PIRATEN: »Wir fordern eine Urheberrechtsreform!«

Bild: Tobias M. Eckrich

Auf einer Pressekonferenz in Berlin hat die Piratenpartei Deutschland heute ihre Forderungen im Bereich des Urheberrechts erneuert.

Der Interessenausgleich zwischen Urheber und Nutzer stehe im Vordergrund der Urheberrechtsreform der Piraten, erläutert Bruno Kramm, Bundesbeauftragter für Urheberrecht und Bundestagskandidat der PIRATEN aus Bayern. Das geltende Urheberrecht stoße auf neue Herausforderungen im digitalen Wandel gerade hinsichtlich des Post- und Fernmeldegeheimnisses im Grundgesetz. Die Instrumente der Überwachung seien die gleichen wie bei der Verfolgung von Urheberrechtsverstößen. In der heutigen Pressekonferenz verwies Kramm auf eine von den PIRATEN unterstützte Aktion, die auf die desolate Urheberrechtslage im digitalen Zeitalter aufmerksam macht:

»Der angekündigte Filesharing Flashmob der Church of Sharing Cloud steht für die Freiheit von Wissen und Kultur im Internetzeitalter. Wir begrüßen innovative Aktionen, wie diese. Die Abschaffung der Störerhaftung und die Legalisierung des Filesharing sind Grundpfeiler der Wissensgesellschaft von Morgen, die einen maximalen Schutz der Privatsphäre gewährleistet.«

Auch im Bildungsbereich liege einiges im Argen:

»Lehrer machen sich nach geltendem Urheberrecht strafbar, wenn sie ihren Schülern Medienkompetenz vermitteln und Inhalte aus Lehrmitteln kopieren, das geht so nicht weiter!«

Die freie Verfügbarkeit von Wissen unter einer umfassenden Open Access Regelung und die Pflege von kulturellem Erbe von Literatur und Musik ohne komplizierte Lizenzmodelle, die in den seltensten Fällen den Urhebern zu Gute kommen, stünden für die Piratenpartei im Vordergrund, so Kramm.

»Sammlungen wie das Liederbuch der Musikpiraten oder die Ebersberger Liedersammlung [3] stellen einen wichtigen Beitrag zur Pflege einer aktiven Commonsszene dar.«

Die Abschaffung der Störerhaftung würde ihren Teil zu einer längst überfälligen Breitbandinitiative in Deutschland beitragen. Ländliche Regionen seien von der Internetrevolution abgeschnitten. Kramm ist der festen Überzeugung:

»Der Wirtschafts- und Wissensstandort Deutschland kann sich diesen digitalen Analphabetismus nicht leisten!«

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Kommentare

11 Kommentare zu PIRATEN: »Wir fordern eine Urheberrechtsreform!«

  1. Und wie sollen die Urheber entlohnt werden wenn filesharing legalisiert wird ?

    Bevor man also solche Forderungen stellt sollte man diese Frage beantworten können, nur dazu findet sich nix belastbares im Programm. Irgendwer muss es ja am Ende bezahlen, muss ja nicht durch den Markt durch Verkauf von „Geistigem Eigentum“ sein.

    Auch eine Kollektive Entlohnung wäre ja denkbar, nur da höre ich derzeit von den Piraten keine sinvollen Vorschläge.

    • gedankenverbrecher schrieb am

      Kulturflatrate war ein Vorschlag – d.h. eine Abgabe ähnlich der Rundfunkgebühr, die eine Entlohnung mit einschließt.
      Bzw all die Gebühren die man z.Z ohnehin schon entrichtet (Stichwort Urheberrechtsabgabe auf CDs, Druckerpapier, Player, USB-Sticks und Speicherkarten) einfach mal an die Kulturschaffenden auszahlen, anstelle sie als Gewinn mitzuverbuchen…

      Gruß
      Gedankenverbrecher

    • Otto Normalbürger schrieb am

      Frag doch mal Bruno wie das geht. Der schafft es auch so, weil er:
      1) gute Musik macht
      2) treue Fans hat (ich z.B. habe jede seiner Platten im Original… und ich kenne etliche mehr die das genau so halten…)
      3) sich keinem Mainstream-Label verkauft hat

      Wenn du ein Problem hast liege es wohl daran, dass du:
      1) keine gute Musik/ keine guten Werke machst
      2) keine treuen Fans hast, denn auch diese muss man sich erarbeiten
      3) dich einem Mainstream-Label verkauft hast; denn je größer die Firma, desto mehr Geld geht für Verwaltungskosten drauf und kann nicht mehr weitergegeben werden.

      Es ist doch positiv wenn schlechte und gehypte Musik dank filesharing so bezahlt wird wie sie es verdient – nämlich nicht. Möglicherweise kommt irgendwann sogar gute Musik ins Radio, auch das wäre dann filesharing zu verdanken….

    • DP (kein pirat) schrieb am

      In einer Marktwirtschaft muss eben jemand, der Profit machen will, selber herausfinden wie er das tun kann. Diese Erwartungshaltung „Ich bin Urheber, nun entlohnt mich mal!“ ist die falsche Herangehensweise.

      Die Gesellschaft kann zwar nach Möglichkeiten suchen, es den Urhebern einfacher zu machen und so dass Schaffen von Kunst und Kultur zu fördern, aber das ist keine Selbstverständlichkeit. Und das jetzige Urheberrecht geht mit seinen Einschränkungen von Grundrechten und persönlichen Freiheiten entschieden zu weit, während seine Nutznießer hauptsächlich Verwerter und nur indirekt und bruchstückhaft die eigentlichen Urheber sind; es blockiert und behindert mehr als es fördert und verfehlt damit seinen Zweck komplett.

      • Just Another Blogger schrieb am

        Hört sich sehr nach neoliberalem Extremismus an. Arbeit muss bezahlt werden, alles andere ist Ausbeutung und Diebstahl !!

      • nachdenker schrieb am

        Wuerdest dur gerne fuer 10000 euro eine Alarmanlage kaufen muessen damit niemand die Bank nebenann ueberfaellt ?
        So ist es mit Stoererhaftung und Abmahnwahn ! NUR dadurch werden millionen freie WLAN verhindert !
        Nur deshalb brauchen die 33 Millionen deutschen Smartphones
        ( http://de.statista.com/statistik/daten/studie/198959/umfrage/anzahl-der-smartphonenutzer-in-deutschland-seit-2010/ )
        eine Flatrate, die kostet mindestens 10-20 euro im Monat …
        also 3,9 – 7,9 Milliarden Euro jaehrlich die wir deutschen mindestens zahlen damit Anderen ein bisschen weniger Musik + Filme geklaut werden !
        Wenn man dann noch mit einrechnet wieviel kleine Restaurants Baeckererien usw gerne mit freiem wlan leute anlocken wuerden …
        Wieviel mehr ggf gekauft wuerde wenn wir diese Milliarden noch „in der Tasche“ haetten …
        Und was mehr an Freiheit uns alle spontaner und zufriedener machen wuerde wenn nicht jeder
        fuerchten wuerde fuer immer vorgeworfen zu bekommen was er mal im internet gesagt hat …

  2. Tom schrieb am

    Noch vor einiger Zeit wollte ich die Piraten wählen, doch – sorry, dümmere Argumente habe ich selten gehört bzw. gelesen. Mit „gute Musik machen“ hat es absolut NICHTS zu tun, wenn zwei Tage nach einem Release bereits sämtliche Songs in allen Tauschbörsen und File Sharing Portalen dieser Welt zu finden sind (wer ernsthaft glaubt so etwas passiere nur, weil man „schlechte Musik“ macht oder keine „treuen Fans“ hat, sollte zur Abwechslung mal sein Gehirn aktivieren). Aber klar: Grosse Töne spucken kann man locker, wenn man selbst nicht betroffen ist. Fakt ist: Ein mir bekanntes Projekt hatte bereits vor dem Start hunderte Fans auf sozialen Netzwerken, die Titel wurde tausendfach angeklickt – und trotzdem gibt es Dank File-Sharing so wenig Verkäufe, dass nicht einmal die Upload-Kosten bezahlt sind. Von irgendwelchen Einnahmen ganz zu schweigen! Nein, die „Fans“ rühmen sich (ganz im Sinne der Piraten), dass alles „frei“ zu sein hat – natürlich auch das, was andere produzieren.
    Sorry Piraten, aber die Ausbeutung und das Sich-selbst-bereichern an der Arbeit anderer, ohne auch nur einen Cent dafür zu bezahlen, hat nichts, aber auch gar nichts mit digitaler „Kultur“ zu tun, sondern ist einfach gemeine Abzocken! Niemand – und zwar absolut niemand, nicht einmal die Piraten – können von „nichts“ leben, doch so lange Ihr und die Befürworter dieser tollen Theorien nicht selbst betroffen seid werden Ihr es weder kapieren, noch verstehen.

    • Otto Normalbürger schrieb am

      Und wieder liest man hier ein Hilfe, Hilfe, ich bin zu schlecht um mit „meinem Projekt“ mein Leben zu finanzieren. So what, andere in der selben Branche haben das Problem nicht. Die Piraten diskutieren wie man es den Urhebern leichter machen kann und haben einige Lösungsansätze schon mal ausformuliert. Aber wenn man dann liest wie die XYZ-Prominenz anfängst zu jammern, dass ihr Geschäftskonzept nicht mehr aufgeht… tja da wünscht man sich, dass an der aktuellen Lage sich gar nichts ändert, so dass so genannte Kulturschaffende, die weder mit Kultur noch mit schaffen etwas zu tun haben so schnell wie möglich aussteigen.
      Zu deinem Projekt… social-Media Freunde sind keine Fans. Es ist ein Anzeiger für die maximal erreichbare Verkaufszahl. Fans erreicht man über lange Jahre der Arbeit, nicht dadurch, dass man alle Leute zählt die die Werbung sehen und sich dann wundert. Wenn die Songs in allen Portalen ist hat das Projekt – und das nach nur zwei Tagen – ja einen unglaublichen Erfolg errungen. Ich denke die streng limitierten Vinyl-Platten mit Unterschrift und zwei bis drei Gimmiks sind bereits Restlos in der Fanbase versteigert! Wie nicht dran gedacht? Aber die Tapes habt ihr verkauft? Crowdfunding betrieben? Nein? Aber die Locations für die Konzerte sind bereits restlos ausverkauft? Nicht dran gedacht? Keine Marketing-Ideen gehabt und gedacht – die GEMA macht das schon, tja, so funktioniert das nicht. Es gibt tausende von Möglichkeiten, man muss sie nur ergreifen. Was nicht mehr funktioniert ist eine Kopie zu verkaufen wenn Menschen das Original haben wollen. Oder möchtst du den Ausdruck eines Photos eines Croissants essen?

  3. Dennis schrieb am

    Du siehst dir doch bestimmt auch Videos auf Youtube und co an oder? Also bist du daher kein stück besser als die, die du runter machen willst. Pack dich an deiner eigenen Nase bevor du über andere urteilst.

  4. Deborah schrieb am

    Wie würde sich das auf die Bildende Kunst auswirken? Momentan kann ich Rechte an meinem Bild z.B. an Firmen verkaufen, die könnten es dann für ihre Werbung verwenden. Wäre mein Bild frei nutzbar für jeden, könnte jeder mein Bild verwenden (klar macht das Werbung für mich, gut) und die Firma wird nicht mehr mit meinem Bild verbunden. Rechtsradikale könnten mein Bild für ihre Zwecke verwenden. Will ich mit Rechtsradikalen in Verbindung gebracht werden? Nein.

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