GEMA-Idee: Neue Lizenz auf Einbettungen

Bild: Tobias M. Eckrich

Zum Vorhaben der GEMA, in Zukunft nicht nur vom Anbieter YouTube, sondern auch von den Nutzern, die YouTube-Videos in eigene Blogs, Webseiten und soziale Netzwerke einbetten, Lizenzgebühren zu verlangen, erklärt Bruno Kramm, Themenbeauftragter für Urheberrecht und Listenkandidat für die Piratenpartei Deutschland zur Europawahl:

»Jetzt hat die GEMA die Blogger- und Netzszene als neue Melkkuh entdeckt. Dass die GEMA Lizenzen für die Einbettung von YouTube-Videos und audiovisuellen Medien, die über andere Anbieter gestreamt werden, nehmen möchte, ist schon ein starkes Stück. So wird nämlich jedes Forum, Blog, Website und Profil in den sozialen Netzwerken allein dafür finanziell bestraft, dass es – wenn auch mit der Einbettung visuell angezeigt – auf ein Video weiterleitet, was weiterhin auf der Videoplattform – z.B. YouTube – liegt. Denn um mehr geht es nicht. Es ist kaum zu übersehen, dass hier das unselige Leistungsschutzrecht für Presseverleger, das letztes Jahr von CDU, FDP und SPD trotz großen Widerstands aus der Zivilgesellschaft durchgepeitscht wurde, Pate gestanden hat.

Als wäre alles nicht schon schlimm genug, müssen wir davon ausgehen, dass das Vorgehen der GEMA nicht nur für Internetnutzer in Deutschland, sondern in ganz Europa, kostspielig werden wird. Denn aktuell wird auf europäischer Ebene eine EU-Richtlinie verhandelt, die europaweite Lizenzierungen ermöglichen soll. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die GEMA damit im Grunde auch gleich alle Blogger europaweit abkassieren kann.«

Die PIRATEN kämpfen für mehr Transparenz und eine Demokratisierung der Verwertungsgesellschaften sowie die Einführung von alternativen Lizenzierungsmöglichkeiten wie freien Creative Commons-Lizenzen. Sie unterstützen auch die Initiative Copywrongs.eu, die Menschen in der EU eine vereinfachte Mitwirkung an den Schwerpunkten der EU-Urheberrechtsreform ermöglicht.

Quellen:
[1] https://www.gema.de/presse/pressemitteilungen/presse-details/article/statement-zum-einbetten-von-videos.html
[2] http://copywrongs.eu/de/
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons

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Kommentare

7 Kommentare zu GEMA-Idee: Neue Lizenz auf Einbettungen

  1. MKzero schrieb am

    Also ich komme aus beiden Welten – Musik und Blogging – und frage mich gerade, was die da eigentlich bei der GEMA eigentlich essen, um so einen riesen Scheiß abzulassen. [Beleidigung entfernt /Maschinenraum]..

    • Dirk schrieb am

      So sehr ich das nachfühlen kann: Auf der GEMA rumzudreschen hilft nix. Klingt jetzt hart, aber: Die tun das, was sie ihrem Selbstverständnis nach tun müssen. Und durch die etwas – sagen wir mal… gewöhnungsbedürftige – Verteilung der Stimmrechte tun sie das auf eine ziemlich kompromisslose Art und Weise: Ausquetschen, wo immer was geht. Und Menschenfreundlichkeit, glaub ich, steht da nicht in der Satzung. Deswegen darf’s auch gern mal das Kindergartenfest sein, bei dem man abschöpft.

      »Die GEMA« ist nur Symptom. Die Ursachen liegen in der völlig abgehobenen Gesetzgebung bei allem, was auch nur entferntest mit Urheberrecht zu tun hat. Das fängt bei der »GEMA-Vermutung« nicht an und hört beim Leistungsschutzrecht nicht auf. Lies das und kotze: I ZR 86/12 von gestern. Und dagegen müssen wir politisch vorgehen.

      Die Onlineredaktion wäre übrigens sehr aufgeschlossen gegenüber Gastbeiträgen von Bloggenden, Kunstschaffenden und anderen, die durch die aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen in einer Weise eingeschränkt werden, die mit Rechten der Urhebenden nichts mehr zu tun haben.

  2. Marc schrieb am

    Wird echt Zeit das der C3S an den Start geht und dort möglichst viele Künstler mitmachen!

  3. Opa Schlumpf schrieb am

    Ich zahl doch keine GEMA-Gebühr für meine eigenen und die abonnierten Eisenbahn-Videos, die ich in G+ oder FB einbinde.

    Was haben diese Videos mit Musikrechten zu tun?

    Jetzt drehen die Wegelagerer der GEMA vollständig durch.

    • Dirk schrieb am

      In der GEMA-Veröffentlichung geht es um die Rechte der GEMA-Mitglieder, nicht um Deinen Eisenbahn-Video. Es steht aber zu befürchten, dass solche »Rechte« auch konstruiert werden, wenn lediglich im Hintergrund das Radio läuft. Deswegen setzen sich die Piraten ja auch für das Recht auf Remix zu nichtkommerziellen Zwecken ein.

      Was mir hier aber viel wichtiger ist: Die Konsultation der EU-Kommission zu genau solchen Themen läuft noch für kurze Zeit und Du kannst hier dieses Problem aktiv in die Beratungen einbringen:

      Wenn ganz viele mitmachen, wird unsere Stimme unüberhörbar!

      Siehe dazu bitte hier: Nachspielzeit für ein faires Urheberrecht/ und hier: Europaeisches Urheberrecht – und ihr macht mit

  4. kurt schrieb am

    Ich bin Musiker und auch auf Blogs unterwegs und sage weg mit der profitgeilen Gema. Ist nicht mehr zeitgemäß und finanziert sich damit nur ihren Aufsichtsrat! Ich hab als Musiker noch nieeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee von der Gema profitiert. basta weg damit

  5. Joshua schrieb am

    Würde sich was für Blogger ändern, wenn man nicht mehr „verlinkt“ sondern „zitiert“ ?

    Sprich also ich würde einen Künstler zitieren, der auf sein Videolink aufmerksam gemacht hat.

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