Martin Kliehm: DRM-Schutz in HTML5 blockiert den freien Markt und Innovationen

Bild: Tobias M. Eckrich

Das Webstandardisierungsgremium World Wide Web Consortium (W3C) hat sich entschieden, einen internationalen Webstandard für das Digital Rights Management (DRM) in HTML5 zu entwickeln. Mit dem Beschluss kommt das W3C, in dem unter anderem Apple, Google und Microsoft Mitglied sind, dem Wunsch US-amerikanischer Rechteinhaber nach, Video-Inhalte auch in Browsern für die freie Nutzung einzuschränken oder zu sperren.

Die Piratenpartei Deutschland warnt das W3C ausdrücklich, eine technische Entscheidung über die zukünftige Ausgestaltung des DRM im Netz vor der politischen Entscheidung zu treffen. Gleichzeitig setzen sich die PIRATEN auf europapolitischer Ebene für eine verbindliche Verpflichtung von Unternehmen ein, Digital Rights Management ausschließlich Open-Source-basiert zu entwickeln.

»Viele Zugriffsbeschränkungen des DRM funktionieren im weltweiten mobilen Web nicht mehr. Teilweise verstoßen sie sogar gegen internationale Abkommen wie z. B. den WIPO-Vertrag von Marrakesch, der blinden Menschen Nutzungsrechte ohne technische Hürden einräumt. Auch gefährdet DRM im Browser innovative Weiterentwicklungen wie Open-Source-Player sowie den effektiven Schutz vor Zensur und Zugriffen von Geheimdiensten. Bevor wir die Büchse der Pandora öffnen – denn andere Medieninhalte werden definitiv folgen – brauchen wir dringend eine Lösung auf europäischer Ebene. Ohne Open Source ist nicht nachvollziehbar, was die Software auf meinem Videochip macht, ob sie mich ausspioniert, nach Hause telefoniert zu Microsoft, BND oder NSA – wir wissen es nicht. Außerdem werden alternative Player wie VLC, aber auch Nutzerinnen und Nutzer von Linux ausgesperrt. Das Web darf als offene Plattform zum Lernen und für innovative Geschäftsmodelle nicht gefährdet werden«,

so Martin Kliehm, Fraktionsvorsitzender der PIRATEN im Frankfurter Stadtparlament und Invited Expert in der W3C-HTML-Arbeitsgruppe.

Das Büro der EU-Abgeordneten der PIRATEN Amelia Andersdotter lädt am 15. Oktober 2013 von 11:00 bis 13:00 Uhr unter dem Titel »Technology Making Law« zu einer Podiumsdiskussion zum Digital Rights Management (DRM) im Europaparlament in Brüssel ein. Neben Andersdotter und Kliehm werden Jonas Smeedegard von Debian und der Tech-Journalist Glyn Moody auf dem Podium sitzen. Weiterhin angefragt sind Vertreterinnen und Vertreter der Europäischen Kommission, von Google und Mozilla. Die Veranstaltung wird per Livestream übertragen.

Quellen:
[1] Auszug aus der Mailingliste des W3C: http://lists.w3.org/Archives/Public/public-html-admin/2013Sep/0129.html
[2] Veranstaltungsankündigung auf der Seite von Amelia Andersdotter mit Hintergrundinformationen zum Thema: https://ameliaandersdotter.eu/2013/10/13/drmeme-html5-american-thing
[3] Livestream der Podiumsdiskussion: http://www.justin.tv/exile_6e

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Kommentare

11 Kommentare zu Martin Kliehm: DRM-Schutz in HTML5 blockiert den freien Markt und Innovationen

  1. Poppelkotzer schrieb am

    Man kann das DRM doch sicherlich zweckentfremden um damit content so zu verschlüsseln das er nicht mehr abgehört werden kann. z.B. sicher verschlüsseltes filesharing welches sich dann nicht mehr via DPI auslesen oder die art der getauschen files herausfinden lässt.

    Also warum nicht das offene DRM so einbinden das damit sicheres filesharing möglich wird ?

  2. Idee schrieb am

    http://adage.com/article/global-news/marketers-hit-tough-data-laws-eu/244674/
    „The battle between big data and individual privacy will be put in the spotlight on Oct. 21 when the European Parliament votes on the introduction of the harsh new Data Protection Regulation.“

    Das EU-Parlament stimmt am 21. Oktober 2013 über neue Datenschutzregelungen ab. Ein ambitioniertes Vorhaben, wenn es um die Geheimdienste geht, denn das EU-Parlament veranstaltet erst Anhörungen, um die Tragweite zu verstehen:
    Bowden:
    http://www.youtube.com/watch?v=qa83l2_ZzEo
    Whistleblowers:
    http://www.youtube.com/watch?v=cB0-6Wic5qs
    Belgacom – GCHQ:
    http://www.youtube.com/watch?v=ayR6CAuNE4w

    Falls die neuen Datenschutzregelungen auch die neuen DRM Standard in HTML 5 umfassen, kommen die „Supercookies“ der Geheimdienste und der Unternehmen wie Microsoft, Google und anderer ebenso in Betracht:
    „NSA documents published by the Guardian earlier this month appear to postulate that cookies set by the pervasive Google-owned ad network DoubleClick could be used to spot internet users who also use the Tor anonymity system.“
    http://www.wired.com/business/2013/10/private-tracking-arms-race/

    Diese „Cookies“ werden aber schon bald als überholt gelten, wenn die Touchscreens der Geräte entsprechende ausgewertet werden:
    „Stealthy technique fingerprints smartphones by measuring users’ movements
    Accelerometer sensor-based tracking could one day work in place of browser cookies.“
    http://arstechnica.com/security/2013/10/stealthy-technique-fingerprints-smartphones-by-measuring-users-movements/

  3. Warzenschweineli schrieb am

    Kann man das DRM nicht verwenden um verschlüsselt zu kommunizieren ?, is vielleicht sicherer als das normale SSL ? z.B. fürs Filesharing.

    • agtrier schrieb am

      Ich glaube nicht, dass DRM „sicherer“ ist als „normale“ Verschlüsselung. Bisher ist noch jedes DRM-System irgendwann ausgehebelt worden, während asymetrische Verschlüsselung (mit entsprechender Schlüssellänge) immer noch als sicher gilt.

      • Idee schrieb am

        Die Schlüssellänge ist nicht mehr so entscheidend, da auch 100x der Buchstabe „a“ nichts nutzt. Man arbeitet gerade dabei gerade die Sonderzeichen und die Slangwörter, die man so in den sozialen Netzwerken gebraucht, in die „Knack“-Datenbank einfließen zu lassen. Es gibt immer den Dual Use auch für DRM Systeme. Wer legal irgendwelchen Content im Internet ankucken und beziehen kann, dessen Rechner ist auch von Interesse. Man will doch zu gerne diesem Nutzer über die Schulter kucken und sehen, was er sieht oder sich bereits angesehen hat, die Fähigkeiten dieses Rechners „ausnutzen“.
        Ach Moment, das machen doch bereits schon die Geheimdienste. *eg*

  4. Udo schrieb am

    Wegen DRM mache ich mir für die Zukunft wenig Sorgen. In den 80’er Jahren wurde die Audio CD eingeführt. Mit Aufkommen von CD-Brennern in den 90’ern wurde proprietärer Audio CD Kopierschutz auf die CDs gepresst. Das führte dazu, dass solche CDs in Computern und Autoradios nicht abgespielt werden konnten. Heute werden Audio CDs wieder ohne Kopierschutz produziert. Auch was die Verbreitung von Videos oder Ebooks einschränken soll, wird aus wirtschaftlichen Gründen irgendwann wieder verschwinden. Im Übrigen ist erst kürzlich Adobe, ein wichtiger DRM-Anbieter gehackt worden.

  5. annonym schrieb am

    Wenn ihr weiterhin mit solchen unrealistischen Forderungen kommt, mit der ihr euch jegliche Seriösität verspielt. Wird euch niemand mehr wählen.
    1. Das 1000 Euro BGE würde den Staat in wenigen Monaten in den Bankrott treiben
    2. Die Legalisierung aller Drogen würde die Straßen komplett unsicher machen, mit all den Drogenjunkies die an jeder Ecke sich berauschen würden
    3. Die Polygamie würde die Gesellschaft in ein komplettes anarchisches System verwandeln
    Wenn ihr Ansatzweise die Chance haben wollt, gewählt zu werden, solltet ihr diese 3 Punkte aus eurem Programm streichen.

    • Idee schrieb am

      Genau, wir kümmern uns um Transparenz, Datenschutz und vor allem um die Urheberrechtsreform. Das sind genau die drei Themen, die jeden Journalisten und Verleger uns zum Staatsfeind werden lässt.
      Wenn wir Transparenz fordern, gibt es keine „Skandale“ mehr, über die berichtet werden kann, weil es ja schon alle wissen (könnten).
      Wenn wir Datenschutz fordern, dann stehen die Medien in der Zwickmühle, obwohl ihnen der Informantenschutz nur Recht käme.
      Wenn wir die Urheberrechtsreform fordern, entziehen wir auch den Medien/Verlagen/Autoren/Verwertungsgesellschaften dauerhaft ihr jetziges Geschäftsmodell.
      Du kannst also sagen, was Du willst, Piraten ecken überall an. :)

      • a schrieb am

        Am besten gleich ihr lösst euch ganz auf und gründet eine neue, reine Datenschutzpartei.

      • a schrieb am

        Am besten ihr löst euch gleich ganz auf und gründet eine neue, reine Datenschutzpartei. Und zwar diesmal eine mit einem ernstzunehmenden Namen.

  6. Anonymous schrieb am

    DRM ist kein Schutz! Schutz ist etwas positives, etwas das man sich wünscht. Digital Restrictions Management ist das Gegenteil davon.

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