Wir denken international!

(CC-BY-SA) Piratenpartei

Ein Gastbeitrag von Holger Hennig.

»Es ist eigentlich sehr einfach, wenn man es versucht,« so schrieb John Lennon schon vor vielen Jahren, »stell dir einfach vor, es gäbe keine Länder.« Politisch gedacht, ist das ein Ideal. Keine Länder, keine Staaten: Das würde bedeuten, dass es auch keine nationalen Interessen gäbe – die ja immer bedeuten, dass der Staat in dem man zufällig lebt, versucht, einen anderen, in dem man zufällig nicht lebt, zu übervorteilen. Ganz ohne Gesetze und Verwaltungen auskommen, ist für viele ein hübscher Wunschtraum – aber darum geht es nicht in erster Linie. Die Idee hinter »Imagine there’s no countries« ist ja vor allem die Ablehnung der Grenzen, die Ablehnung der Idee, dass Länder menschengleich überhaupt Interessen haben können.

Das Artikelbild ist diesmal ein Ausschnitt aus dieser Webseite. Ganz unten in auch in klickbar: Alle Seiten der internationalen Piratenparteien, die wir haben. Wenn eine fehlt: Bitte melden! Und wenn Holger fragt: »denn wer sonst könnte es sein,« dann sucht mal auf den Seiten anderer Parteien, ob sich entsprechende Verlinkungen finden.
– Red.

Das ganze Konzept von Staaten und Grenzen, das ist Willkür. Es sind Vereinbarungen, die Menschen getroffen haben, die meistens schon lange nicht mehr leben. Die Idee einer Nation, die sich auf Blut und Boden beruft, wirkt heute nur noch gruselig, und das nicht nur, weil sich die Befreiung von Auschwitz vor ein paar Tagen rund jährte. Letztlich ist alles nationale Denken völlig irrational – was viel zu viele Menschen nicht davon abhält, für Pegida auf die Straße zu gehen, mit der BILD gegen Griechenland zu wettern und vieles mehr.

Kein Wunder, dass wir Piraten uns als eine internationale Bewegung verstehen. Wir müssen aus organisatorischen Gründen natürlich nationale Parteien sein, aber letztlich sind diese Grenzen für uns nur ein Überbleibsel der Vergangenheit. Für mich persönlich war es einer der Gründe, Pirat zu werden, dass es da eine Bewegung gab, die sich – aus Schweden kommend – verbreitete, die international war, die sich nicht um Grenzen kümmerte. Wie auch? Gibt es ein nationales Internet? Gibt es irgendeine Möglichkeit, etwas am Urheberrecht zu verändern, wenn das nicht international gemacht wird? Ist Überwachung nur ein nationales Problem, wenn das gesamte Internet überwacht wird? Haben nur Menschen in einem Land Anspruch auf ein Grundeinkommen? Nein und noch mal ein paar Neins – Politik ist heute international, Piraten sind es auch.

Wie schon mal vor guten zwanzig Jahren, wie schon mal nach einer gewonnenen Fußballweltmeisterschaft, gibt es in diesem Land – in dem wir meistens zufällig leben, denn die Allermeisten sind ja hinein geboren – eine Wiedergeburt des Nationalen. In den Medien und von der Politik vorbereitet, schwappte sie langsam, aber sicher auch auf die Straßen und hat nun eine bedenkliche Stimmung erzeugt. Wenn Flüchtlinge durch die Straßen gejagt werden, wenn Juden sich nicht mehr mit Kippa nach draußen trauen, und es in der Politik immer noch jede Menge Leute gibt, die meinen, sie müssten die rassistischen Parolen »besorgter Bürger« ernst nehmen, dann braucht es eine Gegenkraft, die ihre Internationalität betont und die Politik für alle machen will, die Menschenrechte ernst nimmt, und sie für alle durchsetzen will, und nicht auf Mitglieder irgendeiner Staatsform beschränkt. Eine politische Kraft, die für Menschen da ist, nicht für Deutsche oder für Europäer oder wie immer man auch unterscheiden will.

Wenn wir Piraten diese Kraft sein wollen, dann müssen wir es ernst meinen mit der Internationalität. Dann müssen wir nationale Einzelinteressen so brandmarken, wie sie gebrandmarkt gehören, dann müssen wir auch klar sagen, dass Nationalstaaten ein Konstrukt von vorgestern sind, und dass Grenzen überwunden werden müssen. Ich wünsche mir, dass wir das können, dass wir Piraten diese politische Kraft sind – denn wer sonst könnte es sein?

Flattr this!


Für Kommentare gelten die hier einsehbaren Regeln.

Kommentare

31 Kommentare zu Wir denken international!

  1. Otla schrieb am

    Lieber Holger,

    leider bist Du mit dieser Ansicht ausgesprochen national. Sie ist typisch deutsch und so in keinem anderen Land wirklich denkbar. Denn weil etlich Deutsche Probleme mit ihrer Zugehörigkeit zur deutschen Nation haben,wollen sie Nationen gleich für die ganze Welt abschaffen.Und das ist natürlich völliger Unsinn. Denn die Weltbevölkerung umfasst derzeit ca. 7,8 Milliarden. Ich erinnere: eine Milliarde sind 1000 Millionen. Von diesen 7.800 Millionen sind wir Deutschen gerade mal 80, und selbst unter denen dürftest Du mit Deiner Ansicht zu einer kleinen Minderheit gehören. Ich meine, Du kannst natürlich davon träumen, dass Du mit dieser kleinen Minderheit die Grenzen auf der Welt abschaffst. Nur – wer nimmt Dich dann ernst?

    „Die Idee einer Nation, die sich auf Blut und Boden beruft, wirkt heute nur noch gruselig“ Und auch das ist typisch deutsch. Blut und Boden ist eine m.E. ziemlich spinnerte Idee des ansonsten durchaus hellsichtigen Geschichtsphilosophen Oswald Spengler („Der Untergang des Abendlandes“). Er vertrat die Auffassung, dass ein Volk quasi aus dem Boden wächst, weshalb er seine Mentalität mit seiner Landschaft zu erklären trachtete. Deutschland ist aber nun mal eine sehr späte Nation, ursprünglich in viele eigenständige Teile zersplittert, die sich 1. aus wirtschaftlichen Gründen vereinigt haben und 2. aufgrund preussischer Eroberungslust. Hast Du mal überlegt, ob „Blut und Boden“ weiter nichts ist als das Bemühen, eine Vereinigung der zahlreichen eigentlich nicht so recht miteinander glücklichen Teile zu rechtfertigen? Was ist denn mit Blut und Boden in Großbritannien,in Spanien, in der Türkei gar und dann erst in schwarzafrikanischen Vielvölkerstaaten oder Indien? Nix, ne?

    Also: international ist nicht etwa das eher seltsame altdeutsche, sondern das französische Verständnis von Nation herrschend. Danach konstituiert eine Nation nicht ein vor Urzeiten aus dem Staatsboden gewachsenes Volk, also genetisch, sondern die gemeinsame Sprache und historisch gewachsene Kultur. Wer sich dazu bekennt und woher er ursprünglich stammt, ist dabei völlig wurscht. Du gehörst also auch mit dieser Auffassung von Nation = Blut und Boden weltweit zu einer kleinen Minderheit.

    „die ja immer bedeuten, dass der Staat in dem man zufällig lebt, versucht, einen anderen, in dem man zufällig nicht lebt, zu übervorteilen.“
    Und dies ist zumindest sehr europäisch gedacht, altkolonialistisch sogar. Hast Du auch mal einen Gedanken an die Bürger der Staaten verschwendet, die sich gegen genau diese Übervorteilung schon seit paar Jahrhunderten, teilweise recht blutig, wehren mussten? Daran, was die von Grenzen und Nationalstolz halten? Für die sind Nationen und Grenzen nämlich etwas ganz essentielles. Abschaffung von Grenzen heißt für die, dass ein jeder kommen und sich ihre Bodenschätze unter den Nagel reißen kann. Seine Häuser und Fabriken auf ihrem Land bauen kann, ohne sie zu fragen, ihre Wälder abholzen, ihre Felder für sich selbst nutzen und die Bauern vertreiben kann, ihr Land überschwemmen und damit ihre eigene Kultur vernichten kann. Für letzteres ist Tibet ein Beispiel. Und diesen Leuten, die die Missachtung ihrer Grenzen selbst erlebt haben, wenn nicht immer noch erleben, willst Du die Abschaffung von Grenzen als erstrebenswert verkaufen? Vergiss es.

    Nein. Piraten sind überhaupt nicht international. International sein heißt nämlich nicht, danach zu streben, dass die ganze Welt die eigenen Ideen übernehme. Dafür sind die USA berüchtigt und angefeindet worden. Willst Du ihnen darin nacheifern? Und einen Namen hat das auch: Kulturimperialismus. Oder, wirtschaftlich betrachtet, neoliberale Globalisierung.
    International sein heißt, zuhören, was andere wollen – alle anderen. Und nicht etwa einseitig nur eine Partei. Und nach Ausgleich der unterschiedlichen Interessen streben, auch der eigenen.

    Ich bleibe ein Anhänger des bis zur Wiedervereinigung vertretenen und bewährten außenpolitischen Ziels der alten BRD: Verrechtlichung der internationalen Beziehungen. Nur das hat das Potential, eine friedlichere Welt zu schaffen.
    Anarchie und Abschaffung von Grenzen sind nicht nur nicht gefragt, sondern nachgerade Faustrecht-provozierend.

    • Hollarius schrieb am

      Liebe Otla,
      dein substanzielles Argument ist also: Fresst Scheiße, Milliarden von Fliegen können sich nicht irren. Das ist schön. Ich wünsche dir noch ein schönes Leben.
      Holger

      • flo schrieb am

        Was soll das? Otla hat ein Argument in sachlichem Ton vorgebracht. Ist es zu viel verlangt, dass du dich damit auseinandersetzt, wenn du schon darauf antwortest?

        • Hollarius schrieb am

          Was Otla da macht ist pure Eristik, sie beschäftigt sich gar nicht mit Argumenten, sondern versucht mir nur zu beweisen, dass ich national denke, was natürlich Blödsinn ist. Letztlich ist das, was Otla macht klassisches Trolling, dem ich ironisch begegne, weil ich weiß, dass sie auf Argumente wieder nur mit Strohmännern und schön formulierten hohlen Phrasen kommen wird. Otla hat eine unrühmliche Geschichte in dieser Partei und hat viel zu oft menschenverachtende Meinungen in „sachlichem Ton“ präsentiert. Deswegen habe ich ihr wichtigstes Argument, dass sie in dieser Kommentarspalte doppelt gebracht hat, einfach mal derb zugespitzt, mit einer Reminiszenz an eine bekannte Elvis-Werbung von anno dunnemals. Mehr Argumente hat sie ja auch nicht.

          • Otla schrieb am

            Was, lieber Holger, sagst Du dann, wenn von neutraler Seite erneut bestätigt wird, dass es die Partei ist, die die unrühmliche Geschichte hat?

          • flo schrieb am

            1. Ob und was für Beef du persönlich mit besagter Person hast ist mir ehrlich gesagt gleich.
            2. Wenn besagte Person menschenverachtende Meinungen in “sachlichem Ton” präsentiert ist dies zu entlarven. Dein Kommentar tut dies nicht.
            3. [K]lassisches Trolling betreibt laut Wikipedia jemand, der „Beiträge verfasst, die sich auf die Provokation anderer Gesprächsteilnehmer beschränken und keinen sachbezogenen und konstruktiven Beitrag zur Diskussion enthalten“. Dieser Definition zufolge bist du der Troll.
            Dementsprechend weise ich dich 4. noch einmal auf die hier: https://wiki.piratenpartei.de/Servicegruppen/Webseite/Moderation#Empfehlungen_und_Regeln_f.C3.BCr_Kommentare nachzulesenden Kommentarregeln hin, mit der Bitte, sie einzuhalten.
            Danke.

  2. Harry schrieb am

    Danke für diesen schönen Text, Holger. Er spricht mir ganz aus dem Herzen. Auch wenn ich immer wieder Bauchschmerzen mit dieser Partei habe, so ist sie doch die, die die Idee der Grenzenlosigkeit am ernsthaftesten vertritt. Leider, und das mein ich ernst, findet man Parteien, die den Internationalismus im Programm haben – wie Die Linke – immer wieder einen gepflegten Linksnationalismus. Das bedaure ich. Aber ich denke, die Entwicklung wird dahon gehen, dass irgendwann die Einsocht kommt, dass in einer vernetzten Welt nationale Grenzen ein überflüssiges Relikt sind.

    Zu Otla: Dass der Wunsch nach Weltbürgertum typisch deutsch sei ist Unsinn. Die Idee gibt es seit der Antike. In der neueren Zeit gab es immer wieder Bewegungen, die die Abschaffung der Nationalstaaten bzw. eine Weltbürgerschaft forderten, siehe z. B.auch
    http://de.m.wikipedia.org/wiki/Weltb%C3%BCrgerbewegung

    • Otla schrieb am

      750.000 Weltbürger gegen 7,8 Milliarden spricht für sich selbst.
      Exoten; in Deutschland allerdings etwas häufiger vertreten.
      Nein, erfahrungsgemäß sind es immer die, die sich stark fühlen, es für selbstverständlich halten, zu dominieren und Expansionswillige, die für die Abschaffung von Grenzen plädieren. wie gesagt, im wirtschaftlichen Bereich neoliberale Globalisierungsprotagonisten; gegen die wurde sogar eine immer noch bestehende Organisation gegründet: Attack.

    • Otla schrieb am

      In Deutschland kommen natürlich noch die Geschichtsneurotiker dazu, die mit ihrer Nationalität nicht klar kommen.

  3. Malte (MCS) schrieb am

    Ich möchte das was Holger schreibt eigentlich einfach so stehen lassen. Damit in dieser Kommentarspalte aber etwas Vielfalt herrscht schreibe ich doch noch was: Dieser Text ist genaue der richtige, genau zur richtigen Zeit. Dass heute Leute auf die Straßen gehen und Deutschland oder ein „europäisches Abendland“ verteidigen wollen, das kommt mener Meinung nach nicht von ungefähr. Und jetzt etwas undiplomatischer ausgedrückt als Holger das hinkriegt: Wenn immer wieder runtergebetet wird wie toll Deutschland doch ist, und dass die Deutschen doch ach so viel fleißiger sind als zum Beispiel die Griechen… Wenn (und ich glaube da müssen wir uns auch selbst, zum Beispiel als Teil der Anti-TTIP Bewegung, ein wenig an die Nase fassen) die ach so hohen europäischen Standarts gegen außereuropäische Einflussnahme verteidigt werden… Wenn selbst die Fraktionsvorsitzende der Grünen EU-Parlamentsfraktion sich hinreißen lässt und (etwas chauvinistisch?) die EU als „bestes System der Welt“ zur Sicherung von Frieden bezeichnet (hat ja in der Ukraine, bei den Flüchtlingen im Mittelmeer und im Bezug auf Waffenexporte prima geklappt…)… Wenn immer wieder die Überlegenheit des eigenen Landes oder des eigenen Systems betont wird, dann muss man sich nicht wundern wenn sich Leute finden die diese scheinbare Überlegenheit bedroht sehen und verteidigen wollen. Die Pegida ist (m.M.n.) dementsprechend kein „Unfall“, sondern Ausdruck eines inhärenten Phänomens/Problems. Und natürlich ist auch offensichtlich, dass es heute weltweit noch/wieder Konflikte gibt, die auf der Logik des „Nationalen“, auf der Logik von Grenzen beruhen. Ukraine/Russland/Krim ist da nur das offensichtlichste Beispiel. Und natürlich ist es klar, dass solange es Grenzen gibt, dass dann innerhalb der jeweiligen Grenzen eine Regierung sich durchsetzt die gutes für die Menschen innerhalb der jeweiligen Grenzen tut. Das ist verständlich, aber es führt, auch das wurde gut erkannt, zu einem Wettbewerb der „nationalen Interessen“. Was nun die Piratenpartei angeht, da muss man sagen, ich drücke es mal vorsichtig aus, habe ich ein wenig das Gefühl, dass wir da unsere Rolle noch nicht ganz gefunden haben. Dabei müsste ein Blick ins Grundsatzprogramm eigentlich jedem klar machen was Sache ist:

    „…schwinden die Möglichkeiten, diesen Prozess mit demokratisch gewonnenen Regeln auf der Ebene eines einzelnen Staates zu gestalten dahin.“

    „Die Globalisierung des Wissens und der Kultur der Menschheit durch Digitalisierung und Vernetzung stellt deren bisherige rechtliche, wirtschaftliche und soziale Rahmenbedingungen ausnahmslos auf den Prüfstand.“

    „Die Piratenpartei versteht sich daher als Teil einer weltweiten Bewegung, die diese Ordnung zum Vorteil aller mitgestalten will.“

    Wenn man sich das vor Augen führt und konsequent zu Ende denkt, dann ist es doch klar: Die Piratenpartei wurde gegründet unter dem Eindruck eine globalen Vernetzung und der Erkenntnis, dass der Nationalstaat (auch wenn er demokratisch ist) auf dieser globalen Ebene oft/weitgehend machtlos ist. Im Gegensatz übrigens zu anderen Kräften die längst global agieren. Die Piraten „denken international“ (wie Holger es ausdrückt) und fühlen sich dementsprechend als Teil einer weltweiten Bewegung. Es geht den Piraten also NICHT darum die „deutsche Demokratie“ zu retten oder einfach „europäische Standarts“ der Welt aufzudrücken.

    Die Piraten sind von ihrer eigentlichen Gründungsidee her das Gegenteil der AfD und vertreten etwas das auch keine andere Partei vertritt. Ich gehe sogar soweit und sage, dass es nicht Einzelthemen wie Datenschutz, Direktdemokratie oder Vorratsdatenspeicherung sind die den „Kern“ der Piratenpartei ausmacht. Der „Kern“ ist die Erkenntnis, dass es eine weltweite (digitale) Vernetzung gibt und die Entscheidung das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen zu wollen (zu eingegrenzten Bereichen wo man „beschützt“ leben kann) sondern im Gegenteil den daraus resultierenden Wegfall von Grenzen jeder Art positiv sieht und „zum Wohle aller“ gestalten will. Wenn Wissen weltweit unterwegs ist, dann sehen wir das Positiv uns wollen das fördern, anstatt zu versuchen mit nationalen Regeln es einzugrenzen usw.

    Vielleicht wird man mit diesem „internationalen Denken“ nicht soviel Erfolg bei Wahlen haben, weil offenbar viele Menschen Parteien wählen die „etwas gutes für Deutschland“ tun wollen. Aber wenn wir dies akzeptieren, dann wissen wir zumindest was die Piratenpartei ist, bzw. was sie werden könnte… Und Holger stellt schon die richtige rhetorische Frage: „Wer sonst könnte diese Kraft sein“, die so international denkt? Natürlich niemand… Es ist in dieser Art und Weise ein Alleinstellungsmerkmal. Alle anderen Themen finden wir bei den anderen Parteien. Aber an diese Herangehensweise, die bewusst die „Privilegien“ und die Gemütlichkeit der Grenzen überwindet, trauen sich die anderen nicht, und werden es sich auch nicht trauen, denn dafür profitieren sie viel zuviel von den Annehmlichkeiten des „kleinstaatlichen“ nationalen oder bundesländerischen Politikbetriebes.

    • Otla schrieb am

      Du erkennst aber an, dass es auch im Netz Grenzen gibt, nämlich Sprachgrenzen, die sich auch mit Google-Übersetzer nicht überwinden lassen?
      So mal als Beispiel.

      • Dirk schrieb am

        Erstaunlich wenige übrigens. Ich erinnere mich da an meine aktive Fotografenzeit – und da war Google-Translate noch lange nicht das, was es heute war – in der ich lernen durfte, dass die Grundregeln für Bildkomposition (in diesem Falle: nach links gekippt vermittelt positiv) eben nicht so „Grund“ sind, wie „man“ hierzulande gerne denkt. Das war ein sehr komplexes, weil völlig „unsachliches“ Thema – aber es hat geklappt.
        Ich denke: Ob sich eine Grenzen überwinden lässt, hat mehr damit zu tun, ob Du sie überwinden willst, als damit, was es für eine Grenze ist…

        • Otla schrieb am

          Warum sollte man das wollen?
          Eine Grenze hat auch immer die Bedeutung: dies ist meins, der Eigentümer. Die Frage bei einem Staat ist natürlich, wer der Eigentümer ist. Da gibt’s Beamte, die eine Art Erbrecht beanspruchen, Tyrannen, Familien oder Konzerne, die den Staat / Staaten als ihr privates Unternehmen betrachten … der rechtmäßige Eigentümer ist natürlich nur einer: das Staatsvolk.
          Die Kulturen sind verschieden. Wertvoll ist jede einzelne. Die muss, ja, darf man nicht voneinander isolieren. Die haben sich immer gegenseitig befruchtet und wenn der eine gepennt hat, war der andere dafür um so wacher. Aber dennoch bleibt da das Volk, das Staatvolk, wohlgemerkt, das anders definiert ist als eine Ethnie, Souverän auf seinem Territorium. Und wenn das Staatsvolk sagt, das ist mein Reich, das wird so organisiert und eingerichtet, wie ich will, und gemacht wird hier auch nur das, was ich will – wer hätte das Recht zu sagen, nix da, offene Grenzen, hier bestimme ich mit? Vielleicht wie eine überwinternde Rentnergang auf Mallorca sich das schon mal denken mag?

          • Dirk schrieb am

            > das ist mein Reich
            Zu der Formulierung sag ich mal nix – wohl aber zum »mein«: Wenn man schaut, auf welche Art diese »Staatsvölker« zusammengeklickt worden sind in der Vergangenheit, und auch wie »eins« sie oft sind, dann bricht diese Argumentationskette ziemlich rasch in sich zusammen. Und ganz am Schluss, wenn wirklich etwas gesucht wird, was die Menschen unabänderlich verbindet, dann landet man doch wieder bei der Ethnie, bei Blut und Boden oder bei der »Religion« (was auch nicht besser ist) – und fängt an, die »anderen« wegzujagen, oder – der Einfachheit halber – gleich abzuschlachten. Und dazu braucht man nicht mal den berühmten Godwin zu bemühen. Dir fallen sicher genug Beispiele ein.

            • Otla schrieb am

              Mir fallen da eher Gegenbeispiele ein.
              Das Volk, das ist vor allem eine ungeheuere demokratische Kraft, die demokratische Kraft schlechthin.
              Und wenn ich das bedenke, dann halte ich es sogar für gefährlich, Nationen abschaffen zu wollen.
              Es hat auch in Krisenzeiten eine ungeheuere integrative Kraft. Hier in Deutschland gibt es ja keine nennenswerten Völkerminoritäten, wie in vielen außereuropäischen Staaten. Gerade in Krisenzeiten stellt man dort auf einmal fest, dass man die jeweiligen Unterschiede ohne weiteres tolerieren kann, die andere Sprache, den jeweiligen Stolz auf’s Eigene, weil, und ich rede hier von Demokraten, Freiheitlichen, der gemeinsame demokratische Willen alles andere überwiegt. Das sind Erfahrungen, die so schnell nicht vergessen werden.
              Und bei Demokraten kommt noch etwas hinzu: der Nationalstolz, der sich auf etwas ganz anderes richtet als darauf, irgend welche Macht- und Überlegenheitsansprüche zu stellen: darauf, seinen Laden sauber zu halten. Von Diktatur. Korruption. Mord und Totschlag und anderen Schweinereien. Das merkt man auch in den USA. Wenn da einige gar gräulich über Guantanamo und die Folterer fluchen, dann sind das meist ausgemachte Patrioten, nicht selten stolze ehemalige Berufssoldaten.
              Es entspricht nicht alles dem Klischee.
              Ich glaube, Du siehst, wie viele, einiges falsch. Ich fürchte, das liegt daran, dass manche nur in ihr Land hinein gucken. Man muss aber auch hinaus gucken, was die anderen treiben, und was bei denen vielleicht auch mal besser funktioniert, als bei uns.

              • Hasi schrieb am

                Welche ungeheure demokratische und integrative Kraft des „Volkes“ meinst Du genau? Die, der wir in Europa einen Großteil der terroristischen Anschläge verdenken? Das sind nämlich nicht die viel beschworenen Islamisten, sondern Separatisten in F und SP. Oder die, die zu den Genoziden in Ruanda geführt haben? Die integrative Kraft, die die jugoslawische Grenze um Bosnier und Serben entfaltete? Oder die indische um Hindus und Sikhs? Die „Demokratie“ eines Victor Orban, der ja gerade erst erklärt hat, dass sie nicht „freiheitlich“ sein muss? Oder das, was auf der Krim und jetzt im Osten der Urkaine passiert?

                Gegen die Folter in den USA und überall auf der Welt muss sich jeder wenden, der noch halbwegs nach menschlichen Maßstäben denkt und fühlt. Vielleicht sind tatsächlich die meisten, die „fluchen“, Patrioten. Den breiten öffentlichen Protest gegen die Folter jedoch für einen „Patriotismus“ zu vereinnahmen, ist einfach nur falsch. So ein Argumentationsfehler kann passieren. Es folgt allerdings einem schon zuvor von Dir benutzten rhetorischen Muster: Du sprichst für eine Menge von Menschen, die Du nicht kennst und die Dich nicht kennen. Hier ist es der Patriotismus „der meisten“ Foltergegner, oben waren es 7,05 Mrd Menschen, von denen Du behauptest, dass sie in Grenzen eine tolle Errungenschaft sehen. Beides aus der Luft gegriffen. Wenn sich ein solches Argumentationsmuster wiederholt, dann ist es halt kein versehentlicher Argumentationsfehler mehr, sondern der gezielte Versuch, fehlende Argumente durch Vereinnahmung zu ersetzen.

                Man kann, nein könnte, an Holgers Text viel Kritik üben. Man könnte z.B. argumentieren, dass eine allgemeine Grenzenlosigkeit auch wieder Probleme aufwerfen kann und dass überhaupt nicht klar ist, wie das Regelment dann aussieht. Das muss man denn aber auch tun (und bevor er in einen diffusen „Totalitarismus“ und in rassistische Klischees à la „Kannibalenstamm“ abdriftet, schafft das sogar der Werner Niedermeier weiter unten). Aber wenn Deine Argumention bei einer positiven Konnotation von „Patriotismus“ und „Nationalstolz“ stehenbleibt, dann sag das doch bitte einfach.

  4. anonymous schrieb am

    „Wir müssen aus organisatorischen Gründen natürlich nationale Parteien sein, aber letztlich sind diese Grenzen für uns nur ein Überbleibsel der Vergangenheit.“

    Diese Aussage kenne ich doch irgendwo her… und die Kommunisten fand ich damit sogar noch glaubwürdiger, wobei man ja gesehen hat, was draus geworden ist. Aber ich bezweifle, dass Du für diese Aussage bei den bunt zusammengewürfelten Piraten auch nur eine einfache Mehrheit findest. Überleg mal, ob Du wirklich verantworten kannst, mit so einer Aussage, für die Du letztlich nicht wirklich bürgen kannst, einer nationalen Partei Stimmen zu verschaffen.

  5. Ein bisschen komme ich mir bei diesem Artikel vor, als würde meine Enkelin Staaten erklären. Halt – ich denke meine Enkelin würde das Ganze differenzierter sehen. An diesem Artikel sieht man deutlich das Problem mancher Leute heutzutage: Ihr reines Schwarz-Weiß-Denken. Also entweder es gibt keine Grenzen, dann redet man sich das, weil es die eigene Ideologie unterstützt, gut, oder es gibt Grenzen, dann muss das natürlich böse sein, weil es nicht der eigenen Ideologie entspricht. So einfach ist die Welt aber nicht, und das würde mit Sicherheit meine 14-jährige Enkelin erkennen.

    Ja, es ist verachtenswert, wenn „Flüchtlinge durch die Straßen gejagt werden“ oder „Juden sich nicht mehr mit Kippa nach draußen trauen“. Das aber auf die Tatsache, dass es Ländergrenzen gibt zu schieben, zeugt entweder von völliger Unkenntnis des Lebens von Menschen, oder ist einfach nur dumpfe Polemik und Propaganda. Idioten, die Menschen, weil diese anders sind als man selbst, durch die Straßen hetzen, ihnen nicht nur Gewalt androhen sondern sogar Gewalt zufügen, ihnen das Recht auf freie Meinungsäußerung nehmen – das hat nichts mit nationalen Grenzen zu tun, sondern mit der Unfähigkeit, Andersdenkende zu akzeptieren.

    Wie stellt sich der Autor so eine Welt ohne Grenzen vor? Welche Regeln sollen gelten? Die der USA mit ihrem Weltpolizei- und Überwachungs-Tick? Die von China? Die von Nordkorea? Die von Saudi-Arabien? Die von irgendeinem Kannibalenstamm? Oder vielleicht nur die, die der Autor selbst als gut empfindet und dabei alle Menschen missachtet, die anders denken? Oder vielleicht eine Mehrheitlich-Demokratische? Wodurch alle Minderheiten durch eine Mehrheitsdiktatur unterdrückt werden? Oder will der Autor keine Regeln, also so eine Art Wild-West, wo der, der am lautesten schreit und am schnellsten schießt, gewinnt?

    Was der Autor völlig unterschlägt, sind regionale Besonderheiten. Ein Kannibalenstamm hat nun mal andere Bedürfnisse und eine andere Kultur als zum Beispiel Westeuropäer. Und was der Autor – und das finde ich besonders perfide – unterstellt, ist dass Nationalstaaten für Gewalt gegen Andersdenkende die Ursache sind. Nein, die Ursache sind durchgeknallte Ideologen, die nicht in der Lage sind, mit und neben Menschen zu leben, die anders sind. In diesem Zusammenhang mal Klartext: Ich finde es genauso verwerflich, wenn man „Flüchtlinge jagt“, wie wenn man politisch Rechte durch die Strassen prügelt und ihnen das Recht auf freie Meinungsäußerung abspricht.

    Im Gegensatz zu dieser totalitären Ansicht des Autors, tritt die Piratenpartei für ein Miteinander ein. Ein Miteinander aller Menschen, aller Kulturen. Sie tritt ein für einen weitgehenden Abbau von Grenzen, aber für eine Akzeptanz Andersdenkender. Nirgendwo vertritt die Piratenpartei aber die Ansicht, dass man alle Grenzen abschaffen müsse und schon gar nicht macht die Tatsache, dass es Nationalstaaten gibt, für das totalitäre Handeln von ein paar Idioten verantwortlich.

    Ich habe, als das Referendum zur Abspaltung Schottlands von Großbritannien mit einigen Schotten geredet und kann deshalb sehr gut verstehen, warum diese Menschen so denken. Das Beispiel Tibet wurde schon angesprochen. Ist der Autor wirklich so naiv zu glauben, dass seine Phantasie von einer Grenzenlosigkeit die Mächtigen davon abhält, die Armen zu unterdrücken und aus zunehmen? Das Gegenteil ist der Fall. Die Mächtigen werden ohne Grenzen noch stärker die Armen unterdrücken.

    Das Internet ist global, das hat der Autor richtig erkannt. Er hat aber nicht erkannt, dass auch im Internet länderspezifische Gesetze und Regeln gelten. Wenn ich in Österreich ein Youtube-Video problemlos ansehen kann, in Deutschland aber nicht – was wird nach einem Wegfall von Grenzen gelten? Ist der Autor wirklich so naiv zu glauben, dass er dann das entsprechende Video überall sehen kann? Ich bin sicher, das Gegenteil wird der Fall sein.

    Es gilt nicht ein Entweder – Oder, sondern es gilt sinnvolle Wege zu finden, wie all die Menschen mit unterschiedlicher Kultur und unterschiedlichen Wertvorstellungen miteinander auskommen können. Da hilft kein Totalitarismus, da hilft nur Toleranz, Miteinander und Akzeptanz. Werte, die die Piratenpartei auszeichnen.

    • Otla schrieb am

      @Hasi: eine bitte sachlich zu verstehende Frage: redest Du von Dingen, die Du kennst? Oder meinst Du nur, dass die Wirklichkeit Deiner Meinung nach so sein müsste?

      „Du sprichst für eine Menge von Menschen, die Du nicht kennst und die Dich nicht kennen.“
      Nein, ich habe schon seit längerem ganz gute Internetkontakte in die USA. Auf Twitter überwiegen sie sogar, da stehen die in Deutschland zuweilen an letzter Stelle. Und diese Kontakte sind keineswegs einseitig. Bei mir haben sich auch schon Wahlkämpfer der Republikaner verlaufen, obgleich die meisten ‚meiner‘ US-Amerikaner natürlich Demokraten sind.
      Ich diskutiere mit den Leuten, lese ihre Tweets & Diskussionen mit anderen und denke, ich kann da schon beurteilen, welche Grundeinstellung ihren Aussagen zugrunde liegt.

      Ach, und noch etwas: ich bin bei einem Vater aufgewachsen und von ihm sozialisiert worden, der Zeit seines Lebens entschiedener Patriot war und die Nazis schon vor ihrer Machtergreifung als deutsche Schande betrachtete. Ich kenne ja noch die ollen Nazi-Gegner, nicht nur Berühmtheiten wie Willy Brandt, der ohne Zweifel Patriot war, und bei denen habe ich immer wieder die gleiche Einstellung erkannt.
      Also: ich weiß schon sehr gut, wovon ich rede.

      „Welche ungeheure demokratische und integrative Kraft des “Volkes” meinst Du genau?“
      Nun, die, die ich seit dem Sturz des Schah-Regimes hier und da mal wieder erlebt habe, in ihrer reinsten Form während der Revolution in Libyen.
      Eine Kraft, die auch historisch überliefert ist und ihren Niederschlag in der Literatur gefunden hat, die man als Quelle auch nicht übersehen sollte. Die französische Revolution. Die Befreiungskriege in den Niederlanden und in der Schweiz. Aber auch der Widerstand gegen die Nazis in der Besatzungszeit. Na ja, und ganz zum Schluss wird man als Kölner nie unbeeinflusst bleiben von der Gloire der Schlacht von Worringen mit Sturz des Erzbischofs, was nach paar Jahrzehnten im Verbundbrief, der ersten deutschen demokratischen Verfassung, endete.

      Wenn Du keine demokratische Kraft des Volkes erkennen magst: worin wurzelt dann für Dich die Demokratie? Ich finde, dass Du mit dieser Einstellung aber ganz gefährlich nahe an dem Gedanken bist, wonach dem Volk keine Souveränität zuerkannt werden kann, sondern anderen, die sich selbst nicht dazu zählen, seien das nun ein Führer, eine ideologisch geprägte Partei oder eine elitäre Oligarchie. Ganz gefährlich nahe. Nein, damit stehen wir beide eindeutig auf miteinander unvereinbaren Seiten.

      Das heißt längst nicht, dass ich nicht die Gefahren von Irreleitung, Populismus, Volksverhetzung erkenne. Nicht nur, weil man um die als so sozialisierter Deutscher immer weiß. Sondern auch aus eigener Lebenserfahrung. Ich habe die Umbruchszeiten in Iran, die ich Diebstahl der Revolution durch Chomeini nenne, selbst mit erlebt. Ich kenne Extremisten, Fanatiker und zu welchen Unmenschlichkeiten sie imstande sind aus eigener Anschauung. Aber daraus ziehe ich nicht den Schluss, dass das Volk zu doof ist, Souverän seines Staates zu sein. Sondern den, dass man sich sorgfältig mit den Gründen für dieses Abirren befassen muss, wie mit einer Krankheit, und dass das Volk sozusagen auf sozialpolitische Hygiene achten muss, denn Probleme in diesem Bereich führen am leichtesten zu Aberrationen.

      Also: ich beharre darauf, erst recht nach Deinen Einwänden: der gesunde Patriotismus schützt eine Nation vor undemokratischen Abirrungen.
      Aber wer Grenzen abschaffen will, entzieht der Demokratie ihre stärkste Basis.

  6. Otla schrieb am

    Ach du leeven Jott.
    Holger, Du sollst nicht in Grundgesetzsachen herum dilettieren.
    Und das Freiheitsrecht Meinungsfreiheit Nützlichkeitserwägung zu unterziehen oder es gar als gesellschaftliches Instrument zu betrachten, Holger, DAS GEHT GAR NICHT.
    Wenn Du Dich schon Philosoph nennen möchtest, dann solltest Du wissen, dass Freiheitsrechte sich nicht aus irgend welchen geselslchaftlichen Überlegungen ergeben (Sinn und Zweck und Nützlichkeit), sondern AUS DER MENSCHENWÜRDE! KANT! KAAAAHANNNT!
    Herrrrrrrgottsdunner nochmal, ich hör jetzt auf, sonst hau ich Euch hier noch nen Wutanfall rein.

    • Dirk schrieb am

      Flo hatte es weiter oben bereits angedeutet: Es gibt Grenzen hier. No pun intended. Wenn Ihr die Abwägung zwischen den Grundrechten Menschenwürde und Meinungsfreiheit debattieren wollt, dann tut das meinetwegen, auch wenn’s in diesem Zusammenhang eigentlich »off-topic« ist. Aber dann benutzt bitte wenigstens diese neumodischen Dinger… warte… wie heißen die… ach ja: »Argumente«. Persönliche Schmähungen, sich über den anderen erheben und RUMSCHREIEN sind keine Argumente. Im letzten Kommentar bleibt das aus dem üblichen Grund stehen – für weitere derartige Einlassungen haben wir eine amüsante Funktion hier im WordPress. Allen Diskutierenden einen lieben Dank für freundliche Beachtung.

        • Dirk schrieb am

          In schwarz schon eher. Allerdings, um ehrlich zu sein, nicht sehr aufmerksam, denn dieses Format ist mir zu wortreich. Meine Sicht dazu habe ich schon vor ein paar Wochen mal aufgeschrieben. In diesem Sinne: Klar, selbstverständlich kann Meinungsfreiheit – vor allem in der !!1!drölf!!-Variante – missbraucht werden, z.B. wenn sie verwendet wird, um unter ihrem Schutz andere ihrer Würde zu berauben. In diesem Sinne bin ich denn auch sehr angetan davon, dass das Grundgesetz – anders als die Constitution of the United States – hier ziemlich eindeutig festlegt, wie die Prioritäten sitzen.

          • Otla schrieb am

            Meine Kritik geht aber in eine ganz andere Richtung.
            Hollarius bezeichnet sich im Podcast selbst als „Denker von Beruf“ und „Philosoph“. Beansprucht damit also eine gewisse Autorität.
            Wer sich so einordnet, der unterwirft sich damit auch anderen Maßstäben als jemand, der ohne weitere Ansprüche seine Gedanken veröffentlicht.
            Es gibt außerordentlich viele, die sich selbst als Philosophen bezeichnen. Darunter so ziemlich alle religiösen und pseudoreligiösen Sektier und Esoteriker – wobei ich Hollarius nicht bei ihnen einordnen will. Wenn die sich mit Philosophen anlegen wollen, dann setzt es Prügel, aber nicht von schlechten Eltern. Weil es dabei um das eigene ‚heilige‘ Fach geht: die Sorgfalt, die Seriösität, die Ernsthaftigkeit, die wissenschaftliche Sauberkeit, ja, auch die Strenge, natürlich, und damit auch das Renommee der alten Mutter Philosophie.
            Um die Wahrheit.
            Das hat alte Tradition. Schon der olle Heraklit erklärte Pythagoras zum „Ahnherren aller Schwindler“; Philosophen sind keine netten Menschen, waren es noch nie.
            Abgesehen davon, dass jeder, der sich mit Meinungsfreiheit befasst, die Abgrenzung zwischen dem eingeschränkten Grundrecht Meinungsfreiheit und dem uneingeschränkten Grundrecht Wissenschaftsfreiheit, Kunstfreiheit, ja, auch Religionsfreiheit und Gewissensfreiheit im Kopf haben muss, dass er wissen muss, dass Grundrechte miteinander konkurrieren und dann gegeneinander abgewogen werden müssen (auch Worte sind Taten, Volksverhetzung z.B. konkurriert mit dem Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, körperlicher Unversehrtheit gar, wenn sie Menschen zu Gewalttaten animieren kann), er hat auch um die großen Erkenntnisse der Wissenschaftsgeschichte zu wissen, hier: Kant und die Menschenwürde, die unser ganzes System konstituiert, die kein Recht ist, sondern der Grundwert. Die Erkenntnis, dass Menschen eine Würde haben, nicht als Individuum, sondern als Gattung (das ist längst schon höchstrichterlich als Norm fest gelegt), die sich von da aus selbstverständlich auf ausnahmslos jedes Individuum der Gattung Mensch erstreckt, nicht, weil er diese Person ist, sondern weil er Mensch ist, ist genau der Grundwert, der freie, demokratische Systeme von totalitären und Diktaturen unterscheidet.
            Wer die Meinungsfreiheit in ein utilitaristisches System einordnet, greift damit nicht nur die Basis unseres Systems an, die Demokratie selbst, die ohne Meinungsfreiheit nicht denkbar ist, sondern das Menschliche schlechthin.
            Darüber wird man bei jedem ’normalen‘ Diskutanten hinweg sehen. Er weiß es eben nicht. Er hat es nicht bis auf den Grund gedacht oder nach-gedacht.
            Aber nicht bei jemandem, der sich selbst als Berufsdenker und Philosoph bezeichnet.
            Der HAT das zu wissen, wenn er sich denn zu diesem Thema äußert. Sonst ist er ein Scharlatan und darf so auch benannt werden – um der Wahrheit willen.

            • Dirk schrieb am

              Wie er schon geschrieben hat, sieht er sich nicht als Philosoph, und schon gar nicht hier, weil hier so: Politik. Insofern geht das was Du sagst etwas ins Leere. Wenn Du dennoch den Inhalt seines Podcast mit ihm diskutieren möchtest – wäre dann nicht die Kommentarspalte von »Carpe Noctem« der richtige Platz dafür? Dort könntest Du dann auch erläutern, wo Du das mit dem »utilitaristischen System« her nimmst…
              (und guck mal: Absichtlich in schwarz – also nur eine freundliche Bitte.)

            • Hollarius schrieb am

              Wie schon mal angemerkt, da reden zwei Menschen im Podcast, der Berufsdenker und Philosoph bin nicht ich ;)

              • Otla schrieb am

                Dann nehme ich selbstverständlich alles zurück und schieb’s auf den anderen.
                Aber das hatte ich wirklich so nicht erkannt.
                Ich werd das auch auf Twitter mitteilen, dann ist das ausgeräumt.

    • Hollarius schrieb am

      Der Kollege @ThoroughT ist der Kant-Jünger und Philosoph, meine Philosophenzeiten sind lange vorbei ;)

  7. balava schrieb am

    Was mich erstaunt ist schon die „Qualität“ einiger Kommentare, kenne ich von der Piraten TH Seite gar nicht, da wird nicht einmal sachliche Kritik veröffentlich. Deswegen ziehe ich erstmal vor der Bundesseite meinen Hut.

    Um mich mal an das Inhaltliche zu halten, kann ich Holger nur zustimmen, Grenzen müssen überwunden werden um Internationalität auch zu leben. Grenzen bedeuten symbolisch nichts anderes als Mauern, eine Einschränkung der Freiheit und Exklusion. Auf einer Kundgebung habe ich kürzlich auf einem Schild gelesen, „Grenzen von der Karte Streichen, Staaten müssen Menschen weichen“, das trifft es ziemlich genau. Häufiger denn je werden „Staatsinteressen“ einen höheren Stellenwert eingeräumt, als dem Willen der Bevölkerung. Dass durch diesen Unmut allerdings Rassismus Hochkonjunktur hat, ist nur ein Nebenprodukt betont gepfleger Nationalität auf sämtlichen Kanälen, von Politik bis zu den Medien und tiefer Verwurzelung in der Gesellschaft spart sich nichts aus. Umso mehr ein Grund auf Internationalität zu setzten. No border. No nation.

Es können keine neuen Kommentare mehr abgegeben werden.

Weitere Beiträge: