Nazis, Hooligans und ein überforderter Innenminister – #nohogesa

HogeSa, Köln | Bild: @saendralein

Ein Beitrag der Piratenfraktion NRW.

Am Sonntag sind mehr als 4000 Hooligans und deren Sympathisanten, viele davon dem Neonazi-Umfeld zuzuordnen, durch Köln marschiert. Die offizielle Bezeichnung der Gruppe, „Hooligans gegen Salafisten“ scheint nicht mehr als ein Deckmantel zu sein, um Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewaltphantasien zu kaschieren.

Das Skandieren neo-nazistischer Parolen und ein Auftritt der Naziband ‚Kategorie C‘ sprechen eine deutliche Sprache.

Den Medien ist zu entnehmen, dass Innenminister Jäger die Polizeistrategie als gelungen verteidigt. 44 verletzte Polizisten, Sachbeschädigungen, 17 Festnahmen, grölende Nazis in der größten Stadt in NRW. Aber gelungen? An dieser Stelle muss man sich zwangsläufig fragen, in welcher Welt Herr Jäger lebt.

Seit mehreren Jahren sind sogenannte Alt-Hools wieder vermehrt aktiv, sei es in Essen, in Dortmund oder in Düsseldorf. In Aachen und Braunschweig wurden antifaschistische Ultras gewaltsam aus den Fankurven vertrieben. Die fehlende Differenzierung zwischen Ultras, Hooligans und „normalen“ Fans, eine vollkommen nutzlose Datei „Gewalttäter Sport“ und eine Repressionspolitik von Seiten der Verantwortlichen fällt eben diesen jetzt auf die Füße.

Wie man ernsthaft davon überrascht sein kann, dass Hooligans gewalttätig sind, ist nicht nachvollziehbar. Seit den frühen 80er Jahren geht es in der Hooliganszene um Gewalt. Die Durchmischung der Hooliganszene mit Rechtsradikalen in NRW sollte selbst dem Innenminister aufgefallen sein. Die Vorfälle nach der Kommunalwahl in Dortmund, die Geschehnisse um den NWDO, sowie unzählige Polizeiberichte haben anscheinend nicht gereicht.

Man kann natürlich versuchen zu sagen, dass es eine „Hooligan-Demo“ war. Aber damit wird man den Tatsachen nicht gerecht. Seit dem Auftauchen der „GnuHonnters“ und dem Einzug der Partei „Die Rechte“ dürfte den meisten Fußballfans und Beobachtern klar sein, dass die wieder erstarkte Hooliganszene von Nazis durchsetzt ist.

Anstatt zeitnah zu handeln, wurden weiter Vorurteile über Randalierer bemüht, Ultras und Hooligans über einen Kamm geschoren und das Anwachsen einer neuen Szene mit menschenverachtender Ideologie komplett ignoriert. Es wurden oft genau den Gruppen Steine in den Weg gelegt, die als einzigen den rechten Umtrieben Widerstand entgegen gebracht haben. Ob aus Unwissenheit oder Dummheit ist da nur noch am Rande von Belang.

Zum ersten Mal seit langer Zeit ist eine derart große Gruppe Rechtsradikaler skandierend und randalierend durch eine Großstadt in NRW gelaufen. Die Polizei war offenkundig nicht in der Lage, ihrem Treiben Einhalt zu gebieten. Journalisten, Passanten und friedliche Gegendemonstranten wurden angegriffen.

Dazu Daniel Düngel, Landtagsabgeordneter der PIRATEN in NRW, der Sonntag in Köln vor Ort war:

„Es ist blanker Hohn, dass der Innenminister davon spricht, dass das Polizeikonzept aufgegangen sei. Es ist zu schweren Ausschreitungen gekommen und die Polizeikräfte mussten neben Schlagstöcken und Pfefferspray auch Wasserwerfer einsetzen. Menschenjagd auf Polizisten, Anwohner und Passanten darf in Nordrhein-Westfalen nicht zum Polizeikonzept gehören. Das kann nie Ziel eines gelungenen Polizeikonzepts sein. Zudem wurde versäumt, bereits die Anreise der Nazis zu begleiten. So hätte auch früh erkannt werden können, dass es zu deutlich mehr als den erwarteten Besuchern kommen wird. Die erwartete Besucherzahl von etwa 1500 war bereits 90 Minuten vor Beginn der Demo in Köln vor Ort.“

Spätestens jetzt muss der Innenminister handeln und sich mit den Beteiligten an einen Tisch setzen, das schließt Fans und DFB/DFL mit ein. Ebenso muss die Fanarbeit stärker gewürdigt werden, um ein weiteres Anwachsen der Szene zu verhindern. Die Menschen, die am Sonntag in Köln ihre Menschenfeindlichkeit demonstriert haben, werden das auch in Zukunft nicht auf einen Fußballplatz beschränken. Sie sind über die ganze Gesellschaft verteilt und, wenn man Kommentare in Zeitungen liest, auch teilweise akzeptiert.

An dieser Stelle muss die Frage im Mittelpunkt stehen, wie die Gesellschaft und die Politik mit diesen Problemen umgehen. Es gibt nichts mehr schön zu reden. Nazis sind Nazis und in den meisten Fällen bleiben sie es. Wir müssen uns jetzt darum bemühen, sie an dem zu hindern was sie tun, nämlich ihr menschenverachtendes Gedankengut zu verbreiten und Menschen anzugreifen.

Die Piratenfraktion in NRW wird nächste Woche einen Antrag in den Landtag einbringen, der die Landeregierung auffordert, einen runden Tisch mit Akteuren aus Fanszene, DFB, DFL, Polizei und Politik zu initiieren.

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Kommentare

2 Kommentare zu Nazis, Hooligans und ein überforderter Innenminister – #nohogesa

  1. Ralf Badera schrieb am

    Was soll Fanarbeit bringen? Hooligans nutzen Fussballveranstaltungen doch lediglich als Plattform bzw. Vorwand.
    Allerdings musste ich auch lachen, als Herr Jäger von einem gelungenen bzw. aufgegangenen Konzept sprach. Darunter verstehe ich etwas anderes.

  2. Reiner Hohn schrieb am

    Fanarbeit? Welche Fans? Du meinst sicher [Lieber Reiner, hier musste ich nun zum wiederholten Mal unflätige Sprüche entfernen. Bitte beachte: Dies ist die Bundeswebseite der Piratenpartei, keine Pinnwand für Dein schlechtes Benehmen. Danke. /Maschinenraum]

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