Die Sache mit Google-Nest.org

(c) Ruben Neugebauer, peng!

Ein Gastbeitrag von Gloria Spindle und Paul von Ribbeck (ehem. Google).

Wir haben den Machern des Google-Nest-Hoax einen Gastartikel auf der Piratenwebseite angeboten. Und sie nutzen ihn für diesen kleinen Spendenaufruf hier. Gönnen wir’s ihnen, damit sie sich wehren können, wenn aus dem Spaß Ernst werden sollte.
– Eure Onlineredaktion.

Onlineaktivismus 3.0 – Ziviler ungehorsam im Internet

Google mahnt uns ab: Wir sollten ihnen unsere Webseite google-nest.org bis Montag »verkaufen«. Die Seite landet auf einem Tor Server und Jacob Applebaum hat dazu aufgerufen sie zu spiegeln. Ralf Bremer (PR Google Berlin) bemühte sich Samstag, uns wieder in den Google-Suchindex aufzunehmen. Das Forbes Magazin und viele gut sortierte Medien und Blogs in Deutschland haben schon berichtet. Mails aus der Türkei, Australien, Indonesien erreichen uns mit Applaus und Freude über diesen Scherz. Da fällt uns auf, dass wir pleite sind und gar nicht zu Spenden aufgerufen haben – also hiermit nochmal: Wenn ihr mehr davon wollt, her mit eurem Geld! Oder her mit euren Webdesign- und Grafikfähigkeiten!

Wie kam es nun dazu?

Der wohl beste und detaillierteste Bericht ist von Patrick Beuth auf Golem und Zeit Online nachzulesen. Sehenswert ist auch der zweite Akt, in dem wir abgemahnt wurden, und daraufhin offiziell zurückgetreten sind. Das US-amerikanische Magazin Fastcompany hat mit uns gesprochen und Maike Gosch hat die Geschichte auf Storify zusammengefasst.

Und was wollen wir denn so?

Natürlich wollen wir, dass der Großkonzern Google zerschlagen wird. Dass politische Strukturen geschaffen werden, in denen kein Konzern so viel Macht auf einen Haufen sammeln kann. Natürlich wollen wir keine Datenmonopole. Und ein dezentralisiertes Internet. Wir erinnern uns an das Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme – das endlich in Gesetze fließen muss. Dass das Netz rekommunalisiert werden soll, dass alle Haushalte freedombox-fähige Systeme bekommen, dass Sonderforschungsbereiche an Wirtschaftsunis entwickelt werden, die Alternativen zum »Pay with your data«-Modell entwickeln. Ihr Piraten habt sicher auch ’ne Menge auf dem Zettel.

Wir haben zumindest geschafft, Google an einem Wunden Punkt zu treffen.

Leute, wir sind klein. Es war ne tolle Sache. Wir als kleines Team sind mit 850€ so weit gekommen. Ihr könnt sicher noch mehr, wenn ihr euch nur traut. Und: Wir machen weiter. Die nächste Aktion kommt, das ist sicher. Und wenn ihr was spenden wollt, damit es weiter geht: Super gern.

Aber es geht nicht nur darum

Es geht auch um praktische Protestforschung. Ein Experiment, was als Zivilgesellschaft noch so möglich ist. Und wir haben es immerhin geschafft ein paar Wellen zu machen. Als kleiner Haufen. Wir haben Verbündete in drei Parteien gefunden, die sich was trauten. Zwei NGOs spielten mit, obwohl alle wussten, dass sie ein Shitstorm erwarten würde. Damit – durch diese spielerische Irritation – haben wir Google ein Stück weit demaskieren können. Eines der stärksten Unternehmen im Bereich des Identitätsmanagement. Und es ist noch nicht zu Ende. Wir wollen Google die Möglichkeit bieten, seine ungemütliche Identität ein wenig stärker in den Vordergrund zu bringen.

Zur Stunde (also am Montag abend) läuft die Deadline ab, in der wir Google die Seite übergeben sollen. Mal sehen, was dann passiert. Denn die Seite übergeben wir denen ja nicht!

Peng!

Weil Piraten gefragt haben, hier der Hinweis:
Eine Spendenmöglichkeit findet ihr unten auf der Homepage von peng!

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Kommentare

19 Kommentare zu Die Sache mit Google-Nest.org

  1. j schrieb am

    „Sehenswert ist auch der zurückgetreten sind.“
    u accidentally of the text and markup

  2. Idee schrieb am

    Von wegen Spendenaufruf – Ihr solltet unbedingt:
    google-nest1.org
    google-nest2.org
    google-nest3.org
    … oder
    google-node1.org
    … oder ein upgrade
    google-horst1.org
    etc
    machen und den Hinweis auf google-nest.org plakatieren, dann habt ihr schon 500+ bugs von Google und gespendeten Applaus von uns. :)

  3. Idee schrieb am

    Wenn man mal davon absieht, dass Google das Unternehmen Nest gekauft hat und man nun eine PR für Google losgetreten hat:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Nest_Labs
    „Im Januar 2014 wurde Nest von Google Inc. für 3,2 Mrd. US-Dollar übernommen,“

  4. Joachim S. Müller schrieb am

    Wieso bieten wir dieser Aktion gegen Google, die auf einer von Microsoft gesponserten Veranstaltung vorgetragen wurde, eigentlich eine Plattform?

    • flow schrieb am

      Wenn man den Text gelesen hätte, hätte man unter der Zwischenüberschrift Und was wollen wir denn so? folgendes finden können:

      „Natürlich wollen wir, dass der Großkonzern Google zerschlagen wird. Dass politische Strukturen geschaffen werden, in denen kein Konzern so viel Macht auf einen Haufen sammeln kann. Natürlich wollen wir keine Datenmonopole. Und ein dezentralisiertes Internet. Wir erinnern uns an das Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme – das endlich in Gesetze fließen muss. Dass das Netz rekommunalisiert werden soll, dass alle Haushalte freedombox-fähige Systeme bekommen, dass Sonderforschungsbereiche an Wirtschaftsunis entwickelt werden, die Alternativen zum »Pay with your data«-Modell entwickeln.“

      Hätte man sich hernach noch mit den Zielen der Piraten auseinandergesetzt (z.B. hier: https://wiki.piratenpartei.de/Parteiprogramm#Zugang_zur_digitalen_Kommunikation ff.), hätte man die obige Frage nicht zu stellen brauchen.

      P.S.: Bill Gates ist übrigens dankbar, dass Du seine Firma auch hier ins Spiel gebracht hast. Ein Großteil der Leute, die obigen Beitrag lesen, werden nicht gewusst bzw. ausgeblendet haben, dass Gates die Republica sponsert. Gut, dass Du sie erinnerst. Nicht.

  5. Stefan Richter schrieb am

    Der eigentliche Witz ist doch, daß die Piraten sich nicht entblödet haben, diesen offensichtlichen Scherz aufgeregt als Menschenrechtsverletzung anzuprangern.

    • Dirk schrieb am

      Der eigentliche Witz ist, dass die Piraten sich als Eingeweihte daran beteiligt haben, die Aktion zu pushen. Das musste zu diesem Zeitpunkt nicht jeder verstanden haben. Jetzt aber doch eigentlich schon, oder? :)

  6. Alphager schrieb am

    So lustig ich die Parodie finde kann ich nicht verstehen, warum die Piratenpartei mitten im Wahlkampf erst diese Schwachsinns-Pressemitteilung, die definitiv negativ aufgefallen ist, und dann diesen Spendenaufruf mit Google-Zerschlagung als Ziel postet. Ich finde jedenfalls die Zerschlagung von Konzernen nicht im Parteiprogramm.

    Dass Google möchte, dass die Parodie als solche erkannt wird und nicht wie im ersten Entwurf als echte Google-Seite daherkommt ist logisch und nicht wirklich überraschend.

  7. Peter schrieb am

    Toll. Applaus. Ihr habt einen albernen Shitstorm und einen Konzern „provoziert“ (ich glaube, google hug hätte ich mir sofort zugelegt :P ich glaub, ich programmier so ne App mal schnell) Was für ein Erfolg für die Grundrechte, die Demokratie, die Zivilgesellschaft etc. pp…
    Sorry, ist das echt euer Ernst? Das Internet verstaatlichen? Seid ihr ganz sicher, dass das wirklich im Interesse der Individuen ist?

    • De Benny schrieb am

      Wo steht da was von verstaatlichen? Ich las da „dezentralisieren“. Oder es ist die Rede von Rekommunalisierung. Kommunen sind keine Staaten. Und ganz im Ernst: Derzeit wäre eine Verstaatlichung zumindest in unseren westlichen Demokratien ein Fortschritt, wenn auch nicht ideal.

  8. udo schrieb am

    Wie wird man eigentlich so dämlich wie ihr es inzwischen seid……?

    • Dirk schrieb am

      Ich verneige mich vo so viel muttersprachlichem Wortwitz, gepaart mit intelligenter Pointiertheit und allumfassender Prägnanz. Ein solches Kleinodium der Sprachkunst darf der Menschheit – und den Piraten – auf keinen Fall verloren gehen. Was sind da schon Moderationsrichtlinien? Ich sage nur: Danke, Udo! Danke für Deine erleuchteten und erleuchtenden Gedanken. Und danke, dass es Menschen gibt, die solche Gedanken auch noch so unvergleichlich in Worte fassen können. Was wäre die Welt ohne sie.

      • Reiner Hohn schrieb am

        @Dirk: Auf welcher Klugscheisserschule warst Du denn? Warum wird man den Eindruck nicht los, das Du ein arogantes Schweinchen Schlau bist…. hat man dich nicht früher so genannt!?

        • Dirk schrieb am

          Nein. Offenbar dachte Kai, dass der Wunsch nach einer Zerschlagung von Google eine offizielle Meinungsäußerung der Piratenpartei sein. Dem ist nicht so: Es handelt sich um eine persönliche Meinung der Autoren. Sie findet – entsprechend den Regeln der Onlineredaktion – als Diskussionsbeitrag auf der Webseite der Piratenpartei Aufnahme, da sie nicht gegen Beschlüsse der Piraten verstößt. Es ist ein Teil meiner Aufgabe, diese Fragen zu klären.

  9. Kai schrieb am

    Wieso „natürlich wollen wir, dass […] Google zerschlagen wird“? Wie wird diese Aussage aus unserem Parteiprogramm hergeleitet? Hilf‘ mir bitte auf die Sprünge!

  10. KSchlonz schrieb am

    Ah, die Piratenpartei will jetzt, so wie die SPD auch, Google zerschlagen. Da seh ich ne neue linke Volksfront – oops sorry, Deutschland wollen wir ja auch zerstoeren (siehe Anne Helm, antideutsche Spitzenkandidatin von der Kreuzbergpiratenelite), da sag ich wohl besser nicht Volk, vielleicht eher Genossen. Genossenfront. Oder Rotfront.

    Komme immer gerne bei Euch vorbei. Immer was Lustiges. Arbeiten die vertrottelten Sysadmins, die dachten, die Piraten waeren keine hart linke Partei, eigentlich noch gratis fuer Euch?

    • Dirk schrieb am

      Ah, noch eins, dem man erklären muss, was der Unterschied zwischen »Gastbeitrag auf der Bundeswebseite« und »Programm der Piratenpartei« ist – und das ansonsten mehr so das mit dem Pöbeln macht als das mit dem Argumentieren. Dieser Kommentar ist so platt – den schalte ich jetzt auch gegen die Moderationspolicy frei, weil er zeigt, wie dünn die Gegenargumentationen gegen piratige Inhalte sind. Einen schönen Sonntag aus dem Maschinenraum!

      peng! wird es verkraften – is ja nich gegen euch :)

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