Tschechien wählt anders

Bild (CC-BY-SA): Pirátská strana

Nachdem die Ergebnisse der Kommunalwahlen in der Tschechischen Republik vorliegen wird klar, dass die tschechische Piratenpartei (Česká pirátská strana) einen großen Erfolg bei diesen Wahlen erzielt hat. Insgesamt konnten 21 Piraten Mandate erringen, weitere Piraten zogen über Koalitionslisten in die Kommunalparlamente ein. In der tschechischen Hauptstadt Prag erzielten die Piraten 5,3% der Stimmen und stellen damit vier Abgeordnete.

»Wir werden keine Koalition eingehen, sondern unsere Wahlversprechen auch nach der Wahl erfüllen. Piraten werden nicht einfach nur im Prager Stadtrat sitzen; unser Ziel ist es, den Rat zu kontrollieren und konstruktive Oppositionsarbeit zu machen«,

sagt der frischgewählte Prager Abgeordnete, Jakub Michálek.

Jakub Michálek, Abgeordneter der Česká pirátská strana in Prag (Bild: CC-BY-SA  Pirátská strana).

Jakub Michálek, Abgeordneter der Česká pirátská strana in Prag (Bild: CC-BY-SA Pirátská strana).

Zusammen mit der Bewegung „Žít Brno“ werden die Piraten mit zwei Abgeordneten auch im Regionalparlament von Brno vertreten sein. Der größte Erfolg ist zweifellos in Marienbad (Mariánské Lázně) zu verzeichnen, wo die Piraten 21,01% der Stimmen gewannen und nun fünf Ratsmitglieder stellen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der nächste Bürgermeister der Stadt ein Pirat sein wird. Für die Piraten in Majetín gab es 11,15% und einen Sitz, in Prostějov gewann die Partei mit 10,44% ebenfalls ein Mandat.

»Wir sind unseren Unterstützern und Wählern sehr dankbar. Wir haben eine weitere Schlacht gewonnen und sind bereit, in die nächste zu ziehen. Solch großartige Ergebnisse motivieren uns, auch wenn damit eine große Verantwortung verbunden ist. Wir werden fortfahren, piratige Politik zu machen, welche die Bedürfnisse der Menschen im Blick hat, die mit der momentanen Politik unzufrieden sind. Wir glauben, dass wir in der Kommunalpolitik neue Ideen und moderne Trends umsetzen können, um so Politik und Entscheidungen näher zu den Menschen zu bringen,«

erklärt der Vorsitzende der tschechischen Piratenpartei, Lukáš Černohorský.

Auch Martin Punkie Šmída, Vorsitzender im Bezirk Olomouc, zeigte sich auf Anfrage der „Pirate Times“ am späten Samstagabend von den Ergebnissen begeistert:

»Die Ergebnisse sind überwältigend. Wir haben einige Mandate erwartet, unsere Erwartungen sind aber vom Sieg in Marienbad übertroffen worden. Jetzt hoffen wir auch auf Vertreter in unserer Hauptstadt Prag. Das ist nicht nur ein großer Erfolg für die tschechischen Piraten, sondern auch für die internationale Gemeinschaft der Piraten.«

Die Piraten haben jetzt vier Jahre Zeit, um sich mit ihrer Politik zu beweisen. Die tschechische Piratenpartei hat ihren Fokus auf Transparenz, Korruptionsbekämpfung bei den öffentlichen Finanzen, die Registrierung von Lobbyisten und transparente Kommunalfinanzen gelegt.

Die stellvertretende Vorsitzende der Internationalen Piratenpartei, Maša Čorak, sagte:

»Ich bin überglücklich, dass die ersten Ergebnisse so positiv sind. Ich bin ganz ehrlich und sage, dass die Piratenbewegung dringend einen Sieg brauchte. Wir brauchen diesen Optimismus zurück, den wir nach den Wahlen in Deutschland und Schweden und auch den letzten Europawahlen verloren haben. Da ich aufmerksam die Arbeit der tschechischen Piratenpartei verfolge, habe ich keinen Zweifel daran, dass jeder einzelne tschechische Pirat, der ein Mandat errungen hat, einen enormen Beitrag dazu leisten wird, unsere Kenrziele und Ideen zu fördern und sie wieder in die Öffentlichkeit zu bringen. Das ist, trotz allem, das Schöne an unserer Bewegung: ein Erfolg in einem Land bedeutet auch einen großen Schritt vorwärts für ganz Europa.«

Die Piratenpartei Deutschland gratuliert ganz herzlich zu diesem Erfolg!

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Kommentare

9 Kommentare zu Tschechien wählt anders

    • Dirk schrieb am

      Es ist eine alte und liebgewordene Sitte, dass sich Organisationen innerhalb derselben Bewegung in kritischen Situationen zur Seite stehen, sich etwa gegenseitig im Wahlkampf unterstützen, und sich bei Misserfolgen Mut machen und bei Erfolgen auch mal auf die Schulter klopfen. Angesichts des guten und in Marienbad sogar außergewöhnlichen Ergebnisses besteht zu letzterem mehr als Anlass. Ich diesem Sinne: Auch meine Glückwünsche an die Česká pirátská strana – habt ihr gut gemacht :)

      Schade, dass ich Dir das nochmal gesondert erklären muss.

  1. Linux Nerd schrieb am

    Wenn die Deutschen Piraten mehr auf Seriösität geachtet hätten dann hätte das auch hierzulande geklappt. Also ernsthafte Themen statt Zeitreisen und Weltraumaufzügen und zudem keine Narzistischen Selbstdarsteller und Linksextremisten mit ihrem Bombenshit und Dauerstreit dann hätte das auch in DE geklappt.

    • Marek schrieb am

      Die Antifa ist ja jetzt weg, es kann mit seriösen Themen wie Digitale Bürgerrechte, Männerrechte und Internet wieder besser werden

  2. Thomas Ganskow schrieb am

    Glückwunsch den tschechischen Piraten. Hoffe, ihnen steigt der Erfolg nicht auch so zu Kopf, wie so manchem Piraten, der in deutsche Parlamente eingezogen ist.

    Keine Koalitionen eingehen zu wollen, finde ich genau richtig. Wenn Piraten nach allen Seiten offen und für gute Ideen egal von welcher Seite zugänglich sein wollen, bleibt keine andere Möglichkeit.

  3. Bernd schrieb am

    Die Spannung wächst. Piraten in Tschechien haben mit genau den selben Themen genau den selber Erfolg erzielt wie die deutschen Piraten 2011/12. Selbst der Spitzenkandidat in Prag sieht ungefähr genau so aus wie der damalige Spitzenkandidat in Berlin.

    Negativer impact aus Deutschland blieb aus, zu unterschiedlich die Sprache, und es steht zu vermuten, dass die meisten tschechischen Wähler gar nicht wissen, was mit den Piraten in Deutschland derzeit los ist. Woher auch?

    Es gehört nicht besonders viel Fantasie dazu, sich auszumalen, dass diese Piraten jetzt auch genau vor den selben Problemen stehen werden wie die Piraten hierzulande 2012. Neu in den Parlamenten, keine Ahnung und keinen Plan, hochfliegende Ziele, aber null Erfahrung wie man dies umsetzt. Eine steile Lernkurve ist angesagt, und hohe Frustrationstoleranz sowie kommunikative Fähigkeiten.

    Spannend, wie es weitergeht.

    Wird es gelingen, sich nicht überheblich besoffen zu reden am Erfolg (bis 21%, das ist ja noch mehr Hype als es hierzulande je gab), und im nachfolgenden, mit Sicherheit kommenden Abschwung sich nicht genau so zu zerlegen wie es hierzulande gerade geschieht?

    Man würde es ihnen wünschen. Aber je ähnlicher die Strukturen denen der anderen Piratenparteien ähneln, je sicherer ist, dass genau das geschehen wird. In 2-3 Jahren sind wir schlauer. Und sollten, falls es wider Erwarten NICHT abwärts geht in Tschechien, ganz genau hinsehen, was die ‚richtiger‘ gemacht haben als Piraten hierzulande. Daraus könnte man vielleicht sogar beim Nachbarn was lernen.

    Wenn ich eine Hoffnung hätte, wäre es die, dass Piraten in Tschechien weder Twitter noch facebook verwenden, und auch keine unmoderierten Mailinglisten oder Liquid Feedback. Dieser Frustrationsmaschinen und Brandbeschleuniger für jegliche negativen Prozesse sind das Gift, dass neben „jeder macht, was er für richtig hält“ und „mit Tools lassen sich alle kommunikativen Probleme lösen“-Dogma für rasche Zersetzung im Abschwung sorgen.

    Vielleicht lernen Piraten in Tschechien auch etwas aus den Fehlern ihrer Kollegen in D, A und CH oder in Schweden. Besonders wahrscheinlich ist das allerdings nicht, und das nicht nur wegen wegen der Sprachbarriere.

  4. zarathustra schrieb am

    moin

    congratulation

    freut mich

    zara

    (ps: die tschechei ist europäische union, doch wissen die tschechen ohne oberlehrenhaften kommentare selbst, was für sie am besten ist.
    rat und kritik sind möglich und erlaubt – doch oberlehrerhaftes getue ist fehl am platz.)

    @ bernd: lernen muss jeder selbst für sich – „lieber ne gute idee woanders klauen, als selbst eine dumme zu haben“ *lg*

  5. Arno Nuehm schrieb am

    In Deutschland war es damals die Abgordnetenhauswahl Berlin.
    Und das ist jetzt das tschechische Strohfeuer.
    Sobald die positiven PR-Aktionen der MSM wegfallen, ist auch in der Tschechei Schicht im Schacht.

    Ehrlich gesagt hab ich damals die Piraten nur gewählt, weil man mich wegen illegalen Downloads abgemahnt hat. Aus Rache sozusagen.

    Heutzutage wähl ich AfD.

    • Dirk schrieb am

      Beides Entscheidungen, die wahre Weisheit und bewusstes politisches Handeln würdig zum Ausdruck bringen. Alleine die Verwendung des Terminus „Tschechei“ zeigt ja auch schon, dass das völlig ok geht.

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