Digitale Selbstverteidigung: Anonymisierung im Internet bald für jedermann einfach möglich

(CC-BY) Tor Project

Hier stand bis vor kurzem ein Aufruf der Piratenpartei, das anonabox-Projekt bei seiner Crowdfunding-Aktion zu unterstützen. Inzwischen sind Fragen bezüglich der Herkunft der verbauten Komponenten und – damit verbunden – der Seriosität des Projekts aufgekommen. Die Redaktion hat sich daher entschlossen, den Text vorläufig vom Netz zu nehmen.

Festzustellen bleibt – bei aller Unsicherheit – dass es ein sehr ermutigendes politisches Signal ist, wenn mit dem Versprechen von mehr Freiheit im Internet in zwei Tagen eine halbe Million US-Dollar eingeworben werden kann. Ob es sich bei dem Projekt um einen tatsächlichen Fortschritt in der Notwehr gegen staatliche Bespitzelung handelt, oder um einen Missbrauch der Besorgnis vieler: Dieser Ruf wird gehört werden!

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Kommentare

11 Kommentare zu Digitale Selbstverteidigung: Anonymisierung im Internet bald für jedermann einfach möglich

  1. Flauschpolizei schrieb am

    Wirklich? Werbung für ein Start-Up bzw. ein kommerzielles Produkt im Namen der Partei? Findet ihr das nicht irgendwie unethisch? Wir sind die Partei, die Sponsoring auf Parteitagen stets abgelehnt hat. Und jetzt sowas?

    Der Text auf der Kickstarter-Seite widerspricht im Übrigen den Gepflogenheiten der Hacker*innen und Aktivist*innen, die sich im Crypto-Bereich engagieren. Dort wird eigentlich immer darauf hingewiesen, dass es 100-prozentige Sicherheit nicht gibt und auch auf sonstige Fallstricke, die es zu beachten gilt. Siehe dazu auch die Hinweise auf der Tor-Seite, wenn man den Tor-Browser runterladen will: https://www.torproject.org/download/download-easy.html.en#warning

    Die Webseite bei Kickstarter suggeriert dagegen, man müsste nur diese Box benutzen, und alles würde gut. Und der Text hier auf der Seite bestärkt das. Dabei ist es definitiv nicht möglich, überhaupt keine Daten zu hinterlassen, egal was man im Netz macht. Bei E-Mails z.B. fallen immer Meta-Daten an.
    Die Box selbst ist im derzeitigen Zustand eine black box, von der wir nicht wissen, ob sie wirklich das tut, was sie vorgibt, zu tun. Wir haben lediglich das Wort der Erfinder. Es gab bisher keinen Audit, und aus der Beschreibung wird auch nicht klar, inwiefern die Nutzer*innen später überprüfen werden können, was ihre Box so treibt. Dazu kommt noch, dass die Software in der Box aktuell gehalten werden muss, um überhaupt einigermaßen Sicherheit zu bieten. Es gab in der Vergangenheit immer wieder Fälle, wo Tor-Nutzer*innen in größerem Umfang deanonymisiert wurden, weil sie veraltete Versionen des Tor-Browsers verwendeten oder Java-Script eingeschaltet war. Das mit dem anonymen Surfen ist nämlich doch nicht so einfach, und zu suggerieren, dass es so sei, ist fahrlässig.

    Im Moment gibt es eine Menge (auch kommerzieller) Projekte, die sich mit verschlüsselter Kommunikation beschäftigen. Auf der Freiheit statt Angst-Demo bekam ich auch ein paar Flyer in die Hand gedrückt. Sicher interessant, und einiges davon wird sicher auch helfen, aber ich verstehe nicht, warum meine Partei nun für ein bestimmtes kommerzielles Produkt Werbung machen muss. Oder wird das jetzt eine wöchentliche Serie? ;)

    Wenn ihr was machen wollt, wäre es sinnvoller, für unkommerzielle Projekte zu werben oder sie vorzustellen, z.B. Tails, oder Cryptoparties zu bewerben.

  2. Andreas schrieb am

    EIn interessantes Projekt, dass sicherlich Unterstützung verdient. Die Aussagen auf der Projektseite sehe ich im übrigen weniger kritisch als mein Vorredner, weil es zwar richtig ist, dass auch eine Anonymisierungsschnittstelle keine völlige Sicherheit herstellen kann, die meisten User aber hauptsächlich aus Angst vor technischer Komplexität vor der Nutzung solcher Technik zurückschrecken. Hier wäre allein schon einmal die tatsächliche Nutzung solcher Boxen ein Fortschritt und dürfte zur Sensibilisierung der Bevölkerung gegenüber der Problematik beitragen.
    Meine Frage hierbei wäre allerdings mehr, wie der Einsatz dieser Boxen (bzw. TOR immer noch) im Rahmen der deutschen Rechtsprechung zu sehen ist. Zumindest beim ersten Überfliegen der Seite konnte ich den Angaben nicht entnehmen, ob die Box nur einen TOR-CLIENT oder auch einen EXIT-NODE zur Verfügung stellt – gerade letzterer kann innerhalb von Deutschland ja bekannterweise zu Hausdurchsuchungen führen.

    • Dirk schrieb am

      Es handelte sich nicht um eine Produktempfehlung, sondern in erster Linie um die Aufforderung zur Unterstützung eines politischen Signals, wie auch aus dem ursprünglichen Text hervorging.

      • Michael Bluhm schrieb am

        Du mit deinem politischen Signal. Erinnere dich bitte an den Spendenaufruf zum Strafverfahren gegen den Vorsitzenden der Piratenpartei Luxemburg. Was hab ich geschrieben? Erst prüfen, dann entscheiden! Kann man nicht prüfen, dann kann eine spontane Entscheidung nach hinten los gehen.

        Wie blind und taub muss man sein, dass man die elementgarsten Regeln nicht beherrschen will?

        Den Artikel (jetzt gelöscht) habe ich gelesen und empfand ihn nicht als eine Werbeaktion der Piraten. Es war lediglich eine Info, was eventuell auf dem Markt ist, um nicht ständig ausspioniert werden zu können. Selbstverständlich muss sich jeder User im Netz klar sein, dass es keine absolute Sicherheit gibt.

        Eas ich aus der onfi nicht entnehmen konnte war das angebliche politische Signal. Es ging im Grundton des Zexzes vorrangig nur um Geld für ein Projekt.

  3. Andel schrieb am

    Ich hoffe ihr habt das Reddit-AMA (Ask Me Anything) des Entwicklers gelesen. Das ganze Projekt scheint ein einziger Betrugsfall zu sein und ihr sorgt gerade dafür, dass noch mehr Menschen darauf reinfallen.
    Weder die Hardware ist Open-Source, noch das Gehäuse selbst designed oder sonst irgendetwas von der Software selber entwickelt. Die einzige „Handarbeit“ oder eigene Leistung des Entwicklers bestand darin WRT-Router mit 16MB statt mit 4MB zu bestellen (was sinnfrei ist, er aber mit angeblich größerem Speicherhunger begründet, weil der Router loggen(!) soll) und die Konfiguration zusammenzustellen (diese hat er aber aus „Zeitgründen“ noch nicht einmal auf Github oder ähnliches gestellt). Sein „Team“ scheint nicht einmal zu existieren und abgesehen davon gab es auf konkrete Nachfragen ausschließlich schwammige Antworten und ausweichende Aussagen, die eher auf Unwissen, statt auf Professionalität oder auch nur Ahnung von Netzwerkonfigurationen schließen lassen.
    Ihr befeuert gerade seine Kickstarter-Kampagne. Wenn Kickstarter das Projekt wegen der Beschwerden nicht sowieso schließt, dann habt ihr euch so oder so durch Werbung als Partei für ein Produkt lächerlich gemacht, wenn nicht sogar Schaden angerichtet.

    Ein bisschen Recherche sollte eigentlich nicht so schwierig sein.

  4. Bernd schrieb am

    Leute glaubt dem Guru nicht, ganz egal was er verspricht (André Kostolany).

    Mich kotzt schon eine ganze Weile an, dass unter dem Label des Crowdfundings mittlerweile die unseriösesten der unseriösen Projekte das ganz schnelle Internetgeld machen wollen, um dann entweder abzutauchen oder jedenfalls die Erwartungen zu enttäuschen.

    Sehr gut, so etwas so schnell wie möglich wieder von der website zu nehmen, <3 an Flauschpolizei, und merkt euch, bitte:

    Auf die Website einer *Partei* gehört ganz genau nur eine Empfehlung, sein Geld auszugeben. Spende für diese Partei, oder Mitgliedschaft mit Beiträgen. Maximal noch Devotionalien wie Augenklappen oder orangene Kugelschreiber. Schon da sollte man sich zurückhalten.

    Andere mit Geld verbundene Dinge sind in der Regel vergiftete Köder, die nur Schaden anrichten.

  5. Stefan Borggraefe schrieb am

    Hi, bitte ruft doch dazu auf, dass alle Unterstützer des Kickstarter-Projekts das Geld stattdessen direkt de Tor-Projekt und dem OpenWRT-Projekt Spenden sollten! :) Ich gehe davon aus, dass Kickstarter das Projekt bald von der Seite nimmt und alle ihr Geld zurückbekommen.

    Viele Grüße,

    Stefan

  6. Bernd schrieb am

    Es war zu erwarten:

    Zitat: „Kickstarter’s Trust & Safety team: We’re writing to notify you that the #anonabox : a Tor hardware router project has been suspended.“

    Hoffentlich hat niemand dort Geld versenkt, der durch die Piratenpartei-website darauf aufmerksam wurde.
    Das nächste Mal bitte erst nachdenken, „Informier dich!“, und „Trau keinem Plakat!“. Vor allem, wenn es dein Bestes will: Dein Geld!

    • Idee schrieb am

      Das Geld wird zurücküberwiesen. Es wurde kein Geld versenkt. Aber: Wenn man nur 7.500 Kröten braucht und ca. 600.000 Mäuse freiwillig von beinahe unzähligen Unterstützern gespendet werden, sieht man das Verhältnis und den Bedarf an (gefühlter) Anonymität. Sehr viele Internetnutzer fühlen sich ausgezogen und mißbraucht.

      Es gibt massenhaft Frauen, die nur zu gerne sich etwas mehr Anonymität (vor dem Ex-Partner) wünschen. Aber kaum kennt der/die Ex die IP vom neuen Standort, steht er/sie vor der Tür (unzählige Beispiele). Man will doch auch nicht von einer Abteilung oder in eine andere Firma wechseln und dort geht der gleiche Ärger (Mobbing) wegen Verfolgbarkeit von Neuem los. Es gibt auch sehr viele Berufsgruppen, denen es ähnlich geht, mal vom Journalisten und Whistleblower abgesehen.

      Abgesehen davon gibt es die „Anonabox“ bereits tatsächlich:
      https://learn.adafruit.com/onion-pi/overview
      und man kann sie sich selbst für ca. 65 Euro (damals) bauen.

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