Die Minister und Ministerien der #GroKo: »Immerhin wird Ursula von der Leyen nicht Internetministerin!«

Bild: CC-BY Tobias M. Eckrich

Zur Vergabe der Ministerposten und der damit einhergehenden teilweisen Neuordnung in den Ministerien erklärt Björn Niklas Semrau, Politischer Geschäftsführer der Piratenpartei Deutschland:

»Thomas de Maizière und Heiko Maas sind als Ministerduo für Inneres und Justiz sicher weniger spannungsgeladen als die Kombination aus FDP-Frau Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Sicherheitsbefürworter Hans-Peter Friedrich. Ob es dadurch besser wird, bleibt abzuwarten. Trotz solider Amtsführung war de Maizière in seiner ersten Amtsperiode als Innenminister durchaus ein Befürworter der personalisierten Internetnutzung und stärkerer Zensurmechanismen. Heiko Maas wiederum hätte wohl kein Problem damit, bestimmte Arten von Computerspielen zu verbieten, die als ›Killerspiele‹ stigmatisiert sind [1]. Man wird sehen, ob Thomas de Maizière das Innenressort aus dem unglücklichen Fahrwasser herausführen kann, in dem Hans-Peter Friedrich es in jeder Beziehung hinterlassen hat. Wir hoffen auf starke Impulse bei der anstehenden Islamkonferenz und auf ernsthafte Bemühungen bei der Aufklärung der NSA-Affäre. Der Koalitionsvertrag lässt hier allerdings nichts Gutes ahnen.

Dass der Verbraucherschutz jetzt dem Justizministerium zugeordnet wird, ist im Grundsatz zu begrüßen, auch wenn wir uns mehr gefreut hätten, dem Verbraucherschutz mit einem eigenen Ministerium endlich den Rang zu geben, den er in einer digitalisierten Welt verdient. Ein Großteil unseres heutigen Lebens findet im digitalen Datenraum statt. Dieser verdient einen besonderen Schutz. Gleichzeitig ist zu hinterfragen, ob klassische Verbraucherthemen wie Ernährung, Finanzen oder Gesundheit im Justizministerium gut aufgehoben sind.

Dass ein neuer Bereich ›Digitales‹ in der Liste der Ministerien auftaucht, freut uns. Es ist ein positives Signal, dass Netzpolitik als Thema präsent ist. Die Einordnung beim Verkehrsministerium ist jedoch befremdlich – schließlich ist das Internet mehr als eine ›Datenautobahn‹. Das Internet ist ein mit dem analogen Leben eng verwobener und dennoch eigenständiger Wissens-, Kultur und Gesellschaftsraum. Auch fällt die Einordnung ins Verkehrsministerium weit hinter dem von der Enquetekommission ›Internet und Digitale Gesellschaft‹ geforderten ständigen Internetausschuss zurück [2]. Digitale Themen sind immer Querschnittsthemen und brauchen dringend einen ständigen Ausschuss im Bundestag.

Immerhin gibt es bei der Besetzung des Verteidigungsministeriums eine erfreuliche Entwicklung: Mit Frau von der Leyen leitet zum ersten Mal eine Frau dieses Ressort. Die auch unter dem Namen ›Zensursula‹ bekannte Ministerin wird dort nicht allzu viele Möglichkeiten haben, ihre von intransparentem Lobbyismus geprägten Netzsperrträume umzusetzen.«

Quellen:
[1] http://politik-digital.de/heiko-maas-spd-die-welt-braucht-keine-killerspiele
[2] http://www.zeit.de/digital/internet/2012-11/bundestag-kommission-internet-ausschuss

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Kommentare

5 Kommentare zu Die Minister und Ministerien der #GroKo: »Immerhin wird Ursula von der Leyen nicht Internetministerin!«

  1. agtrier schrieb am

    So zynisch es klingt: als „Verteidigungsministerin“ kann v.d.L. in der Tat weniger Schaden anrichten denn als Internetministerin.

  2. Magnus schrieb am

    „… leitet zum ersten Mal eine Frau …“ find ich eine etwas befremdliche Aussage. So wie’s grad aussieht wär’s mir zB deutlich lieber gewesen wenn Dorothee Bär (ebenfalls bei der CSU) den Job als kombinierte Verkehrs-/Webministerin gekriegt hätte, statt jemand, der Webfragen nur von weitem gesehen hat.

    Obwohl natürlich nach wie vor die Freude groß ist, dass der Von-Der-Laie raus ist aus dem rennen :D.

  3. Jochen Heistermann schrieb am

    Mir gefällt der Kommentar sehr gut! Nicht einfach nur negativ und meckern, sondern mit Humor durchsetzt. Dass mit Zensursala beim Bund sehe ich auch so, dort kann sie immerhin wenig verbieten und die Bundeswehr mit mit oder ohne sie so weitermachen wie gewohnt.

  4. Thomas Pelk schrieb am

    Das Problem das uns (wahrscheinlich) bevorsteht ist, das Ursula von der Leyen beim nächsten mal als Bundeskanzlerin kandidieren könnte.
    Als Verteidigungsministerin wird sie nicht viel zu tun haben, kann ihre (unerklärliche) Beliebtheit ausbauen und sich schon einmal auf die Krönung zur „Mutti“ vorbereiten. Wobei sie meines Erachtens nach eher die böse Stiefmutter sein würde.
    Bleibt nur zu hoffen, das die CDU in ca. drei Jahren irgend einen Riesen Mist baut und die Bevölkerung es bis zu den Wahlen nicht vergessen haben wird.

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