Happy Public Domain Day oder: Was hat das Urheberrecht eigentlich mit Bildung zu tun?

Edvard Munch "Der Schrei", 1895, Pastell auf Holz

Siebzig Jahre nach dem Tod des Urhebers erlöschen hierzulande die Schutzrechte auf seine Schöpfungen. Wassily Kandinsky starb im Dezember 1944. Deswegen finden sich in der englischsprachigen Wikipedia noch zahlreiche Hinweise, wie mit der Abbildung seines Werks »Der Blaue Reiter« von 1903 umzugehen ist. In der deutschen Wikipedia fehlt die Abbildung dementsprechend sogar ganz. Das selbe gilt für den „Schrei“ des norwegischen Malers Edvard Munch, die jüngeren Lesern vielleicht eher als die Maske aus dem »Scary Movie« (»Scream«, 1996) in Erinnerung sein dürfte. Auch hier muss die deutschsprachige Wikipedia natürlich passen und bedient sich eines kleinen Tricks, um den Leser wenigstens überhaupt zu einer Abbildung zu leiten. Die Verlinkung in die Wikipedia zeigt übrigens auf die heute aktuellen Seiten, da die Schutzrechte nun erloschen sind und die entsprechenden Seiten bald angepasst werden dürften.

Aber den »Blauen Reiter« zu kennen oder den »Schrei« – das ist doch Allgemeinbildung, meint Ihr? Da müsste, nein: muss, man doch eine Abbildung zu einem nicht-kommerziellen Zweck – wie hier in der Wikipedia die kostenlose Vermittlung von Bildung – verwenden können, meint Ihr?

Wir Piraten meinen das auch und setzen uns daher für vernünftige Schutzfristen und freie Verwendbarkeit im Bildungsbereich ein. Im Urheberrecht und in seiner Umgebung finden sich noch viele weitere Ungeheuerlichkeiten, wie etwa die GEMA-Vermutung, auf die wir schon hingewiesen haben, und gegen die wir immer wieder mobil machen werden.

Am heutigen »Public Domain Day« aber freuen wir uns erst mal über alles, was 2015 endlich aus den überzogenen Schutzrechten gefallen ist und schmökern in der aktuellen Ausgabe des Public Domain Review.

Euch allen ein gutes 2015, optimalerweise mit einer ernstzunehmenden Urheberrechtsreform auf europäischer Ebene. Man soll die Hoffnung ja nie aufgeben. Immerhin sitzen die Piraten da mit Julia Reda in der ersten Reihe.

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