Wer A sagt, muss auch B sagen: Wer Sterbehilfe verbietet, muss Schmerzhilfe mit Cannabis erlauben

Bild: CC-BY Borys Sobieski

Dr. Franjo Grotenhermen hat beim Deutschen Bundestag eine Petition eingebracht, um den Zugang zu Medikamenten auf Hanf-Basis unter anderem für Schmerzpatienten zu erleichtern. Die Piratenpartei setzt sich seit Jahren für eine Legalisierung von Cannabis ein und spricht dieser Petition deshalb ihre Unterstützung aus. Weiterhin fordert sie öffentlich zum Mitzeichnen auf. 

»Sollte man nicht gerade schwerstkranken Menschen, die zum Teil unvorstellbare Schmerzen leiden, jede nur denkbare Möglichkeit zur Linderung ihrer Leiden geben? Ist es nicht zutiefst menschenverachtend, dass wir Menschen entmündigen, je mehr sie an ihrer Erkrankung leiden?«,

kritisiert Stefan Körner, Bundesvorsitzender der Piratenpartei.

»Die von Dr. Grotenhermen initiierte Petition könnte vielen Menschen helfen. Ich habe die Petition bereits mitgezeichnet und rufe alle Bürger auf, dies auch zu tun.«

Während der Einsatz von Hanfblüten zur Schmerzlinderung auch in der palliativen Medizin verboten bleibt, wird aktuell erneut offen über eine Verschärfung der Regelungen zur aktiven Sterbehilfe debattiert. Ein unhaltbarer Zustand nach Ansicht der Piratenpartei.

»Patienten das Sterben auf eigenen Wunsch verbieten, sie aber mit ihren Schmerzen alleine lassen, obwohl ein wirksames Medikament zur Verfügung stünde, das ist an Doppelzüngigkeit nicht zu überbieten,«

so Körner.

Für Patienten, die an chronischen Schmerzerkrankungen, Multipler Sklerose oder anderen Erkrankungen leiden, ist in vielen Fällen die Verabreichung von Hanfblüten die optimale Therapie. Derzeit ist es aber immer noch sehr schwer, die benötigte Ausnahmegenehmigung vom dafür zuständigen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zu erhalten. Bisher bekommen nur etwa 150 Patienten deutschlandweit das für sie notwendige Medikament. Das Verwaltungsgericht Köln brachte jüngst wieder Wind in die Debatte, als es drei chronisch kranken Patienten das Recht zum Anbau von Cannabis zum therapeutischen Gebrauch zusprach. Die ausführliche Begründung von Dr. Grotenhermen und viele Hintergrundinformationen finden Sie in diesem kurzen Video zur Petition:

Quellen:
[1] Petition: https://epetitionen.bundestag.de/content/petitionen/_2014/_05/_30/Petition_52664.nc.html
[2] http://www.tagesspiegel.de/politik/debatte-um-sterbehilfe-tod-auf-der-tagesordnung/10329688.html
[3] http://www.vg-koeln.nrw.de/presse/pressemitteilungen/14_140722/index.php
[4] https://www.youtube.com/watch?v=KtxcCOhhIIU

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Kommentare

3 Kommentare zu Wer A sagt, muss auch B sagen: Wer Sterbehilfe verbietet, muss Schmerzhilfe mit Cannabis erlauben

  1. Dirk Küsters schrieb am

    Diese beisen Themen zu verknüpfen macht diesen Beitrag unsäglich und die Petition ununterzeichenbar.

    • Dirk schrieb am

      Zunächst einmal ist der Wert der Petition völlig unabhängig davon, was die Piraten dazu oder darüber sagen. Sachlich kann auch wenig Zweifel bestehen, dass die Petition ein sehr wünschenswertes Ziel verfolgt, da das Wirkspektrum medizinischen Cannabis‘ gut auf häufige Begleitsymptome z.B. bei Tumorbehandlungen abgestimmt ist. Mir scheint aber, dass die Aussage von Stefan nicht wirklich als medizinischer Beitrag verstanden werden will, sondern auf die Doppelzüngigkeit des dahinter stehenden Wertebildes aufmerksam machen soll. Spannend fände ich daher, wenn Du Deine konkreten Kritikpunkte an der Verknüpfung der beiden Themen benennen könntest.

  2. Julian Estragon schrieb am

    Ich finde es völlig daneben, die gerechte Forderung nach einer Legalisierung von Cannabis gegen die Legalisierung der Sterbehilfe auszuspielen. Drogen sind kein Ersatz für Selbstbestimmung, und nicht jeder schwerkranke Patient kann durch Cannabis eine gute Lebensqualität erreichen.

    Grundsätzlich bin ich enttäuscht, dass die Piraten beim Thema Sterbehilfe so zurückhaltend sind. Für eine freiheitliche, humanistisch-säkulare Partei müsste das Recht auf ein selbstbestimmtes Ende eine Selbstverständlichkeit sein.

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