Piraten-Vorsitzender Wirth: Hardware mit NSA-Hintertür zurückschicken

Bild: CC-BY-CA 2.0, Tobias Eckrich

Die gestern auf Spiegel Online veröffentlichten Erkenntnisse aus den Dokumenten des NSA-Whistleblowers Edward Snowden über die Spezialeinheit ›Tailored Access Operations‹ (TAO) verlangt eine Neubewertung des Spionageskandals. Dies fordert Thorsten Wirth, der Bundesvorsitzende der Piratenpartei Deutschland.

»Nachdem nun bekannt ist, wie weitreichend die Möglichkeiten der NSA zur Manipulation gängiger Plattformen der größten Hardware-Hersteller sind, muss der Spionageskandal neu bewertet werden. Die Fragen nach möglicher Industriespionage durch ausländische Geheimdienste sind weiterhin unbeantwortet. Wir fordern die Bundesregierung daher auf, in den laufenden Gesprächen mit den USA auf eine vollständige Offenlegung des Programms zu bestehen. Unternehmen, die Hardware der betroffenen Hersteller einsetzen, empfehlen wir, diese im Zweifelsfall zurückzuschicken, da die Integrität der eingesetzten Systeme nicht sichergestellt werden kann.

Wie bei jeder Hintertür und Sicherheitslücke ist auch hier das Potenzial für Missbrauch enorm. Dies musste sich die letzte große Koalition 2008 noch vom Bundesverfassungsgericht erklären lassen, welches damals das Grundrecht auf Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme definierte.

Die an den Bundesregierungen der letzten Jahrzehnte beteiligten Parteien und Politiker müssen endlich ihre Ignoranz gegenüber den Warnrufen aus der Community der Techniker und Hacker aufgeben. Es sind sowohl in der Politik als auch in der Gesetzgebung zu neuen Technologien weitreichende Änderungen notwendig, die nun möglicherweise das wichtigste Projekt für das kommende Jahrzehnt darstellen. Auf der anderen Seite gibt die NSA selbst zu, ausländische Geheimdienste mit ihrer TAO-Truppe zu unterstützen [2], und diese Verlockungen stellen für unsere geheimdienstgläubige Bundesregierung sicher ein tolles Feature dar. Somit sind unsere Hoffnungen auf einen Sinneswandel bei der Bundesregierung eher gering.

Die Hersteller tragen die Verantwortung dafür, dass ihre Software sicher auf ihre Geräte aufgespielt wird. Es gibt gängige Standards wie Audits, Sicherheitsprotokolle etc., die bei der Entwicklung sicherheitsrelevanter Software angewandt werden. Wird dies nicht getan, so kann dies nur als fahrlässig gewertet werden. Gleiches gilt für Software-Updates. Ich empfehle den Unternehmen, die Hardware mit infiltrierter Software erworben haben, diese im Rahmen der Gewährleistung zurückzugeben, da ihre Sicherheit offensichtlich nicht garantiert ist.«

Quellen:
[1] Spiegel Online International: Inside TAO: Documents Reveal Top NSA Hacking Unit
[2] The Guardian: NSA ‚hacking unit‘ infiltrates computers around the world – report

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Kommentare

10 Kommentare zu Piraten-Vorsitzender Wirth: Hardware mit NSA-Hintertür zurückschicken

    • Jens Stomber schrieb am

      Als die PM gestrickt wurde, war der deutsche Artikel noch nicht veröffentlicht, daher wurde der englische Artikel angezogen. Der Spiegel veröffentlicht die interesantesten NSA-Leaks immer zunächst in der Print Ausgabe, die am Sonntag ab 8:00 Uhr zum Download bereit steht. Häufig werden die Artikel jedoch zeitgleich in der englischen Online-Ausgabe unter http://www.spiegel.de/international/ veröffentlicht.

  1. DudeKarl schrieb am

    Abwärts bitte !

    Wer Information überwachen kann, kann sie auch verändern. In dem Zusammenhang wäre noch zu erwähnen, dass US-Geheimdienste massiv Medien unterwandert bzw. schon komplett vereinnahmt haben. Über 20000 Mitarbeiter der Propagandaabteilung der CIA sprechen für sich. Da wird nicht nur geschnüffelt sondern in grossem Stil Meinung gemacht und manipuliert. Und wie sich das so genannte Freihandelsabkommen auswirken wird, kann man sich in in Kanada anschauen: Massive Einflussnahme und Einschränkung der Bürgerrechte im US-Stil, grossflächige Umweltverschmutzung auf Generationen hinaus durch Fracking und Ölsandabbau. Aufgezwungener Anbau von genmanipulierten Saaten inkl. dazu passender Pestizide. Die Kanadier sind jedenfalls nicht sehr begeistert von den neuen Möglichkeiten des „freien“ Handels …

    Freiheit ist ein leeres versprechen geworden. Wo bleibt unser Präsident mit seinem freiheitsgerede? freiheit sollte nicht nur die freiheit der geheimdienste und des marktes gegen die menschen meinen.
    Es mag am Anfang die Terrorüberwachung gestanden haben, aber die NSA hat sich verselbständigt und stellt heute die eigentliche Macht in den USA dar, die nur gestützt wird von einer willfährigen Justiz und denen die das Ganze angeleiert haben, der G dabbelju und seine Anhänger (Reps).

    im Übrigen, über James Bond-Filme können sich die Mitarbeiter der NSA nur kaputtlachen.

  2. Marc schrieb am

    Und welche Hersteller sind denn nun betroffen? Gibts da eine Übersicht? Leider ist die Garantie meines Komplett-PCs vor 1 Woche abgelaufen, sonst hätte ichs mal versucht den komplett auszutauschen…

  3. Peter schrieb am

    Da fragt man sich doch in wie weit die Parteiarbeit bei einer Partei die über Internet kommuniziert beeinflusst wird. Sei es durch Kommunikationsunterdrückung oder Manipulation der Mitglieder.

  4. Schaefer schrieb am

    ich kann diese, teilweise künstliche, Aufregung nicht mehr nachvollziehen. So ist doch durch die Amerikanischen Anti-Terrorgesetze von Busch nach dem 11.9. ganz klar festgelegt worden, dass kein Sicherheitsprodukt welches von Amerikanischen Unternehmen hergestellt wird exportiert werden darf, ohne das die amerikanische Regierung nicht eine Art Universalschlüssel hat. Das gilt für Harware geauso wie für Software. Kein amerikanisches Unternehmen kann behaupten, dass es davon nichts wusste. Die sichertse Methode kann also nur sein, Geräte und technologien deutscher Hersteller zu verwenden. Da wird die Auswahl zwar extrem dünn, aber die deutschen Entwickler sollten dies jetzt als Marktchance nutzen. Und das möglichst zügig.

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