ARD: Anders als ihr denkt.

Bild: CC-BY Ludovic Bertron

Ein Gastbeitrag von Holger Hennig, @Hollarius.

Fassungslos – anders kann man die Werbung für die Themenwoche «Toleranz» in der ARD wohl kaum betrachten. Klischees, beleidigend und diskriminierend, werden da ohne einen Hauch von Distanz in die Medienwelt geblasen. So wird eine vermutlich gut gemeinte Themenwoche schon von vornherein ein Reinfall.

Hier findet Ihr das Presseheft der ARD zur Themenwoche Toleranz: http://www.br.de/presse/inhalt/pressedossiers/presseheft-themenwoche-tolenz-100.html

Aber wenn es nur die Werbung wäre, nun, dann könnte man sicher mit Großmut reagieren. Das eigentliche Problem ist das Thema. Denn Toleranz ist schlicht ein völlig falscher Ansatz. Die ARD-Werbung suggeriert uns, es sei fraglich, ob wir Schwarze, Homosexuelle, Kinder und Menschen mit Behinderung tolerieren, also ertragen können. Man möchte fragen, welchen Schuss die ARD nicht gehört hat.

Ich toleriere nichts von alledem. Ich akzeptiere alle diese Menschen selbstverständlich. Toleranz ist da auch keine Option. Wenn ich zum Beispiel Homosexuelle nur toleriere, dann bedeutet das doch nichts anderes, als dass ich sie trotzdem doof finde, oder eklig oder widernatürlich, ja, insgeheim vielleicht sogar begrüße, wenn sie diskriminiert werden, oder ihnen Schlimmeres widerfährt.

Menschen, die so über Homosexuelle denken, können wir nicht akzeptieren, und solche Geisteshaltungen können wir auch nicht tolerieren. Da müssen wir aktiv gegen angehen, durch Aufklärung und durch deutliche Zeichen. Rassisten, Homophobe und alle anderen, die meinen, Menschen in Schubladen stecken zu müssen, und sie damit zu entmenschlichen, stellen sich außerhalb eines aufgeklärten Konsenses. Wir akzeptieren Schwarze und Menschen mit Behinderung, für diejenigen, die sie diskriminieren, dürfen wir keine Toleranz haben.

Letztlich ist es ganz einfach: Alle Menschen sind gleichwertig, also akzeptieren wir sie als gleichwertig. Marginale Unterschiede – und Hautfarbe, sexuelle Präferenz, Geschlecht, die eine oder andere Behinderung, das alles kann gegenüber der Gemeinsamkeit, dass wir alle Menschen sind, nur marginal sein – sind dabei völlig unwichtig. Wir brauchen dafür keine Toleranz.

Aber es gibt jede Menge Versuche, Menschen gegeneinander auszuspielen, Ideologien und Religionen, die Hass sähen und Entmenschlichung predigen. Den Versuch, Menschen auf diese Weise ihre Würde zu nehmen, können und dürfen wir nicht akzeptieren. Und was wir nicht akzeptieren können, das sollten wir auch nicht tolerieren. Menschenfeindlichkeit ist keine tolerierbare Meinung.

Holger twittert unter @Hollarius, bloggt unter hollarius.wordpress.com und macht auch sonst noch so manches…

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Kommentare

49 Kommentare zu ARD: Anders als ihr denkt.

  1. Toleranter schrieb am

    Unsinn. Ich muss z.B. religiöse Menschen nicht toll finden oder ihre Lebenseinstellung als richtig akzeptieren. Ich muss in einer zuordnen Gesellschaft nur ihren Lebensentwurf tolerieren, genauso wie sie meinen tolerieren müssen – auch wenn er aus ihrer persönlichen warte möglicherweise verwerflich sein sollte.

    Und genau so müssen Menschen weder Sexualität noch irgendeine spezielle Form schätzen und als richtig akzeptieren. Die müssen aber tolerieren, dass sie in einer freien Gesellschaft genau so gelebt werden darf wie alles andere.

    Eine freie und vielfältige Gesellschaft beruht nicht darauf, dass alle das gleiche toll finden. Sie beruht darauf, das die selbst das, was sie gerade nicht schätzen, tolerieren. Wenn man von ihnen Akzeptanz verlangt, tut man gerade das, was man ihnen vorwirft – das eigene Gesellschaftsbild über das ihre stellen. Das ist im Ansatz totalitär und vor allem auf die Verhinderung von Vielfalt gerichtet.

    Und deshalb toleriere ich Deine Auffassung, obwohl ich sie für grundfalsch und nicht vereinbar mit meinem Gesellschaftsbild halte.

    • Rudi schrieb am

      Schöner finde ich diesen Konter bei busfeed
      https://www.piratenpartei.de/2014/11/10/ard-anders-als-ihr-denkt/

      Gerade beim Bild des Volsmusikpärchen wird mir klar, daß ich selbst Volksmusik im Sinne von Erdulden toleriere. Auf der gesellschaftlichen Ebene, kann das aber kein Maßstab sein.

      Individuell kann man sich um die Souverintät bemühen, sich dem zu entziehen was man sonst nur erdulden kann. Man sollte auch die Coolness haben, es bei Bedarf zu ignorieren und nicht in „Duldungsstarre“ verfallen.
      Gesellschaftlich hat aber Jeder jedes Recht so rumzulaufen wie er will und sei es in bizarr kurzen Lederhosen und geschmacklos karrierten Hemden ohne Button-Down Kragen. Von der Musik dieser Subkultur ganz zu schweigen.

    • Hollarius schrieb am

      Du interpretierst „akzeptieren“ als „als richtig akzeptieren“, sry, aber das habe ich nicht geschrieben. Akzeptieren heißt für mich, dass ich Menschen einfach als Menschen sehe und nicht in Schubladen einsortiere. Ich bemühe mich, auch mich selbst nicht in eine Schublade einzusortieren, mich nicht von anderen Menschen abzugrenzen – weil wir eben alle gleichwertig sind.
      Das Beispiel mit der Religion ist gar nicht so übel. Ich kann problemlos akzeptieren, dass Menschen religiös sind und ihre Religion auch leben – und da ist es auch egal, wie seltsam mir das persönlich vorkommt -, wenn aber aus der Religiösität Menschenfeindlichkeit erwächst – und ich denke da kulturbedingt zuerst an Freikirchler und die katholische Kirche, die definitiv menschenfeindliche Lehren verkünden – dann kann ich das nicht tolerieren. Dann muss ich politisch mit den demokratischen Mitteln was gegen machen. Wer Diskriminierung und Entmenschlichung toleriert, der ermöglicht sie.
      Ich muss verschiedenes nicht toll finden, um es zu akzeptieren. Ich kann sogar akzeptieren, dass Menschen es gut finden, sich von RTL unterhalten zu lassen. Aber wenn RTL mal wieder gegen irgendwas hetzt, kann ich das nicht tolerieren. Man kann das übrigens einfach auch mit „politisch sein“ umschreiben. Als politisch denkender Mensch und Mitglied einer politischen Partei versuche ich natürlich das, was unser Programm sagt, zu vertreten, und das Gegenteil davon zu bekämpfen. Wenn ich alles einfach tolerieren könnte oder wollte, wäre ich in einer Partei grundfalsch.

    • Schollerer schrieb am

      Reg dich nicht [Beleidigung entfernt. /Maschinenraum] auf.

    • Manfred Steffan schrieb am

      @Toleranter: Ich habe selten ein so gutes Statement zu diesem Thema gelesen wie deines.

      • Dirk schrieb am

        Noch schöner wäre allerdings gewesen, wenn „Toleranter“ auf den Artikeltext eingegangen wäre.

        • Manfred Steffan schrieb am

          „Menschen[!], die so über Homosexuelle denken[!], können wir nicht akzeptieren[!].“ Hollarius tritt den jahrhundertelangen Kampf um Meinungs-, Glaubens- und Gewissensfreiheit in die Tonne, indem er nicht unterscheidet zwischen Menschen (die es unabhängig von ihrer Meinung anzunehmen [zu achten!] gilt) und Meinungen (die man ertragen muss, wenn sie nicht zufällig ohnehin der eigenen Meinung entsprechen, die man aber nicht teilen muss). Das ist eine totalitäre Gesinnung, auf die Toleranter die richtige Antwort gegeben hat.

          • Dirk schrieb am

            Ich denke, Du verwechelst da in zwei Punkten was. Zum einen unterscheidest nicht ausreichend die Akzeptanz des (gefühlten) „Anders“-Seins, das Holger fordert von der Akzeptanz (ggf verwerflichen) Denkens oder Handelns, bei dem Tolerierung oder Akzeptanz anders zu bewerten sind. Zum anderen geht es überhaupt nicht um Deine persönliche (Meinungs-., Glaubens- oder wasweißich-) Freiheit, zu denken (und in gewissen Grenzen auch zu sagen) was Du willst. Natürlich darfst Du das. Aber es kann halt sein, dasss Du dann von Menschen, die einen höheren ethischen Standard propagieren, Gegenwind bekommst. Und genau das erlebt auch die ARD gerade. Wegen Bildern wie dem im Artikel verlinkten und wegen Texten wie dem, den ich schon anderswo mit leichtem Würgen zitiert habe. Erschwerend kommt im Fall der ARD hinzu, dass hier ja eben nicht ein Individuum irgendwelchen halbgaren Quark verbreitet, sondern dass ein öffentlich-rechtlicher Sender mit erheblicher Reichweite in Schrift und Bild Assoziationen weckt, bei denen man sich nur abwenden kann. Und dass dann Piraten dafür eintreten, dass das abgestellt wird, sollte nicht verwundern, wenn man sich ihre programmatische Aufstellung im Bereich des selbstbestimmten Lebens anschaut. „Totalitär“ wäre es, wenn sie eine diktatorische Herrschaft ausüben würden und Denkverbote aussprächen. Beides tun sie nicht. Aber sie lassen sich halt auch im Sinne ihrer beschlossenen Positionen nicht den Mund verbieten.

            • Manfred Steffan schrieb am

              „Menschen, die so über Homosexuelle denken, können wir nicht akzeptieren, und solche Geisteshaltungen können wir auch nicht tolerieren.“ Ich kommentiere lediglich die Geisteshaltung, die Hollarius mit dieser Formulierung zum Ausdruck bringt. Es geht ersichtlich nicht darum, dass die Menschen „niedrigeren ethischen Standards“ die Gegenmeinung der Menschen „höheren ethischen Standards“ ertragen müssen. Mich würde jetzt nur noch interessieren, wie es aussieht, wenn die Piratenpartei – das hier ist doch eine Parteipostille und kein Weltanschauungsblättchen – die falsch denkenden Menschen nicht akzeptiert und ihre Meinung nicht toleriert.

              • Dirk schrieb am

                > wie es aussieht, wenn die Piratenpartei
                Wir wenden uns öffentlich dagegen. Wenn es arg schlimm wird, denken wir uns auch bildstarke Aktionen aus. Und selbstverständlich hat eine Partei mit starker Ausrichtung auf Bürger- und Menschenrechte eine Sicht auf die Welt und eine Vision einer Gesellschaft der Zukunft – und trägt diese auch in die Öffentlichkeit. Was hättest Du denn erwartet?

              • Manfred Steffan schrieb am

                Ich hatte erwartet, dass die Piratenpartei sich für das Recht auf Meinungsfreiheit einsetzt und für eine Vielfalt der Meinungen steht statt für eine bestimmte Gesinnung. Es war da mal von Plattformneutralität und Grundgesetzpartei die Rede …

              • Dirk schrieb am

                Das Grundgesetz sagt genau wo, dass man Menschen, die von der gefühlten Norm abweichen, als „andersartig“ und „zu dulden“ darstellen sollte? Als ich das letzte Mal da hineinschaute, stand da noch „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Für „die muslimische Kollegin den Betrieb in der Kantine lahmlegt, weil sie unbedingt wissen muss, ob in dem Essen auch wirklich kein Schweinefett enthalten ist“ oder den Menschen mit dunkler Hautfarbe, für den es offenbar die Option gibt, dass er eine Belastung sein könnte, gilt das aber nicht? Meinungsfreiheit, ich glaube das sagte ich schon, bedeutet nicht, dass man grad jede Meinung auch mit offenen Armen in Empfang nehmen muss.

              • Manfred Steffan schrieb am

                @Dirk: Bleib bitte beim Thema. Ich kommentiere ausschließlich die Aussage von Hollarius: “Menschen, die so über Homosexuelle denken, können wir nicht akzeptieren, und solche Geisteshaltungen können wir auch nicht tolerieren.” Wie jemand denkt, kann niemals die Würde eines anderen verletzen.

              • Dirk schrieb am

                > Wie jemand denkt, kann niemals die Würde eines anderen verletzen.
                Aber wie er jemanden anders darstellt, kann es. Und bitte lies dann genau nach der von Dir angegebenen Stelle weiter:
                Da müssen wir aktiv gegen angehen, durch Aufklärung und durch deutliche Zeichen.[…]

              • Manfred Steffan schrieb am

                Ich halte es nicht für die Aufgabe der PIRATEN als politischer Partei, vorzugeben, welche sexuelle Orientierung wie zu bewerten ist bzw. empfunden werden darf, ob als „eklig“, Bereicherung oder sonstwas. Ich wüsste auch nicht, dass das Grundgesetz derartige Vorgaben macht. Dieses verlangt Respekt vor allen Menschen und Toleranz aller Meinungen, soweit sie nicht gegen gesetzliche Verbote (strafrechtlicher Beleidigungstatbestand etc.) verstoßen. In mir erhärtet sich der Verdacht, dass wir hier eine fundamentale Konfliktlinie innerhalb der PIRATEN vor uns haben zwischen den Vertretern der richtigen Gesinnung und den Vertretern einer freiheitlichen Gesellschaftsordnung.

              • Dirk schrieb am

                Spannend, dass Du Deinen bereits mehrfach wiederlegten Punkt immer wieder wiederholst. Aber gerne auch nochmal in der neuen Wortwahl: Die „freiheitliche Gesellschaftsordnung“ beinhaltet die Freiheit, andere als von der gefühlten Norm abweichend, als “andersartig” und “zu dulden” darzustellen. Und sie beinhaltet die Freiheit, das so richtig Sch* finden zu dürfen und dagegen anzugehen, wenn es Sender mit großer Reichweite tun.

                Update: Übrigens nutzen einige sogar ihre Freiheit, einzusehen, wenn mal was richtig in die Hose gegangen ist…

              • Manfred Steffan schrieb am

                @Dirk: Du verwechselt Gegenbehauptung mit Widerlegung.
                Deinem zweiten und dritten Satz (Meinung gegen Meinung) stimme ich zu. Du kannst soviel Meinung demonstrieren, wie du willst, einzeln oder gemeinsam mit anderen. Was mich stört ist, dass du bzw. Hollarius diese Meinung als Parteimeinung darstellst. Das Parteiprogramm der PIRATEN gibt keine Bewertung von Sexualität vor, genausowenig wie das Grundgesetz, sondern fordert Freiheit und Gleichberechtigung, weil kein objektivierbarer Grund ersichtlich ist, Homosexuelle etc. rechtlich schlechter zu stellen als Heterosexuelle. Politik hat das Verhalten von Menschen zu regeln, nicht ihnen eine Gesinnung vorzugeben. Ich will nicht zurück ins Mittelalter, nur dass statt des christlichen Weltbildes ein säkulares Weltbild vorgegeben ist. Du kannst statt Sexualität auch jedes andere Thema nehmen, bei dem es um subjektive Wertung geht.
                Für mich stellt sich die Frage, ob die PIRATEN zukünftig ein bestimmtes Weltbild verfechten wollen oder den weiteren Ausbau unseres freiheitlich demokratischen Rechts- und Sozialstaates.

              • Dirk schrieb am

                Als widerlegt sehe ich die Behauptung an, dass durch den text die Meinungsfreiheit eingeschränkt werden soll.

                > dass du bzw. Hollarius diese Meinung als Parteimeinung darstellst
                Nun, die Piraten sind programmatisch sehr deutlich für Gleichwertigkeit aller Menschen aufgestellt. Wenn nun eine Kampagne eines ÖR-Senders mit großer Reichweite Bilder und Texte in die Welt bläst, die diese Gleichwertigkeit mindestens zur Disposition stellen, dann sehe ich eine harsche Ablehnung als definitiv vom Programm gedeckt an, wenn auch in der Schärfe der Ablehnung durchaus Gestaltungsspielraum besteht. Insofern hätte ich auch mit einer Darstellung als Parteimeinung nach Rücksprache mit dem Buvo wenig Probleme gahabt – ist der Text aber nicht. Er ist ein Gastbeitrag und ich sehe ihn als programmatisch gedeckte, wertende Einzelmeinung eines Piraten als, um beim Bild zu bleiben, Bereicherung und nicht als Problem.

                > oder
                Diesen von Dir postulierten Gegensatz sehe ich nicht. Selbstverständlich haben die Piraten ein Weltbild, Werte, eine Vision der Gesellschaft der Zukunft. Und gerade weil sie dieses Weltbild, diese Werte, diese Vision teilen (jedenfalls in jedem Einzelpunkt zu mindestens Zweidrittel), fechten sie für den den weiteren Ausbau unseres freiheitlich demokratischen Rechts- und Sozialstaates (wobei ich diese Aneinanderreihung für suboptimal halte, da sie wichtige Positionen der Piraten außen vor lässt, aber das wäre eine andere Diskussion). Und noch mehr: Würde diese Demokratie sich nun dafür entscheiden, „Ausländer“ rauszuwerfen, das mit den Homosexuellen wieder rückgängig zu machen oder z.B. heute den großen Lauschangriff ins Grundgesetz zu bringen – natürlich wären wir dagegen! Und natürlich würden wir das im Rahmen unserer beschlossenen Positionen laut dagegen Stellung beziehen. Und gerne Piraten das Wort geben, die hier gute Worte dafür finden. Oder sollen wir etwa sagen: Ja, klar, wir sind für Demokratie. Wozu denn Minarette?

              • Manfred Steffan schrieb am

                @Dirk: Du lenkst ab.
                Ich kritisiere ausschließlich (das sagte ich schon)die Aussage, dass wir (also die PIRATEN)bestimmte Meinungen (die nicht illegal sind, konkret eine negative Einstellung zur Homosexualität)nicht tolerieren (deutsch: ertragen)können, und die Vertreter solcher Meinungen nicht akzeptieren können (was immer das in der Konsequenz heißen soll, es richtet sich gegen Personen und nicht mehr nur gegen Ideen).
                Diese bedrohlich klingende Aussage hast du relativiert mit dem Hinweis,(sinngemäß)es ginge nur um Gegenpropaganda mit anderen Anschauungen. Ich will daraufhin wissen, ob die PIRATEN zur Weltanschauungspartei umfunktioniert werden sollen. So waren sie nämlich ursprünglich nicht konzipiert, siehe Wikipedia, Stichwort Piratenpartei Deutschland/Inhaltliches Profil/Überblick: „Einem Mangel an inhaltlicher Klarheit… steht eine klare Vorstellung von politischer Partizipation durch Transparenz, Basisorientierung, Kompetenz und Pragmatismus gegenüber.“
                Ich werte deine Ausführungen mal als verschwurbeltes Ja auf meine Frage.

              • Dirk schrieb am

                Da Du die ausführlich Erklärung nicht mochtest, versuche ich’s mal kurz: Nein.

    • Tim schrieb am

      Richtig Toleranter: Mancher hier verwechselt Toleranz mit Indifferenz. Das lat. Wort „tolerare“ heisst so viel wie „tragen“ bzw. „ertragen“ und zeigt auf, was Du schreibst. Es gibt ein Recht darauf, die Lebensentwürfe anderer Menschen stehen zu lassen- auch wenn ich sie nicht „toll“ finde. Leider sehen wir uns mit diesem Tolerantverständnis einem zunehmenden gesellschaftlichen Druck ausgesetzt, bei dem jeder, der die religiöse, regenbogenartige, schillernde, bespaßte und suizidale Lebensweise anderer nicht begeistert mitträgt sogleich als phobider Fundamentalist abgestempelt wird. Leider schürt diese Entdemokratisierung/Entmündigung auch die Piratenpartei…Ein schwacher Trost ist die momentane Bedeutungslosigkeit dieser „Gruppe“.

      • Dirk schrieb am

        > nicht begeistert mitträgt sogleich als phobider Fundamentalist abgestempelt wird… Entdemokratisierung/Entmündigung
        Ständige Wiederholung macht es nicht wahrer. Hier stellt ein öffentlich-rechtlicher Sender mit großer Reichweite in Bild und Text Dinge zur Disposition, die Piraten nicht so stehen lassen können. Warum sollten sie sich denn sonst die ganze Arbeit mit dem Programm und so machen, wenn ihnen alles egal wäre. Die letzte Bundestagswahl hat gezeigt: Den allermeisten Menschen geht der Überwachungsstaat am A* vorbei. Die Wahlentscheidung war ein Betteln nach mehr Überwachung. Und deswegen sagen Piraten jetzt: Ja, super, Überwachung for the lulz. Bürgerbeteiligung rulez. Nein, natürlich sagen sie das nicht. Weil sie sich vorher zusammengesetzt haben und gesagt haben: Das wollen wir nicht, dagegen treten wir ein. Und nur weil jetzt ein paar Leuten nicht passt, dass die Piraten sich auch in anderen Themenbereichen als Überwachung ein Programm gegeben haben, ist das dann pöhse „Weltanschauueng“, die angeblich anderen aufoktruiert wird?

        > Ein schwacher Trost ist die momentane Bedeutungslosigkeit dieser “Gruppe”.
        Immerhin ist diese Gruppe bedeutsam genug, dass Du dich mit der Diskussion hier auseinandersetzt :)

  2. Karl schrieb am

    Weder akzeptiere noch toleriere ich solche Menschen (Schwarze, Homosexuelle, Kinder und Menschen mit Behinderung) ;-)

    und in dem Satz da habe ich jetzt auch direkt gesagt, was ich mit ihnen mache.
    Ich betrachte sie als Menschen ;-)

  3. Toleranter schrieb am

    @Karl: Natürlich ist jeder Mensch. Dennoch gibt es Menschen, die Probleme zB mit Religiosität, Sexualität oder Lebensstil anderer Menschen haben. Mag vielfach engstirnig oder ignorant wirken. Ist aber so.
    Diesen Menschen sichert unsere Gesellschaftsordnung zu, dieser Meinung zu behalten. Sie dürfen die „anderen“ Menschen nur nicht diskriminieren. Das ist Toleranz, nicht Akzeptanz. Deshalb liegt der Autor auch falsch.

    Auch die engstirnigen haben den Anspruch Toleranz ihres Weltbildes. Ebenso wie der Autor.

  4. Frederik schrieb am

    Was soll diese Wortspielerei mit Toleranz und Akzeptanz?
    Im Grunde wird doch mit beiden das gleiche gemeint.
    Es geht doch genau genommen nur darum den Menschen so sein zu lassen
    wie er ist. Ohne zu meinen ihn zu irgend etwas um zu Missionieren
    zu müssen.
    Doch da ist eben die Gemeinschaft der Menschen, die genau das eben
    nicht schafft, die bestimmen will was Okay und was NOGO ist.
    Die dann Menschen mit einer anderen Herkunft als Deutsch (Plus vier
    Generationen zurück), nicht hier haben wollen. Meistens weil ihnen
    irgend wer gesagt hat das sie „Schädlinge“ für die Deutsche Kultur
    sein. Wobei gerade Deutschland doch Geschichtlich gesehen der größte
    Vermischungsraum von Kulturen aus aller Welt ist und dies so schon seid
    vielen Jahrhunderten.

    Dann wieder sind da die Menschen, die nicht damit klar kommen, wenn
    ein anderer Mensch eben ein Handycap hat. Die dann offen sagen sein Pech.
    Die dann aber eben auch meinen das sich die Gemeinschaft der Menschen
    sich nur bedingt um diese „Aussenseiter“ kümmern müssten und zwar in
    Form von Mitleid. Mehr aber auch nicht.

    Als nächstes sind da die Menschen, die eben in Sachen Sexualität eine
    andere Form für sich fest gelegt haben. Damit kommen besonders ja meistens
    die Religions Anhänger nicht klar und selbst so manche Atheisten, die
    doch irgend wie an eine Art Natur Religion dann glauben, halten die Homosexualität
    für wieder der Natur. Den sie diene nicht der Arterhaltung. So mit verdienen diese
    Menschen dann allenfalls Mitleid, aber eben keine Rechte wie sie die Hetereo
    Menschen sie Automatisch von der Christlichen Politik in den a… geblasen bekommen.

    Als nächstes sind dann alle die welche noch nicht Volljährig sind und inzwischen
    ja vom Gesetz als Kinder defeniert werden. Also als Menschen die zu gehorchen haben
    und in vielen ihren Rechten beschnitten sind. Wo selbst die Kinderrechte Konvention
    nach dem Christlichen Weltbild der Erwachsenen dann ausgeheblt wird. Immer mit dem
    Totschlag Argument wir wollen doch nur euer bestes. Ein Argument welches auch bei
    allen anderen Beispielen genauso immer angewendet wird.
    Wobei bei dem Beispiel Kinder eigentlich auch die älteren Menschen erwähnt werden
    sollten, die doch schon immer ab einem bestimmten Zeitpunkt eben so wie Kinder ihrer
    Rechte beraubt werden und als Nutzloser Belast nur noch gesehen wird. Mit dem man
    allen Falls nur noch Mitleid haben muss und mehr nicht.

    Viel besser wäre es wenn man den Slogan ändern würde und verlangen würde, das alle diese
    Menschen nicht wie Personen zweiter Klasse gesehen werden. Um die man sich zwar kümmern
    sollte, aber denen man nicht auch noch Rechte zu sprechen sollte.

    Ansonsten denkt mal darüber nach, auch ihr Piraten, mit welchem Vorbild ihr uns vorraus geht.
    Es ist entscheidend nämlich dafür wie wir euch dann behandeln werden, wenn wir am „Steuer“ stehen.

    • Dirk schrieb am

      »Wortspiele« sind gewiss nicht das Thema. Schau Dir die Bilder an, die die ARD dazu verwendet hat. Über die Abbildung eines dunkelhäutigen Menschen zu schreiben »Belastung oder Bereicherung?«, ist vielleicht gut gemeint, aber jedenfalls nicht gut geworden. Genau solche Abbildungen erzeugen die Stimmung, in der Menschen das tun, was Du so treffend mit »Meistens weil ihnen irgend wer gesagt hat das sie “Schädlinge” für die Deutsche Kultur sei« beschreibst. So wie gestern in Erfurt. Gerade von der ARD kennen wir besseres. Deswegen sind wir enttäuscht über diese Kampagne. Noch schlimmer allerdings sind die Texte, mit denen manche Sender auf die Themenwoche aufmerksam machen, und in denen sie Toleranz teils offen zur Disposition stellen. Textpassagen wie

      »Und die muslimische Kollegin, die mit Beharrlichkeit den Betrieb in der Kantine lahm legt, weil sie unbedingt wissen muss, ob in dem Essen auch wirklich kein Schweinefett enthalten ist. Kurzum: Es bedarf schon einer gehörigen Portion Toleranz, um den Alltag zu überstehen.«

      erschrecken uns jedenfalls und nach dem, was Du oben geschrieben hast, wundere ich mich, dass sie Dich nicht erschrecken.

    • Bernd schrieb am

      Kann ich nur unterstreichen. Sachlich ist es irre, wenn Deutsche, die ein Vielvölkergemisch sind, wie man es ansonsten eigentlich nur in Einwanderungsländern findet, fremdenfeindlich agieren.
      Der Teil der Erdoberflächen den wir ‚Deutschland‘ nennen, war eine Region von Wanderungsbewegungen einer ausgesprochen großen Zahl an Völkern. Schon an den Nachnamen ist das ablesbar, zu den vielen Kowalskis und Krysmanskis kommen Beauvais, de Maizere, van Aken und was es noch alles gibt. Wenn man Größe, Haut-, Augen- und Haarfarbe so betrachtet, bietet Deutschland das bunteste Gemisch eines aktuellen Nicht-Einwanderungslandes ever.

      Und trotzdem, oder ungeachtet dessen, konnte hierzulande der aberwitzigste Rassenwahn zur Staatsraison erhoben werden 33-45, mit den bekannten Folgen. Was zeigt, dass Toleranz nicht etwas mit Logik, sondern mit Ethik und Moral zu tun hat.

      Wäre es die Logik, D. müsste das toleranteste Land in Europa sein. Die Kampagne der ARD ist also offenbar notwendig, und dient dem Bildungsauftrag. Bildung von Ethik, und Anregung zu einem ethischen Herangehen an Fragen von Toleranz und Inklusion. Ich würde mir von der Piratenpartei Vergleichbares wünschen. Am besten fängt man mit innerparteilicher Toleranz abweichender Meinungen und dem konstruktiven Meinungsstreit an. Gutes Verhalten innen macht die Partei auch wieder attraktiv für die Menschen da draussen!

  5. Alex schrieb am

    „Letztlich ist es ganz einfach: Alle Menschen sind gleichwertig, also akzeptieren wir sie als gleichwertig.“

    Ich bin mir bewusst, welch eine Kontroverse dies ist, aber ich glaube mit dem o.g. Satz habt ihr euch euer eigenes Fettnäpfchen geschaffen.
    Wir leben in einem Zeitalter, in dem alles politisch korrekt sein muss. Nehmen wir als beispiel die Diskussion darüber, ob behinderte Kinder öffentliche Schulen besuchen dürfen. Grob zusammengefasst haben wir da zwei verschiedene Meinungen:
    1. Ja, behinderte Kinder sollen auf andere Schulen, sie müssen eingegliedert werden, Kinder sollen mit ihnen als „normal“ aufwachsen, sie haben ein recht zu sein wie alle anderen auch, denn sie sind ja wie anderen, nämlich Menschen.
    2. Nein, sie sind behindert und nicht normal, fördern wir lieber ihre Individualität als ihnen eine schlechtere Ausbildung zu geben, als ihnen zustände bzw. sie benötigen.

    Hier haben wir das gleiche Thema. Auf der einen Seite sind wir ja alle Menschen, aber wir sind – und das möchte ich stark betonen – NICHT GLEICH! Wenn ich lese, ich solle so gleich sein wie ein farbiger, ein anderer weißer, ein asiate, ein Christ, ein Moslem, eine Frau, eine Lesbe, ein Schwuler, ein Behinderter etc. Wie soll ich das unterstreichen? Sagen wir mal, ich sehe eine etwas korpulentere Frau, nicht meiner Hautfarbe, Religion, Ansicht, Sexualität entsprechend auf der Straße und jemand sagt mir, ich sei im grunde gleich, wie könnte ich das guten Gewissens unterstreichen?

    Tatsache ist, solange wir diese Debatte füren, wird es niemals ein Ende haben. Solange wir jemanden als schwul, weiß oder schwarz oder sonst irgendwie benennen, solange werden wir niemals, niemals auch nur im Ansatz tolerant sein. Denn dass wir uns gegenseitig nicht als einfachen Menschen bezeichnen oder uns anhand unseres Namens identifizeren, zeigt, dass wir diese Bezugspunkte brauchen.
    Solange irgendjemand spezieller behandelt wird als andere sind wir nicht tolerant, aber solange wir manche, die spezieller behandelt werden sollten gleich behandeln, solange sind wir ebenfalls nicht tolernant.

    Das, was ich hiermit rüber bringen möchte ist, Toleranz und Akzeptanz sind das Gegenteil dessen, was wir uns davon erhoffen.
    Wir sollten eher anfangen, die Individualität eines Menschen zu ehren und uns gegenseitig dafür zu feiern, NICHT gleich zu sein, statt uns in endlosen Debatten und Wörtern unserer eigenen Freiheit zu berauben. und wenn man wirklich allgemein sein will, dann gibt es da genug Ansätze:

    1. Mir ist egal was andere Menschen machen. Wenn sie damit glücklich sind und mich nicht in meinem persönlichen Leben aktiv stören, können sie auch Bäume heiraten.
    2. Alle Menschen sind und bleiben irgendwo schlecht und auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Niemand wird je gut sein, aber jeder wird irgendwo schlecht sein.
    3. Sich selbst einzugestehen, dass man oberflächlich ist, ist gut.
    4. Desto weniger man darüber redet, desto eher verschwindet es aus den Medien und desto weniger muss sich die aufwachsende Generation darüber Gedanken machen ob sie nun politisch korrekt sind oder nicht.
    5. Etwas zu verbieten gleicht der Bevorzugung. Negerküsse nun Schokoküsse zu nennen und Frauen eine Mindestarbeitnehmerquote in Firmen zu geben sind beides beschränkte Ideen.

    Gez.

    • Dirk schrieb am

      Du schreibst es selbst:
      > aber wir sind – und das möchte ich stark betonen – NICHT GLEICH!
      Stimmt. Deswegen schreibt der Artikel auch:
      > Alle Menschen sind gleichwertig
      Die Aktion der ARD stellt Menschen, die irgendwie von der gefühlten Norm abweichen als „anders“ da und man müsse sie „tolerieren“. Toleranz bedeutet „dulden“ und „ertragen“, und so wird es in den (anderswo auch verlinkten) Teasertexten auch positioniert. Piraten stehen aber mit allen ihren Positionen dafür, dass da eben gerade nichts „geduldet“ wird, dass wir nicht auf „andersartiges“ schauen und es „ertragen“, sondern dass wir die Vielfalt der Menschen als Bereicherung wahrnehmen und ihnen die Freiheit, so zu sein, wie sie sind, nicht geben, sondern sie als gegeben annehmen. Ganz so, wie Art.1 Abs 1 unseres Grundgesetzes ja auch die Würde des Menschen annimmt und nicht zuteilt. Aus Deinen Worten entnehme ich, dass Du das ähnlich siehst. Also lies den Text bitte noch mal und dann: Herzlich willkommen :)

      • Bernd Fachinger schrieb am

        Bedeutet also: wenn jemand nicht wie ich funktioniert, werde ich ihm keine dafür auf die Fresse hauen. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn er aber aktiv versucht, mir sein Wertebild überzustülpen, wird er die passende Reaktion zu spüren bekommen, da endet meine Toleranz.

        Ach ja, einige meiner Mitmenschen (dazu zählen auch Piraten) kann ich leider auch bloß erdulden, ertragen, oder, wenn es nicht anders geht, ignorieren und ihnen den totalen Misserfolg an den Hals wünschen. Übrigens: je mächtiger, desto drastischer: gelegentlich ist es auch die Pest, die sie dahinraffen möge, so als göttliche Gerechtigkeit.

        Ein Organspendeausweis käme für mich erst dann in Frage, wenn sichergestellt wäre, dass ich Empfänger namentlich ausschließen kann. Sorry, wenn ich da mit deiner Gleichwertigkeit und dem Gut der „Bereicherung durch Vielfalt“ nicht konform gehe noch sie „als gegeben annehme“, aber ich werde niemanden unterstützen, der anderen Schaden zufügt.

        • Dirk schrieb am

          Danke für diesen demaskierneden Blick auf Dein Wertebild. „Was Du anderen wünschst, kommt dreimal auf Dich zurück,“ sagt ein alter Spruch. Ich wünsche Dir, dass er auf Dich nicht zutreffen möge.

          • Bernd Fachinger schrieb am

            Demaskierend ist vielmehr deine Antwort ;)

  6. Bernd schrieb am

    Versucht mal die Empörung etwas zu drosseln und 30 cm mehr Abstand zu nehmen. Und seht dann noch mal auf diese Kampagne. Die Idee der ARD in ihrer Kampagne ist doch sehr klug, und ausgesprochen toleranzfördernd. Man muss nur genau hinsehen.

    Anscheinend muss ich hier den Erklärbär im Kommentarteil machen. Ich versuchs mal:

    Was sehen wir?

    Wir sehen ein Bild von einer Person und einer Situation, die, im Alltag, bei einer nicht kleinen Menge an Menschen hierzulande auf Ablehnung stößt.

    Der fremd Aussehende, das männliche Paar, das schreiende Kind, der spastisch gelähmte Gehbehinderte.

    In der Überschrift wird nun jeweils ein Vorurteil und eine Alternative dazu in gleicher Schrift, gleicher Schriftgröße und alternierender Reihenfolge abgebildet, verbunden mit dem Wort „oder“ und dem Fragezeichen am Schluss.

    Genau wie damals (lange, lange ist’s her) die Piratenpartei angetreten war mit dem Slogan „Wir stellen das mal in Frage“, und in 4 Landtage einzog, tritt in dieser Kampagne die ARD an uns stellt Vorurteile in Frage.

    Einfach, leicht verständlich, in leichter Bildsprache mit wenigen Worten.

    Was daran schlecht, verwerflich oder „geht gar nicht“ ist, erschließt sich mir nicht. Weder aus dem Empörungsartikel oben, noch an den Kommentaren.

    Leute, bitte, denkt nach, und reflektiert, bevor ihr etwas blogpostet. Die Piratenpartei steht nicht besonders gut da zur Zeit. Es ist daher sehr wichtig, und das meine ich vollkommen ernst, dass diejenigen, die hier Artikel freigeben, mindestens 4 (in Worten vier) unabhängige Piraten (also keine Twitterbubble, kein Freundeskreis, keine Gesinnungsgenoss*innen, keine Peergroup) mal draufgucken lasst, und euch deren Zweit- und Drittmeinung einholt. Dann könnt ihr es freigeben. Vorher, bitte, nicht. Danke.

  7. Matthias schrieb am

    Ich mag aber keine schwarzen akzeptieren müssen.
    Genausowenig Islamisten, oder Leute, die mit ihrer Sexualität hausieren gehen müssen.
    Minderheiten haben auch nicht automatisch das Recht, sich dem Rest als besonders bedürftig aufzuspielen.
    Die ganze wir-sidn-alle-gleich-Macke hat schon in früheren Zeiten dazu geführt, dass sie sich selbst ausgehölt haben.
    Literatur gibt es dazu mehr als genügend.
    Jede Gesellschaft verträgt nur ein gewisses Maß an „anderen“. Und diese „anderen“ sollten nicht von dieser Gleichmacherei verübermenschlicht werden. Das tut dem Rest nicht gut – weil sich der um seinen „Anteil“ betrogen fühlt.
    Warum wohl gibt es hier so viele Auswanderer ? Nicht nur, weil die USA besser zahlen und tolle Karrieren (u.a. bei der NSA) versprechen.
    Hier in Deutschland und Europa allgemein ist das Gesellschaftsgefüge arg kaputt ! Gerade durch zuviel aufgezwungene „Toleranz“.

    • Dirk schrieb am

      Bist Du sicher, dass Du auf der Seite der Piratenpartei richtig bist? Ich denke, für das von Dir propagierte Wertebild gibt es andere Parteien, in denen Du sicher mehr Zuspruch – und auch mehr programmatische Abdeckung Deiner Positionen – finden wirst.

  8. Heartworker08 schrieb am

    Sowohl „Toleranz“ als auch „Akzeptanz“ sind vollkommen inhaltslose leere Worte. Es gibt Dinge, die man weder „tolerieren“ noch „akzeptieren“ muss – z.B. wenn jemand anderen (absichtlich, vermeidbar) Schaden zufügt.
    Das trifft aber ganz sicher weder auf so genannte Behinderte noch Homosexuelle zu, deshalb bleibt es tatsächlich unerfindlich, weswegen hier „Toleranz“ gepredigt wird, wo es schlichtweg nichts zu „tolerieren“ oder „akzeptieren“, sondern nur fraglos anzuerkennen und „gleich zu behandeln“ gibt
    Niemand „muss“ also irgendjemanden/-was „tolerieren“ oder „akzeptieren“ – allerdings, wenn nicht, muß es valide, möglichst widerspruchsfrei begründbar, menschen- und grundrechtskonform sein.
    Um dies zu können, muss man allerdings geistig und seelisch offen sein, ein entwickeltes kritisches, insbesondere auch selbstkritisches Bewußtsein entwickelt haben statt auf seinem „So-Sein“ ohne Grund zu „bestehen“.
    Wenn jedoch die zu dieser Entwicklung unabdingbare Auseinandersetzungsfähigkeit als „Missionieren“ und „Bevormundung“ diffamiert wird, statt dass sich gefreut wird, wenn Menschen sich mit einander und mit Themen intensiv befassen, dann haben wir ein Problem, eines der größten momentan in der so genannzen „freien“ Gesellschaft: die Gleichgültigkeit und Beliebigkeit, die im Sonntagsgewand „Toleranz“ genannt wird.

  9. Slash schrieb am

    Ich kann diesen Blogpost überhaupt nicht nachvollziehen. Er fußt auf 2 in’s Absurde verdrehten Definitionen von Akzeptanz und Toleranz, und scheint ohnehin von grundauf etwas gegen die Sprache der Bilder zu haben. ARD ist scheiße, keine Frage, aber an dieser Kampagne finden sich so weit allenfalls in sofern Schwachstellen, als dass hier viele Dinge als kontrovers dargestellt werden, bei denen schon längst objektiv betrachtet gesellschaftlicher Konsens herrscht, dass sie nicht kontrovers sind; auf diese Seite wird den jeweiligen Seiten, die jene Dinge als problematisch betrachten, mehr Gewicht verliehen. Sowas kann man dann auch „gut gemeint, aber kontraproduktiv“ nennen.
    Ganz konkret:
    Flüchtlinge sind objektiv betrachtet ein kontroverses Thema. Aber Homosexualität ? Schon mal diesbezüglich eine Forumsdiskussion verfolgt ? Und Kinder und Behinderte ? Wie aus der Nase herausgezogen ist das denn ?

    • Dirk schrieb am

      Bist Du sicher, dass Du „kontroverse Darstellungen“ wie

      »Und die muslimische Kollegin, die mit Beharrlichkeit den Betrieb in der Kantine lahm legt, weil sie unbedingt wissen muss, ob in dem Essen auch wirklich kein Schweinefett enthalten ist. Kurzum: Es bedarf schon einer gehörigen Portion Toleranz, um den Alltag zu überstehen.«

      tolerieren möchtest?

      • Slash schrieb am

        Ja, okay, sowas nun nicht. Ich geb‘ zu, dass ich oberflächlich kommentiert habe: Grundlage meines Beitrags war nur dieses eine 4-gliedrige Bild; da muss aber bedacht werden, dass dies gleichzeitig auch der wesentliche wahrgenommene Teil der Kampagne ist, er hat also maßgebliches praktisches Gewicht.

  10. Punky260 schrieb am

    Es ist ein bisschen schade das hier gemeint wird der ARD und ihrer wirklich überaus dämlichen Themenwoche(n Werbung) mal zu zeigen was Toleranz und Akzeptanz ist und sich dabei nur mäßig bemüht dies selbst zu erfüllen. Wer mit so einer Vorreiter Rolle vorweg sprinten will, der sollte schon lange nicht mehr den Ausdruck „Schwarzer“ benutzen. Warum den Rassismus nur darstellen anhand eines Menschen mit anderer Hautfarbe? Das wird dem Thema leider nicht gerecht und begibt sich das das gleiche Niveau der ARD-Masche. Wenn ihr euch wirklich direkt auf den Mann auf dem Heft beziehen möchtet, dann benutzt doch viel besser sprachlich modernere Formulierungen wie „Mensch mit dunkler Hautfarbe“ oder viel besser „Person of Colour“; Nicht umsonst haben viele Gruppierungen dieser Menschen dies als ihre Eigenbezeichnung ausgesucht.

    • Hollarius schrieb am

      Sollte ich mit der Wortwahl jemanden gekränkt haben, tut mir das leid. „Schwarzer“ wird von vielen PoC auch genutzt, so weit ich das weiß, und normalerweise, so hatte ich es im Gedächtnis, nicht als diskriminierend empfunden. Sollte das anders sein, so danke ich für die Kritik und nehme sie an. Im eigenen Blog hätte ich PoC/People of Colour geschrieben, was für manche aber nicht verständlich ist. Hier wollte ich allgemeinverständlicher sein, und habe daher das Wort gewählt.

      • Bernd schrieb am

        Das deutsche Wort ist ‚Farbiger‘ bzw. ‚Farbige‘. War schon seit den 70-ern gebräuchlich, um ‚Schwarzer‘, ‚Neger‘ oder noch abwertendere deutsche Worte zu vermeiden. Im Englischen ist ‚coloured‘ aber nicht nur farbig, sondern auch gleichbedeutend mit ‚gefärbt‘, deshalb das etwas umständlichere englische wording ‚People of Colour‘.

  11. soldarischeHete schrieb am

    „Toleranz ist da auch keine Option. Wenn ich zum Beispiel Homosexuelle nur toleriere, dann bedeutet das doch nichts anderes, als dass ich sie trotzdem doof finde, oder eklig oder widernatürlich, ja, insgeheim vielleicht sogar begrüße, wenn sie diskriminiert werden, oder ihnen Schlimmeres widerfährt.“

    Falsch. Toleranz ist eine Option und zwar eine valide und wichtige. Natürlich kann (und darf!) ich es eklig finden, wenn sich zwei Menschen egal welchen Geschlechts auf offener Straße die Zunge in den Mund stecken. Genauso wie ich das auch toll finden darf.

    Wer hier – wie Du – mir nun Akzeptanz vorschreiben möchte ist dabei ziemlich bigott, er ist nämlich im höchsten Maße intolerant und damit im Widerspruch zu den eigenen ach so hochgepriesenen Werten.

    Ich finde es zum Beispiel ausgesprochen ekelerregend, wenn sich zwei Männer küssen. Allein der Gedanke daran erweckt Übelkeit in mir. Aber wenn ihnen das Spaß macht – bitte, sollen sie doch. Das ist Toleranz. Ich setze mich auch gegen Diskriminierung dieser Menschen ein. Homophobes Pack, das diesen Menschen verbieten will, so zu sein, wie sie sind verabscheue ich. Außerdem ist es eines Rechtsstaats nicht würdig, daß nach §175 StGB verurteilte bis heute nicht rehabilitiert wurden.

    Aber dass hier Akzeptanz erzwungen werden soll, das hat mit „piratigen“ Werten genau gar nichts zu tun.

  12. Vortextrophe schrieb am

    „Toleranz hilft nur den Rücksichtslosen“. Eines der wenigen Zitate, die ich neben den Texten von Jean-Paul Sartre noch aus dem Philosophieunterricht kenne. Ich weiß nicht mehr, von wem es stammt, das ist aber ja auch egal, da es um den Satz als solches geht. Ich sollte damals ein Essay darüber verfassen. Zunächst war ich von diesem Satz förmlich angewidert, es machte mich richtig sauer, dass ein Mensch sich für Intoleranz einsetzt. Für mich war Toleranz etwas wichtiges, etwas großes, etwas, was nur die guten haben, und nicht die bösen. Man sollte jedem Toleranz beibringen, es im Philosophie-, Ethik-, oder Religionsunterricht lehren. Denn ein toleranter Mensch ist ein guter Mensch. Das stand für mich fest.
    Natürlich fragte ich mich, wo ich Toleranz überhaupt finde: Da gibt es die Politik, da sind Hautfarbe, Sexualität und Religion. Ich toleriere, dass jemand meine selbstgebackenen Kekse nicht isst, da er Veganer ist. Vielleicht ist es mir aber auch einfach nur egal, denn dann bleibt schließlich mehr für mich. Doch dann die wesentlich interessantere Frage: Was toleriere ich selbst nicht?
    Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nicht ein Wort geschrieben. Und das blieb auch so, denn jetzt war ich nur noch mit meinen Gedanken beschäftigt. In meinem Kopf ging ich alles durch: Homosexualität: Ja. Hautfarbe: Ja. Kopftuch: Meinetwegen. Burka: Nein. Beschneidung: Niemals. Was ist mit Terrorismus und Verletzungen der Menschenrechte? Muss ich alles tolerieren? Gibt es eine Grenze? Wenn ja, wo liegt sie? Kann es überhaupt eine Grenze geben bei so komplett unterschiedlichen Dingen? Ich stellte fest, dass mir meine Auffassung von Toleranz mir nicht mehr gefiel. Bleiben wir beim Beispiel Beschneidung, denn dort Treffen zwei unvereinbare Dinge aufeinander. Dort gibt es nur Ja oder Nein. Muss ich tolerieren, dass in dem Land, in dem ich politisch mitentscheiden darf, das Recht auf körperliche Unversehrtheit einiger Kinder verletzt wird, nur weil ein BUCH das so will? Wobei man ja unterscheiden muss zwischen dem, was im Koran steht und dem, was die Tora vorschreibt. Religion – ein schwieriges Thema. Ich schweifte ab, wie so oft.
    Etwas realer ist unser Umgang mit Umwelt und Ressourcen. Muss ich Fracking tolerieren? Oder die Emission von Treibhausgasen? Was ist mit Atomkraft? Muss ich es einfach so hinnehmen, dass über 50% der Amerikaner nicht an die Klimaerwärmung glauben? Ist Umweltschutz am Ende eine Glaubensfrage, oder, etwas zynisch gesagt, der „Konservative Ammi“ gar eine Religion? Muss ich so etwas tolerieren? Darf ich es tolerieren? Alles in mir schrie: „Nein, du musst für deine Ideale einstehen! Du darfst das nicht tolerieren. Denn es zu tolerieren, heißt es zu ignorieren!“
    In mir tobten die Gefühle. „Ich bin garnicht so tolerant, wie ich dachte“, murmelte ich leise. Meine Lehrerin stand plötzlich vor mir und fragte mich, warum ich noch nichts geschrieben habe. Die Stunde sei gleich vorbei, ich müsse abgeben.
    Ich nahm meinen Stift und schrieb auf mein Papier: „Stimmt.“ Dann packte ich meine Sachen und ging in die Pause.

    Lieber Holger (ich darf Dich doch duzen?),
    ich fand Deinen Beitrag sehr angenehm zu lesen. Die Kommentare hier gehen ja von Zustimmung bis Unverständnis. Gerade die Differenzierung zwischen Toleranz uns Akzeptanz finde ich sehr gut. Es trifft einfach das Problem auf den Kopf. Mir persönlich ist es aber ein Anliegen hinzuzufügen, dass in dieser Gesellschaft keine Akzeptanz möglich ist, solange in den Medien immer wieder darüber berichtet wird, dass man „Andersartige“ tolerieren bzw. akzeptieren muss. Wir müssen unseren Kindern nicht vermitteln, wie man andere Menschen aushält. Sondern ganz selbstverständlich davon ausgehen, dass Geschlecht, Hautfarbe und Sexualität absolut keine Rolle spielen. Einem Kind muss man nicht sagen, dass alle Menschen grundsätzlich gleich sind und sich höchstens durch ihre Ansichten unterscheiden. Durch die ständige Thematisierung, welche Formen des „Anders“-Seins zu akzeptieren sind, wird trotzdem suggeriert, dass es anders IST. Und dieses Gefühl, nicht der Norm zu entsprechen, das ist der springende Punkt und stellt für viele eine große Belastung dar.
    Michael Schmidt-Salomon sagte in einer Debatte um die Beschneidung: „Wer alles durchgehen lässt, ist nicht ganz dicht.“ Dem kann ich mich nur anschließen. Ich stehe für ein humanistisches Weltbild, indem kein Platz für Hass, Rassismus und Diskriminierung ist. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass ich Intoleranz akzeptieren oder tolerieren muss, wenn meine Werte und Überzeugungen verletzt werden. Ganz im Gegenteil, es ist meine Pflicht, mich für diese einzusetzen, und gegen die letzten Relikte einer unaufgeklärten Gesellschaft vorzugehen.
    Also nochmal Danke für den Beitrag und nette Grüße :)

    • Petschko schrieb am

      danke super Beitrag, da hätte ich mir meinen glat sparen können, war nur wenig verärgert über das angesprochene

      Dein Beitrag fasst das super zusammen!!!

  13. Petschko schrieb am

    Sicher ist jeder Mensch gleich. Jedoch wenn dieser Mensch etwas macht, was ich nicht gut finde oder sogar grauenhaft (bspw. Geschlechtsumwandlung). Dann ist das Meine Meinung, ich akzeptiere das zwar, dass die das unbedingt wollen, ist ja deren Sache. Jedoch werde ich das nicht aus zwang toll finden, meine Meinung bleibt meine Meinung oO Akzeptanz ist doch vollkommen okay, ich mach sie nicht runter deswegen oder kommentiere das, sondern lass die ihr leben Leben und ich meins. Was ist also das Problem, weil nicht alle Menschen komplett „Politisch korrekt“ im Kopf sind und noch ne eigene Meinung haben? – Solange all diese Menschen wie Homosexuele & Geschlechtsumgewandelte mich in ruhe lassen, lass ich sie in ruhe. Genauso akzeptiere ich Christen, solange die mich mit der Bibel nicht vollabern ist alles okay, nerven die mich damit werd ich grantig und erzähle ihnen meine version des „glaubens“ oO

    Meine Definition von Toleranz:
    Akzeptiere alle Menschen, egal ob ich deren Lebensweisheit gut finde oder nicht, solange sie mich damit in ruhe lassen. Ich würde das auch nie begrüßen wie du in deinen Beitrag geschrieben hattest, das zb Homosexuele diskriminiert werden, den wozu, sie haben nichts schlimmes gemacht. Erst wenn jemand, jemand anderen Pysisch oder Seelisch weh tut, darf diese Person diskriminiert werden, den genau vorsolchen personen die andere net einfach in ruhe lassen hab ich keine toleranz!

  14. Manfred Steffan schrieb am

    Meine Meinung: Der Staat(!) soll die Menschen nehmen, wie sie sind, nicht nur im Hinblick auf Hautfarbe, sexuelle Orientierung etc., sondern auch im Hinblick auf Meinungen, Wertvorstellungen und Glaubensüberzeugungen. Er soll lediglich dafür Sorge tragen, dass es wegen dieser Unterschiedlichkeit nicht zu Übergriffen und Benachteiligungen kommt. Dieses Ethos (und nur dieses Ethos und keine angeblich richtigen Weltbilder!) soll er auch von seinen Bürgern einfordern und diesen vermitteln, z.B. im Schulunterricht. Das Ringen um die richtige Weltdeutung ist Sache der Zivilgesellschaft und nicht des Staates. Und ich wünsche mir eine Partei, die genau diese Staatsauffassung trägt und fördert.

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