Bunt Spenden? Aber sicher!

Bild: CC-BY Ludovic Bertron

Ein Gastbeitrag von @kpeterlBW und @Raven_SN.

»In diesem Sommer wird Flagge gezeigt, und das nicht nur beim Fußball. Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD), der Christopher Street Day e. V. Berlin und DDB Tribal Berlin starten eine Petition gegen eine immer noch aktuelle Diskriminierung: Bi- und homosexuelle Männer dürfen hierzulande auch 2014 kein Blut spenden.« Mit diesen Worten kündigte der LSVD die Aktion „Bunt Spenden“ an. Warum diese Aktion?

Es ist unstrittig, dass risikobehaftetes Sexualverhalten von Blutspendern – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung – Auswirkungen auf die Sicherheit des aus ihrer Spende hergestellten Blutprodukts und damit auf die Gesundheit der Empfänger haben kann. In nahezu allen Industrienationen werden daher Personen von der Blutspende ausgeschlossen, bei denen ein hohes Risiko besteht, sich mit sexuell übertragbaren Krankheiten zu infizieren. Allerdings bildet dabei oft nicht das tatsächliche Sexualverhalten potentieller Spender das Kriterium für einen Ausschluss, sondern ein unterstelltes Gruppenverhalten.

In Deutschland sieht die Situation ebenso aus: Heterosexuelle Männer, die ein risikobehaftetes Sexualverhalten an den Tag legten, also häufig wechselnde Sexualpartnerinnen hatten oder ungeschützten Sex praktizierten, „tauchten zum Beispiel bis 2010 [im Fragebogen] überhaupt nicht als Risikogruppe auf“.

Inzwischen sind – aufgrund von Anweisungen der Überwachungsbehörden – zur Identifikation heterosexuellen Risikoverhaltens „Fragen nach einem spezifischen Risikoverhalten in Fragebögen oder Merkblätter“ aufgenommen worden, die „vor dem Anamnesegespräch mit dem Spenderarzt vom Spenderwilligen ausgefüllt, bzw. zur Kenntnis genommen werden müssen“.

Gleichzeitig ist in den »Erläuterungen zum Blutspende-Ausschluss von Männern, die Sexualverkehr mit Männern haben (MSM)« zu lesen, dass bei MSM „eine individuelle Anamnese des praktizierten Sexualverhaltens« im Kontext der Blutspende nicht durchführbar ist und darum alle MSM, unabhängig von ihrem individuellen Sexualverhalten, von der Blutspende auszuschließen sind.

Hier also stellt nicht das tatsächliche Sexualverhalten einen Ausschlussgrund dar, sondern die Gruppenzugehörigkeit – also die sexuelle Identität und, daraus abgeleitet, die Unterstellung eines bestimmten Sexualverhaltens. Bei MSM wurde und wird Promiskuität generell vorausgesetzt, monogame Partnerschaften scheinen für die Bundesärztekammer nicht denkbar zu sein. Dabei leben rund die Hälfte aller MSM Männer in einer festen Partnerschaft. Diese Tatsache spielt für die Bundesärztekammer aber keine Rolle, denn in ihren Erläuterungen steht, dass das MSM »spezifische Sexualverhalten (Analsex und oraler Sex zwischen Männern)« per se risikobehaftet sei.

Die Bundesärztekammer argumentiert in diesem Zusammenhang unter anderem gerne damit, dass sie ja nur das geltende EU-Recht umsetze. Das entspricht aber nicht der Realität. Die EU-Kommission hat schon im August 2011 „klargestellt, dass der in den meisten Ländern Europas bestehende Ausschluss [von MSM] nicht mit EU-Recht begründet“ werden könne. Zwar dürften jene Menschen kein Blut spenden, deren sexuelles Verhalten ein erhöhtes Infektionsrisiko nach sich ziehe. „Sexuelles Verhalten“ sei aber nicht mit „sexueller Identität“ identisch, erklärte die Kommission. Sie betonte im selben Atemzug, dass Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung nach der EU-Grundrechtecharta verboten sei.

Im Klartext: Eine EU-Richtlinie, die MSM generell von der Blutspende ausschließt, gibt es nicht.

Langsam findet auch beim Vorstand der Bundesärztekammer ein Umdenken statt – wenn auch im Konjunktiv. Ein aktuelles Arbeitspapier räumt ein: „Aus infektionsepidemiologischer Sicht ist ein dauerhafter Ausschluss von der Blutspende für Personen mit einem hohen Infektionsrisiko in Bezug auf das HIV heute nicht mehr notwendig. Der dauerhafte Ausschluss für MSM wurde in den 1980er Jahren eingeführt, als sich das HIV vorwiegend bei MSM ausbreitete und Testverfahren noch nicht oder noch nicht mit ausreichender Sensitivität zur Verfügung standen. Heute können mit den eingesetzten Testverfahren prävalente [das sind die zum Untersuchungszeitpunkt vorhandenen] Infektionen zuverlässig erkannt werden. Eine ausreichend große Rückstellfrist von einem Jahr würde […] verhindern, dass Infektionsübertragungen durch Blutspenden in der „Fensterphase“ nach einer Neuinfektion auftreten könnten. […] Es erscheint unabweisbar, dass der dauerhafte Ausschluss infolge des Sexualverhaltens den Anschein einer Diskriminierung wegen der sexuellen Identität wecken könnte. Der dauerhafte Ausschluss für MSM […] von der Blutspende sollte daher zugunsten einer zeitlich befristeten Zurückstellung aufgehoben werden.

Die Richtung, in die sich der Vorstand der Bundesärztekammer bewegt, ist wichtig. Aber immer noch diskriminiert die Jahresrückstellfrist Männer, die Sex mit Männern haben, gegenüber jenen, die Sex mit Frauen haben. Deshalb gewinnt man den Eindruck, es gehe den Vorstandsmitgliedern in Bezug auf MSM nach wie vor nicht um risikobehaftetes Sexualverhalten, sondern um Männer, die Sex mit Männern haben.

Politisch gibt es positive Signale: so hat der Landtag von Sachsen Anhalt im Februar 2012, bei nur zwei Gegenstimmen, die Landesregierung aufgefordert, „den Generalverdacht über homosexuelle Männer zu beenden und eine diskriminierungsfreie Regelung zu schaffen, in der statt der sexuellen Orientierung das Risikoverhalten bei Spenden abgefragt wird und gegebenenfalls zum Ausschluss führt“. Diesem Schritt sind bisher die Parlamente von Thüringen, NRW und Bremen gefolgt.

Auch international gibt es vielversprechende Ansätze. So wird z.B. in Italien Menschen mit wechselnden Partnern – unabhängig von ihrer sexuellen Identität – das Blutspenden nur erlaubt, »wenn sie schon vier Monate in einer festen Partnerschaft sind«. Die Folge: »Seit Homosexuelle zur Blutspende zugelassen sind, [stieg] die Zahl der Spenden in Italien um 20 Prozent, die Zahl der infizierten Spender sank.“ Analog hat im Jahr 2012 das argentinische Parlament beschlossen, niemanden wegen seiner sexuellen Orientierung vom Blutspenden auszuschließen. Der Abgeordnete, der den Antrag einbrachte, hat deutlich gemacht: »Risikoverhalten heißt, ungeschützten Sex zu haben, und hat nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun.«

Grundsätzlich sollte uns allen, auch der Bundesärztekammer, klar sein: Der Grund für ein erhöhtes Risiko ist nicht Homosexualität, sondern vielmehr risikobehaftetes Sexualverhalten. Das trifft auf Heterosexuelle gleichermaßen zu. Es gibt keine Risikogruppen, sondern nur Risikoverhalten. „Sexuelles Verhalten“ ist nicht mit „sexueller Identität“ identisch.

Um dieses Umdenken zu erreichen, ist die Aktion „Bunt Spenden“ notwendig.

Wir haben Bunt Spenden schon unterzeichnet, wann tust du es?

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Hinweis: Dies ist ein Gastbeitrag und stellt nicht notwendigerweise die Meinung der Piratenpartei Deutschlands dar.

Für Kommentare gelten die hier einsehbaren Regeln.

Kommentare

2 Kommentare zu Bunt Spenden? Aber sicher!

  1. zarathustra schrieb am

    moin

    frage 14.
    sind sie homosexuell oder haben sie kontakt zu homosexuellen.

    wer die frage nicht mit nein beantwortet, darf kein blut spenden.
    ( das thema prostitution will ich hier nicht erwähnen, aber soweit muss ich es, dass danach nicht gefragt wird; die begründung lautet, dass das eine öffentlich ist und das andere privat)

    meine ausweispapiere sind eindeutig:

    organspender
    dmks
    blutspender ohne eintrag

    (freunde von mir sind gay – wems stört kan in meen moors seen tung …)

    das drk jammert:
    keine spender.
    fürs abzapfen lassen kriegste ne tasse kaff und halbes brötchen – wenn du glück hast.
    für eine blutkonserve kassiert das drk 240 euro.
    (bei ner op gehn locker mal 5 liter durch)

    andere hilfsorganisationen meckern, weil sie nicht an dem geschäft teilhaben dürfen.

    was macht drk mit ner spende?
    wir gründlich durchgemischt – mit allen vermengt.
    (ist nur eine hiv positiv, dann kriegt sie jeder)

    also:
    wenn jemandem hier ne op bevorsteht – eigenblut spenden.
    freut sich nicht nur die krankenkasse weils billiger ist.

    (toll war ja damals die antwort: „sie sind hiv-negativ, dürfen aber kein blut spenden“)

    da es verboten ist, blut zu spenden, weil mensch gays als normal empfindet, darf ich kein blut spenden.
    darüber hab ich nen ausweis – anno domini vor 89.

    mal nen einschub:
    89/90 – da gehn nicht nur in laibzwick menschen auf die strasse (und die wessies sitzen vorm fernseher).
    es macht puff und das unvorstellbare passiert – ein grenzschützer meldet r. v weizäcker: „herr präsident – keine besonderen vorkommisse“

    jetzt hatten es die wessies aber mit menschen zu tun – was auf beiden seiten vielfältig ignoriert wurde.
    (läng thema….)

    in der brd galt der 175, in der ddr gabs ….

    den 175 einführen, wo die menschen weiter sind ging nicht.
    im westen abschaffen, wos schon diskus dazu gab…

    jegliches stgb wurde abgeschafft.

    na logo hätten es die wessis auch selber bis zu jener entscheidung mit gesetzeskraft – urteil des bvg – gebracht, dass gays und lesben normal sind.
    schneller gings mit den menschen aus jener gegeng, die verächtlich als neue bundesländer bezeichnet wird.

    zarahustra

    (bekam massig emails, weil ich bei den piraten nicht dabei sein dürfe. mir fehlen die fähigkeiten.
    fähigkeit soll sich an geld und computer beweisen?
    also demnach bin ich ungeeignet.

    meine tauglichkeit als mensch zu bestreiten, fällt, sofern sachlich begründet, unter meinungsfreiheit.

    unsachliche bemerkungen – und es gab keine sachlichen – ignorr ich.

    der aussage, jemand wie ich, würde, egal was ist, die piraten wählen, stimme ich nicht zu.

    z

  2. zarathustra schrieb am

    moin

    wenn wir beschliessen, das gays menschen sind, dann können (nicht-) wir auch mit dem gleichen recht beschliessen´, dass sie keine menschen sind.

    die beschlusslage steht im grundgesetzt: art 1 abs 1, 3, abs 1.
    beschlüsse des bvg haben gesetzeskraft.

    gays und lesben sind normal.
    (wenn jemand meint, dass müsse noch ausführlich und unter bedingungen diskutiert werden – dann ist das eine überholte disku)

    niemand kann (privatrechtlich) gezwungen werden, gays und lesben als menschen zu akzeptiren. das muss der staat.
    niemand privat.

    es ist meine private entscheidung, ob und mit wem ich mich an einen tisch setze.
    (sowohl dmks als auch organspende wimmelten mich mit der bemerkung ab, ihnen wäre meine sexuelle orientierung egal.
    entscheidungsbefugt über meine organe ist jemand, der laut piratenbonze unbefugt ist.)

    die piratenpartei mag ja so einiges beschliessen – und die parteibonzen reden.

    nach meinem tod bestimmt ein mensch über meine organe – ausweiss reicht nicht, da brauchts noch ne erklärung, extra zustimmung. – in meinem patiententestament ist frischzellenkur erwähnt – ausweiss reicht nicht.

    lange rede kurzer sinn:

    knochenmarkspende gibs gratis.
    (50 € – lacht, weil ich dass geld nicht habe – bin registriert)
    organspende – also die kost einen nicht bloss das leben, da muss noch jemand gefunden werden, der bestätigt, dass mensch es sich nicht im letztem augenblick anders überlegt hat.
    im ausweiss steht noch son tüdelkram über einzelteile.
    als wenn noch was mit in die kiste müste.

    neugierig wäre ich schon, zuzusehen, wie meine einzelteile verschickt werden, aber das entscheidet jemand, dem es verboten ist, piraten zu wählen.

    back to thema:
    mensch könne ja aus blutspende ein thema machen.

    das wird nicht.
    das will die piraten nicht.

    (dmks – gibt nen piks, keine 5 min, letzten sich beim nächsten arztbesuch locker erledigen.
    also die wahl ist nicht, 50 € mitzubringen.
    kostenlos registrieren – und leben retten.

    über meine orgarne habe ich bestimmt – bin spender.
    wehe – die verderben, weil die da noch ne extra zustimmug brauchen.

    in de netherlands ist jeder spender, sofern nicht widerspuch.
    in d-lands brauch ich nicht, sondern meine organe noch ne extra bestätigung.

    von nem laut einigen parteibonzen minderwärtigem.

    bonzen und parteibeschlüsse über meinen tod sind mir egal.
    – von einer gewissen neugier, wohin meine einzelteile kommen, spreche ich mich nicht frei –

    also:

    dmks ist gratis- leben retten für umsonst? – ja
    organspende … hatte disku mit ärzten, bin sonderfall, darf nicht.
    sterben muss jeder – und wehe da kommt ne disku dazwischen.
    alles was anderen hilft – raus.
    eine unwürdige muss deswg belämmert werden.

    blutspende?

    wer darf- wer nicht?

    könnte mensch thema draus machen – aber das geht nicht.

    laut emails darf ich nicht pirat sein.
    laut stammtisch auch nicht.

    ok.

    der „vorstand“ hat (damals und wiederholt) über union entschieden?

    eisern

    z

    (das rot-weiss nicht an der försterei spielen darf, ist ne s. – au.
    dass jenem verein laut dfb verboten ist, bei rot-weiss zu verlieren – dass ist diskriminierung.)

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