Programmierkurse für alle Schüler

Bild: (CC-BY) Dierk Schaefer

Ein Gastbeitrag von Stefan Körner.

Kürzlich schreckte die etablierte Politik mit der Forderung, alle Kids müssten ab sofort in der Schule das Programmieren lernen, die Öffentlichkeit auf. Und zu meiner Überraschung gab es sogar von den verschiedensten Seiten nickende Zustimmung. Dabei ist diese Forderung einfach nur der politisch übliche, plakative Unsinn.

Dieses „alle Kinder müssen programmieren lernen“ ist genauso, als würde die Erkenntnis, dass zu viele Menschen Schwierigkeiten im Straßenverkehr haben, mit der Forderung beantwortet, alle Kinder müssten unbedingt das Konstruieren und Entwickeln von Autos lernen. Dann würde sich das mit dem Straßenverkehr automatisch bessern.

Heute lese ich nun: „Der Thüringer Datenschutzbeauftragte glaubt, dass Schüler zu wenig darüber wissen, was mit ihren Daten im Internet geschieht. Das könnte auch am Schulunterricht liegen.“ Und weiter steht in dem Beitrag: „Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung würden die meisten Schüler nicht einmal kennen.“ Jetzt kommen wir der Sache schon näher.

Statt die Schüler in der Mehrzahl mit weiterem – für die Wirklichkeit dann doch wieder unnützem – Wissen zu belasten, sollten wir zusehen, ihnen das Wissen und die Kompetenzen mitzugeben, die sie tatsächlich auch brauchen. Und Kompetenz im Umgang mit den Möglichkeiten der digitalen Welt, das Wissen darum, was mit den Daten, die man ins Web an welcher Stelle auch immer entlässt, passiert, gehört definitiv dazu. Kenntnisse über das Erstellen von Software für alle Schüler zu fordern, ist an der Stelle dagegen einfach nur ein Ausdruck der eigenen Ahnungslosigkeit.

Bildung in einer digitalisierten Welt wird noch eine große Herausforderung für unser Bildungssystem werden, die weit über ein paar iPads im Unterricht oder planlose Lehrplanerweiterungswünsche hinausgeht. Hier sind neue Konzepte gefordert, sowohl was die Vermittlung des Wissens als auch den Aufbau von Lehrplänen betrifft. Die Entwicklung digitaler Schule beginnt gerade erst und wird eine Herausforderung für Experten. Und der Ansatz, die Elemente der digitalen Welt im Reich der Bildung zu verbieten, ist sicher nicht der richtige Ansatz.

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Stefan Körner

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Kommentare

14 Kommentare zu Programmierkurse für alle Schüler

  1. Stefan schrieb am

    KLar programmierkurs für Kinder, was sonst? Dass der Vorsitzende der Piratenpartei hier eine solche Position einnimmt finde ich sehr verwunderlich.

    Witzig, dass die Piratenpartei Hamburg im ihrem derzeit stattfindenden Wahlkampf genau das fordert, dass alle Kinder programmieren lernen, auch wenn es „kein Schwerpunkt“ sein soll:

    Schüler sollen lernen, inwieweit ihre Handlungen an computergestützten Systemen verwertet werden können und welche Auswirkungen sich dadurch ergeben können.
    Grundlagen der Programmierung sollen auch vermittelt werden, sind aber kein Schwerpunkt.
    Tiefergehender Kenntnisse werden im Rahmen des Wahlpflichtfachs Informatik vermittelt.

    • Stefan Körner schrieb am

      Die Hamburger fordern in ihrem Wahlprogramm die Vermittlung von „Grundlagen der Programmierung“ nicht „Programmieren“. Um das Beispiel mit dem Straßenverkehr aufzunehmen: Niemand soll alleine ein Auto bauen können, aber wir stecken unsere Kids in der Grundschule in die Verkehrserziehung mit Fahrradprüfung und bringen ihnen bei wie Maschinen funktionieren. Unter „Grundlagen des Programmierens“ würde ich etwas ähnliches verstehen. Wie funktioniert so ein Computer überhaupt und wie komme ich von etwas Strom auf einsen und Nullen über Compiler zu Programmiersprachen und was machen die eigentlich?

      • Stefan schrieb am

        Um das Beispiel mit dem Straßenverkehr aufzunehmen: Programmieren würde ich eher analog zum Fahrzeug steuern, Fahrzeugbau mit dem Bau von Compilern, Betriebssystem und Hardware.

        Aber kann ja jeder schiefe Vergleiche aufmachen, ich glaube das bringt nicht viel wenn wir darüber diskutieren wer die weniger schiefe Analogie hat.

        Compiler, Nullen und Einsen würde auch nicht als „Grundlagen der Programmierung“ verstehen, sondern eher eine HTML-Seite, etwas Javascript, vielleicht Python. „Einfache“ Programmierung eben, ohne die besonderen Details zu verstehen, dafür gibt es dann eben weiterführende Kurse oder Studium. Aber aus meiner Sicht ist es unerlässlich Programmierkenntnisse allen Schülern zu vermitteln und gerade von der Piratenpartei erwarte ich Unterstützung für diese Position. Grüne fordern die Gleichstellung von Informatikunterricht mit Mathe und Naturwissenschaften, warum wollen die Piraten das nicht? (http://hamburg.gruene.de/sites/default/files/Wahlprogramm_Buescha2015_WEB.pdf)

  2. Ingenieur schrieb am

    Programmieren können ist kein Grundwissen. Die Zusammenhänge, was ein Computer kann und was man heute mit ihm machen kann, schon. Die interessierten Kinder werden auf dieser Grundlage freiwillig weiter lernen. Für die nicht interessierten, muss die Grundlage erstmal reichen. Da sich die Computertechnologie sehr schnell weiterentwickelt, werden die Kinder, wenn sie Jugendliche sind, mit dem Thema eh wieder konfrontiert.
    Aber als eine erste Forderung, mit der wir einen Schritt in die richtige Richtung gehen können, fordere ich ein Umdenken in der Werbeindustrie! Schafft endlich diese unsäglichen Virenprogramme ab!
    MFG, Thomas.

  3. wolfskind schrieb am

    ..alle Kinder müssen programmieren lernen können, wenn sie es freiwillig wollen – wäre eine durchaus gut begründbare schulpolitische Forderung auf Länderebene. Talente auch auf diesem Gebiet frühzeitig zu fördern wird unerläßlich sein, wollen wir den USA und anderen Staaten nicht auch zukünftig das Feld überlassen. Es muß aber in der Schulpolitik insgesamt umgedacht werden. Von einer Klassenarbeit zur anderen sich einfach nur Wissen reinzupauken was anschließend vergessen wird ist der falsche Weg. Wichtiger wäre die Fähigkeit zu vermitteln, sich bei Interesse Wissen selber anzueignen und das „Auswendiglernen“ auf ein nötiges Minimum zu beschränken. Was den Schulkindern heute an „Auswendiglernen“ und der damit aufzuwendenden Zeit zugemutet wird führt zur Vernachlässigung der Entfaltung der eigenen Kreativität.Das „Auswendiggelernte“ ist schnell vergessen und überholt – Fähigkeiten wie „Wissen selber aneignen“ und „eigene Kreativität“ bleiben.

  4. @HuWutze schrieb am

    Die üblichen Forderungen von Leuten die früher auf die Frage: „Was steht auf deinem Bildschirm“ mit „Eine Blumenvase“ geantwortet haben. Die sind heute immer noch keinen Schritt weiter. Die drucken nach wie vor das Internet aus statt sich um Alternativen umzusehen.

    Zeit das sich etwas ändert.

    • wolfskind schrieb am

      Ich finde diesen Beitrag sehr unsachlich. Nur eigene Kreativität verhindert, daß Menschen zu willigen Befehlsempfängern werden und die Gestaltung der Zukunft anderen überlassen, die es nur mit sich selbst gut meinen. Die Befehlsgeber sind immer äußerst kreativ und haben ihre Ziele bei vielen Menschen schon erreicht – wie man lesen kann. Der größte Feind der Befehlsgeber ist die Kreativität der anderen!

  5. Bernd Schreiner schrieb am

    Selbstverständlich sollen unsere Kinder lernen, wie die moderne Welt funktioniert. Dazu zählt auch ein gewisses Maß an Kenntnissen was die Welt im innersten zusammen hält, genauer, wie die modernen informationstechnischen System funktionieren. Und damit sind wir bei dem Programmieren angelangt. Völlig unabhängig davon, ob sie später in die IT Branche gehen wollen, oder sogar Programmiere mit viel Spezialwissen werden wollen, finde ich es als notwendig zu wissen, wie dieses Systeme die immer mehr unseren Alltag nicht nur erobern, sondern auch beherrschen funktionieren.

    Natürlich kann man auch ganz praktisch dafür argumentieren und feststellen, dass in immer mehr Berufen die kompetente Bedienen von IT notwendig ist und es regelmässig auch erforderlich ist, dabei zumindest kleine Programme, Makros, Routinen zu schreiben, sei es für den Mehrachsen- Fertigungsautomat, die Backmischmaschine oder die Tabellenkalkulation im Büro. Also, der Erwerb grundlegender Kenntnisse rund um das Programmieren „gehört definitiv dazu“!

    Da dieses Thema sehr umfangreich ist, sei auf Projekte verwiesen, wie das des Raspberry Pi´s das neben entsprechender Hardwarebastelei auch einfache Programmierung ermöglicht und so ideal ist, um sich mit diesem Themenfeld auseinanderzusetzen.

  6. AnnmarieKa schrieb am

    Es gibt in den Schulen teilweise nicht einmal genügend Lehrer um den normalen Fachunterricht abzusichern. Wer soll jetzt auch noch die Grundlagen des Programmierens vermitteln? Dazu kommt, dass die Computerkabinette oft auf dem Antik-Stand sind. Wenn personelle und materielle Bedingungen stimmen, kann auch mal über diese Seite nachgedacht werden. Es gibt viel zu tun …

    • Ingenieur schrieb am

      Computer leasen!
      Wir wissen ja wie schnell die Hardware veraltet. Vielleicht sollten deshalb die Bundesländer für ihre Schulen die Computer leasen, um so immer auf einem annähernd aktuellen Stand zu bleiben.
      Die Computer Lehrer kann man natürlich nicht „leasen“. Aber Fortbildungen im 2 Jahresrhythmus sollten drinn sein.
      Das könnten Piraten doch mal in Länderparlamenten einfordern.
      MFG, Thomas

  7. Piratux schrieb am

    Hallo Stefan,

    natürlich muss nicht jeder Programmierer werden, das schließt aber nicht aus, dass ein paar simple Befehle oder Scriptzeilen geübt werden, um einen Einblick in die Materie zu bekommen und sich leicht Sachen anpassen zu können, für die es einfach keine fertige Software gibt. Solche Programme passen ja oft in 2-3 Textzeilen und sind nicht sonderlich schwer, aber sehr effektiv.

    Mal von Linux ausgehend, da es dort sehr gut geht.

    Beispiel 1:
    sort einkaufsliste.txt
    Sortiert die Einklaufsliste automatisch nach dem ABC.

    Beispiel 2:
    grep Vorstand Piratenmitgliederliste.txt
    Zeige aus Millionen Piratenmitgliedern ;) nur diejenigen an, die als Vorstand eingetragen sind.

    Beispiel 3:
    grep Vorstand Piratenmitgliederliste.txt | grep Körner || cat einkaufsliste.txt
    Wenn Herr Körner Vorstand ist, braucht er die Einkaufsliste nicht ansehen, weil das delegiert wird. ;) (Kurz gesagt: Es wird nach Vorstand gesucht und das Ergebnis dann nach Körner – „||“ ist ein „ODER“ – also wenn Vorstand, dann NICHT Einkaufsliste anzeigen.)

    Beispiel 4:
    Ein Sekundenzähler (nicht sinnvoll, aber lehrreich für sinnvolle Zwecke):
    $ for i in {1..10}; do sleep 1; echo „Es sind gerade „$i“ Sekunden vergangen.“; done
    Es sind gerade 1 Sekunden vergangen.
    Es sind gerade 2 Sekunden vergangen.
    Es sind gerade 3 Sekunden vergangen.
    Es sind gerade 4 Sekunden vergangen.
    Es sind gerade 5 Sekunden vergangen.
    Es sind gerade 6 Sekunden vergangen.
    Es sind gerade 7 Sekunden vergangen.
    Es sind gerade 8 Sekunden vergangen.
    Es sind gerade 9 Sekunden vergangen.
    Es sind gerade 10 Sekunden vergangen.

    Sowas darf man von JEDEM Schüler heutzutage schon erwarten – bis dahin müssen die Piraten aber auch was vorlegen. Wir müssen aber tatsächlich aufpassen, dass die Politik das nicht verkackt, indem sie weltfremde Maximalforderungen stellt, die das Vorhaben ins Lächerliche ziehen.

    Übrigens gibt es bereits eine fertige Lernsoftware mit einer Art Lego-Bausteine dafür, wie bereits Kinder EINFACH binnen Sekunden und Minuten programmieren lernen können. Nur zueinander passende Bausteine können verbunden werden, das macht den Einstieg sehr leicht. Es ist alles visuell orientiert. Es gibt auch eine super Kurzanleitung dafür:
    http://wiki.ubuntuusers.de/Scratch
    Man kann sich dort direkt die Onlineversion anschauen und ausprobieren!

    Beispielsweise gibt es in Südkorea sogar einen Scratch Day für die Schulen!

    Auf diesem einfachen Niveau können wir unserer Jugend und unseren Kindern sicherlich noch eine ganze Menge beibringen, ohne zu viel Zeit damit zu verbraten oder sie gleich zum Hardcore C++ Programmierer zu machen. Vielleicht stimmst du da mit mir überein. Viele Alltagsaufgaben oder berufliche Anforderungen lassen sich durch solche kleinen Befehle und Konstrukte bereits lösen.

    Grüße, Piratux

  8. Rennkuckuck schrieb am

    Grundlegende Programmierkenntnisse und die Fertigkeit, einen HTML-Quelltext analysieren zu können, halte ich für erheblich bedeutender, als die Tipperei, welche in Bayern einem Schüler, der die Informationstechnologie an sich gut beherrscht, dem aber „10-Finger-Tastschreiben“ nicht so leicht fällt, die Note komplett verhageln kann!

  9. Hadertower schrieb am

    Herr Körner hat sich die Frage auf der BuVo-Sprechstunde am Montag eigentlich schon selbst beantwortet.
    Irgendwie kam man da auf Autos.
    Heutzutage hat quasi jeder Haushalt mind. ein KFZ, dennoch sind die Dinger technisch immer schwerer zu durchschauen.
    Wer ein Fahrzeug führt sollte natürlich die Wirkungsweise eines Otto-Motors, bzw. eines Diesel zumindest mal angekratzt haben in der Schule, deswegen muss man aber noch lange nicht so ein Teil reparieren können, geschweige denn bauen.

    So ist es auch mit der Software.
    Man sollte schon wissen wie man Anwendungen benutzt, wenn man in deren Besitz ist, aber oftmals sind die FAQ schon eine Hürde für sich.
    Selber Software schreiben kann man im Grunde nur, wenn man dieses Fachgebiet studiert hat und auch da kann man nur einige Programmiersprachen behandeln, es sind derer einfach zu viele. Schlussendlich muss man das Gelernte auch ständig up to date halten, denn IT-Standards, Protokolle, Datenbanken sind keine Dogmen; auch da ändert sich ständig etwas.

    Ein bissel HTML(5) u. CSS kann nicht schaden für den Hausgebrauch, aber da sollte dann auch Schluss sein.
    Halbe Sachen bringen nix, dann doch lieber noch ein zusätzliches Schulfach fürs Leben, z.B. Dialektik, damit unsere Kinder bereits früh zu unterscheiden lernen zwischen Realität und Lüge, bzw. Scheinwelt, durch die sie ihr Leben lang getrieben werden, angefangen bei dem Alter, mit dem man eine Fernbedienung halten kann.

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