Refugees Welcome!

(CC-BY) noborder network

Ein Gastbeitrag von Holger Hennig, @hollarius.

Was bedeutet das eigentlich: Flüchtling zu sein, zu flüchten? Ich weiß das nicht aus eigener Anschauung – und ich bin sehr froh, dass das so ist. Ich habe es aber sehr direkt aus zweiter Hand erfahren. Meine Großmutter ist aus Ostpreußen geflohen, mit meinem damals zweijährigen Vater auf dem Arm, meiner Tante an der Hand. Immer wieder hat sie davon erzählt, und als ich so langsam erwachsen wurde, hat sie auch ziemlich schonungslos von ihren Ängsten, von ihrer Verzweiflung erzählt.

Flüchtling sein ist etwas Schreckliches.

Vertriebenenkind zu sein, hat in mir nie die revanchistischen Gefühle ausgelöst, die die Vertriebenenverbände bis heute kultivieren. Mir war und ist es bis heute immer wichtiger, dass die Gründe verhindert werden, wegen denen Menschen zu Flüchtlingen werden. Aber was ist, wenn das Kind im Brunnen ist? Wenn Leute die Flucht auf sich nehmen? Dann versuche ich zu verstehen.

Ich überlege mir, was passieren müsste, dass ich flüchte.

Was man mir alles nehmen muss, was man mit mir anstellen muss, wie viel Angst man mir machen muss, wie sehr man mir die Beine unter dem Körper weg ziehen muss, bevor ich flüchte. Wie wenig Hoffnung muss ich haben, bevor ich irgendwo hin gehe, wo man eine fremde Sprache spricht, wo ich nichts habe, als das, was ich am Körper trage, wo ich mich auf Gedeih und Verderb fremden Institutionen ausliefere?

Wie viel meiner Würde muss man mir genommen haben, dass ich zu diesem Mittel Flucht greife?

Ihr kennt diesen Satz: »Die Würde des Menschen ist unantastbar!« Er ist der Kern des Grundgesetzes, und wenn uns das Grundgesetz etwas bedeutet, sollte dieser Satz die Leitlinie unserer Politik sein. Flüchtlinge sind Menschen, denen die Würde genommen wurde, und wenn wir dem Grundgesetz folgen wollen, dann müssen wir ihnen die Würde zurückgeben.

Ein Willkommen ist da nur der erste Schritt.

Flüchtlinge nicht weiter ihrer Menschenrechte zu berauben – das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Sie vor Rassismus zu schützen, sie an die Hand zu nehmen, wenn sie an die Hand genommen werden wollen. Ihnen die Möglichkeiten geben zu arbeiten, Freunde zu besuchen und sich ein Leben hier aufzubauen, wenn sie ein Leben in ihrer Heimat nicht mehr finden werden, wollen oder können.

Geben wir ihnen ihre Würde zurück.

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Kommentare

Ein Kommentar zu Refugees Welcome!

  1. zarathustra schrieb am

    moin

    buchtipp:
    ordnungsgemäße überführung
    r.m douglas
    ch beck – € 17.95

    – gibt interessante einblicke –

    laut regelung aus den 50er ist jeder nachkomme von vertriebenen auch ein vertriebeber. (geschichte der brd)
    holger ist gesetztlich vertriebener ostpreusse.
    (geltende rechtslage)
    also würde er mit freuden von dem mansurischem landesverband aufgenommen werden.

    ich selbst könnte einem anderem landesverband angehören.

    da ich nie da war, frage ich mich, wie ich vertrieben sein kann?

    (auf einen rechtsanspruch kann ich nur verzichten, wenn ich ihn habe – da ich keinen anspruch habe, kann ich auch nicht verzichten)

    jeder diskussion über die grenzen von 45 erteile eine absage.
    (mögen auch piraten anderer meinung sein)

    art 1 abs I findet seine präzisirung in den weiteren artikeln.

    politisch verfolgte „geniessen“ asyl.
    – steht ihnen zu –

    daran knüpft sich die frage, wen wir aufnehmen.

    würden wir jeden aufnehmen, der nach europa kommt, würden alle sozialprogramme zusammen brechen.
    jedem der herkommt nach ablehnung des asylantrages bleiberecht gewähren – hatten wir. dies führte zum gg-wärtigen asylrecht.

    es machen sich tausende von menschen auf – in ihrem unbetreitbaren traum, ein besseres leben zu finden.
    sie stürmen die zäune in mellia, kommen in booten, bei denen es wundert, dass sie nicht beim „beladen“ (nicht einsteigen) sinken.
    dass ist tatsache.

    alle die aufnehmen?
    von herzen gern.

    aber das geht nicht.
    wir können die probleme von zb afrika nicht dadurch lösen, dass wir jeden aufnehmen, der nach europa zu kommen versucht.

    wir lösen nicht die probleme in afrka, wenn wir jeden flüchtling aufnehmen!

    (ungarn – na logo hat jeder in ungarn verfolgte jude asyl in d-land:
    mal abgesehen davon, dass sich juden rechtfertigen müssen, wenn sie im land der täter leben, liefern wir nicht dem oh-barm und der jobik (…) ne ausrede: geht doch nach drüben, wenn wir wegsehen?

    sollen wir nun schiffe ins mittelmeer schicken, was den schleuserbanden das geschäft erleichtert und weitere botte bedeutet oder wegsehen und menschen absaufen sehen.

    der idee, jeder, der kommt, darf bleiben widerspreche ich aus 3 gründen:

    1. deswg ham wir ja das bestehnde asylrecht.
    2. unsere sozialsysteme würden zusammenbrechen, wenn wir jeden aufnehm,en,der kommt.
    3. dem snowden mitzuteilen, alle betten belegt, du musst draussen bleiben – geht schon mal garnicht. – es muss platz in d-land für pol verfolgte sein (geschichte des GG)

    @ lulia (mdeup) italien, spanien & andere wollten keine eu-weite aufnahme von flüchtingen – mok dat.

    @ dirk
    ich habe dich ungerechtfertigt, falsch und mies angegriffen.
    ich entschuldige mich dafür.

    z

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