Die Fracking-Verschwörung?

Bild: Tobias M. Eckrich

Ein Diskussionsbeitrag der UG Fracking der AG Umwelt.

»Nato-Generalsekretär Rasmussen sieht beim Streitthema Fracking eine gezielte russische Kampagne am Werk. Zusammen mit NGOs wie Greenpeace arbeite der Kreml daran, Europas Abhängigkeit von russischem Gas zu sichern.« Das konnte man kürzlich bei n-tv lesen. Der Stoff, aus dem Verschwörungstheorien entstehen? Nein, nur eine einfache Diffamierungskampagne mit zu offensichtlichem Ziel.

Was steckt dahinter? Seit mehreren Jahren formiert sich in Deutschland eine immer stärker werdende Bürgerbewegung gegen das sogenannte »Fracking«. Inzwischen besteht diese Bewegung aus über 70 Bürgerinitiativen, deren Anliegen es ist, die Öffentlichkeit über die vielfältigen dauerhaften Gefahren durch diese – für Europa glücklicherweise noch neue Gas- und Ölfördermethode – zu informieren.

Diese Bürgerbewegung nutzte in den letzten Monaten alle Mittel der demokratischen Mitgestaltung. Engagierte Menschen sammelten in mühevoller Kleinarbeit Fakten, die sie mit Hilfe von Petitionen und sachlichen Anhörungen an die Politiker herantrugen, und die gelebte Bürgernähe der Piratenpartei ermöglichte ein bisher unbekanntes Zusammenwirken mit parlamentarischen Möglichkeiten: Die Piraten-Fraktion im schleswig-holsteinischen Landtag stellte eine ganze Reihe von kleinen Anfragen an die Landesregierung, durch die wir die tatsächliche Handlungsunfähigkeit auf Länderebene bestätigten konnten. Schließlich initiierte Schleswig-Holstein dann doch eine halbherzige Bundesratsinitiative, der die Umweltminister in Koblenz zustimmten.

Interessanterweise wurden zu keiner Zeit die von der Bürgerbewegung und den Piraten vorgelegten Fakten widerlegt. Die Gefahrenszenarien durch Fracking sind also anerkannt und stichhaltig. Immerhin: Man nahm die Fakten zur Kenntnis, Ämter und Gemeinden verabschiedeten Resolutionen gegen Fracking – aber am Ende wurde doch wieder auf eine Entscheidung auf Bundesebene verwiesen.

Nach Informationen von tagesschau.de will sich die Große-Koalition ab September mit einem Fracking-»Minimalkonsens« befassen, der – genauer betrachtet – aber eher ein Fracking-Ermöglichungsgesetz ist.

Gabriele Kögler, Piratin und Mitglied einer der Bürgerinitiativen gegen Fracking, beanstandet diese Beschwichtigungsstrategie: »Bei diesem Gesetzesvorhaben werden nur die giftigen Fracking-Chemikalien verboten und die Wasserschutzgebiete vom Fracking ausgenommen: Das umfasst noch nicht einmal alle Trinkwassereinzugsgebiete! Und dieser angebliche Minimalkonsens ignoriert die noch weitaus größeren Gefahren durch Lagerstättenwasser.«

Anders als bei traditioneller Bohrung wird nämlich beim Fracking nicht nur einfach in die Erde gebohrt, sondern es wird ein unterirdisches Röhrensystem angelegt, das den Boden im Umkreis von mehreren Kilometern um das Bohrloch durchzieht. In dieses Röhrensystem wird unter hohem Druck Wasser gepumpt. Nach der Gesetzesvorlage wird dies immerhin sauberes Wasser sein – das aber natürlich unseren Trinkwasservorräten entnommen wird und dort später fehlt. Durch den Wasserdruck entstehen unkontollierbare Risse im Boden. Daher nennt man das Verfahren auch »hydraulic fracturing«, also »Aufbrechen durch Wasserdruck«. Durch diese Risse fließen dann nicht nur die gewünschten Bodenschätze – also Öl und Gas – zu den Bohrlöchern, sondern auch oft giftiges Tiefenwasser aus Lagerstätten, die bisher sicher getrennt vom Trinkwasser waren. Durch den hohen Druck rechnet man mit der vielfachen Menge solchen Lagerstättenwassers, wie bei konventionellen Bohrungen anfällt. In Nordamerika wird dieses Wasser oft einfach in Flüsse eingeleitet oder man lässt es in Sickerteichen verdunsten. Das geht hier nicht, also bleibt eigentlich nur, es wieder in die Erde zurückzupressen. Dabei entstehen aber noch mehr Risse im Gestein. Ein Teufelskreis. Dass diese ganze unterirdische Durchlöcherung zu einer erhöhten Gefahr von Erdbeben führt, ist nicht verwunderlich. Um keine wirklich belegbaren Nachweise zu erzeugen, wird die Entstehung solcher Erdbeben nicht direkt in den Bohrungssystemen gemessen – und es gibt bislang auch keine Auflage zur Installation von Geophonen. Aber anders sind die aktuellen Erdbeben in der Nähe von Fracking-Bohrungen in den Niederlanden und bei Bremen kaum zu erklären.

»Dem Bürger wird Sicherheit nur suggeriert. Die Frage der Entsorgung wird völlig außer Acht gelassen. Ähnlich wie bei der Atomkraft existiert bis heute kein schlüssiges Entsorgungskonzept für die riesigen Mengen des an die Oberfläche gepumpten Lagerstättenwassers. Das ist einfach Giftmüll, und sie wissen nicht, wohin damit«, ärgert sich Gabriele Kögler.

Industrie und Politik gehen also anscheinend die Argumente aus. Da liegt es nahe, die Sachebene zu verlassen und weit abseits der Tatsachen eine kleine Verschwörungstheorie in den Medien zu platzieren. Und was eignet sich dazu besser, als Umweltschutzorganisationen und Bürgerinitiativen eine Verbindung mit dem gerade aktuellen Feindbild Russland nachzusagen.

Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) fordert eine öffentliche Entschuldigung von NATO-Generalsekretär Rasmussen. Wir meinen: Die ist hier durchaus angebracht!

Auch aus den USA erhält die Bewegung gegen Fracking Rückenwind. Manchmal eher unabsichtlich, wenn z.B. Exxon Mobile CEO Rex Tillerson, gegen einen der für hydraulisches Fracking notwendigen Wasserspeicher vor seiner eigenen Wohnung klagt – den eine seiner eigenen Tochterfirmen errichten will. Und manchmal musikalisch, wenn sich Künstler wie Yoko Ono, Sean Lennon, Liv Tyler und Susan Sarandon zusammentun, um in dem Lied »Don’t Frack My Mother« gegen das Fracking einzustimmen.

Wie es wohl wäre, wenn man symbolisch einen Fracking Turm am Heiligen Damm oder am Bundeskanzleramt aufstellen würde? Oder über allen Genehmigungsfeldern 200 große rote Riesenballons, als Symbol für die vielen zu errichtenden Bohrtürme, schweben würden?

Die Piratenpartei wird weiterhin alle politischen Zugangsmöglichkeiten nutzen, um die Bürgerbewegung gegen Fracking zu unterstützen. Durch das Zusammenspiel von Bürgern mit einer durchlässigen Parteiarbeit ermöglichen wir, dass Bürgerwille auch in politischen Gremien und bei der Bundesregierung Gehör findet. Das kann die Regierung in Berlin dazu veranlassen, wegweisende Entscheidungen zum Wohle der Bürger und der Umwelt zu treffen – statt einen windelweichen »Minimalkonsens« im Sinne der Industrie durchzuwinken.

In Thüringen und Brandenburg bieten die kommenden Landtagswahl am 14. September eine Chance, sich gegen Fracking und für erneuerbare Energien auszusprechen.

Fracking ist ein abenteuerliche und umweltschädliche Methode mit unabsehbaren Folgen. Mit einer nachhaltigen Energiewende hat es nichts zu tun. Wir Piraten stellen uns die Energieversorgung anders vor und haben z.B. in unserem Wahlprogramm zur Bundestagswahl 2013 aufgeschrieben, wie sie hin zu mehr Nachhaltigkeit, Dezentralität und Transparenz entwickelt werden kann. Wenn die Regierung den Gestaltungswillen verloren hat – wir helfen gerne ;-)

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Kommentare

23 Kommentare zu Die Fracking-Verschwörung?

  1. Horst Rüter schrieb am

    Ich habe sellten so viel Unsinniges zum Thema Fracking gelesen wie in Ihrem Beitrag. Sie zitieren ja viel, aber keinen einzigen Fachmann. Es wird ja wohl keinen namhaften deutschen Geowissenschaftler geben, der im Fracking eine Risikotehnologie sieht. Leider ist Ihr Artikel so von Fehlern durchseucht, dass man diese in diesem Rahmen nicht einzeln behandeln kann. Ein Beispiel ist der kilometerweit mit Röhren durchzogene Untergrund, welch ein Unsinn. Dann die Irrsinnsmengen von Tiefenwasser. Wo soll es denn her kommen wenn die Tonsteine aus denen das Gas gefördert wird gar kein Wasser enthalten. Es fehlt dann beim Trinkwasser, reden Sie hier von 0,001 Promille der Trinkwasserbedarfs oder von weniger?
    Dass die Piraten sich hier von Rattenfängern einfangen lassen ist schon erstaunlich. Erst nachdenken und dann entscheiden sollte auch für Sie endlich mal eine Regel werden. Wenn Putin nicht die Umweltverbände und Bürgerinitiativen finanziert, wer macht es dann? Die brauchen doch Geld? Wo bleibt die hochgelobte Transparenz bei der Offenlegung der Finanzen von Greenpeace, BUND und Co. Haben die denn alle ihr Gled beim Zocken verdient?

    • Dirk schrieb am

      Ich bin mir nicht sicher, ob es sich wirklich um einen Beitrag von Horst Rüter ist. Einerseits hätte er ja – nicht nur wegen seines deutschen Unternehmens, sondern auch wegen seines Engagements in Texas – ein erhebliches finanzielles Interesse an der Weiterentwicklung derartiger Technologien in Europa. Andererseits kennt der echte Horst Rüter natürlich sowohl das Verfahren der Horizontalbohrung, das z.B. Exxon unverhohlen auf seiner Webseite bewirbt (Video anschauen und gruseln), als auch die zahlreichen Bedenken von Wissenschaftlern aller möglichen Disziplinen betreffend die verwendeten Chemikalien und das Abwasser (Google: Flowback). Daher gehe ich davon aus, dass ihm hier mangels Authentifizierung ein Trollbeitrag untergeschoben wurde. Ich werde gelegentlich beim echten Horst Rüter nachfragen und den Beitrag dann gegebenenfalls entfernen.

      Gemeinnützige Vereine wie BUND und greenpeace finanzieren sich zum größten Teil aus Mitgliedsbeiträge und sonstigen Spenden. Die Einnahmen müssen dem Finanzamt gegenüber offengelegt werden. Ich bin sicher, dass Großspenden der Russischen Föderation dort aufgefallen wären.

      • Horst Rüter schrieb am

        Nur kurz eine Antwort zum letzten Ansatz. Die Frackingfirmen legen die Zusammensetzung der Fracfluide gegenüber den Aufsichtbehörden offen, die sie dann aus Wettbewerbsgründen vertraulich behandeln müssen. Dies wird von den Gegnern als nicht transparent bezeichtnet. Die Umweltverbände und Bürgerinitiativen, die ihre Lobbyarbeit vorweiegend aus Spenden finanzieren legen ihre Finanzen gegenüber dem Finanzamt offen, die die Angaben dann vertraulich behandeln müssen (Steuergeheimnis). Ist das dann transparent, wo ist der Unterschied?
        Natürlich gibt es keine Großspende von Putin aber wohl Spenden von Müller, Meier, Schulze ohne dass die Verbände diese Herren persönlich kennen.
        Für den geowissenschaftliche Bereich ist in Deutschland die wohl kompetenteste und garantiert unabhängige Stelle die Bundesanstalt für Geowissenschafetn und Rohstoffe (BGR) in Hannover und deren Präsident (Prof. Kümpel) hat sich zu den Risiken beim Fracking ja eindeutig geäußert.
        Übrigends finanziert die viel gescholtene Exxon Mobil mit dem Infodialog eine Dialogplattform zum Thema ohne irgend welchen Einfluss auf die Beiträge zu nehmen, http://dialog-erdgasundfrac.de/. Weitere garnatiert unabhängige und sachliche Informationen unter http://www.shale-gas-information-platform.org/.

        • Name schrieb am

          Die BGR ist eine dem Wirtschaftsministerium nachgeordnete Behörde. Unabhängig ist da gar nichts, schon gar nicht politisch, da die übergeordnete Behörde immer weisungsbefugt ist. Fakten werden verschleiert und Zahlen schöngerechnet. Eine Behörde ist kein Jesuskind.

    • Ulmer schrieb am

      Lieber Herr Rüter,
      leider gibt der Bericht die aktuelle Entwicklung in der Fracking Technologie wieder.
      Z.B.: „Ein Beispiel ist der kilometerweit mit Röhren durchzogene Untergrund, welch ein Unsinn.“ -> Kein Unsinn, nennt sich „horizontal fracking“ un kann durchaus ein großes Netz aufspannen. http://www.cityprofile.com/forum/attachments/national-politics-debate/37138d1317232255-horizontal-fracking-frack2.jpg

      Gut der Rest des beitrags ist sowas von unqualifizierend. „Wenn Putin nicht die Umweltverbände und Bürgerinitiativen finanziert, wer macht es dann?“ Klar Putin zahlt alles. Und für die die es Interessiert, z.B. Greenpeace finanziert sich zu 100% aus -PRIVATEN- Spenden. Natürlich können über „private“ Spenden auch Politik und Industrie Geld spenden. Jedoch haben diese keinen Einfluss auf die Verwendung. D.h. Rußland kann schon an Greenpeace spenden, werden sie aber nicht tun. Dieses Geld wird auch für die Störung des Gasförderbetriebs von Gazprom in der Artiks genutzt. Würden sich also selber damit schädigen.

      Und das Fracking schlecht ist, weis man auch nach dem Dokumentarfilm „Gas-Land“. Da braucht man keine NGOs dafür.

      Der Beitrag von Horst Rüter ist einfach nur dummes und unwissendes Geschwätz.

      • Horst Rüter schrieb am

        Ja lieber Herr aus Ulm, wenn man von der Sache so gut wie nichts vertseht flüchtet man sich eben in persönliche Angriffe. Ich persönlich bin ja nicht für oder gegen Fracking und engagiere mich 90% meiner Zeit für Erneuerbare Energien, dennoch hat jede Technologie eine sachliche Diskussion verdient. Dass sich die Umweltverbände und die Anti-Bürgerintitiativen dazu leider nicht in der Lage sehen, das ist nun mal so. Dass Die Lobbyarbeit dieser Gruppen aber so erfolgreich ist, dass die politischen Parteien Reihenweise in ihrem Populismuswahn einknicken ist sicher ein Grund für Politikverdrossenheit. Die zunächst erfreulich erfrischenden Piraten haben sich da voll angepasst. Abhängigkeit von Mitgliedern, Privatspendern, Wählern etc. fürt eben zu Populismus. Wenn man da nun gegensteuert und Sachlichkeit fordert wird man schnell zum Idiot. Das Netz ist voller Informationen, die nicht Industriegesteuert sind, aber dennoch gibt es immer noch Leute, die den Fakefilm ‚Gasland‘ zitieren, wo Wasser angezündet wird, das mit Fracking nun ab er auch gar nichts zu tun hat. Vieles andere ist genauso gefaked wie man an vielen Stellen nachlesen kann. Politiker, die noch Gasleitungen in Privathäusern zulassen, die den Steinkohletiefbau und den Braunkohletagebau unterstützen sollten sich nicht gegen den gering invasiven Borhlochbergbau aufplustern. 200.000 streng überwachten Tiefbohrunegn in Deutschland, die allesamt problemlos waren, stehen Millionen von Bohrungen der Landwirtschaft gegenüber, die zu 90% illegal sind und von niemandem überwacht werden. Diese ermöglichen alle einen freien Zugang zu dem doch so schützenswerten Grundwasser.Wäre das nicht ein Betätigungsfeld für Angstgesteuerte Mitbürger?

        • Dirk schrieb am

          Ein ernstzunehmender Wissenschaftler würde sich sicherlich nicht in persönliche Verunglimpfungen flüchten, selbst wenn er argumentativ nicht mehr weiter weiß. Damit hat sich der Autor der Kommentare hier leider selbst entlarvt. Ich werde den echten Herrn Rüter informieren, dass hier jemand in seinem Namen sein trolliges Unwesen treibt.

          • Grimnir schrieb am

            Und was passiert dann? Dann greift die Störerhaftung. Entweder die Piratenpartei teilt dem echten Horst Rüter die Identität des Trolls mit, damit der ihn direkt verklagen kann oder der echte Horst Rüter verlangt von der Piratenpartei die Löschung der Trollbeiträge!

        • Name schrieb am

          Sockenpuppen gab es in der Atomindustrie zu Hauf, nun sind sie arbeitslos und entdecken Fracking als fur sich lukratives Sockenpuppenthema. Man kann solchen Leuten gar nicht genug Abscheu und Verachtung zollen.

  2. zarathustra schrieb am

    moin

    ja – solche theorien kenn ich.

    welche hätten sie denn gern?

    da verbünden sich die brasiianer mit den nazis um eine (bloss eine) atombombe zu bauen, die antifachisten mit den nazis um …

    also es gibt eine weltweite verschwörung.

    laut die partei die linke ist hartz IV eine verschwörung von cia und deutschem grosskapital.

    schön, dass es eine weltverschwörung gibt.

    die pds hat eines vergessen, etwas selbstverständliches.
    schuldig sind die menschen mosaischen glaubens.

    es gibt ne weltverschwörung.
    die júden sind schuld.
    widerstand ist verboten.

    ne parteibonze erklärte mir mal nsu.
    es geht sogar noch anders als im text vorher.

    schuld sind immer die juden und die weltverschörung.
    gibt es keine verschwörung, dann ist es eben grosskapital (gib es das ohne juden? und in verbindung mit nsa.

    der herr rüter hat unrecht.
    fracking gibt es in den zb in den usa und da gibs probleme…zb grundwasser.

    der argu von dirk kann ich nicht zustimmen.

    die netherlande planen fracking – das sollte diskutiert werden.
    (und dat is julia ihr sach)
    de netherlands als trolle abzutun…

    (kasskoppje – de het us moffje)

  3. Grimnir schrieb am

    Siehe z.B.
    http://de.wikipedia.org/Hydraulic_Fracturing
    Selbst bei konventionellen Lagestätten ist Fracking eine akzeptierte Methode, um aus eine erschöpften Quelle noch den letzten Rest rauszupressen. Auch in Putins Sibirien wird daher munter drauflos gefrackt. Der einzige Grund, weshalb sich da niemand aufregt ist, dass diese Gegend sehr dünn besiedelt ist. Da von den Umweltschäden in Sibirien nur wenige Menschen unmittelbar betroffen sind, sind die sozial-ökologischen Nebenkosten einer Erdöl- und Erdgasförderung dort niedriger als in Europa. Selbst in den USA und in Kanada gibt es Widerstand. Cowboys (Rinderzüchter) und Indianer (Bison-Züchter) fürchten dort um die Weidegründe für ihre Tiere und protestieren z.B. gegen Keystone XL. Bei Southstream protestiert die betroffene Bevölkerung komischerweise nicht. Der Widerstand gegen Southstream geht ausschließlich von der NATO und der EU aus. Einige EU-Mitgliedsstaaten (z.B. Österreich) wollen das Southstream-Projekt sogar gegen den Widerstand der Obrigkeit weiter forcieren. Putin war deshalb heute zu einem Arbeitsbesuch in Wien. Daher sehe ich im Moment keine Notwendigkeit, Fracking in der EU zu legalisieren. Die USA versuchen, Russland vom europäischen Energiemarkt zu verdrängen und haben dafür sogar einen Bürgerkrieg in der Ukraine angezettelt. Dieser inzwischen sogar mit militärischen Mitteln geführte Verdrängungswettbewerb ist ein deutliches Zeichen, dass wir in Europa ein Überangbot haben. Sollten wir in ferner Zukunft wirklich man einen Mangel an Öl und Gas haben, können wir das Thema Fracking gern nochmal auf die Tagesordnung setzten.

    • Idee schrieb am

      Das ist eben das umstrittene an der Fracking Argumentation. Sie ist nicht ehrlich. Man sucht sich eine Technik aus, die vergleichsweise harmlos ist und behauptet, man hätte die gleiche Technik nur minimal anders, aber genauso harmlos.
      Es wäre doch mal schön, wenn man an Produkten und Produktionstechniken, die erwiesenermaßen schlecht sind, mit einem ehrlichen Aufdruck versieht, so ähnlich wie die heutigen Warnhinweise oder die kommenden Schockbildchen auf Tabakwaren.
      Es wäre doch mal schön, wenn man den in einem Land erkämpften hohen Verbraucherschutz und Standard in ein anderes Land übertragen könnte, ohne von vorn Klagen zu müssen.
      Es wäre doch mal schön, wenn man vor Masseneinführung beweisen muss, dass die Technik harmlos oder zumindest nicht für Mensch oder Umwelt schädlich ist, Und man nicht umgekehrt – nach der Einführung – beweißen muss, dass der Schaden von dieser Technik kommt. Diese „Beweislastumkehr“ können sich viele Länder gesundheitlich, finanziell und vor allem wegen ihrer Umwelt einfach nicht leisten.

      • Grimnir schrieb am

        @Idee

        „Es wäre doch mal schön, wenn man vor Masseneinführung beweisen muss, dass die Technik harmlos oder zumindest nicht für Mensch oder Umwelt schädlich ist, Und man nicht umgekehrt – nach der Einführung – beweißen muss, dass der Schaden von dieser Technik kommt.“

        Zum Glück hat sich diese fortschrittsfeindliche Sichtweise bisher nicht durchgesetzt. Machbar ist eine solche „Beweislastumkehr“ allenfalls in einer Diktatur von Öko-Bürokraten. Das in Artikel 2 GG verbriefte Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit gilt auf für Erfinder.

        • Idee schrieb am

          Erfinder führen nichts massenhaft in den Markt ein, sie erfinden. Und so fortschrittsfeindlich ist die Sicht nicht: Perlsacktiere wurden auch erfunden und durften auch auf den (deutschen) Markt und mussten „hinterher“ beweisen, dass sie unschädlich sind.
          Man kann nur keine Energiegewinnungstechnik auf die Menschen im dicht besiedelten Raum loslassen, von der man aus den Erfahrungen in anderen Ländern bereits Beweise vorliegen hat, dass sie schädlich auf Umwelt und Mensch wirken. Das wird sich erstmal nicht ändern, nur weil man auf deutschem Boden frackt. Wenn Globalisierung, dann richtig.

          • Grimnir schrieb am

            Fracking wurde im Weltmaßstab 1947 erstmalig angewendet, in Deutschland 1961. Für eine „Beweislastumkehr“ ist es also ein wenig spät. Ähnlich verhält es sich mit der Kernenergie. Auch sie wurde erst massenhaft eingeführt und wird (zumindest in Deutschland) gerade wieder abgeschafft.

            Auf die Idee, von den Herstellen von Perlsacktieren einen Unschädlichkeitsnachweis zu verlangen kann nur ein Vollblut-Bürokrat kommen, der sein Lebensziel darin sieht, die Industrie mit unsinnigen Verordnungen zu schickanieren. Das ist ja noch besser als die EU-Verordnung über den Krümmungsradius der Banane.

            • Idee schrieb am

              Ich bezweifle mal, dass das Wort „Fracking“ bereits 1961 in Deutschland dokumentiert ist. Selbst Google und die NSA werden keine Orginaldokumente darüber finden, dass die Methode „Fracking“ genannt wurde. Wie gesagt, man sucht sich eine Methode aus, die es schon gab, nennt sie so wie heute und sagt dann, das gab es damals auch schon. Und damals war es schon harmlos und nach 53 Jahren bei der heutigen Technik ist es natürlich noch viel unschädlicher für Mensch und Umwelt. Die angeblichen Beweise in anderen Ländern dagegen, die die Schädlichkeit beweisen sollen, stammen nur aus dem Hirn Hollywoods.

              Man kann das heutige Frackingverfahren nicht mit dem Verfahren von damals vergleichen.

              Warum vergleicht man das heutige Fracking nicht gleich ehrlicherweise mit harmlosem Nasebohren? Da kann man dann das Facking für den Weltmaßstab auch ohne Orignialdokumente glaubhaft machen und noch viel weiter als 1947 zurückgehen. Man kann noch nichtmal gegenhalten, dass noch niemand Schiefergas aus seiner Nase gefördert hat und dies nur mangels bislang ungeeigneter Technik zu erklären wäre. Es gibt bzw. gab bestimmt Bergmänner, die untertags zwischen Schiefergasschichten arbeiteten, in der Nase bohrten und tatsächlich Schiefergas zu Tage förderten. Und das ganze auch noch lizenzfrei.

              • Grimnir schrieb am

                Die mit neuartigen Verfahren zu fördernden Schiefergasvorkommen liegen in einer Tiefe, in der sicher noch kein Bergmann leibhaftig war. Gräbt man einen Stollen in eine gashaltige Gesteinsschicht, so tritt das im Bebirge enthaltene Gas sofort aus. Dieses Gas kann dann eine Methangasexplosion und somit ein Grubenunglück auslösen. Daher wird es üblicherweise abgepumpt, bevor Bergleute es einatmen können.

                Wenn Sie es ablehnen, neuartige Fracking-Technologien mit bereits früher angewendeten Verfahren zu vergleichen, haben Sie überhaupt keine wissenschaftliche Basis, aufgrund derer Sie die Umweltschädlichkeit beurteilen können.

                In der Nase bohren scheint die einzige Bergbautechnologie zu sein, von der Bürokraten wirklich etwas verstehen. Ungefährlich ist sie deshalb noch lange nicht. Bohrt der Beamte mit einem Zirkel in der Nase und schläft dabei ein, kann er sich ganz böse verletzen. Daher sollten die Hersteller von Zirkeln verplichtet werden, derartige Unfällen mit einem Ungefährlichkeitsnachweis zu vermeiden.

              • Name schrieb am

                Da Sie von „wissenschaftlicher Basis“ schwätzen:

                Sagen sie doch mal, wieviel Quecksilber, Benzol und radioakive Nuklide gasförmig und/oder mit dem Lagersstättenwasser nach oben gespült werden?

                Sie haben keine Ahnung? Soviel zum Thema wissenschaftliche Basis.

                Und kommen Sie nun ja nicht mit dem Geschwätz von „Grenzwerte werden eingehalten“ ohne Messreihen zu liefern.

  4. Cord Böge schrieb am

    Wozu braucht der gesunde Menschenverstand hier wissenschaftlichen Rat? Es gibt Beispiele genug, die die gesamte Methode Fracking in Frage stellen.
    Ich habe in der Vergangenheit auf der Seite stoppt-fracking.de Artikel von engagierten Piraten veröffentlicht und etliche Beiträge zu dem Thema verlinkt. Zwangsläufig habe ich mir selbst Gedanken zu dem Thema gemacht. [Link gefixt /Maschinenraum]
    Meine persönliche Ablehnung gegen Fracking ist hauptsächlich in den nicht kalkulierbaren Risiken für die zukünftigen Generationen begründet.
    Im Gegensatz zu USA, die gern als Beispiel herangezogen wird, ist Deutschland ein sehr eng besiedelter Raum. Die Naturkatastrophen der letzten Jahre haben gezeigt, wie eng dieser Raum werden könnte. Wir, die Menschen die auf diesem Raum Leben, brauchen also eventuell in den nächsten Jahrzehnten oder auch Jahrhunderten Ausweichflächen, die wir bei einer weiter fortschreitenden Erderwämung als Lebensraum benötigen. Auch in diesem Raum brauchen wir vor allem Trinkwasser.
    Genau diese heute nicht besiedelten Gebiete sind es aber in denen man Fracking, das die Versorgung mit Öl und Gas für eine Zeit maximal 5-10 Jahre sichern kann, nutzen will.
    Schon die Kurzsichtigkeit beim Atomstrom, die eine Genehmigung von Atomkraftwerken ohne Entsorgungskonzept erlaubte, hinterlässt nachfolgenden Generationen ein teures und gefährliches Erbe. Jetzt soll noch Fracking dazu kommen? Wann ist endlich Schluss damit?
    Hier die aus meiner Sicht wichtigsten nicht wissenschaftlichen Argumente gegen Fracking.
    Unser Lebensraum wird künstlich eingeengt und für die Nutzung durch zukünftige Generationen unbrauchbar gemacht.
    Jedes einzelne Bohrloch birgt eine Gefahr, da niemand die Veränderungen im Untergrund vorhersehen kann. Das ist Natur pur. Betonstopfen die beim Fracking den Lebensraum vor der Verseuchung mit Giften und Radioaktiven Stoffen aus der Tiefe schützen sollen, sind keine Standardprozedur, sondern ein komplexer individueller Vorgang je Bohrloch. Das diese Technik fehlschlagen kann zeigt die Katastrophe auf der Deep Water Horizon im Golf von Mexiko.
    Eine Überwachung ausgedienter Lagerstätten wird bei der Vielzahl der Bohrlöcher und der großen Tiefe kaum über Generationen bezahlbar bleiben.
    Und dann die Haftung. Keiner weiß bisher wie hoch ein Schaden werden kann, sollte so ein Bohrloch kollabieren. Keiner weiß wie lange die verantwortlichen Firmen dafür haften. Firmen kommen und gehen, auch Pleite. Und dann, zahlt der Staat, also wir die Bürger?
    All diese Risiken für 5-10 Jahre Öl und Gas? Ist das alles, was wir innovativ zu bieten haben, oder spielen hier kurzzeitige Gewinne einiger weniger an den Schaltstellen der Finanzwelt die Hauptrolle?
    All das macht mich zu einem Gegner von jeder noch so schön geredeten Art des Frackings.

  5. Ulmer schrieb am

    Greenpeace finanziert sich zu 100% aus -PRIVATEN- Spenden. Natürlich können scheinbar “private” Spenden auch von Politik und Industrie kommen.
    Jedoch haben diese keinen Einfluss/Kontrolle auf die Verwendung innerhalb der Greenpeace Organisation. D.h. Rußland kann über Privatleute schon an Greenpeace spenden, werden sie aber sicherlich nicht tun. Dieses Geld wird dann ziemlich sicher auch für die Störung des Gasförderbetriebs von Gazprom in der Artiks genutzt. Damit würden sie die Störung ihrer eigenen Wirtschaftsinteressen stören. Das machen sie sicher nicht, zudem hat dies Russland auch nicht nötig. Der Gas Bedarf steigt und auch mit Fracking wird sich Europa nicht selbstversorgen können.
    Erneuerbare Energie, der einzige Weg aus der Abhängigkeit von Öl, Gas und Börsen!

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