Kiel trotz Piraten wieder Hansestadt?

Fraktionenblog: Aus der Kieler Ratsfraktion.

Die Piratenfraktion im Kieler Rathaus hat im Mai 2014 die Idee des Lübecker Bürgermeisters und Vormanns der „Neuen Hanse“, Bernd Saxe, Kiel solle künftig wieder in diesem Bündnis mitmischen, mit großem Echo aufgegriffen. Dadurch haben die Hauptstadt-Piraten viele und meist zustimmende Reaktionen in der Landespresse, bei den Parteien in den beiden Rathäusern, unter facebook-Nutzern sowie in den Wirtschafts- wie Tourismusorganisationen des Landes ausgelöst.

Vordergründig war die Initiative der Kieler Piraten durch den historischen Umstand motiviert, dass Kiel als Mitglied der Hanse seit 1284 im Jahr 1518 oder 1544 wegen des Vorwurfs ausgeschlossen worden sein soll, räuberische Viktualienbrüder zu beherbergen.
Tatsächlich sind die Piraten im Mai 2014 dann von der Bevölkerung als ihre Vertreter in die Kieler Ratsversammlung gewählt worden und haben sich als anerkannter Bestandteil des städtischen Gemeinwesens etabliert, so dass sie ihre erste und beeindruckende Jahresbilanz ihrer Ratsarbeit vorlegen können.

Mit dieser Energie griffen sie als einzige Partei die Anregung aus dem häufig als Konkurrenz verstandenen Lübeck auf, um ihre eigene Stadt im Sinne des Hansetourismus, der Stadtentwicklung, der wirtschaftlichen Entwicklung und der Stärkung der Kooperation im Nord- und Ostseeraum weiter voranzubringen. Dementsprechend haben nicht nur die politischen Mitbewerber auf die Initiative der Kieler Piratenfraktion reagiert, sondern auch der Wirtschaftsminister Schleswig-Holsteins, der Präsident der Internationalen Hansegilde oder die Chefin der Tourismusagentur Schleswig-Holstein.

Inzwischen bemühen beide Städte Fachwissenschaftler, um die genauen Gründe für den damaligen Ausschluss Kiels aus der historischen Hanse im 16. Jahrhundert zu klären.
Sollte diese auf schnöder Finanznot (wie in der Gegenwart) und dem Mangel beruht haben, schlicht den Mitgliedsbeitrag nicht zahlen zu können, so dürfen die heutigen Stadtkämmerer beruhigt sein: wie für die rund 180 anderen Städte in Nord- und Mitteleuropa ist die Mitgliedschaft in der Neuen Hanse kostenfrei.

Und wenn die Kieler Ratsversammlung einem Beitritt zustimmt, dürfte die nächste Jahreskonferenz der Neuen Hanse im estnischen Viljandi 2015 einen historischen Makel gegenüber Kiel und seinen Piraten tilgen.

Der heutige Beitrag der Kieler Ratsfrakton ist der erste aus der Reihe Fraktionenblog, in der wir Euch zeigen wollen, was wir auch als kleine Partei mit einer kleinen Fraktion bewirken können – und bewirken. Über die oben verlinkte Kategorienseite findet ihr die Beiträge leicht wieder.

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Kommentare

2 Kommentare zu Kiel trotz Piraten wieder Hansestadt?

  1. Idee schrieb am

    Endlich mal wieder was Positives über die Piraten. Gut gemacht! Aufgeweckter Haufen Piraten.

  2. agtrier schrieb am

    Man könnte nun einwenden, dass auch wenn es nicht sicher ist, ob damals „räuberische Viktualienbrüder“ (vulgo: Piraten) in Kiel beherbergt wurden, es immerhin sicher zu sein scheint, dass sich ebensolche sogar unter den Kieler Ratsmitgliedern befinden.

    Diese zeigen aber, dass es durchaus Vorteile hat, die Ideen anderer (Hansetourismus) zu „rauben“ und mit eigenen Ideen garniert zum Wohle der Gesamtheit einzusetzen. Daher sollte dies der Stadt sicher nicht zum Nachteile gereichen.

    Man möge im Sinne des Vorschlages stimmen! ;-)

    ag.

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