Mauerfall – Eine ganz persönliche Sicht

(CC-BY-SA 3.0) Doris Antony

Von Dr. Michael Berndt.

Wenige Tage vor dem Mauerbau ging mein Vater mit meiner Mutter und mir von Ost- nach Westberlin. Meine Großeltern mütterlicherseits blieben im Ostteil Berlins: »So schlimm wird es schon nicht werden!« Es wurde viel schlimmer. Ich habe keine Erinnerung an meine Großeltern, habe sie nie wieder gesehen.

Immer noch ein großer Dank an die zehntausende mutigen DDR-Bürger, die etwas Unfassbares schafften! Auch ich konnte kaum glauben, was am 09. November 1989 geschah, saß stundenlang vor dem Fernseher. Was für ein Glücksgefühl, als ich wenige Tage nach dem Mauerfall mit dem PKW von Kiel nach Bad Oldesloe fuhr und mir Trabbis und Wartburgs entgegen kamen und wir uns mit der Lichthupe begrüßten. Ich habe nie wieder so oft die Lichthupe bedient.

Erst haben wir Ihnen gebrauchte Autos zu überteuerten Preisen verkauft und dann haben wir ihnen Versicherungen angedreht, die sie nicht brauchten. Und wenn heute viele ehemalige DDR-Bürger nach 25 Jahren denken und sagen, in der damaligen DDR war es besser, dann muss das die politischen Akteure in Deutschland zu tiefst beschämen! Denn diese Bürger sagen nicht, dass es in der DDR gut war. Sie sagen es war besser.

Vor wenigen Wochen war ich einige Tage in einer brandenburgischen Kleinstadt und habe für Unterschriften für die Zulassung der Piratenpartei zur Landtagswahl geworben. Es gab viele und teilweise lange Gespräche mit Bürgern. Noch nie habe ich sowohl Bitterkeit über Politiker und ein politisches System erfahren wie dort. Und die Wahlbeteiligung ist nur noch 50%.

Ja, es gibt in den neuen Bundesländern neue Autobahnen und Städte, Dörfer die ausbluten. Und 800.000 Armutsrentner, sehr viele dort. Was für ein Skandal, in einer Gesellschaft, die Jahr für Jahr reicher wird und private Vermögen von mehr als 11 Billionen € besitzt!

Aber wie sollen die Bürger denn zufriedener werden können in einem politischen System, das mit den Lobbyisten internationaler Industriekonzerne redet, nicht aber mit den eigenen Bürgern?

Was soll, was muss passieren? Politik muss endlich von Bürgern für Bürger gemacht werden – eben genau das, was wir Piraten wollen.

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Kommentare

2 Kommentare zu Mauerfall – Eine ganz persönliche Sicht

  1. zarathustra schrieb am

    moin

    informativ das buch „abbau ost“,
    (der autor ist allerdings pds-ler und äussert unhaltbare behauptungen; trotz alledem hat er lesenswerte infos zu bieten).

    fazit:
    die nächste wiedervereinigung kriegen wir besser hin!

    na logo wurden die zonies von raffgiergen wessis über den tisch gezogen.
    unbestreitbar.

    zu gummimarkzeiten (es galt noch die ddr-mark)konnte ich es mir leisten, rostock, leipzik, dresden und halle zu besuchen.
    gerne würde ich wieder rübermachen, schon aus neugier, was sich seit damals tat, doch kann ich es mir nicht leisten.

    die these, die wessis wären allein schuld, ist falsch.
    es gab eine naivität, die ich nicht erwartet hätte.

    so stand ich zb in der schlange im supermarkt und hatte als einziger ostprodukte im arm – als ich die anderen aufforderte „es geht um eure arbeitsplätze“ bekam ich von jedem widerspruch.

    den gipfel der blödheit erreichte jener, der zu mir sagte: „wir kennen den kapitalismus, wir haben schliesslich westfernsehen!“

    den moralischen tiefpunkt …
    also das war so:
    ich ging in eine übernachtungsbude der kirche und der leiter erklärte mir, dass ich in west-mark zu zahlen hätte, im kurs von 1:1.
    „Ihr wessies seid doch alle reich“
    so die begründung.

    in erinnerung sind mir die plakate der cdu zur ersten und letzten freien wahl in der ddr präsent.
    3 aussagen, 2 standen drauf:

    „wir sind ein volk“
    „wohlstand für alle“

    das letzte blieb den wählern überlassen.

    wählen wir am sonntag cdu, sind wir beim aufwachen am montag reich.
    (mir hat damlas einer, der bestimmt kein sachse ist, erklärt, dass jeder ddr-ler 250.000 DM als „revolutionsprämie“ ausgezahlt bekommen müsste = ne 4-köpf familie kriegt ne millionen….macht bei 16 million ddr mal 2,5….

    „die wessies sind alle reich“

    die sog „wiedervereinigung“ lief nach dem motto ab:
    hauptsache cdu gewählt.

    es wurden teils aus zwang, aber auch bewusst fehler gemacht.

    letztere damit bimbes kanzler bleibt.
    (seperat ausgezählt, hätte der westen den bimbes abgewählt)

    über den tisch gezogen?

    weit mehr ddr-ler demonstrierten für die d-mark als zonies für die freiheit.

    es mag manchen aufstossen, dass ich die menschen, deren heimat zwischen oder und elbe liegt, als zonies bezeichne.
    sie habe eine eigene sozialition.
    sie sind ein eigenes volk.
    dem sog „einigungsvertrag“ widerspreche ich.
    nach dem hat die brd die rechtsnachfolge des III.reiches zwischen oder und elbe übernommen.
    die rechtsfolge für das nazi-regime hat die brd eh schon vorher übernommen.
    dass so getan wird, als hätte es die ddr, ihre menschen und ihre sozialition nie gegeben, ist ne sauerei.

    was mich aber am meisten ärgert, sind die, die nicht dabei waren, sich aber mit den federn schmücken.

    nicht nur in leipzwick haben menschen ihr leben ihre freiheit und überhaupt alles riskiert.
    das waren aber die zonies.
    die wessis sassen währendessen auf dem sofa.

    mut, anstand, ehre – dass waren die zonies!

    also sprach
    zarathustra

  2. Sabrina Schwanczar schrieb am

    Schaut Euch doch nur mal an, wie die Bundesrepublik mit Rentnern umgeht. Obwohl das Bruttosozialprodukt Jahr für Jahr steigt, werden die Rentner enteignet. Dabei werden sogar seit 1996 (beginnend mit der Streichung der Leistungen für die Leistung erfolgreicher Abschluss einer Hochschule) bereits erworbene Rentenansprüche unter Verletzung des Rückwirkungsverbots den Leuten einfach weggenommen.

    Um die privaten Versicherungen nicht aus Steuermitteln zu subventionieren, kürzt man den Rentnern einfach die Rente um 4% und verschiebt das Geld als angeblichen Altersvorsorgeanteil zum Aufbau einer Riesterrente auf die Konten der privaten Versicherungen – unabhängig davon, ob überhaupt Riesterrentenverträge abgeschlossen werden.

    Das Geld bekommen alle Rentner von Ihrer Rente enteignet (GG Art. 14), auch die Altersrentner, obwohl diese gar nicht riesterrentenförderungsfähig sind.

    Das neueste Schurkenstück ist, dass man eine Rentenkürzung erreicht hat, indem man die Einkommen von Leuten in Behindertenwerkstätten in die Rentenberechnung einbezog – wie in den letzten Tagen über die Staatsmedien zu erfahren war.

    Jetzt ist es sicher nicht mehr weit, bis die Einkommen von Hausfrauen bei der Rentenberechnung mit herangezogen werden. Womöglich wird man auch unter Argumentation, dass die BRD global aufgestellt sein müsse, die Einkommensverhältnisse der Beschäftigten und Arbeitslosen von Haiti in die Ermittlung der Höhe der Renten in Deutschland mit einfließen lassen.

    So etwas hätte es in der DDR nie gegeben.

    Oder dass Versicherungen in Arzthaftungssachen oder nach Autounfällen es grundsätzlich auf ein Gerichtsverfahren ankommen lassen, vor dem Anwaltszwang, Beibringungsgrundsatz, Rechtskenntniserfordernis wie bei einer illegalen Spielbank und Tragungspflicht für den gegnerischen Anwalt herrscht – und somit man vor die Situation gestellt ist, für seinen Schaden nicht entschädigt zu werden oder am Ende des Verfahrens hoch verschuldet zu sein.

    Auch das hätte es in der DDR nie gegeben.

    Oder dass der Arzt ein Unternehmer ist, der den Patienten möglichst krank behandelt, zum Beispiel in der Psychiatrie mittels Wochenlanger Fisierung (Gefahr von Kreislaufkollaps), Neuroleptika und Elektroschocks, in der Orthopädie mit unnötigen Rückenoperationen oder in der Zahnmedizin mit wissenschaftlich nicht begründeten Zahnbehandlungen (Das sind fast alle mit Ausnahme des Entfernens von Karies damit der Zahn nicht abstirbt).

    Auch das gab es in der DDR nicht.

    Dass man versucht, Arztbesuche zu vermeiden, weil man als Rentner die Fahrtkosten irgendwann nicht mehr aufbringen kann (in Berlin 5 € für Hin- und Rückfahrt) – in der DDR undenkbar – dort kostete die 6er ÖPNV-Fahrkarte 1 Mark – in Worten: eine Mark der DDR.

    Oder dass die Leute permanent mit unberechtigten über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegenden Mietforderungen überzogen werden, wobei man ganz genau weiß, ein bestimmter Prozentsatz solcher unberechtigter Mieterhöhungen geht durch, weil die Leute die Kraft für Streitereien mit dem Vermieter nicht haben. Die Folge ist, dass die ortsüblichen Vergleichs-Mieten dadurch künstlich in die Höhe getrieben werden und letztlich alle mehr zahlen müssen.

    Das hätte es in der DDR nie gegeben.

    Oder dass Leute in die Obdachlosigkeit geschickt werden und auf der Straße erfrieren – unter anderem weil zum Beispiel in Berlin die Bezirke eben nicht die gesetzlich vorgeschriebene ausreichende Zahl von Unterkünften für Notfälle bereit halten.

    Das hätte es in der DDR nicht gegeben.

    Das Drogenkriminalität boomt – das hätte es in der DDR nicht gegeben.

    Hohe Kriminalität, insbesondere organisierte Kriminalität – das hätte es in der DDR deshalb nicht gegeben, weil sich Kriminalität nur lohnt, wo viel zu holen ist – also bei großen sozialen Unterschieden.

    Oder die Etablierung sozialer Schichten und somit unterschiedlichem Zugang zu Bildung.

    Eine Justiz, bei der die Erfolgsaussicht von den Mitteln der Bezahlung des Anwalts abhängt – ich nenne Beispielhaft den Kachelmann-Prozess – das hätte es in der DDR nicht gegeben, weil die sozialen Unterschiede nicht so stark waren – UND – dort Recht im Unterschied zur BRD kein Versorgungsinstitut für Juristen, kein Geschäftsmodell war.

    Man hat am letzten Wochenende wieder den Eindruck bekommen, dass die DDR von den dieses Land Regierenden gebraucht wird – mehr denn je.
    Denn – solange man über die DDR spricht, spricht man nicht über die Dinge, die hier in der BRD endlich in Ordnung zu bringen sind. Will man diese Missstände überhaupt in Ordnung bringen ?

    Oder das unter dem Label NSU hier ausländische Mitbürger über 10 Jahre lang ermordet werden…
    Oder Oury Jalloh, der in einer Dessauer Polizeizelle verbrannt ist.

    Nein – ich will diese DDR ohne Parteienwahlen ohne Pressefreiheit mit ihrer gescheiterten Staatswirtschaft und ihren Notstandsgesetzen http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Notstandsgesetze nicht wieder haben.

    Ich möchte jedoch, dass hier in der BRD die Probleme endlich angegangen werden und Politik im Interesse des Landes und seiner Bürger gemacht wird, statt im Sinne eines „die Verluste vergesellschaften und die Gewinne privatisieren“ das Land auszuplündern.

    Und die derzeit Regierenden vermitteln den Eindruck, dass denen genau das am Arsch vorbei geht. Die versuchen jede Maßnahme so zu gestalten, dass die Reichen reicher und die Armen ärmer werden. Das und nichts anderes scheint zentraler Inhalt von deren Politik zu sein.

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