Der Global Marijuana March in Würzburg

(CC-BY-SA) Piraten Unterfranken
Der #GMM2014 war die erste Demonstration zur Legalisierung von Cannabis in Würzburg. Etwa 500 Teilnehmende gingen zu der Veranstaltung auf die Straße, die von vielen lokalen Gruppen gemeinsam getragen wurde. Sogar die Würzburger Polizei verstärkte die Demonstration durch die Teilnahme von Beamten in Zivil. Wir veröffentlichen hier die Rede unserer Spitzenkandidatin zur Europawahl, Julia Reda.

Liebe Verbündete.

bei all den Leuten, die ich hier sehe, bin ich mir sicher, ich bin nicht die einzige, die in den letzten Tagen gehört hat: »Ihr wollt doch nur kiffen.«

Für die wirklich wichtigen Themen würden wir ja nicht auf die Straßen gehen, uns treibe ja bloß unser eigenes Hobby, uns treibe der Egoismus.

Egoistisch sind vor allem diese Vorwürfe. Der Widerstand gegen die Legalisierung von Cannabis hat nichts mit Fakten zu tun, nichts mit Verantwortung. Woran es den Gegner*innen der Legalisierung fehlt, ist die Fähigkeit, sich in andere herein zu versetzen. Ihnen fehlt die Fähigkeit, unvoreingenommen an ein Thema heranzugehen, das ihnen fremd ist. Egoistischer geht es eigentlich nicht.

Uns, die wir heute weltweit für eine Wende in der Drogenpolitik demonstrieren, uns treibt nicht der Egoismus.

Uns treibt Mitgefühl. Mitgefühl für Kranke, die Cannabis brauchen, um ihre Schmerzen zu lindern.

Uns treibt Wut. Wut über eine Prohibitionspolitik, die Geld in die Kassen krimineller Organisationen spült. Wut über sinnlose Gesetze, die benutzt werden, um die Massenüberwachung der Bevölkerung zu rechtfertigen.

Uns treibt Verantwortung. Verantwortung für den Frieden und für ein Ende des Drogenkriegs. Denn angesichts von allein über 60.000 Opfern des Drogenkriegs in Mexico gibt es doch nichts zynischeres als die Warnung, der legale und kontrollierte Verkauf von Drogen wäre eine Gefahr für die Gesundheit! Schaut euch doch mal an, was der illegale Drogenhandel für Gesundheitsfolgen hat!

Uns treibt Neugier. Neugier auf die vielen sinnvollen Einsatzmöglichkeiten von Pflanzen, die heute verboten sind, nur weil sie auch eine berauschende Wirkung haben können.

Uns treibt Hoffnung. Hoffnung, wenn wir in Länder blicken, die den Drogenkrieg hinter sich lassen wollen. Denn überall auf der Welt machen Länder erste Schritte weg von der Prohibition und hin zu einer verantwortungsvollen Suchtpolitik. Die Erfahrungen in den Niederlanden oder in Portugal zeigen: Legalisierung führt nicht zu mehr Drogenkonsum. Legalisierung bringt Schutz für Konsument*innen und ermöglicht gezielte Hilfe für Menschen, die unter einer Sucht leiden.

Und, das werden wir nicht entschuldigen das werden wir auch nicht verstecken: Uns treibt auch Lebensfreude. Unser Protest ist bunt, unser Protest ist laut, und unser Protest ist wohlriechend.

Ja, wir haben Spaß daran, uns einzumischen. Das macht unsere Forderung kein Stück weniger ernst. Denn es geht uns hier um Menschenrechte und es macht keinen Spaß, dass uns immer wieder die gleichen stumpfen Vorurteile begegnen.

Schon vor 10 Jahren hat das Europaparlament ein Ende der Prohibition gefordert. Diese Forderung wird seitdem von den nationalen Regierungen in der EU ignoriert. Wir brauchen deshalb Druck für eine vernünftige Suchtpolitik statt Drogenkrieg auf allen politischen Ebenen!

Gemeinsam mit 30 anderen Kandidierenden für die Europawahl unterstütze ich einen Aufruf von Encod, der Koalition für gerechte und effektive Drogenpolitik. Ein Drittel der Unterstützer*innen dieses Aufrufs sind europäische Piraten. Es ist an der Zeit für eine neue Ära der Sucht- und Drogenpolitik in ganz Europa! Und wir Piraten wollen an der Spitze dieser Revolution stehen!

Auch hier in Deutschland wollen wir eine Suchtpolitik, die Betroffenen hilft, anstatt dem absurden Ideal einer drogenfreien Gesellschaft hinterherzulaufen. Wir wollen Aufklärung statt Repression! In den Kommunen setzen wir uns für die Gründung von Cannabis Social Clubs ein. Dort können Menschen unter kontrollierten Bedingungen für den Eigenbedarf Cannabis anbauen. Länder wie Belgien und Spanien zeigen, dass das ein erster Schritt sein kann hin zu einem Ende der Kriminalisierung.

Und weil wir Piraten das für eine super Idee halten, titelt die BILD gestern in alarmierenden roten Lettern: »Politiker plant Drogen-Shops in Dresden!« Dazu muss ich dringend richtigstellen, wir planen Drogen-Shops nicht nur in Dresden, wir planen auch Drogen-Shops in Würzburg und überall sonst in Europa. Denn wir wollen eine offene, selbstbestimmte Gesellschaft, die nein sagt zu Drogenkrieg, Repression und Überwachung. Und die ja sagt zu verantwortungsvollem Genuss von Cannabis.

Danke schön.

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Kommentare

Ein Kommentar zu Der Global Marijuana March in Würzburg

  1. zarathustra schrieb am

    moin frau reda

    dein beitrag widerspricht den tatsachen und der logik.
    und lässt wesentliches aus.

    z

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Julia Reda

Kontakt

Julia Reda ist 1986 in Bonn geboren, Mitglied im Kreisverband Frankfurt der Piratenpartei und seit 2009 bei den Piraten aktiv. Vorher war sie sechs Jahre lang Mitglied der SPD, bis sie im Streit um die Netzsperren austrat. Von 2010 bis 2012 war sie Vorsitzende der Jungen Piraten und übernimmt derzeit die internationale Koordination der Jugendorganisation. Sie ist Gründungsvorsitzende der Young Pirates of Europe und Abgeordnete im Europäischen Parlament der Piratenpartei Deutschland.