Taxifahrerproteste: Innovativen Internetdiensten eine Chance geben!

(CC-BY-SA) Lucie Provencher

Zu der Ankündigung des in Hamburg verbotenen Internet-Fahrtenvermittlungsdienstes »Wundercar«, künftig bundesweit Fahrten zu vermitteln, erklärt Patrick Breyer, Abgeordneter der PIRATEN im Landtag von Schleswig-Holstein und Verkehrsexperte der Fraktion:

»Verbraucherschutz darf nicht zur Bevormundung werden. Bei entsprechender Aufklärung können Verbraucher gut selbst entscheiden, ob sie einen lizenzierten Taxidienst in Anspruch nehmen wollen oder einen unlizenzierten Internetdienst. Mitfahrgelegenheiten werden schon heute erfolgreich auf eigene Verantwortung organisiert. Übrigens könnten durchaus auch nicht ausgelastete Taxifahrer von den neuen Diensten profitieren. Diese Dienste versprechen immerhin einen besseren Service bei günstigeren Preisen – Wettbewerb belebt das Geschäft. Günstigere Preise machen auch den Verzicht auf ein eigenes Fahrzeug leichter, was die Umwelt schützt. Wir sollten innovativen Internet-Fahrtvermittlungsdiensten eine Chance geben und das alte Personenbeförderungsgesetz modernisieren.

Wir erleben hier bei den Taxifahrern dasselbe wie in anderen Branchen: Die neuen Möglichkeiten des Internets treffen auf völlig unvorbereitete Strukturen und bringen althergebrachte Denkweisen ins Schlingern. Der Staat muss verhindern, dass durch die neuen Möglichkeiten berechtigte Interessen anderer verletzt werden, indem zum Beispiel Bewegungsprofile erstellt werden, aber er darf nicht zum wettbewerbswidrigen Zementieren überlieferter Geschäftsmodelle beitragen. Wem in dieser Situation wirklich an Verbraucherschutz läge, der müsste sich jetzt rasch überlegen, wie den Benutzern der neuen Dienste die Unterschiede, z.B. in Haftungsfragen oder beim Datenschutz transparent gemacht werden können – denn sie müssen gegen den günstigeren Preis abgewogen werden. Die Taxifahrer wären ebenfalls gut beraten, sich mit den Möglichkeiten der neuen Medien auseinanderzusetzen, um zu vermeiden, dass sie hier schlicht von der Entwicklung überrollt werden und eine Situation wie beim Urheberrecht entsteht, wo es zwar gesetzliche Regelungen gibt, diese aber von einer ganzen Generation weitgehend ignoriert werden.«

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Kommentare

18 Kommentare zu Taxifahrerproteste: Innovativen Internetdiensten eine Chance geben!

  1. Bernd schrieb am

    Schon mal im Personenbeförderungsgesetz geblättert? Personen im gefahrgeneigten Straßenverkehr zu befördern gegen Entgelt, das ist, zu Recht finde ich, in Deutschland relativ strikt geregelt:
    Personenbeförderer müssen zuverlässig sein, das wird behördlich regelmäßig überprüft. Sie benötigen einen speziellen Führerschein zur Fahrgastbeförderung, Seh- und Hörfähigkeit, Reaktionstests, in größeren Städten ist Ortskunde nachzuweisen, die Fahrzeuge müssen jährlich zum TÜV, auch die müssen zuverlässig sein.
    Natürlich soll jemand, der entgeltlich Personen befördert, davon leben können, wenn er dies Vollzeit tut, und kranken- und rentenversichert sollte er auch sein können.

    Wenn nun jemand gegen reine Erstattung der Unkosten jemanden mitnimmt (Mitfahrgelegenheit), weil er „sowieso“ diesen Weg fährt, ist dagegen nichts zu sagen, da es in der Privatsphäre liegt und dem Prinzip „sharing is caring“ gemäß kein Einkommen generiert, lediglich Unkosten sollen erstattet werden.

    Die Anbieter wie uber wollen aber unter dem „Deckmantel“ der Mitfahrzentrale eine unregulierte Art „Schwarztaxi“ etablieren, bei der nur einer reich wird: der Anbieter.
    Die prekären Schwarztaxler werden, ähnlich wie dies bereits bei Pizza- oder Kurierdienstboten mit dem eigenen PKW läuft, zu Niedrigst“löhnen“ in einer Art Selbständigkeit sozialversicherungsfrei organisiert, die sozialen Kosten der ganzen Nummer werden der Allgemeinheit aufgebürdet.

    Der Vergleich mit dem Urheberrecht ist Unfug, bei Personenbeförderung im Gelegenheitsverkehr (Taxi und Mietwagen) wird eine reale Dienstleistung erbracht und kein Recht gehandelt bzw. verwertet.

    Die Taxifahrer haben sich schon ganz intensiv mit den neuen Medien auseinandergesetzt, z.B. Anwendungen wie myTaxi, und herausgefunden, dass man solche unerwünschen Mitesser bzw. Fettabscheider, also schlaue App-Designer die gerne woanders mitverdienen würden, aber die Dienste selbst nicht erbringen wollen, ausbremsen muss.

    Solche Apps, die bei den extrem knappen Margen im Gewerbe bis zu 15% (!) des Fahrpreises als „Vermittlungsprovision“ einstreichen wollen, wird man stoppen müssen, denn sie führen doch nur dazu, dass entweder die Fahrpreise steigen müssen, da Maklereprovision draufgeschlagen werden müßte, wogegen die Tarifpflicht und die festgesetzten fixen Taxitarife sprechen, oder eben die Löhne der Taxler weiter sinken. Dagegen protestieren sie und organisieren sich. Die Apps führen, wenn sie erfolgreich sind, zu noch mehr Ausbeutung bzw. Selbstausbeutung, bei kaum sinkenden Kosten für die Kunden, da ja eine Provision mitverdient werden muss.

    Irgendwann ist man dann von der Tendenz her bei Verhältnissen wie beim i-Phone, da sind noch 1% des Ladenpreises Löhne, für die chinesischen Billigarbeiter, die die Dinger zusammenschrauben, und über 50% Marge, für den Konzern. Toll.

    Zum Thema neue Technik an sich: fast alle Taxen haben inzwischen elektronische GPS-basierte vollautomatische Auftragsvermittlung. Was von uber& Co. als Innovation verkauft wird, das gibt es also längst. Jede der großen Funkzentralen in D. bietet Taxibestellung über das Internet, per Smartfon oder Mobilfon an. Kostenlos für die Kunden, und sehr kostengünstig für die Taxen.

    Innovationsbedarf besteht also nur bei denen, die das Personenbeförderungsgewerbe als noch reguliertes Gewerbe aufbrechen wollen, um einen persönlichen Vorteil daraus zu ziehen. Den Kunden verkauft man es als Preisvorteil.

    • Dirk schrieb am

      > Der Vergleich mit dem Urheberrecht ist Unfug
      Bezüglich des „Gutes“, um das es geht, gebe ich Dir durchaus Recht. Allerdings scheint mir die Analogie doch nicht so sehr weit hergeholt, da die Argumentationsmuster erhebliche Parallelen aufweisen. Symptomatisch: Zeilen wie
      > solche unerwünschen Mitesser bzw. Fettabscheider
      und (aus einem anderen Kommentar hier)
      > PIRATEN IMMER NOCH KOMPLETT OHNE AHNUNG VON ALLEM WAS SIE REDEN!
      müssen wir dort leider auch lesen – oft ähnlich LAUT. Das alleine ist ja schon eine Information…

      Mit den sozialen Auswirkungen des Informationszeitalters – das sehe ich genauso wie Du – sollten wir uns als Piraten mehr auseinandersetzen. In der angestrebten Grundeinkommensgesellschaft ist das kein Problem. Aber in der Zwischenzeit wäre es vielleicht auch an uns Piraten, unsere Stärken in die Erarbeitung konkreter Vorschläge einzubringen. Sicher beim Urheberrecht und warum auch nicht hier. Aber in beiden Fällen brauchen wir dazu Gesprächspartner, denen eine sachliche Diskussion zum Nutzen Aller am Herzen liegt – und nicht Menschen, die Andere mit Hautunreinheiten vergleichen oder einfach nur RUMSCHREIEN.

    • Matthias Maschke schrieb am

      Hier muss ich Bernd recht geben.
      Gegen konventionelle Mitfahrgelegenheiten im rivaten Bereich ist nichts einzuwenden.
      Aber hier versuchen dritte im unlauteren Wettbewerb sich einen Vorteil zu erschleichen.
      Das Personenbeförderungsgesetzt kann überhaupt nicht überholt oder veraltet werden.
      Es macht von grund auf Sinn, das Jemand der beruflich andere Menschen transportiert dafür speziel ausgebildet wurde und auch bei Fehlverhalten ersnte Konsequenzen zu fürchten hat.
      Es ist einfach nicht zumutbar das konventionelle Taxi´s in konkurrenz zu Leuten stehen die sich an so gut wie keine Regel halten müssen.

      Am schlimmsten sind die VermittlerApps.
      Ob das Taxiapps oder Fastfood Lieferdienst Apps sind.
      Eine Provision von 15% ist nicht ungewöhnlich.
      Ich finde das die Leute aus Prinzip auf solche Apps verzichten sollten.
      Gerade wenn es um frisch zubereitette Nahrungsmittel und der Beförderung von Menschen geht.
      Hierbei geht es um extrem verantwortungsvolle Aufgaben bei denen ein Konkurrenz und Preiskampf um jeden Cent nicht im Interesse des Konsumenten sein kann und darf.

  2. Jason Peper schrieb am

    Ich finde den Artikel zu kurz gegriffen und einseitig. Ich versuche in den nächsten Tagen mal eine Erwiderung

    • Dirk schrieb am

      Texte, die auf der Basis piratiger Programmatik aktuelle Themen diskutieren, sind der Onlineredaktion stets willkommen. Kontaktmöglichkeiten und Informationen zum Workflow findest Du im Wiki.

    • Dirk schrieb am

      Soweit ich erkennen kann, ist der Autor des verlinkten Artikels Taxifahrer – der natürlich aus seiner Sicht Argumente vorträgt. Das ist sein gutes Recht und ich würde mich freuen, wenn wir eine Erwiderung dazu auf Basis der piratigen Positionen zu ähnichen Herusforderungen der Informationsgesellschaft fänden. Was Dich nun allerdings veranlasst, »selbst denken« ausgerechnet mit einem Link einzufordern, erschließt sich mir nicht. Viel interessanter wäre es, wenn Du gezielt Kritik an Aussagen der Pressemeldung einbringen würdest.

  3. Patrick schrieb am

    Dass künstlich hohe Tarife automatisch ein höheres Fahrereinkommen bedeuten würden, ist so nicht richtig. Es gibt Fälle, in denen Tariferhöhungen zu geringerem Einkommen geführt haben, und Fälle, in denen Tarifsenkungen das Einkommen der Fahrer erhöht haben. Auch gibt es Untersuchungen, wonach selbständige Fahrer besser verdienen als angestellte Fahrer.

    Dass eine Freigabe der Tarife und des Marktzugangs zu einem geringeren Einkommen der Fahrer führen würde, steht also nicht fest. Es kann auch umgekehrt sein, weil günstigere Tarife mehr Nachfrage erzeugen und damit ein „größerer Kuchen“ an Einnahmen zu verteilen ist.

    Fahrer werden auch ohne Preisregulierung nicht für weniger fahren als sie anderswo verdienen können. Schließt man sie durch Regulierung vom Markt aus, arbeiten sie anderswo unterbezahlt oder sind arbeitslos. Die Piratenpartei will das Existenzminimum nicht durch staatlich festgelegte Angebotspreise sichern, sondern hat dafür andere Konzepte.

    Die Arbeitsbedingungen in China sind in der Tat vielfach katastrophal. Aber erst die internationale Nachfrage hat dazu geführt, dass die Bedingungen jetzt allmählich verbessert werden können. Vorher haben viele der heutigen Arbeiter als selbständige Kleinbauern unter völlig ungeschützten Bedingungen gearbeitet. Der Lebensstandard der Arbeiter in der chinesischen Industrie verbessert sich jetzt allmählich.

    Und um schließlich noch einen anderen sozialen Aspekt in die Diskussion einzuführen: Günstigere Preise machen Taxen auch für Menschen mit geringem Einkommen erschwinglich und eröffnen ihnen die Mobilitätsoptionen, die bisher besser Verdienenden vorbehalten sind.

    • Björn schrieb am

      Zum Thema „Mobilitätsoptionen werden eröffnet“: Lt. ZEIT-Artikel von heute werden bei Wundercar Fahrgäste, die von ihren Fahrern zu schlecht bewertet werden, aus dem System geworfen, d.h. schlimmstenfalls zukünftig nicht mehr befördert. Nachdem die Bezahlung ja über ein freiwilliges „Trinkgeld“ erfolgt, heißt das wohl beispielsweise, das nur ein überdurchschnittliches Trinkgeld weitere Fahrten garantiert. Eine Beförderungspflicht wie im „veralteten“ Taxi-Geschäftsmodell gibt es sowieso nicht. Eine verbesserte Zugänglichkeit von Transportdienstleistungen sieht für mich anders aus.

      Ich vermisse bei dem Autoren jedenfalls eine kritische Abwägung der Vor- und nach Nachteile des Wundercar- und ähnlicher Systeme. Anscheinend wird reflexhaft jede Internet-basierte Technologie per se hochgejubelt und jegliches menschliche Handeln hat sich den technischen Möglichkeiten unterzuordnen. Wenn dann Schutzgesetze, und als solches verstehe ich das PBefG, über das Internet ausgehebelt werden können, dann muss halt das Schutzgesetz beseitigt werden. Na doll. Dann fahren uns halt herzkranke, halbblinde Epileptiker ohne Ortskunde durch unsere Straßen – der Wettbewerb wirds richten (Gesundheitszustand und Otrtskunde prüft Wundercar lt. deren Website jedenfalls nicht). Aber ach, ich vergaß, die Vorauswahl der Fahrer wird ja dann zukünftig durch den gewinnorientierten und nicht zur Transparenz verpflichteten App-Anbieter aus Übersee sichergestellt.

      Worauf ich eigentlich hinaus will: Bitte trennt doch mal die Bewertung der Vermittlungsmethode (Internet/App) von der Bewertung der vermittelten Dienstleistung (faktisch gewerbliche Personenbeförderung).

  4. cabbi schrieb am

    Nachdem die Hamburger Behörde Wundercar verboten hat, ändert WC schnell mal die Geschäftsbedingungen und verlangt nur noch 0,35 Euro pro Kilometer weil das im Rahmen der Betriebskosten liegt. Wer will denn eigentlich für 35 Cent pro Kilometer sein Auto verhunzen oder vielleicht seinen Gast gratis befördern?
    Hier wird immer so getan als ob das Taxigewerbe alle Trends verschlafen hat. Sicher hat es mit den Apps etwas gedauert aber es gibt mit MyTaxi und Taxi.eu zwei weltweit funktionierende Apps mit offiziell lizensierten Taxis und vom Fahrgast bewerteten Fahrern. Außerdem gibt es jede Menge lokale Apps und Internetseiten von Unternehmen die sich intensiv und sehr freundlich um ihre Gäste kümmern.
    Was will der deutsche Verbraucher? Natürlich nette und höfliche Fahrer und saubere Autos! Das hat er/sie auch verdient. In einer Umfrage waren 83% der Fahrgäste sehr zufrieden mit dem Taxigewerbe. Die anderen 17% scheinen sich nur in Foren zu äußern. In einer weltweiten Umfrage kam London auf Platz 1, Berlin auf Platz 4.
    So schlecht kann das Taxigewerbe also gar nicht sein!
    Hat sich schon einer mit den Preisen vertraut gemacht? Beispiel Taxi in Berlin, für 27 km zahlt man 42 Euro. U-Pop mit 50 min Fahrzeit 45,50 Euro. Die können also teurer sein und das finden die Verbraucher gut? Die Preise bei den Taxis sind festgelegt von Städten und Gemeinden. Egal ob Diesel gerade um 20 Cent pro Liter steigt, der Verbraucher fährt zum festgelegten Preis auch wenn es stürmt oder schneit. Preise von Uber und Co. können variabel sein. Das kann dann auch das Dreifache kosten. Und während das Taxiunternehmen Steuern und Sozialabgaben zahlt, steckt sich der Privatfahrer nach Abzug der 20% Provision das Geld brutto in die Tasche und das war es dann?!?! Überträgt man das auf andere Gewerbe, bricht das Sozialsystem zusammen.
    Jeder kann eine Dienstleistung billiger anbieten wenn er weder Sozialabgaben noch andere Kosten hat. Das ist keine Kunst. Einem amerikanischen Anbieter zu helfen, als Verbraucher noch mehr Geld für eine Dienstleistung zu bezahlen, als Fahrer Geld zu verdienen und sich nach bisher geltendem deutschen Gesetz strafbar zu machen, das Sozialsystem in Frage zu stellen, ist einfach nur dusslig.

  5. Thomas Matzka schrieb am

    Und schon wieder eine unsinnige Veröffentlichung „im Namen der Partei“.

    Und dass Patrick Breyer ein „Verkehrsexperte“ sein soll, darf ich doch spätestens nach diesem Artikel getrost infrage stellen:

    „Übrigens könnten durchaus auch nicht ausgelastete Taxifahrer von den neuen Diensten profitieren. Diese Dienste versprechen immerhin einen besseren Service bei günstigeren Preisen – Wettbewerb belebt das Geschäft.“ Allein dieser Satz stellt seine absolute Unkenntnis der Materie dar. Taxifahrer fahren nämlich zu festgesetzten Tarifen, die vom jeweiligen Land bzw. der jeweiligen Gemeinde vorgegeben werden und die für den Taxifahrer zwingend bindend sind.

    Taxen unterliegen nämlich gesetzlich vorgeschrieben der BOKraft (Verordnung über den Verkehr von Kraftfahrunternehmen im Personenverkehr). Hier heißt es im §37 ausdrücklich:

    „(1) Ein anderes als das vom Fahrpreisanzeiger angezeigte Beförderungsentgelt darf nicht gefordert werden“ Ich dacht, dass sollte ich unserem „Experten“ mal erklären.

    Des weiteren stellen diese Apps eine Gefahr für die Sicherheit der Fahrgäste dar: Bei z. B.: der UBER-App kann JEDER „Taxifahrer“ spielen, es finden keine Kontrollen der Fahrzeugsicherheit statt, die Fahrer haben keine erweiterten Erste-Hilfe-Kurse absolviert, haben keinen P-Schein, sind für eine professionelle Personenbeförderung nicht versichert, haben vor Fahrtantritt keine Ahnung, was die Fahrt kostet weil die Tarifsicherheit fehlt etc.

    Ganz nebenbei ruft dieser Artikel sogar indirekt zur Steuerhinterziehung auf, da diese privaten „Taxifahrer“ nicht über einen Gewerbeschein verfügen und ganz bestimmt nicht ihre daraus erzielten Einnahmen ordnungsgemäß beim zuständigen Finanzamt anmelden.

    Sollte Herr Breyer mal Beratung durch einen wirklichen Experten auf diesem Gebiet benötigen, kann er sich gern an mich wenden. (https://wiki.piratenpartei.de/Benutzer:Thomas_Matzka) Ich arbeite in der Berliner Taxizentrale, der weltgrößten, und könnte ihm sicherlich noch viele Punkte, die gegen diese Apps sprechen nennen. Aber dass würde hier den Rahmen sprengen.

    Als letzten Anhaltspunkt noch was zum Nachdenken: Taxen sind Bestandteil des öffentlichen Personennahverkehrs und unterliegen somit den Regeln desselben. Wenn ein Fahrer über eine dieser Apps Bersonen mit seinem Taxi befördert, wobei er wegen des anderen Preises ja sein Taxameter auslassen muss, spielt er mit seiner Konzession. Die ist nämlich in Gefahr, wenn er dann in eine Kontrolle kommt. Oft genug ist sie dann wg. der Annahme eines Betrugs weg. Der Fahrer kann sich dann nicht auf die Fahrt auf der Basis irgendeiner Tariffreien App berufen, da er den vorgegebenen Tarifen unterliegt. Herr Breyer findet es also richtig, wenn hier Existenzen aufs Spiel gesetzt werden, auf die die Apps selbst sowieso schon abzielen? Finde ich wirklich piratig!

    Herr Breyer, ein „Experte“ sind sie wahrlich nicht.

    Liebe Grüße

    Thomas Matzka

  6. Thomas Matzka schrieb am

    Sorry, den wichtigsten Punkt habe ich vor lauter Ärger über den blödsinnigen Artikel vergessen: DIESE APPS GREIFEN EINEN GER GRÖSSTEN ARBEITSMÄRKTE UNSERES LANDES AN!!!

    • Patrick schrieb am

      Lieber Thomas,

      dass Uber mit dem aktuellen deutschen Recht nicht vereinbar sein dürfte, ist mir bekannt. Deswegen fordere ich im Text ja auch ausdrücklich, man solle „das alte Personenbeförderungsgesetz modernisieren“. Dann könnten sich legalerweise auch die von mir genannten positiven Auswirkungen einstellen.

      Übrigens ist schon heute die staatliche Festsetzung fester Tarife nach dem Personenbeförderungsgesetz nicht zwingend, sondern optional (Verordnungsermächtigung). Im Ausland gibt es staatliche Tarife oft nicht. Durch die neuen Apps braucht es sie auch aus Transparenzgründen nicht mehr.

      Wie sicher er fahren möchte, kann der mündige Verbraucher selbst entscheiden. Schon heute dürfen beliebige Personen befördern, solange sie damit keinen Gewinn erzielen (§ 1 PBefG). Es ist nicht nachvollziehbar, warum die Gefahr größer werden sollte, wenn ein Gewinn erwirtschaftet würde. Mein Vorschlag ist ja nicht eine Abschaffung des Taxigewerbes insgesamt, sondern eine Wahlmöglichkeit für den aufgeklärten Verbraucher, alternativ auch unlizensierte Fahrer nutzen zu dürfen.

      Danke für dein Angebot zu helfen, ich komme darauf gerne zurück. Ich arbeite gerade an einer parlamentarischen Anfrage zu den neuen Diensten, vielleicht willst du daran mitschreiben oder im Pad-Chat kommentieren? https://fraktionsh.piratenpad.de/2064

      Beste Grüße,
      Patrick

      • Thomas Matzka schrieb am

        Hallo Patrick, natürlich mache ich gerne mit. Allerdings scheinst du nicht verstanden zu haben, worum es mir wirklich geht: Tarifsicherheit (Fahrgast weiß vorher, was er zahlen muss), es werden Steuern abgeführt (Was ich bei „privaten Chauffeuren“ bezweifle), die Sicherheit der Fahrzeuge, die bei uns regelmäßig zur Kontrolle müssen und vor allem: Hier wird ein riesiger Arbeitsmarkt, mit einer der größten in Deutschland, attackiert. Denn so ganz ohne Profit wird keiner der „privaten Taxifahrer“ fahren. Und dass machen die „schwarz“. Also: Ein Aufruf zur Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung. Mal kurz auf den Punkt gebracht.

        Deine Ambitionen kann ich allerdings nachvollziehen. Sicher muss im Informationszeitalter einiges geändert werden. Allerdings sehe ich das Problem halt auch darin: Der Fahrgast bestellt seinen Chauffeur und hat in dem Moment, wo der ankommt, meist noch keine Ahnung, wie viel die Fahrt kosten wird. Und was ist zum Beispiel mit Fundsachen? In Berlin können wir anhand der Konzessionsnummern die Taxen identifizieren. Somit hat der Fahrgast große Chancen, sein Eigentum zurück zu bekommen. Bei den „privaten Apps“ würde dass voraussetzen, dass Name, Telefonnummer und ggf. die Adresse des Fahrzeughalters mit übermittelt würde. Wo bleibt der Datenschutz?

        Und das Konzept der Mitfahrzentralen funktioniert nur, da es keine Bundesweit einheitlichen Tarife gibt. Auch bei gewerblichen Taxifahrern ist daher jede Fahrt, die das eigene Tarifgebiet verlässt, vorher auszuhandeln.

        So gern es mir für die Appbetreiber leid tut: Alle müssen sich nun mal an die bestehenden Gesetze halten. Daher finde ich deine öffentliche Aussage voreilig getroffen. Sie stößt mehrere Zehntausend Taxifahrer vor den Kopf.

        • Patrick schrieb am

          Hallo Thomas,

          ich verstehe deine Argumente schon, halte die aber nicht für durchgreifend:
          – Tarifsicherheit besteht auch bei den Apps
          – zum Abführen von Steuern sind auch die gewerblichen App-Fahrer verpflichtet; es kann nicht sein, dass die neuen Dienste allgemein – also auch für Steuer zahlende Fahrer – verboten werden
          – über die Sicherheit der genutzten Fahrzeuge und Vorteile bei Fundsachen usw. kann der aufgeklärte Verbraucher selbst entscheiden, wenn er die Wahl zwischen lizensierten und unlizensierten Fahrern hat
          – zum Arbeitsmarkt-/Verdienstargument siehe ausführlich meinen Post oben; eine Freigabe würde mehr Arbeit schaffen.

          Beste Grüße,
          Patrick

          • Thomas Matzka schrieb am

            1. Woher nimmst du bitteschön die Weisheit, dass bei den freien Apps irgendeine Tarifsicherheit existieren würde?
            2. Welche gewerblichen Fahrer meinst du??? Gewerbliche Fahrer sind die mit einer Lizenz und die sind an geltende Tarife gebunfen. Das sind die freien, privaten Fahrer nicht.
            3. Der Fahrgast kann bei den „freien“ Fahrern erst entscheiden ob er das Auto nutzt, wenn der Wagen vor ihm steht. Außerdem bezweifle ich, dass der Fahrgast dann erst mal einen Bremsencheck o. ä. macht um die Sicherheit zu testen. Die ist bei gewerblichen Taxen durch regelmäßige (weil vorgeschriebene) Kontrollen gewährleistet.
            4. Eine Freigabe würde mitnichten Arbeitsplätze schaffen, eher vorhandene vernichten. Diese Apps sollen nämlich PRIVATPERSONEN ermöglichen, in die Rolle von Taxifahrern zu schlüpfen, die Umsatz- und Gewerbesteuern zahlen müssen. Außerdem zahlen die Taxiunternehmen auch für ihre Fahrer die anfallenden Sozial- und Rentenabgaben etc. und sind somit wichtiger Bestandteil des Wirtschaftskreislaufs.

            Sei also nicht sauer: Gegen deine Argumentation ist also sogar ein Netz ein eng gewebtes stabiles Laken.

      • marvin schrieb am

        Wenn das PbefG geändert wird, wird das natürlich weitreichende (negative) Konsequenzen für die Verbraucher haben. Taxiunternehmen sind dezentrale Kleinunternehmen, die mit hohem Einsatz für geringste Margen umfangreiche Verbraucherschutzgesetze erfüllen. Sollte das Gesetz geändert werden, müssen diese Pflichten auch für Taxiunternehmer fallen. Dann ist Schluss mit verbindlichen Tarifen, Beförderungspflicht, speziell ausgestatteten und kontrollierten Fahrzeugen und Personal, deren Zuverlässigkeit turnusmäßig überprüft wird. Dann wird beispielsweise der Fahrpreis für Taxen auch, wie bei Uber und Co, in die Höhe schnellen, sobald man den Fahrgast beispielsweise aufgrund des Wetters auspressen kann.

        Oder sollen etwa, nach Eurer Meinung, nur die milionenschweren multinationalen Konzerne – wie Uber – in den Genuss der Freiheiten kommen?

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