Bildung gibt’s nur gegen Geld [Update]

Bild: (CC-BY) Dierk Schaefer

Die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich verlangsamt in vielen OECD-Ländern das Wirtschaftswachstum. Das geht aus einem neuen Arbeitspapier der Entwicklungsorganisation hervor. Fehlende Investition in Bildung ist als Ursache herauskristallisiert worden und diese trifft auch auf Deutschland zu. Denn Deutschland gehört sicher nicht zu jenen Ländern, die alles daran setzen, dass ihre Bürger von klein auf gleiche Chancen haben.

Die Piratenpartei fordert schon lange: »Keine Bildung ist viel zu teuer«. Bildung muss gebührenfrei sein, wir müssen uns aber auch Gedanken über die Verteilung der Transferleistung machen, müssen Familien mit Kindern stärker unterstützen. Angst macht nicht die Kluft zwischen Arm und Reich, Angst macht die Nachricht der Steigerung der Exportbilanz um 4,5% im fast selben Atemzug. Das Signal: Wir sind Weltmeister mit einem gigantischen Überschuss in der Leistungsbilanz. Geld ist also genug da! Aber wird es in Bildung investiert? Ist es überhaupt gerecht verteilt?

Dieser Frage wollen wir genauer nachgehen:

Am Mittwoch, 17.12.2014, um 20:00 Uhr werden wir uns auf unserer virtuellen Diskussionsplattform Mumble mit spannenden Gästen zusammensetzen und fragen: Ist das Geld gerecht verteilt? Die Veranstaltung findet live im Raum „Dicker Engel“ statt.

»Der Staat verteilt von unten nach oben und nicht wie früher von oben nach unten«, sagt Dr. Jürgen Borchert. Der ehemalige Richter am Landessozialgericht Hessen und Autor des vielbeachteten Buches »Sozialstaatsdämmerung« greift die wechselseitige Verantwortung im Solidarsystem auf. Auf dem Podium wird er sich unseren Fragen stellen. Für Piraten ist diese Gelegenheit natürlich besonders spannend, da Herr Dr. Borchert die Chancen nicht im Bedingungslosen Grundeinkommen sieht, sondern das gerade bei den Piraten sehr beliebte Konzept gar als »feudalistisches Projekt« bezeichnet. Im Fokus seiner neuen Idee der gerechten Verteilung sollen die Familie und insbesondere die Kinder stehen. War vor vierzig Jahren nur jedes 75. Kind auf Transferleistungen angewiesen, bezieht heute jedes fünfte Kind irgendein Form von Transferleistung.

»Der demografische Wandel, die Kinderarmut und schwindende Ausgaben im Bildungssektor bringen uns an die Grenze“, entgegnet Manfred Schramm. Manfred war lange Jahre im Vorstand der Landesarbeitsgemeinschaft KITA NRW und bringt sein Wissen und seine Energie heute als politischer Geschäftsführer im Landesverband Nordrhein-Westfalen der Piratenpartei ein. Seine Vision: Wir müssen den Bildungssektor für Kinder so weit ausbauen, dass sie in Zukunft in aller Regel nicht mehr auf Transferleistungen angewiesen sind.

Der dritte Teilnehmer auf dem Podium ist Wilk Spieker, Vorstand im Berufsverband der Betreuer in NRW, die alleine in NRW über die bei ihnen organisierten Betreuer rund 50.000 Menschen mit Unterstützungsbedarf begleiten. Um einem Verteilungskampf entgegenzuwirken, schaut Wilk nicht so sehr auf die Verteilungsrichtung: »Die Verteilung muss endlich transparenter werden – die Menschen fühlen sich einfach betrogen«. Aus seiner Sicht ist die Transferleistung und ihre Höhe durchaus akzeptabel, aber der bürokratische Überbau ist nicht mehr tragbar.

Die Podiumsteilnehmer gehen also unterschiedliche Wege, aber ihr Ziel ist dasselbe: Familien müssen besser gestellt werden, als bisher. Wir freuen uns auf einen spannenden Abend.

Da das Mumble ein interaktives Format ist, aber nicht jedes ans Saalmikrofon möchte, um seine Fragen vor einer großen Menge von Zuhörern öffentlich zu stellen, haben wir ein Piratenpad für euch vorbereitet, in dem ihr während der Veranstaltung und auch vorab Fragen und Anmerkungen formulieren könnt.

Update

Die Aufzeichnung des Mumbles gibt es wie immer zum Nachhören im Krähennest.

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Kommentare

6 Kommentare zu Bildung gibt’s nur gegen Geld [Update]

  1. Kinder leben im Regelfall von Transferleistungen, jedenfalls hierzulande und zum Glück.
    Und das war vor 40 Jahren auch schon so.

    Man kann natürlich meinen, dass diese Transferleistungen keinesfalls staatliche sein sollen, sondern über ein erwerbstätiges Familienoberhaupt oder die Kirche laufen sollen, aber die flächendeckende (Wieder-)Einführung von Kinderarbeit dürfte sogar bei den extremsten Sozialdemokraten (siehe dazu http://www.zeit.de/online/2006/20/Schreiner/komplettansicht) kaum mehrheitsfähig sein.*

    Die Ankündigung liest sich jedenfalls so, als ob Ihr da wieder die größten Wirrköpfe eingesammelt habt, die Ihr finden konntet.
    Das Bedingungslose Grundeinkommen (welches übrigens Programmlage ist und nicht nur irgendein „beliebtes Konzept“) als „feudalistisches Projekt“…
    Naja, sehr spannend.

    *Natürlich geht es den Herren bei solchen Formulierungen v.a. darum, die Bedürftigkeit des Menschen und seine Angewiesenheit auf andere Menschen ab Geburt zu verdrängen. Der alte Quatsch vom autarken Individuum.

    Wie üblich geht es mal wieder gar nicht darum, herauszufinden, was „Bildung“ überhaupt ist. Als ob der Begriff irgendwie eindeutig definiert wäre…

    • Dirk schrieb am

      Dein Kommentar liest sich jedenfalls so, als ob…
      Nein, ein Kritikpunkt ist dabei, der mich wirklich trifft: Die eingeladenen Damen mussten leider absagen, so dass lauter Männer auf dem Podium sitzen.

    • Manfred Schramm scheint ja zu meinen, man könne über das Bildungssystem Sozialpolitik betreiben bzw. die Notwendigkeit staatlicher Transfers aufheben.
      Hat noch nie funktioniert, hier mal Martin Luther King zu dem Thema:
      http://www.livableincome.org/aMLK-deutsch.htm
      http://grundeinkommensblog.blogspot.de/2011/02/martin-luther-king-jr-where-do-we-go.html

      Bildung auf Geld zu reduzieren ist unglaublich dumm, genauso wie Soziale Sicherheit über (formale) Bildung organisieren zu wollen.

      Wird bestimmt übelst interessant die Diskussion, ich nehme mal an, unser Ober-Demokrat Dirk ist auch wieder mit von der Partie. Dann also viel Spaß.

      • Dirk schrieb am

        Wenn jemand mit so vielen gewählten Repräsentanten und Beauftragten und auch mit den Aussagen seiner Partei zu einem seiner Hauptthemen so völlig unzufrieden ist: Warum ist er dann eigentlich in dieser Partei? Würde mich ehrlich interessieren.

  2. zarathustra schrieb am

    moin

    bildungsarme sind idr sozialschwach.
    diese können sich sich die auf dem freien markt angebotene nachhilfe von 20€ pro h nicht leisten.
    ergo werden deren kinder bildungsarm, später hartzer.

    und da schliesst sich der kreis:
    bildungsarm =sozialschwach = bildungsarm.
    so vererbt sich hartz IV.

    kinder sollten gefördert werden.
    und zwar unabhängig von allen denk- und undenkbaren faktoren.

    (warum werden examinierte lehramtsstudenten per 1€-job zum laubfegen verdonnert, während kinder von hartzern keine ausserschulische lernhilfe bekommen?)

    der soziale aufstieg von arbeiterkindern ist trotz jahren einer von der spd geführten regierung weiterhin die ausnahme wider allen regeln.

    na logo kosten kinder geld.
    wir zahlen steuern, damit schulen und lehrer bezahlt werden.

    die kinder sind die zukunft – in die muss investiert werden.
    (fragt sich aber wo, wie und in was)

    @ herr manneschmidt:
    ich wäre ihrer argumentation aufgeschlossener, wenn sie pers angriffe, wie oben gg dirk unterlassen würden.
    fehlt es ihrer argumentation an fakten, dass sie versuchen, diese mängel durch pers angriffe zu kompensieren?

    zara

    • Chico schrieb am

      „fehlt es ihrer argumentation an fakten, dass sie versuchen, diese mängel durch pers angriffe zu kompensieren?“

      Hey, soweit ich es die letzten Jahre mitbekommen habe, ist das doch genau das Grundkonzept bei den Piraten?!

      Zum Thema:

      „bildungsarme sind idr sozialschwach. diese können sich sich die auf dem freien markt angebotene nachhilfe von 20€ pro h nicht leisten. ergo werden deren kinder bildungsarm, später hartzer.“

      Völliger Blödsinn! Als ich in Mathe nicht richtig mitkam, habe ich mir von meinem Lehrer zusätzliche Aufgabenzettel zum Üben für zu Hause geben lassen – die er mir anschließend korrigierte. Und das völlig kostenlos. Und als ich in Ethik (brrrr) mit einer schlechten Note auf der Kippe stand, habe ich mir mittels eines freiwilligen, zusätzlichen Vortrags die Note gerettet. Kosten: wieder Null. Und mein erster Nachhilfelehrer war mein Vater (obwohl er arbeitstätig war und daher stets wenig Zeit hatte). Kosten: wiederum Null.

      Vielleicht sollte man sich in der ganzen Bildungsdebatte einmal fragen, warum bei den Kindern und jugendlichen der BRD hoher Fernsehkonsum, hoher Internetkonsum, niedrige schulische Leistungen und niedriges soziales Niveau so streng korrelieren? Sollten nicht gerade die Kinder arbeitsloser Eltern profitieren, weil ihnen ihre Eltern rund um die Uhr zu Hause unter die Arme greifen können? Das Gegenteil ist der Fall – und genau da liegt das Problem!

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