Nocun: »Mobile Geräte für jeden Schüler? Ja – aber nicht als elektronische Fußfessel«

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte (CC-BY Sfisek)

Zu den Plänen der großen Koalition, jedem Schüler ein kostenloses mobiles Endgerät zur Verfügung zu stellen, erklärt Katharina Nocun, Politische Geschäftsführerin der Piratenpartei Deutschland:

»Investitionen in Bildung sind Investitionen in die Zukunft, und grundsätzlich sind Mehrausgaben zur Förderung der Medienkompetenz und der Bildung auch an der richtigen Stelle angelegt.

Wenn Schüler staatlich geförderte mobile Geräte erhalten sollen, muss allerdings zu 100 Prozent gewährleistet sein, dass diese nicht als Wanze oder elektronische Fußfessel missbraucht werden können. Eine Mindestanforderung wäre es, Smartphone oder Tablets ausgestattet mit freier Software und offenen Betriebssystemen flächendeckend an Schulen und in Bildungseinrichtungen einzuführen. Mehrausgaben für die Lehrerausbildung sind notwendig, um technisches Fachwissen und Medienkompetenz zu vermitteln. Wenn die Bundesregierung sichere technische Infrastruktur will, muss sie bereit sein in die entsprechende Technik zu investieren.

Die Bundesregierung wäre gut beraten, sich nicht auf Lobbydeals einzulassen und sich beim Thema Sicherheit auch einmal von Bürgerrechts- und Datenschutzorganisationen beraten zu lassen statt von großen Konzernen. Denn wer nach dem größten Überwachungsskandal dieses Jahrhunderts De-Mail nach wie vor als ›sichere Verschlüsselungsmethode‹ im Koalitionsvertrag verankern will, braucht offenbar selbst Nachhilfe in Sachen Medienkompetenz.«

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Kommentare

16 Kommentare zu Nocun: »Mobile Geräte für jeden Schüler? Ja – aber nicht als elektronische Fußfessel«

  1. t.f schrieb am

    Das sehe ich genau so.. nicht das es der wirtschaft dient um die jugend zu kontrollieren!!!!

  2. Anonym schrieb am

    Das ist eine jener „Piraten“-Stellungnahmen, die nach meinem Eindruck nur deshalb abgegeben werden, um wieder etwas gesagt zu haben. Es ist fehlgegriffen und wirkt auf mich albern, bei einem Thema, das zur Diskussion der tatsächlichen Bildungschancen-Gleichheit einlädt, ausgerechnet den Überwachungsaspekt in den Vordergrund zu stellen.
    Wo es hingegen um den konkreten, seit langem praktizierten Mißbrauch von staatlich-institutionellen Überwachungsmöglichkeiten geht (samt der zugehörigen Infrastruktur), habe ich noch nie etwas wirklich Hilfreiches von den „Piraten“ gelesen. Dabei sollte gerade das für Frau Nocun einfacher sein als für andere „Piraten“-Vertreter, kommt sie doch aus Niedersachsen. Aus Niedersachsen, wo die Überwachung privater Telefongespräche nachlesbar eine besondere Tradition hat und auch in der Gegenwart hier und da mit offener Freude zur Verfolgung und Schädigung Mißliebiger genutzt wird. Freundliche Grüße aus dem Landkreis Göttingen!

  3. Theo schrieb am

    Müsst ihr lange Weile haben. Helft doch mal bei örtlichen Tierschutzverein aus. Dann macht ihr was sinnvolles.

  4. Krömer schrieb am

    So ein Quatsch! Mit Gabel und Löffel essen lernen die Kinder auch nicht in der Schule. Telefonieren und Schlauphone zu nutzen hat Null mit Medienkompetenz (was ist das?) zu tun. Das sind Selbstläufer! Genau so wie das bedienen eines Rechners, auch der Quatsch gehört nicht in untere Klassen. Hatte vor 10 Jahren seine Berechtigung, heute nicht! Mal wieder richtig ohne EDV lernen, Rechnen ohne Taschenrechner usw….. der Rest ergibt sich automatisch. Diese Meinung wird inzwischen übrigens auch von anerkannten Klugscheissern so gesehen. Ach so, das gefasel der PP interessiert dabei übrigens niemanden.

  5. Leo Krokoschinski schrieb am

    Wie bitte?

    Plänen der großen Koalition, jedem Schüler ein kostenloses mobiles Endgerät …

    sind die nicht ganz frisch in der Omme? So weit kommt es noch. Von meinen Steuergeldern den verzogenen Gören ein Schlaufon zu finanzieren?

  6. Gedankenverbrecher schrieb am

    Ich denke in diesem Falle, dass Überwachung der Schüler nicht mal das vordringliche Problem ist. Obwohl – ausschließen will ich das in der aktuellen Situation auch nicht.

    Aber erstmal: Kann man das Geld, dass diese ‚elektronischen mobilen Endgeräte‘ kosten nicht lieber erstmal daihingehend investieren, dass die Schulen wieder ordentlich hergerichtet werden? Was bringt mir ein Tablett, wenn Winters die Heizung nicht hinhaut? Wenn Deckenpanele runterfallen oder die Oldscool-Schulbibliothek verwahrlost?
    Oder wenn Dutzende Stunden ausfallen, weil nicht genügend Lehrer vorhanden sind?
    Es gibt so viele Baustellen im Bildungsbereich, dass so eine bescheuerte Querfinanzierung der Hersteller erstmal gar nicht nötig ist.

    Will heißen – bevor ich mich über die potentielle Überwachbarkeit aufrege, frage ich mich lieber, ob die ganze Aktion nicht überhaupt nur ein Lobbyschachzug zur Gewinngenerierung ist.

    Gruß
    Gedankenverbrecher

  7. Ansgar Hone schrieb am

    Mobile Endgeräte für Schüler, na endlich. Deutschland nähert sich der Grundausstattung für Schüler afrikanischer Entwicklungsländer an.
    Das im Schulbereich neue Medien ihren Platz finden müssen ist bitter notwendig. Hierbei geht es mir nicht nur um den bisher bekannten unidirektionalen Verkehr von einem Lehrer zu Schülern und der normalen Wissensabfrage über das Internet. Auch sollte man an eine Vernetzung von Schülern im Intranet und auch im gesamten Schulbereich denken.
    Neben dem von unserer Partei immer wieder geforderten Open Access der auf Europa und Bundesebene eine Anpassung des Urheberrechts fordert fehlt es an Menschen, die die Umsetzung aller modernen Kommunikationsmöglichkeiten den Schülern vermitteln können. Das System von Lehrplänen, bei denen Lehrer zu Vollzugsbeamten der jeweiligen Landesbehörde angehören sind doch stammen wohl aus einer obrigkeitsstaatlichen Welt.
    Die im Artikel angesprochen Überwachung ist möglich, könnte aber gerätetechnisch anders gelöst werden. Man stößt hier nur an die Grenzen von Eltern, die heute schon Internetdienste über die Handyortung ihrer Kinder nutzen. Die legalen Mittel, die sich heute schon aus Schulrecht und dem bundesweit gültigen Kinder- und Jugendhilferecht ergeben sind deutlich erschreckender. Mit der Angst vor elektronischen Ortung fühle ich mich an das Bemühen eines Hausbesitzers erinnert, der seine Kellerfenster verschweißt, die Haustür ausgehängt hat und alle Fenster der Erdgeschosses weit geöffnet hat.

  8. Clemens Kucklick schrieb am

    das waere Teil einer wichtigen Neuerung in Schulbildung. sich dazu (nur) als Datenschuetzer zu profileren, ist duerftig. ck

  9. Anonymous schrieb am

    Im Augenblick sieht die Situation noch so aus, dass die Schulen bei den neuen Medien tüchtig versagen. Die Realität sieht so aus:

    1. Die Nutzung digitaler Speichermedien auf dem Schulgelände ist verboten. Wer sich nicht daran hält, wird vom Lehrkörper angepöbelt, der zu diesem Vorgehen verpflichtet ist.
    2. Die Schulbücher gibt es nur auf Papier und nicht als ebook, was zu einer ziemlich schweren Schultasche führt.
    3. Die Schüler lernen in der 1. Klasse nicht das 10-Finger-Schreiben, obwohl heutzutage nur noch zu 49% mit dem Stift geschrieben wird.
    4. Die Schulnetze werden von inkompetentem Personal administriert, dass zwar weiß, wie man X oder Y tut, aber nicht im Stande ist zu verstehen, dass die Einrichtung der Schülerrechner sich nach den Bedürfnissen der Schüler zu richten hat.
    5. Privatlaptops kommen nur nach einer Mehrstündigen Konfigurationsorgie ins Schulnetz, die fortgeschrittene Fachkenntnisse erfordert.

    Bevor wir hier anfangen, Geld zu investieren, hätte ich ein paar pragmatische Vorschläge, die kein Geld kosten würden:
    1. Hört auf, das Netz zu filtern
    2. Ermöglicht den Zugriff aufs Internet ohne Proxy, damit ich auch SSH benutzen kann, ohne erst Howtos auf gesperrten Seiten lesen zu müssen.
    3. Bringt den Schülern das Schreiben bei.
    4. Die Lernmittelbücherei soll neben den DTF-Büchern auch ebooks anbieten (Alternativ: Alle Bücher einscannen und auf Pirate Bay hochladen)
    5. Das Handyverbot kippen
    6. Die Schul-IT von kompetentem Personal administrieren lassen. Z. B. von Schülern der höheren Jahrgänge, denn die können die Bedürfnisse ihrer Mitschüler am besten beurteilen.

    Wenn das umgesetzt ist, könnten wir darüber nachdenken, die Schüler mit Leihgeräten auszustatten.

    • Ansgar Hone schrieb am

      Ahoi,
      alles was Du sagst kann ich nur unterstützen. Unbehagen macht mit nicht nur das „offizielle“ Denken sondern auch das Denken in den Köpfen der Parteimitglieder.

  10. Tobias Frage schrieb am

    Unsere Schulen werden doch nur mit mobilen Endgeräten nicht besser. Das Dilemma des Schulsystems liegt ganz woanders. Hoffentlich nimmt kein Medium diese Meldung auf.
    Apropo Medienkompetenz: Die bekomme ich doch nicht, bloß weil über ein Tablet verfüge!!!!
    Schon bei den Schulen, die heute It Unterricht anbieten wird keine Medienkompetenz vermittelt, sondern nur Microsoftanwenderwissen und bestenfalls das 10-Fingersystem.

  11. Grimnir schrieb am

    Erstmal ist Bildung Ländersache, d.h. der Bund ist nicht zuständig. Wenn Großkoalitionäre sowas vorschlagen ist sichergestellt, dass es für die Schüler völlig nutzlos ist, aber sich die Lieferanten daran eine goldene Nase verdienen. Dies wird dadurch sichergestellt, dass Beschaffungen dieser Größenordnung europaweit ausgeschrieben werden müssen. Außerdem kann ich keinen Sinn für den Schulunterricht erkennen. Nerviges Handy-Gebimmel und Gepiepse im Unterricht ist jetzt schon ein Problem, das einige Lehrer zu drastischen Maßnahmen greifen lässt. Bevor man Herstellern einen sicheren Absatzmarkt garantiert, sollten daher vielleicht auch mal die Lehrervertreter konsultiert werden. Auch der sich bereits im Einsatz befindliche Grafiktaschenrechner hat nicht nur positive Aspekte. Krass ausgedrückt, lernen die Schüler nur noch, wie man dieses Ding bedient, das Verständnis für Mathematik bleibt dabei leider auf der Strecke. Der Einsatz noch komplexerer IT in der Schule ist ein Thema für sich. Es wird massenhaft Geld für teure Technik ausgegeben, die nachher nicht benutzt werden kann, da nichts auf Anhieb funktioniert und bei Problemen erstmal geklärt werden muss, wer zuständig ist.

    Smartphones werden leider auch dazu benutzt, damit Videos sich prügelnder oder kopulierender Mitschüler an der ganzen Schule verbreitet werden können. Die Verbreitung dieser Inhalte ist teilweise strafbar. Solange die Schüler ihre eigenen Geräte dazu verwenden, können Lehrer dabei auch wegschauen. Bei schulischen Geräten geht das nicht mehr. Und schon geht das Gerangel um Zuständigkeiten in die nächste Runde. Die Gerätehersteller haben den Profit, die Lehrer den Stress.

  12. Nordpirat schrieb am

    Schade dass in diesem Beitrag nicht die digitale Kompetenz der Partei genutzt wurde, so hätte sich eine objektiv falsche Aussage wie „… Smartphone oder Tablets ausgestattet mit freier Software und offenen Betriebssystemen flächendeckend…“ vermeiden lassen können.

    Denn mal abgesehen von Mozilla Firefox, deren Projekt noch im Versuchsstadium und in DE nicht zu haben ist, gibt es für Smartphones und Tablets so etwas schlicht nicht, siehe auch http://www.spiegel.de/netzwelt/apps/google-verstaerkt-seine-android-kontrolle-a-935568.html

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