Redtube: Weitere Leaks beziffern Einnahmen aus illegalen Abmahnungen

Bild: Tobias M. Eckrich

Vor dem Hintergrund der aktuellen Abmahnwelle gegen Nutzer des Streamingportals »Redtube« hat die Piratenpartei Deutschland heute weitere Dokumente veröffentlicht, die belegen, dass die für die »Redtube«-Abmahnungen verantwortliche Kanzlei Urmann und Collegen bei Abmahnungen in der Vergangenheit geschäftsmäßig betrogen hat.
So wurde –anders als behauptet – dem Rechteinhaber nur ein Teil der anfallenden Anwaltsgebühren in Rechnung gestellt und somit implizit ein Teil der Einnahmen als Provision für die Erteilung des Mandats an den Rechteinhaber ausgezahlt.
Insgesamt hat die Kanzlei allein auf der Basis von der Piratenpartei vorliegenden Unterlagen mit 16 Mandaten Umsätze in Höhe von ca. 500.000 Euro generiert. Eine Reihe weiterer Vertragsvereinbarungen zwischen der Kanzlei und anderen Rechteinhabern belegen, dass es sich dabei nicht um Einzelfälle handelt. Auch im aktuellen »Redtube«-Fall ist es deshalb nach Ansicht der Piraten durchaus wahrscheinlich, dass es illegale Absprachen zwischen der Kanzlei und Rechteinhabern gibt.

»Es ist leider gängige Praxis in der Abmahnindustrie, dass Inhaber von Nutzungsrechten an großen Repertoires diese zur Zweitverwertung an betrügerische Abmahnkanzleien übergeben, um die Gewinne aus den Abmahnungen untereinander aufzuteilen. Dabei werden diese Gelder sogar häufig den eigentlichen Urhebern vorenthalten, da mit diesen meist nur Vereinbarungen über Umsatzbeteiligungen aus Verkäufen geschlossen wurden. Diese rechtliche Grauzone ist nicht länger hinnehmbar. Eingeschüchterte Abmahnopfer zahlen aus Scham und Angst vor weiteren Konsequenzen, ohne Einspruch zu erheben. So hat sich trotz medialer Empörung die Abmahnwelle ab dem ersten Tag für Kanzlei und Rechteinhaber gelohnt«,

ärgert sich Bruno Kramm, Themenbeauftragter für Urheberrecht in der Piratenpartei.

»Die sträflichen Versäumnisse des dritten Korbs des Urheberrechtes und eine Papiertiger-Regelung zum Abmahnstopp in der letzten Legislaturperiode sind eine Garantie für mangelnde Rechtssicherheit für die Verbraucher, steigende Internetverdrossenheit und digitales Analphabetentum in Deutschland«,

so Kramm weiter.

Die Piratenpartei fordert eine umfangreiche Reform des Urheberrechts.
Dazu gehört die grundlegende Freiheit zum nichtkommerziellen Kopieren im Netz und ein entsprechendes grundsätzliches Abmahnverbot.

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Kommentare

11 Kommentare zu Redtube: Weitere Leaks beziffern Einnahmen aus illegalen Abmahnungen

  1. Olaf schrieb am

    Ich denke es sollte hier endlich mal eine klare Linie durch den Gesetzgeber geschaffen werden was denn nun die Grenze von Legalität und Iligalität von zwischen gespeicherten Medien ist.
    Was die Abmahnungspraxis in Deutschalnd betrifft sollten ebenfalls wirklich Nützliche Änderungen eingbracht werden und nicht solche, die am Ende ja doch nichts bewirkten.. außer die Nutzer weiter dumm dastehen zu lassen… wie es dieses Jahr verabschiedet wurde.
    Entscheidend wäre, das die Abmahungen zweifelsfrei sein müssen. Heißt im Falle einer falsch getätigten Abmahung hat der Abmahner mit Geldstrafen zu rechnen. Das hätte folgende Konsequenzen.
    1) Der Abmahner müsste die Herkunft der Daten VOR dem Verschicken der Abmahnung prüfen und kann sie eben nicht einfach mal vertun und sich auf die Richtigkeit und rechtliche Sauberkeit seiner Informationen verlassen. Auch würde es die Verantwortung der Abmahnanwälte nicht auf die Tätigkeit der Gerichte Verlagern.
    2) Wenn der Anwalt eigenständig tätig ist .. denn ich glaube nicht das alle Anwälte tatsächlich Mandanten vetrehten sondern tatsächlich eigenmächtig handeln.. dann wäre die zur Geldbuße genötigten die Abmahnanwälte selbtst dran zu zahlen
    3) Da eine genauere Prüfung durch die Abmahner erfolgen muss, könnten eben mal nicht so einfach mehrere zehntausende Briefe rausgeschickt werden, denn im Falle eines falschen Verfahrens könnte es teuer für die Kanzlei und dessen Mandanten werden.

    Mal ganz abgesehen davon das in einigen anderen Ländern die Kosten für den Anwalt der die Abmahungen schreibt eigentlich immer der Mandant zu zahlen hat. Wäre das in Deutschland auch so hätte wir vermutlich diese ganzen Probleme erst garnicht. Wer würde denn jemanden anklagen wenn die Anwaltskosten höher sind als der eigentliche wirtschaftliche Schaden? Das steht in keinem Verhältnis.

    • Sal schrieb am

      Richtig! Ihr sprecht mir aus Seele. ich will mitglied werden !!!!!

  2. Heiko schrieb am

    So richtig verstehen kann ich diese ganze Aufregung um die Abmahnungen nicht. Wenn ich eine Straftat oder Ordnungswidrigkeit begangen haben sollte, dann obliegt es dem Staat (also den staatlichen Behörden), diese zu ahnden (Gewaltmonopol beim Staat). Anwaltspost mit Abmahnungen sind ein Fall für den Reißwolf.

    • Rimbert schrieb am

      Dem würde ich ja zustimmen, nur hat hier ein Gericht bereits beschlossen, zum Zweck der Anklageerhebung Daten an den Abmahn“anwalt“ herauszugeben.

  3. Heiko schrieb am

    Mir fällt gerade noch ein netter Gag ein: Wie wäre es eigentlich, wenn alle User der Welt der Kanzlei in Regensburg per E-Mail mitteilen, nie auf der den Abmahnungen zugrunde liegenden Webseite gewesen zu sein? Die scheinen doch in Regensburg eh nichts Vernünftiges zu tun zu haben und freuen sich bestimmt über möglichst viel Post…

    • Wolfgang schrieb am

      Mal ein Vorschlag an die Anwälte, die sich haufenweise im Internet anbieten, um Abgemahnten (natürlich gegen Pauschalgebühr) gegen die Abmahnansprüche „zu helfen“. Da werden durch die Malaise der Opfer teure Baustein-Widersprüche an die Abmahner gegen verdammt hohes Salär verschickt.
      Ihr könnt jetzt zeigen, ob ihr das mit der Hilfe gegen die Abmahner ernst meint oder nur in der Geldsuppe mitschwimmt. Tut euch zusammen oder macht euch einen Namen im Sinne der Abmahnhilfe und klagt gegen die Regensburger.

  4. Locke schrieb am

    Was für ein netter Gag soll das denn sein? Ich muß der Kanzlei überhaupt nichts erklären ! Aber ein eMail mit einem netten Gruß schicke ich doch. Dann haben sie auch was zum lesen und sind sinnvoll beschäftigt und haben (viel) Post.

  5. Sebastian schrieb am

    Wenn dieser Nachweis existiert, handelt es sich ganz klar um rechtsmißbräuchliche Abmahnungen, also gleich Anzeige erstatten.

  6. Felix schrieb am

    Es sollte endlich verboten werden Abmahnungen zu verschicken welche Forderungen enthalten die in keinem Verhältnis zur Tat stehen. Selbst wenn das alles rechtmäßig wäre was die Herren da veranstalten, wäre die Forderung immer noch komplett überzogen. Nur weil es ihnen so einfach gemacht wird dicken Reibach ohne Arbeitseinsatz zu verdienen und viele aus Angst bezahlen, können diese weiter ihre Masche abziehen. Ich hoffe das gibt einen massiven Denkzettel, damit nicht noch mehr gescheiterte Existenzen auftauchen und versuchen unbescholtene Bürger auszunehmen wie eine Weihnachtsgans. Dahinter steckt System.

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