Fairdienst?! – Melanie Kalkowski zum Equal Pay Day

Bild: M. T. Harmon (gemeinfrei)

Ein Gastbeitrag von Melanie Kalkowski.

Am 21. März 2014 ist wieder »Equal Pay Day« in Deutschland. Derselbe Tag wie 2013. Es hat sich also nichts verändert. Bundesweit machen an diesem Tag Aktivisten auf die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern aufmerksam. Anders als andere Gedenktage wird der Equal Pay Day nicht in jedem Land am gleichen Datum begangen. Vielmehr drückt das Datum den jeweils aktuellen Entgeltunterschied zwischen den Geschlechtern aus.

Der »Gleichbezahlungstag« markiert symbolisch oder rechnerisch also jenen Zeitraum, den Frauen über den Jahreswechsel hinaus länger arbeiten müssten, um auf das durchschnittliche Jahresgehalt von Männern zu kommen. Erst seit 2008 wird der Tag auch in Deutschland begangen. Das Ergebnis ist seitdem das gleiche, Frauen müssen sich auch bei gleicher Qualifikation und gleichem Job mit weniger zufrieden geben.

Für uns Piraten ist eins klar: Chancengerechtigkeit darf für Frauen und Männer nicht beim Geld aufhören. Vor allem aber darf das Geschlecht im Arbeitsleben keine Rolle spielen.

Aber ist es wirklich so einfach, den Lohnunterschied nur am Geschlecht festzumachen?

Alle Ursachen der Entgeltdifferenz werden an diesem Tag zu einer einzigen Zahl verdichtet: ein Fünftel. In etwa so viel verdienen Frauen weniger als Männer! Doch diese Zahl allein hilft nicht weiter. Wie so oft entsteht durch die Statistik allein ein unvollständiges Bild. Riskieren wir deshalb doch mal gemeinsam einen Blick auf die Details, um die Ursachen für die Entgeltlücke zu erkennen:

Wie kann es eigentlich zu so einem gravierenden Unterschied kommen, wo doch gerade jüngere Frauen die Schulen und Hochschulen meist besser ausgebildet verlassen als Männer?

Zu Beginn der Erwerbstätigkeit bestehen genau deshalb kaum prägnante Unterschiede. Es liegt also nicht nur daran, dass Frauen und Männer bei der Berufswahl unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Frauen sind ihrer persönlichen Wahl nach beispielsweise seltener in technischen Berufen vertreten, dafür aber häufiger im Dienstleistungssektor zu finden. Allein in der Gesundheitsbranche sind 80 Prozent der Beschäftigten Frauen – und dort sind die Verdienstmöglichkeiten besonders schlecht.

Es liegt vor allem auch daran, dass Frauen immer noch wesentlich häufiger und länger als Männer aus familiären Gründen ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen. Und dies geschieht meist in einem Alter, in dem entscheidende Weichen für die Karriere gestellt werden. Daher wird die Entgeltlücke gerade im Altersbereich zwischen etwa 25 und 40 Jahren immer größer.

Die Rückkehr in den Beruf findet dann oft in Teilzeit statt – wenn überhaupt. Ob ein Wiedereinstieg dann möglich ist, hängt unter anderem von den Betreuungsmöglichkeiten für den Nachwuchs ab. Es fehlen noch immer Betreuungsplätze für Kleinkinder. Dadurch wird dieser Schritt auch heute noch vielen Frauen unnötig erschwert und schränkt sie in der Freiheit, ihren Lebensentwurf selbst zu bestimmen, stark ein.

Bei dem Versuch, an dieser Stelle eine Bilanz zu ziehen, kann ich nur feststellen: Die Gleichstellungspolitik in Deutschland ist noch immer in höchstem Maße unbefriedigend: Noch immer mangelt es an durchgehend gleicher Vergütung für gleiche Arbeit von Männern und Frauen. Noch immer mangelt es an guten Betreuungsmöglichkeiten. Ganz besonders fällt dabei der Mangel an Frauen übrigens in Vorständen und Aufsichtsräten ins Auge.

Was können wir also dagegen tun?

Wir brauchen neben weiteren erforderlichen Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf endlich auch mehr Sensibilität für das Thema Entgeltgleichheit. Auch Arbeitgebern kann dies nicht gleichgültig sein. Mit Blick auf die demografische Entwicklung können sie es sich heutzutage eigentlich gar nicht mehr leisten, die Ressource und das Potenzial der hoch qualifizierten Frauen zu Hause zu lassen und damit zu ignorieren und zu vergeuden.

Je länger Frauen also vom Job pausieren oder in Teilzeit arbeiten, umso größer werden die Lohnunterschiede zu Männern. Tarifverträge sehen theoretisch gleichen Lohn für alle vor. Um endlich auch gleiche Bezahlung zu erreichen, unterstütze ich die Idee eines Entgeltgleichheitsgesetzes. Denn es sind nicht nur die unterschiedlichen Berufe oder unterschiedliche Berufserfahrung, die Gehaltsunterschiede erklären, da machen es sich manche Politiker zu einfach. Ein regelmäßiger Lohnspiegel, aus dem die Bezahlung von Frauen und Männern im Betrieb ersichtlich ist, wäre ein guter erster Schritt.

Vor allem brauchen wir einen bundesweiten gesetzlichen Mindestlohn für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, damit Menschen, die Vollzeit arbeiten, von ihrer Arbeit auch leben können. Und nicht so ein weichgespültes „Wischiwaschi“, wie es das unsere große Koalition da gerade fabriziert. Was beim Equal Pay Day nämlich auch gerne unter den Tisch fällt, ist die skandalöse Tatsache, dass insbesondere Frauen im Niedriglohnsektor und in der Leiharbeit tätig sind. Das wirkt sich nicht nur in der Gegenwart durch geringe Entlohnung aus, sondern auch später durch extrem niedrige Renten. Und die Konsequenzen daraus führen zu einer weit verbreiteten Altersarmut. Einer überwiegend weiblichen Altersarmut!

Neben den bereits formulierten Forderungen müssen wir daher den Ausbau einer qualitativ hochwertigen und bedarfsdeckenden Kinderbetreuung und von Ganztagsschulangeboten zügig voranbringen. Damit würden lange Auszeiten von Frauen mit Familienpflichten verringert und eine möglichst vollzeitnahe Beschäftigung ermöglicht, sofern sie das wünschen. Mit flexiblen Arbeitszeitmodellen und einer familienbewussten Unternehmenskultur wären die Karrierechancen von berufstätigen Eltern zu fördern. Fehlanreize in der Familienpolitik zur Förderung der Alleinverdiener-Ehe wie das Ehegattensplitting, die zum Rückzug aus der Erwerbstätigkeit führen, sind abschaffen. Und nicht zuletzt ist auch jeder Einzelne gefragt, auf eine partnerschaftliche Aufgabenverteilung bei den erziehenden Eltern hinzuwirken.

Noch immer kommen von den Altparteien nur Worthülsen, wenn es um Gleichstellung geht, aber aktiv werden sie nicht. Was wir auf keinen Fall brauchen, sind weitere Schnapsideen von lebensfernen Politikern wie eine Herdprämie, offiziell auch Betreuungsgeld genannt, damit Eltern ihre Kinder nicht in eine Kita schicken. Wir brauchen auch keine weiteren geschönten Berichte über eine Lebenswirklichkeit, wie sie in Deutschland tatsächlich nirgends anzutreffen ist.

Die Belohnung für die wenig honorierte, aber umso wertvollere Erziehungsarbeit darf kein um ein Fünftel niedrigeres Gehalt und die Aussicht auf Altersarmut sein!

Melanie Kalkowski, @pirat_mel auf Twitter, war Spitzenkandidatin der Piraten in Nordrhein-Westfalen zur Bundestagswahl 2013 und bloggt auf melaniekalkowski.wordpress.com.

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Kommentare

12 Kommentare zu Fairdienst?! – Melanie Kalkowski zum Equal Pay Day

  1. Drachenrose schrieb am

    Erst einmal Danke für den Kommentar, dem ich nur zustimmen kann. Die unterschiedliche Bezahlung trifft deswegen Frauen besonders hart, weil sie häufig diejenigen sind, die die langen Berufspausen zwecks Kindererziehung nehmen.
    Männer, die sich trauen ebefalls diese beruflichen Auszeiten nehmen, haben anschließend nämlich mit den gleichen Problemen der schlechteren Bezahlung zu kämpfen.

    Grundsätzlich geht es hier also um das „Kinderkriegen“ an sich und die Betreuung der Kinder, die für diese skandalösen Umstände der Schlechterstellung sorgen.

    Ich halte allerdings den Lösungsweg (ausschließlich mehr Betreungsmöglichkeiten, um berufliche Karrieren bestmöglich zu machen) für zu Kurz gegriffen, weil dieser ausschließlich das berufliche Leben in der Vordergrund schiebt, das Familienleben jedoch völlig vernachlässigt.
    Wir brauchen Modelle, in denen unterschiedliche Lebenswege verwirklicht werden können. Dazu muss nicht nur die Erwerbsarbeit im Vordergrund stehen, sondern auch eine sinnvolle Familienpolitik, die Frauen oder Männer, die über Jahre nicht einer 40 -60 Std. Woche nachgehen können, nicht weiter extrem benachteiligt.

    Wer der Meinung ist, ausschließlich mehr Kinderbetreuungsmöglichkeiten würden es richten, hat übersehen, dass diese Problematik der langen familienbedingen Berufspause auch Frauen oder Männer trifft, die ihre ihre alten und kranken Eltern zu Hause pflegen oder sich um schwerkranke/behinderte Familienmitlglieder kümmern.

    Fakt ist: Wer in dieser Gesellschaft soziale Verantwortung für Familienmitglieder übernimmt (und das sind in unserer Gesellschaft in erster Linie Frauen), wird von dem derzeitigen Gesellschaftssystem übelst benachteiligt. Das gilt es zu ändern.

    • Melanie schrieb am

      „Das Kinderkriegen” stellt dabei eine – und gewiss nicht die einzige Ursache – dar. Daher auch mein Schlußsatz : Die Belohnung für die wenig honorierte, aber umso wertvollere Erziehungsarbeit darf kein um ein Fünftel niedrigeres Gehalt und die Aussicht auf Altersarmut sein!
      Du kritisierst zurecht , dass der Lösungsweg nach mehr und meines Erachtens vor allem auch hochwertigeren Betreuungsmöglichkeiten zu Kurz gegriffen sei, weil dieser ausschließlich das berufliche Leben in der Vordergrund schiebt, das Familienleben jedoch völlig vernachlässige.
      Ich bin der Meinung, dass wir Modelle brauchen, die allen Menschen – Frauen wie Männern – die Möglichkeit erlauben, ihr Leben so zu gestalten, wie sie es möchten. Um diese Wahlfreiheit aber eben auch wirklich überhaupt haben zu können, benötigen wir daher die richtige Weichenstellung in der Familienpolitik. Und dazu zählen auch gute Betreuungsmöglichkeiten! Das ist ein richtiger und wichtiger erster Schritt.

      Natürlich hast Du Recht, dass es neben der Kinderbetreuung auch weitere Gründe für familienbedingte Berufspausen gibt. Frage: Wer wird wohl überwiegend diese Auszeit nehmen? Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Ich glaube, dass unsere Generation ohnehin die sogenannte „Sandwich-Generation“ ist, die sich nicht nur um die eigenen Kinder, sondern auch um die Eltern kümmern muss. Und für diese Lebenswirklichkeit müssen gute soziale Rahmenbedingungen geschaffen werden.
      Dein Fazit: „Wer in dieser Gesellschaft soziale Verantwortung für Familienmitglieder übernimmt (und das sind in unserer Gesellschaft in erster Linie Frauen), wird von dem derzeitigen Gesellschaftssystem übelst benachteiligt. Das gilt es zu ändern.“ kann ich daher voll und ganz unterschreiben.

  2. Buntomat schrieb am

    Schön geschrieben und sicher auch richtig, aber „da draußen“ interessiert das wirklich niemand. Erklärt das Internet, was ist Twitter, was Facebook, was ist eine Firewall und wie richte ich ein Mail Postfach ein.

    • Dirk schrieb am

      »Da draußen« finden wir Interesse für die Themen aus diesem Schaubild:
      http://de.statista.com/statistik/daten/studie/5577/umfrage/haupthemen-fuer-den-europa-wahlkampf/
      Soziales und Wirtschaft liegen dabei an der Spitze. Energie und Umwelt auch noch. Das Internet kommt – leider – (noch) nicht vor.

      Aber wir arbeiten hart daran, zur Bewusstseinsbildung beizutragen und immer wieder neu zu erklären, warum Internet eben nicht »nur Internet« ist und im Zusammenhang mit der Informationsgesellschaft ganz neue Herausforderungen für die Gesellschaftsordnung als Ganzes auftreten. Beispiele findest Du hier:
      Bald nur noch Beifahrer im eigenen Auto? von Bernd Schreiner
      Wiederaufnahme: Strafanzeige der Piratenpartei wegen geheimdienstlicher Massenüberwachung
      Lippenbekenntnisse zum Datenschutz: Die Kanzlerin auf der CeBit
      Privatsphäre – wer braucht denn so was? von Andreas Jung
      Wie frei willst Du sein? von Sebastian Nerz

      Wir könnten natürlich Bedienungsanleitungen für Twitter und Facebook veröffentlichen – tun wir aber nicht. Aber wir versuchen, Informationsangebote zu schaffen, wie man sich in Zeiten allumfassender staatlicher Überwachung wenigstens notdürftig gegen die Ausspähun wehren kann. Z.B indem Piraten Kryptoparties veranstalten, um in die Grundfertigkeiten digitaler Selbstverteidigung einzuführen. Eine Übersicht findest Du hier: http://kryptoparty.de Darüber hinaus kursieren auf youtube.com und anderswo zahlreiche Anleitungen, die z.T. aus solchen Kryptoparties hervorgegangen sind.

      »Notdürftig« deshalb, weil man nur Inhalte absichern kann. Die Verbindungsdaten (die auch die besuchten Webseiten oder verwendete Suchbegriffe enthalten) oder etwa Positionsdaten von Handys kann man auf diese Weise leider nicht schützen. Gegen diese Ausforschung können wir uns nicht mit technischen Mitteln wehren. Hier müssen Gesetze her und wirkungsvolle Einhegung der Sammelwut von Behörden, Firmen und Geheimdiensten.

      Deshalb müssen wir Piraten weiter versuchen, das Thema wirksam auf der politischen Bühne zu positionieren. Das tun wir. Und parallel müssen wir selbstverständlich auch die Themen ansprechen, die die Bürger von sich aus interessieren – wer sollte uns sonst zuhören.

      Und dass unsere Positionen da so aussehen, wie sie aussehen, darf niemanden verwundern. Aus dem Netz geboren, bringen die Piraten in natürlicher Weise die Idee der Gleichwertigkeit von geleisteter Arbeit hervor. On the Internet, Nobody Knows You’re a Dog. Wie wahr. Und warum sollten dann Frauen für den gleichen Job anders bezahlt werden? Dies übrigens auch als Antwort auf „TheBig1“, dessen Einwand, meine ich, völlig an der Problematik vorbeigeht, wenn er berufstätigen Frauen pauschal die Einsatzbereitschaft abspricht. Bezahlung nach Eigenschaften statt nach der Qualität der Arbeit – das ist ein Denken, das nicht zumn Internet passt. Und daher wird man es bei den Piraten auch nicht viele finden, die sowas vertreten.

      Auch wenn es nicht auf Anhieb ins Auge springt, ist also eigentlich doch alles ein großes Ganzes :)

  3. TheBig1 schrieb am

    „Noch immer mangelt es an durchgehend gleicher Vergütung für gleiche Arbeit von Männern und Frauen.“
    Wenn ich zwischendurch mehrere Jahre Pause mache, nur halbtags arbeite oder auf Überstunde und sonstige Unannehmlichkeiten verzichte, liefere ich als Arbeitnehmer doch gerade nicht die gleiche Arbeit wie jemand, der all diese Sonderbelastungen auf sich nimmt. Warum sollte das durchschnittliche Einkommen einer Teilzeitkraft, die alle paar Jahre mehrere Monate am Stück aussetzt genau so hoch sein wie das Einkommen eines Mitarbeiters der seit 20+ Jahren ununterbrochen in seinem Fach gearbeitet hat, inklusive Überstunden? Letzterer bietet deutlich mehr Erfahrung und Einsatzbereitschaft, dies gehört durch einen höheres Einkommen belohnt (er wendet ja auch mehr Zeit für den Beruf auf).
    Ich unterstütze die Forderungen nach besseren Betreuungsangeboten für Kinder sowie die Möglichkeit die Arbeitszeit flexibler zu gestalten ohne Vorbehalte (sowohl für Männer als auch Frauen, es gibt auch Männer die sich gerne um ihre Kinder kümmern würden, wenn es entsprechende Unterstützungsangebote gäbe um dies mit der Karriere zu vereinbaren). Aber diese stumpfe Forderung nach gleichem Durchschnittseinkommen ist völlig realitätsfern, solange sich die Prioritäten bei der Wahl des Berufsfeldes und Arbeitszeiten im Durchschnitt völlig unterscheiden. Das wäre weder Gleichberechtigung noch Gleichstellung, sondern Gleichmacherei (auf Kosten derer, die mehr Zeit für ihren Beruf aufopfern).

    • Melanie schrieb am

      In meinem Blog habe ich versucht, einige Aspekte darzustellen, die den Lohnunterschied erklären. Natürlich gibt es darüber hinaus noch mehr Punkte: So könnte man sicherlich auch darauf eingehen, dass Frauen beim Thema Gehaltsverhandlung vielleicht durchschnittlich anders agieren als Männer.

      Das Entgeltgleichheitsgesetz soll hier Hilfe und Übersicht bieten. Denn ein regelmäßiger Lohnspiegel, aus dem die Bezahlung von Frauen und Männern im Betrieb ersichtlich ist, wäre ein guter erster Schritt und ist keine Gleichmacherei. In manchen Betrieben werden Frauen und Männer unterschiedlich bezahlt, obwohl beide vollbeschäftigt sind und keine Auszeiten genommen haben.

  4. m schrieb am

    Die „Lohnlücke“ als ein Ausdruck von unfairer Behandlung. ES. GIBT. SIE. NICHT.

    • Hermann schrieb am

      Ist dieser Beitrag wirklich von nur einer Person geschrieben worden? Einerseits wird die Hauptursache für die Lohnlücke richtig erkannt: Frauen kümmern sich häufiger um den Nachwuchs. Jeder der Kinder betreut, kann sich beruflich weniger engagieren als jemand, der das nicht tut. Und wird daher weniger verdienen. In Deutschland ist die Kinderbetreuung besonders zeitintensiv, weil die staatlichen Angebote mangelhaft sind. Nicht nur für kleine Kinder, auch im schulischen Bereich wird heutzutage vieles ans Elternhaus „outgesourct“, was früher in der Schule gelernt wurde. Hier anzusetzen, um die Lücke zu verkleinern, ist in der Tat eine wichtige politische Aufgabe. Auch hervorzuheben, dass das für diejenigen ist, die sich trotz Kinderbetreuung eine vollzeitnahe Beschäftigung wünschen, scheint mir sehr vernünftig.

      Andererseits stehen einige Behauptungen etwas isoliert daneben, die nicht recht passen und/oder nicht näher begründet werden. Wo wird für gleiche Arbeit nicht gleicher Lohn gezahlt? Und: Nichts gegen die Abschaffung des Ehegattensplittings. Aber wenn es auch für Familien mit Kindern ersatzlos abgeschafft wird, haben noch mehr Paare mit Kind als bereits jetzt keine andere Wahl als Doppelverdiener zu sein und das Kind nebenbei zu managen. Wie passt das zu dem Ziel, möglichst vielen Familien selber die Wahl zu lassen?

      Frauen wurden vor einigen Jahrzehnten ganz sicher allein auf Grund Ihres Geschlechts benachteiligt. Heutzutage werden jedoch in erster Linie „Erziehende“ benachteiligt. Männer übrigens noch stärker als Frauen. Natürlich, sie sind eine Minderheit. Deswegen ist es verständlich, wenn der Chef sie schief anschaut, wenn sie solche Wünsche haben. Und deswegen ist es auch nachvollziehbar, wenn die Autorin – trotz Ihrer richtigen Einsichten in die Zusammenhänge – von Frauen statt „Erziehenden“ spricht. Aber diskriminierend ist es trotzdem. Genaugenommen sogar sexistisch. Gerade wer die Lohnlücke schließen möchte, was letztlich nur durch 50/50 in der Kinderbetreuung möglich wäre, sollte die wenigen Männer, die bereits heute die Kinderbetreuung übernehmen, nicht derartig vor den Kopf stoßen.

      • Melanie schrieb am

        Hallo Hermann! Vielen Dank für Deine Einschätzung. Ja, der Text wurde durch die Lektoren mit meiner Zustimmung etwas gekürzt und verändert.

        In der Tat wäre es sinnvoll gewesen, an einigen Stellen noch mehr in die Tiefe zu gehen. Deshalb Danke, dass Du einfach nachfragst. Gerade in Bezug auf das Ehegattensplitting habe ich bisher schon so viel erzählt und geschrieben, dass ich es hier versäumt habe, näher darauf einzugehen. Ich fordere die Abschaffung des Ehegattensplittings, da es in der Familienpolitik ein falscher Anreiz zur Förderung der Alleinverdiener-Ehe ist.

        Denn beim Ehegattensplitting fällt der finanzielle Vorteil umso höher aus, je ungleicher die Eheleute zum Einkommen des Haushaltes beitragen und je höher das Bruttohaushaltseinkommen ist. Bereits bei einem geringen zweiten Einkommen sinkt der Splittingvorteil im Vergleich zur Einverdienstehe erheblich.

        Da werden also gerade einseitig einkommensstarke Ehepaare mit einem Hauptverdiener gefördert. Ich persönlich möchte das Geld lieber in eine Familienförderung investieren, die allen Familien mit Kindern gleichermaßen zu Gute kommt.

        Zu Deinem Sexismusvorwurf: Dieser Blogbeitrag beschäftigt sich mit dem Lohnunterschied zwischen Frauen und Männer. Daher der Fokus auf Frauen. Das Thema Kindererziehung ist dabei ein Punkt. Und die Auszeiten für die Kinderbetreuung werden eben überwiegend von Frauen genommen.

        Dass gerade erziehende oder teilzeitbeschäftigte Männer vielen Vorurteilen ausgesetzt sind, ist ein gesellschaftliches Problem.

        • Hermann schrieb am

          Na, das find ich super, dass Du dir die Mühe machst, auf einige Beiträge direkt zu antworten. Dass mit dem Sexismus sollte nicht wirklich ein Vorwurf sein. Ich empfinde es nur immer wieder – denn leider ist es die Norm – als sehr bedauerlich, wenn die Probleme Erziehung und Arbeit unter einen Hut zu bekommen als reine Frauenprobleme dargestellt werden. Letztlich ist es ein Problem aller Familien.

          Das Ehegattensplitting empfinde auch ich als nicht wirklich zeitgemäß. Als wünschenswerten Ersatz sehe ich aber zum Beispiel das französische Modell des Familiensplittings. Natürlich ist es wichtiger, allen Kindern ein Existenzminimum zum Beispiel über das Kindergeld (oder den Kinderfreibetrag, oder irgendwann BGE) zukommen zu lassen. Aber für die Steuergerechtigkeit zwischen Besserverdienenden mit und ohne Kinder ist bei einem Steuermodell mit Progression darüberhinaus irgendein Ansatz ähnlich dem französischen meiner Meinung nach eine Notwendigkeit.

  5. Matthias schrieb am

    Ich dachte, die Piratenpartei würde erkennen, dass der sogenannte Gender Pay Gap reine Panikmache ist und schlicht nicht exisitert. Ich bin zutiefst besorgt darüber, dass unsere Partei nun ebenfalls auf diesen Zug aufspringt. Es gibt mehrere Studien, die belegen, dass es keine Lohnlücke gibt. Wenn Frauen wirklich knapp 20 % weniger verdienen würden bei gleicher Leistung, warum sollten Unternehmen dann bitte noch Männer einstellen, wenn sie so massig an Lohn einsparen können? Dieses unreflektiere Wiedergeben der unbereinigten Lohnlücke macht die Lüge auch nicht wahrer.

  6. zarathustra schrieb am

    moin

    wäre schön, die piraten würden „frauenpolitik“ machen.

    da könnten die piraten ein lustiges zielschiessen auf die grünen veranstalten.

    z

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