzukaufen. Wenn die Griechen mal wieder Geld haben sollten kann man die Anleihen für die 10% an die Griechen zurückzugeben. Bis dahin werden die Zahlungen gestundet.
    Die EZB hätte dafür hinreichend Geld.

    Denke damit wäre allen am Besten gedient. Quasi läuft das auf einen Schuldenschnitt hinaus, wäre aber keiner.

    Militärausgaben haben meist einen Nebeneffekt, ähnlich wie ABM-Maßnahmen halten sie die Wirtschaft aufrecht. Zudem als direkter Nachbar der Türkei ist die Höhe angemessen. Daß auf Nato und EU kein Verlaß ist, zeigen die Probleme in der Ukraine. Beide sind, was militäriches betrifft schlichtweg handlungsunfähig. Zum einen brauchen die mehrere Monate bis Jahre bis sie überhaupt zu einer Aktion fähig sind. Zum anderen, mehr als wehrlose Länder zu bombardieren ist denen nicht möglich.
    Mit anderen Worten, wenn die Türken in Griechenland sind ist es wenig hilfreich Griechenland zu bombardieren um die Türken zu vertreiben.

    • Piratos schrieb am

      Hallo IULIUS,

      auch Varoufakis erklärt, dass es kein Sinn macht, Griechenland noch mehr Kredite zu geben, auch weil sie nicht in griechenland ankommen, sondern zur Bedienung alter Schulden dienen sollen.
      Griechenland erzielt seit 2013 einen Primär-Überschuss, dass heißt ohne Tilgungs- und Zinszahlungen würden sie ein „+“ machen, daher wäre ein Staatsbankrott (nicht nur ein Schuldenschnitt) ein Weg aus der Krise. Aber natürlich stimmt auch, dass der Primärüberschuss dadurch kommt, dass in Griechenland so stark gekürzt wurde, daher müssen die Staatsausgaben wieder steigen um die Wirtschaft anzukurbeln. Daher müssen dringend die Steuereinnahmen des Landes steigen, ich hoffe die Regierung nutzt die Chance zu Reformen in diesem Bereich, anders wird es nie klappen.
      Die Kürzung der Militärausgaben wird aber nicht Griechenland treffen, sondern insbesondere Deutschland, als drittgrößter Waffenexporteur werden die Rüstungsunternehmen hierzulande wohl weniger Geschäft mit Griechenland machen. Damit hätte ich aber nicht nur aus moralischen Gründen überhaupt kein Problem !! :)
      Wir können den Griechen am besten helfen, wenn wir ihre Produkte kaufen nicht umgekehrt, dazu hatte ich auf unserem Blog schon 2012 im Rahmen der ESM Diskussion etwas geschrieben: http://www.geldsystempiraten.de/wp/oliven-statt-esm/

  6. Idahoe schrieb am

    Der zweck des Wettbewerbes IST, einen Sieger zu ermitteln. Das Bild, das die Ökonomie zaubert, ist ein Widerspruch in sich. Zu verstehen ist dies, wenn einem Menschen klar wird, daß die Gier angetrieben wird von Verlustängsten. Ein Nullsummenspiel ist und bleibt in seiner Konsequenz, daß die Gewinne des einen die Verluste des anderen darstellen.
    Wer dies verneint, hat den Zweck eines Nullsummenspiels nicht verstanden. Es sind genau diese Dispositive, die dem Menschen übergestülpt werden, die der Behauptung dienen, der Sieg würde ihn erlösen. Es kann nur einen geben.

    Aber eben nicht in dieser Welt. Viele verwechseln ihren Glauben mit Denken, dabei sind dies völlig unterschiedliche Vorgänge. Regeln, Rechte, Gesetze geben Weisungen, sie dienen einer Ideologie. Das Idiotentum ist nicht auf Verständigung ausgerichtet. Eine Vereinbarung ist gerade keine Regel und setzt Verständigung voraus. Wettbewerb beruht auf GLAUBEN und setzt ideologische, genauer eine idiotische Betrachtung der Welt voraus.
    Geld beruht auf Recht, Geld ist eine Weisung und hat nichts mit Verständigung zu tun. Eigentum ist ein Recht, das behauptet, dieser Planet gehöre den Menschen. Das grenzt eben an Größenwahn, nein ist es bereits.

    Wenn ihr eure Rechte einfordert, solltet ihr immer daran denken, daß ihr Anweisungen für euch selbst fordert. Mit „Denk selbst“ hat dies ungefähr gar nichts zu tun, denn selber zu denken benötigt keine Anweisungen, sondern Verständigung, Verständnis untereinander.

    Eine Nation, ein Staat ist die Illusion eines geschaffenen fiktiven Regelwerkes. Ihr habt die Anweisungen nicht verstanden, denn die geben vor, daß ihr gute Deutsche zu sein habt, was immer dieser auch sein mag.

    Wenn ihr etwas erreichen wollt, dann macht euch zunächst einmal mit dem Begriff Dispositiv bekannt.

  7. Chico schrieb am

    Anstatt euch den Kopf über Griechenland zu zerbrechen, solltet ihr mal lieber an die BRD – und eure WAHLERGEBNISSE hier denken.
    […]

    [Kommentarthread ist einigermaßen sachlich udn sicherlich auch für die Diskutierenden wichtig – hier aber off-topic. Deswegen habe ich ihn unter einen geeigneteren Beitrag verschoben. /Maschinenraum]

  8. zarathustra schrieb am

    moin

    es gibt menschen in der eu, in europa, die sind ärmer als die griechen.

    balten, slowaken…sollen also zahlen?

    siriza ist in den wahlen angetreten, wir erhöhen nicht die steuern, wir geben nicht weniger aus, wir machen weiter wie bisher.
    sowohl pasok als auch neo-demokratiana haben ihre wahlkämpfe geführt mit dem versprechen, die staatsausgaben zu erhöhen.
    wer jeweils mehr bot, wurde gewählt.
    über jahrzehnte wurde griechenland von ihren regierungen von links und von rechts in die sch… geritten.
    die vorgaben des euro hat griechenland jedesmal deutlich verfehlt.
    bis auf einmal.
    plötzlich, wunderbarer weise erfüllte griechenland auf einmal in einem jahr die kriterien – prompt wurde die euro-zone ausgedehnt.

    hätten bimbes & co genauer hingesehen, wäre ihnen das wort bilanzfälschung eingefallen – doch politik ging vor wirtschaft, vor vernunft.

    die euro-einführung ist geschichte.

    das wissen von der vergangenheit erleichtert das verstehen der gegenwart.

    nun haben die griechen den euro.

    nicht auf dem konto, sondern in bar unter der matraze oder in london.
    (den schweizer banken vertrauen die superreichen griechen nicht)

    den run uf den euro haben die griechen bereits gemacht!
    (als ich damals in griehenland war, gabs da ein gesetz, dass jeder grieche offiziell 5000,- DM haben durfte – ständig wurde mensch angesprochen, ob mensch nicht zu einem günstigerem kurs als bei den banken, drachen tauschen wolle)
    das geld haben die griechen von den banken abgezogen – die euros liegen in london oder unter der matraze.
    die polizei in griechenland fordert bereits zu guten verstecken auf.

    siriza stellte im wahlkampf maximalforderungen auf – und vertrat sie nach der wahl in anderen eu-staaten.
    (reisen der neugewählten griech-regierung)
    doch da irrte sie sich.
    niemand stimmte ihr zu. – weder ital, span oder … stimmten ihr zu.

    so besch… sie waren, alle anderen länder erfüllten die auflagen.
    sind raus aus auflagen.

    seinen wählern/bürgern jetzt zu erklären, die opfer kamen zu früh, kann niemánd seinen wählern erklären.
    niemand will für siriza bluten – auch nicht die griechen.

    dass die forderungen der troika (troika darf mensch jetzt nicht mehr sagen), zu hart waren, befürworte ich.
    es gibt aber finanzielle regeln – an die muss mensch sich halten.

    ich bin für eine finanzielle solidarität weltweit und insb der eu.

    die reichen sollten abgeben.

    es kann aber nicht sein, dass alles gezahlt wird, was andere fordern.

    (ich erinere mich an einen wahlkampfauftritt von der noccun und ihren forderungen. neben jedem ostfriesichen kuhfladen eine universitätsklinik.
    schön wäre es, aber das ist nicht finanzierbar – sinnvoll meiner meinung wäre ein kh in gh mit stationen)

    was auch immer sollte gegenfinanziert werden – es sollte erklärt werden, wo das geld zum ausgeben herkommen soll.

    1. die forderungen, ärmere länder als die griechen sollten zahlen, kommt nicht in die tüte.
    2. na logo sollen die reichen zahlen – aber bitte zuerst die reichen griechen. da muss in griechenland endlich mal was geschehen.
    3. ne wunschliste ist gut und schön – erst mal seine hausaufgaben machen, dann wünsche. in griechenland liegt massig im argen. es ist sache der griechen, das zu regeln.
    4. ohne bevormundung – das ist sache der griechen.
    5. je mehr wir sipras entgegenkommen, um so mehr wasser giessen wir auf die populistischen mühlen der afd.
    als demokrat akzeptiere ich die wahlergebnisse der afd – als demokrat ist es meine pflicht, die afd zu bekämpfen.

    deutschland ist rechtsnachfolger jenes staates, der alles, was kultur, bildung, anstand sitte und moral in einem masse negierte, …

    es ist deutschsein, auszwitz zu sein.
    ohne bekenntnis zum volkermord an den juden, den slaven, den vielen ermordeten kann mensch nicht deutsch sein.

    der bundespräsident gauck sagte, das eine nichtentschuldigung eine zweite schuld ist – da hat er recht.

    ausschwitz ist unabdingbarer teil der deutschen.

    der forderung der siriza, lehne ich ab.

    dass nun wir deutschen wg 33-45 die griechiechen staatsschulden übernehmen?

    helmut schmidt hat mehrere gute sätze gesagt:

    „den opfer der shoah schulden wir alles – dem staat israel nichts“

    was schulden wir griechenland?

    Z

    • Otla schrieb am

      Niemand, auch nicht Syriza, bestreitet, dass die reichen Griechen zahlen müssen. Die Frage ist nur, wie kommt man an sie ran? Kostet erst mal Geld, nicht wahr? Geld für Staatsbedienstet, ne?
      Die alte Regel: wer verdienen will, muss erst mal investieren. Dass die Austeritätspolitik genau das verhindert, ist ja der Kritikpunkt, übrigens nicht nur der der Griechen.
      Wie hoch ist die Arbeitslosenrate in Griechenland? Über 25 %. Vielleicht sollte man mal überlegen, wie unsere Staatseinnahmen aussähen, wenn 1/4 unserer arbeitsfähigen Bevölkerung keine Arbeit fände. Ach, das hatten wir doch schon mal … http://de.wikipedia.org/wiki/Weltwirtschaftskrise#mediaviewer/File:Arbeitslosenquote_1928_bis_1935.png

      Es interessiert mich übrigens nicht, was Gauck sagt.
      Schuld sollen die tragen, die auch den damaligen Nazi-Staat getragen haben. Die und die in ihrem Geist erzogenen Nachkommen.
      Es gab immer auch ein anderes Deutschland. Dem entstamme ich.
      Von mir aus können die Erben Nazi-Deutschlands zu Kreuze kriechen, so oft und so lange sie wollen. Aber sie sollen wissen, sie sind nicht die einzigen Deutschen. Und auch nicht die, die mit Rückblick auf eine Vergangenheit, die die ihrer Eltern und Großeltern ist, alles bestimmen können.
      Ich krieche nicht. Ich verteidige stolz mein Deutschland. Bedenkenlos auch gegen solche Erben.

      Nicht diese Vergangenheit soll uns motivieren, Griechenland irgend was zu zahlen oder zu erlassen. Sondern Fragen der gegenwärtigen wirtschaftlichen Vernunft. Wonach der, der ausgeben will, erst mal einnehmen muss: durch Arbeit. Die 25 % der Griechen nicht haben.
      Das muss sich ändern.
      Pläne für’s Sparen gibt’s genug. Gefordert sind für die kommenden 4 Monate Pläne zur Wirtschaftsförderung.

  9. EUdysseus schrieb am

    Also, ist ja ganz nett, aber hätte man das nicht auf Griechisch, bzw. auf Englisch schreiben sollen? Ist ja für die Griechen und das jetzt in der Situation auf Deutsch rauszuhauen ist irgendwie undiplomatisch. Musste schon für eine griechische Piratin der ersten Stunde übersetzen…
    Grüße aus Thessaloniki

    • Dirk schrieb am

      Wir hätten es gerne gemacht, aber wir konnten auf die Schnelle hier niemanden auftreiben, der oder die nicht schon bis über beide Ohren in Arbeit steckt und sich das zugetraut hat. Wir standen also vor der Wahl: Nix oder leider nur in Deutsch. Auf keinen Fall aber soll diese Notlösung als undiplomatisch oder arrogant verstanden werden. Auch wenn über den Weg nach vorne unterschiedliche Meinungen bestehen mögen und populistische Medien ihre Die-faulen-Griechen-Titel raushauen: Ganz viele hier bei uns lässt es überhaupt nicht kalt, dass Unmengen von Geld über Griechenland in deutsche Banken gepumpt wird und dort in der Zwischenzeit die Arbeitslosigkeit genauso explodiert wie die Zahl der Drogentoten – um nur mal zwei Punkte herauszugreifen.

      Zurück zur Sprache: Ich bin mal ganz frech und frag Dich, ob ich Dich für sowas ansprechen könnte, wenn wieder was anliegt (und wenn ich den Schöuble so höre, dann könnte das ja schneller passieren, als es uns allen lieb sein kann…)

      • EUdysseus schrieb am

        Mein Griechisch ist leider noch nicht genug genug, würde da ewig dransetzen, gerne in ca. 6-8 Monaten ;). Ansonsten aber Englisch… dann versteht es auch der Rest von Europa.

        LG aus Thessaloniki

        • Dirk schrieb am

          Wir schreiben es uns hinter die Ohren und melden und dann im Sommer wieder :)

  10. Otla schrieb am

    Another additional link from renowned Blog „Zero Hedge“ (>Wikipedia)supporting view of „AG Geldordnung“ that Germany’s economic and wages policy damages economical development not only of other EU states;but also of Germany herself: „Poverty and regional inequalities are homemade primarily the result of political decisions“
    Perhaps it’s of interest also for the Greek.
    http://www.zerohedge.com/news/2015-02-22/european-nations-poverty-rate-just-hit-record-high-spoiler-alert-not-greece

  11. Antonio Roberto Granato schrieb am

    Ich glaube, sollte organisiert Protestgruppen vor Ort und in Bekräftigung der Spending Review der griechischen Regierung und behauptete, eine Politik, die auch in Deutschland die staatliche Finanzierung für die Bürger tätig werden und gegen das spekulativen Banken einrichtung und Regierung Politik.
    Begründung:
    1 eine Politik, die lokale Wirtschaft zu beleben, weil, die einzige Möglichkeit, ein künftige Wachstum erstellen (die Politik der multinationalen Konzerne, die tatsächlich zu zerstören und an uns nur Krümel lassen)
    2 Taschengeld für die Bürger in den Kreis der Wirtschaft, bedeute, die Schaffung von Wohlstand (Gewinne großen multinationalen Unternehmen, sie am Ende in die Taschen und in den Portfolios der Steueroasen und in diesen Mediatoren Politiker, die Zerstörung der Wirtschaft ist), weil das Geld zurück am Markt kommen.
    3 Bürger (alle von uns) zahlen für die Fehler einer Politik, die auf das Unglück anderer spekuliert, aber nicht die Kaste anzuprangern (sich selber).
    Sollten die Befürworter dieser fehlgeleiteten Politik, die angehäuften Schulden zahlen.
    4 versenken griechenland bedeutet uns selbst zu begraben, da diese Schulden niemals bezahlt werden und Herr Schäuble, wie Frau Merkel und Herr Draghi in vergangenheit und heute wissen (der Wille der Reform bedeutet nicht, halten die korrupten Macht und definieren Wohltäter, als die Seele der eigenen Bürger zu quetschen, aber es würde bedeuten, die Beurteilung der Reformen durch die reale Möglichkeit, dass ein Land könnte Ausfall mit den Autoren des Scheiterns beleben sich)
    5 Fragen Sie, wie in Island, dass die Autoren des Bankrot weggehen müssen (Schäuble, Merkel, Draghi und so weiter) und lassen Sie den Weg offen für eine Referendumi wo Menschen entscheiden sich für eine Politik, die ihnen die Möglichkeit, die lokale Wirtschaft zu beleben gibt müssen wir uns als Bürger und vor allem die Menschen wieder zu beleben.

  12. zarathustra schrieb am

    moin

    hab mich unzureichend geäussert – entschuldigung.

    deutscher kann nur sein, wer den holocaust akzeptiert – als das prägende ereigniss des 20. jahrhunderts.
    ich kann mir nicht die rosinen rauspicken wie goethe, schiller, und alles was mir in dem kram passt.
    ich muss auch zu dem stehen, was mir nicht passt.

    in groningen hat mich mal jemand beschimpft.
    er erlebte die besatzung der nederlande.
    ich bin moffe – schimpfwort für d-länder.

    es gibt keine argumentation, dass man als deutscher nichts damit zu tun hätte.
    keine erklärung, dass die eigene verwandschaft nicht mitgemacht, dagegen oder im widerstand war.

    das zitat über die späte geburt bezieht sich darauf, dass wir, jeder von uns, sich nicht entscheiden musste, weil er damals nicht gelebt hat.
    mit dem wissen von heute lässt sich leicht urteilen.
    (die biographie über diese drecksau mit dem chaplinbart aus dem jahr 36, in der schweiz erschienen – wem vermachichdie testamentarisch?)

    back to thema

    die befehle zur endlösung, die befehle in ausschwitz erfolgten in deutsch.
    es ist die deutsche sprache, in denen die ermordung aller juden, befohlen wurde,
    (nicht zu vergessen andere befehle in deutscher sprache)

    es wäre schön, mensch könnte sich immer nur auf die sonnenseiten berufen.

    ausschwitz ist deutsch!

    wogegen ich mich verwahre, sind forderungen, ich sollte deswg bezahlen.

    was zu spät kommt ist eine entschädigung der opfer!

    die zwangsarbeiter in den kzs werden jetzt erst rentenberechtigt – nach 70 jahren?
    gauck sprach in griechenland von einer zweiten schuld.
    dass sie nicht materiell, den anders´geht es nicht, entschädigt wurden, ist schäbig hoch drei.

    wogg ich mich verwahre, sind forderungen, wg ausschwitz sollten wir bezahlen.
    den opfern steht jeder cent zu – und es beschämend, dass es auf seiten der (uns) deutschen immer wieder ausreden gab und gibt.

    es ist aber nicht ok, wenn es heisst, wir sollen wg diesem drecksregime zahlen.
    (weizäcker sprach von einer moralischen schuld – und diese ist untilgbar)

    es gab ein abkommen zwischen adenauer und griechenland wg reperaptionen – diese lagen in hamburg am kai und sind dort verrotet.
    wurden nicht abgeholt.

    nicht nur formaljuristisch ist deutschland rechtsnachfolger des drecksregimes – es ist es finanziell und sollte es moralisch sein.

    der forderung, wir machen was wir wollen – die deutschen sollen zahlen, lehne ich ab.

    @ marina weisband, allen menschen jüdischen glaubens und alle israelis

    hatte mal wg, wohnte mit nem jüd israeli zusammen.
    als ich ihn aufs kloputzen ansprach, sagte er ausschwitz.
    wg ausschwitz müsse ich für ihn das klo putzen.
    ich fragte ihn, wie viele klos ich putzen müsste, um einen toten der shoah wieder zu beleben.
    er nannte mich einen nazi – mit dem argument hatte er gewonnen.

    ein arschloch.

    die shoah ist bestannteil des jüdischen glaubens und des deutschen seins.
    genauso wenig wie jemand jude sein kann ohne ausschwitz, kann niemand deutscher sein ohne ausschwitz.

    moralisch sind wir verpflichtet.
    finanziell abzahlen lässt sich eine moralische schuld nicht.

    zarathustra

    (@ dirk sorry fürs nerven – du tust was du kannst – mag ich auch der einzige sein: danke für deine arbeit!)

  13. Otla schrieb am

    @ Zarathustra: >>>es gibt keine argumentation, dass man als deutscher nichts damit zu tun hätte.
    keine erklärung, dass die eigene verwandschaft nicht mitgemacht, dagegen oder im widerstand war.

    N e i n .
    Du unterschätzt hier etwas ganz gewaltig: die eigene Indentität und Integrität und den Stolz auf die eigene regionale und Familientradition, die eigene Kultur und Werte. Angesichts dessen ist es eine schwere Beleidigung zu sagen, auch wer opponierte, habe etwas mit dieser Vergangenheit zu tun. Nicht aus irgend welchen persönlichen Gründen, sondern weil es dabei um eine ganze Kultur geht.
    Wenn ein mecklenburger oder bayerischer Bauer sich auf uralte ihm heilige Sitten beruft, dass jemand, der auf seinem Feld arbeitet, auch an seinem Tisch essen soll, auch ein polnischer oder russischer Zwangsarbeiter, dann ist das weit mehr als nur die persönliche Meinung eines Individuums. Dann sind das jahrhunderte-, wenn nicht jahrtausende alte gesunde Werte. Niemand kann Leute, die diese Werte hoch hielten, in irgend einer Weise mit den Nazis auch nur identifizieren. Denn zwischen diesem und deren Denken klafft ein Abgrund. Das gleiche gilt für die norddeutschen Seeleute, zu denen mein Vater gehörte. Es gehörte zum Ethos der „christlichen Seefahrt“, also der zivilen, dass der chinesische Koch genau die gleichen Rechte hatte, wie der deutsche Matrose oder der schwarze Heizer. Dass einzig die berufliche Position den Rang bestimmte und dass Menschen nur zu unterscheiden sind nach anständigen Leuten und Schweinehunden und dass beide Sorten überall anzutreffen sind. Dieses Ethos schloss zwingend eine Differenzierung zwischen Juden und Nichtjuden aus und wurde auch genau so praktiziert. Das ist ganz anderes Bewusstsein, es ist ein anderes Deutschland.

    Deutschland ist ein Land der Vielfalt und der Gegensätze. Ist es immer gewesen. Das hat man anzuerkennen. „Einig Vaterland“ war immer nur Wunschvorstellung, war immer nur künstlich.

    Und die beste und zu Deutschland passendste Idee, die die Mütter und Väter des Grundgesetzes hatten, war der Föderalismus.

    Und wer sich um deutsche Kultur und Tradition kümmert, der möge das bitte anerkennen und sich auch nach den sauberen Kulturen und Traditionen umschauen. Denn nichts anderes als solche zu stärken kann eine Gesellschaft vor Abgründen bewahren.

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